Weblog von hildegard maike

10.06.2005 um 13:05 Uhr

Meine Patientenverfügung

Stimmung: wach und selbstbestimmend
Musik: Mozart

Ich habe schon als Kind die gleiche Meinung vertreten, nämlich, daß  ich  meinem Leben nicht unbedingt Jahre geben möchte, sondern  Qualität.

Lebensqualität empfinde ich aber nur dann, wenn ich weder an medizinische Apparate angeschlossen werde, noch wenn ich von anderen Menschen versorgt werden muß, dennLeben bedeutet für mich Freiheit in all meinen Entscheidungen und  keinesfalls Fremdbestimmtsein in meiner geistigen und körperlichen Befindlichkeit. So erwarte ich  in jedem Falle, daß meine Patientenverfügung verlässlige Grundlage für das ärztliche Handeln bildet.

Im Falle eines Hirntodes möchte ich in jedem Falle "abgeschaltet" werden, bei Unfall oder Krankheit, die eine Intensivbehandlung erfordert, will ich keinesfalls mittels Apparaturen am Leben erhalten werden. Ich möchte keinesfalls eine Magensonde, künstliche Ernährung etc, auch keine Intensivmedizin.  Im Falle eines Wachkomas sofortige Abschaltung der lebenserhaltenden Apparaturen.

Ich möchte lediglich Schmerzstillende Medikamente, falls ich körperliche Schmerzen erleide.

Daß dies mein ausdrücklicher Wunsch ist, bestätigt mein Bruder, Mag. Oswin Pessl, Thalerstraße 16, Ternberg, alle Verwanten und Bekannten.

Bei evt. Demenz ebenfalls keine lebenserhaltenden Maßnahmen.

 

 

Wien, am 10. 6. 2005

 

 

 

07.06.2005 um 00:07 Uhr

Die Barke

Stimmung: wemütig
Musik: Chopin

Das große tiefe Meer schläft

Nur deine kleine Barke

Hat sich leise gewendet.

Die Sonne füllt dein Schiff mit Gold

Und entläßt dich in den Abend

Wo das Gewicht der Tage

Die Dunkelheit vergrößert.

01.11.2004 um 08:48 Uhr

Ein perpetuum morte

Stimmung: nachdenklich
Musik: Liszt

Der alte Wasserturm steht noch immer am Dorfanger vor dem Marlies mit den Jungs aus ihrer Klasse nach dem Unterricht wilde Schneeballschlachten austrug und es gab dabei nicht selten blutige Köpfe. Hinterhältig wie sie damals schon waren, versteckte der eine oder andere in seinem Wurfgeschoss kleinere Steine. Marlies kann heute auf Anhieb im Zollerpark noch jenen Baum zeigen, an dem sie Elmar, ihre erste Kindergartenliebe, beim Indianerspiel zwecks Marterung, fesselten.

Die Kulisse blieb fast unverändert in den über drei Jahrzehnten, die sie hier noch manchmal ihre Wochenenden verbringt. Nur die Menschen, die für sie dazugehörten, wie die Gebäude, die Bäume und Wiesen,- sie haben sich verändert. Wie auch Marlies sich verändert hat.

Menschen werden im Laufe des Lebens zu Karikaturen ihrer Jugend. Mühsam restaurierte Ruinen, die gegen den Verfall kämpfen ohne es zuzugeben. Aber sie glätten nur die aufbrechenden Sprünge. Viele Menschen von damals sind verschwunden, als hätte es sie nie gegeben. Bei manchen fragt sie sich ernsthaft, ob es sie wirklich gegeben habe. Übergangslos ging und geht alles weiter. Vielleicht mal ein kurzes Innehalten beim Hören einer Todesnachricht. Der??? Die???.. Aber ich habe sie doch unlängst.... Einer Apparatur gleich, die angehalten wird, um einen neuen Bestandteil eingebaut zu bekommen. Doch dann wieder auf vollen Touren und vor allem rücksichtsloser als zuvor. Nur nicht daran denken. Ein perpetuum morte. Fotos konservieren das Leben oder den Tod. Marlies betrachtete ein Bild. Das von der Allee mit den Kastanienbäumen. Durch diese Allee ging ihre Mutter mit ihr und dem kleinen Hund, wenn sie in den Kindergarten gebracht wurde. Ein Ziegelbau, weiß verfugt, vorne mit einem Kirchturm - wie die Klötze ihres Baukastens.

Vor ein paar Tagen stand Marlies wieder vor einem dieser Alleebäume. Damals waren die Stämme nicht viel sträker als ihr Oberarm, heute kann sie diese kräftigen Bäume nicht mehr umfassen. Sie stand also da, ihre Arme um einen Baum gelegt und den Blick hinüber zum Kindergarten. Es waren Kinder dort und sie war mitten unter ihnen und baute mit ihnen einen Sandburg. Sie sah das Gesicht eines kleinen Mädchens mit Ponyschwanz vor ihr, das einmal sie gewesen war. Es fiel ihr nicht schwer, dorthin zurückzukehren. Es war ja nur ein Umstülpen, ohne daß sie dabei eine andere wurde. Täglich bekam sie von ihrer Mutter eine Banane mit, die ihr ein größeres Kind schälte. Für diese Hilfe biß es ihr dann die Hälfte der Banane ab. Eine Zeitlang band ihr Gregor die Schnürriemen und später hatte sich Elmar in den Kopf gesetzt, ihr eine Masche beizubringen. Zwei Riesenschleifen, die miteinander verknüpft wurden.

Elmar und Gregor. Sie stand schon damals zwischen zwei Männern. Marlies liebte beide und konnte sich für keinen von ihnen wirklich entscheiden. Aber wer versteht schon den Anderen? Die einen gehen, die anderen kommen. Keiner vermag sich festzuhalten. Jeder Kieselstein ist uns in dieser Hinsicht überlegen. Aber vielleicht ist das ja gut so? Dieses Leben schüttelt uns ab wie das Pferd seinen Reiter beim Rodeo. Wie jeden Morgen öffnete eine dicke mütterliche Krankenschwester geräuschvoll das Fenster. Von ihrem Bette aus sah Marlies die schroffen Felszacken der Berge und darüber einen grauen Himmel. Ihr war das Zeitgefühl verloren gegangen.Früher hatte Marlies selten geweint. Jetzt hat sie oft Angst, damit aufzuhören, so sehr erleichterte es sie. Ohne jeden Grund dachte sie und spürte, wie ihr die Tränen fast krampfartig kamen. "Nimm dich zusammen", sagte Gregor, ihr behandelnder Arzt freundschaftlich. Einst war er ihre große Kindergartenliebe, später ein lieber Freund. "Ach Gregor, mir ist alles so gleichgültig geworden. Ich habe aufgehört zu kämpfen oder mich nach irgend etwas zu sehnen" sagte sie. Aber das war nicht wahr, denn Marlies sehnte sich mehr und mehr nach einem Ort, der die Macht hat, die Eile derjenigen, die ihn finden, in Geduld und Gelassenheit verwandeln zu können. Einen Ort, der anzieht. Langsam spürt Marlies die Zeit nahen, die Furcht vor Veränderungen hinter ihr zu lassen. Einen magischen Wendepunkt, der ihr Kraft gibt, einen Koffer zu packen um wegzufahren. Marlies vertraut darauf, den Platz zu finden, der auf sie wartet. Manchmal betritt sie heute ein kleines altes Cafe, blickt auf ein Grlas Rotwein, das sie bestellen wird und dann nur noch auf den Lärm in ihr selbst hören wird. Auf das Echo ihres Lebens, das sie irgendwann hinter ihr lassen wird.

25.06.2004 um 13:14 Uhr

Letzte Orte

Stimmung: gedämpft
Musik: H-Moll Symphonie, Schubert

Letzte Orte

 

Gedankenschwärme

Fressen die Schädeldecke kahl

Letzte Orte

Lösen ihre Wurzeln.

Wehen fort.

Jage mir nach

Und versäume mich.

QuecksilberRot

ZinnoberRot

Zersetzende Atmosphäre

Nur ein schwarzer Punkt.

Noch unerreichbar:

    Das ICH.

25.06.2004 um 12:51 Uhr

Wer nicht weiß, in welchen Hafen er will, für den ist kein Wind der richtige (Seneca)

Stimmung: nachdenklich
Musik: Schubert

Immer schon hat mich dieses Zitat von Seneca zum Nachdenken angeregt und ganz besonders für meine persönlichen Ziele im Leben. Was will ich erreichen? Was ist mir wichtig und auf was will ich letztendlich zurückblicken? Auch die Arbeitszeit beziehe ich dabei ein, denn auch sie ist Lebenszeit und keine "Aus-Zeit" und damit untrennbar in meine persönlichen Ziele miteingebettet. Es gibt immerhin Studien die besagen, daß wir zu 75% unserer Wachzeit mit Arbeit beschäftigt sind: Anziehen, Hinfahren, Fortbilden, daran überhaupt denken usw. Also kann es nicht sein, die Wochentage bis zu unserem nächsten freien Tag abzuzählen. Diese Arbeitszeit sollte uns dann auch noch Freude bereiten. All das, was vom Einzelnen in einem Organisationsgefüge geleistet wird, ist Beitrag zum Ganzen . Auf was es eigentlich ankommt, was zählt ist jedoch das Resultat. Der Input, also hart zu arbeiten, Streß durchzustehen, das ist selbstverständlich. Was zählt ist der Output, die Realisierung unserer Vorstellungen. Oftmals müssen Dinge getan werden, weil sie getan werden müssen. Aber wir können uns entscheiden, wie wir unsere Tätigkeit erledigen. Hein Haubenkoch wird den hundersten Teller noch immer mit Sorgfalt zubereiten. Und wir? Wir haben uns entschieden, etwas zu leisten, mit unserer ganzen Professionalität die Qualität zu bringen, die wir uns selbst geben. Unser erreichtes Ziel wird uns die Freude bringen. An unserem Ziel zu arbeiten ist die wichtigste Arbeit überhaupt, weuil diese entscheidung all unsere anderen Entscheidungen betrifft. Wer erinnert sich nicht an Martin Luther Kings programmatische Rede mit dem Leitsatz, " I Have a Dream". ?? Ziele, die man sich persönlich gesetzt hat, geben Kraft. Jeder sollte versuchen, die eigenen Ziele zu verwirklichen, erst dann wird man feststellen, wie viel Warhheit in ihnen steckt. Um die individuellen Ziele von allen im Krankenhaus Tätigen auf ein gemeinsames Ziel - formuliert durch ein Leitbild - zu koordinieren, brauchgt es zunächst aber Vertrauen und Individualität. Mißtrauen führt sowohl zum innerlichen Rückzug aus dem Unternehmen als auch von der eigenen Arbeit. Vertrauen ist auch die Basis von Führung. Sich führen lassen bedeutet, sich jemanden anzuvertrauen. Verantwortung wird heute neu definiert. Durch das globale System werden wir herausgeholt aus dem System der vernetzten Sicherheit und der Eigenverantwortung übergeben. Wer sagt, daß Vertrauen gut, Kontrolle aber besser sei, der irrt. Einem professionellen Mitarbeiter - und das sollten wir ja alle sein, - ist es wichtig, eigenverantwortlich zu handeln. Je mehr Überwachung, je mehr Kontrolle und je schärfere Regeln, Vereinbarungen, Cheklisten, Dokumentationspflichten etc. formuliert werden, desto weniger Vergtrauen gibt es. Wo sind die ganzen Gefühle dokumentiert, mit denen jeder seine Tätigkeit verrichtet, die wichtig für uns selbst und unsere Patienten sind ( Med. Bereich)? Oder zählen etwa Gefühle nicht mehr? Vertrauen stellt die Grundlage für Freiheit, Kreativität, Motivation und Freude am Arbeitsplatz dar. Daher sollte es heute heissen: "Ich schenke dir mein Vertrauen, solange wie du dieses Vertrauen nicht mißbrauchst. Zur Individualität möchte ich sagen, daß Mitarbeiter ihre Neigungen und Stärken voll einsetzen sollten. Wenn jemand das tut, worin seine Stärken liegen, wird er Erfolg haben und dadurch auch motiviert sein, dafür zu arbeiten. Und das wird ihm Freude bereiten und diese Freude wird sich auf andere übertragen. Individuelle Spezialisierung ist nicht der Gegensatz von Teamarbeit, vielmehr ihre Voraussetzung. Denn alle hervorragenden Arbeitsgruppen sind um hervorragende einzelne herum aufgebaut. Hätten alle bedeutenden Wissenschaftler zur selben Zeit gelebt, glabuen Sie wirklich, daß sie im Team eine Relativitätstheorie entwickeln hätten können? Nein, es ist das Werk eines Einzelnen in Kooperation mit anderen, aber keine Teamarbeit, wo das intellektuelle Niveau egalisiert wird und wo nur mit einer Teamsprache gesprochen wird. Wir brauchen die Ideen vieler, um den für uns besten Weg für unser gewähltes Ziel gehen zu können. Es ist wichtig für jeden von uns, unsere Ideen umzusetzen. Die Toleranz, und zwar die aktiv gelebte Toleranz, d.h., die Tolearnz, die den anderen ermutigt etwas zu tun, stellt die Grundlage für die geistige Freiheit dar. Schränken Sie diese geistige Freiheit und damit alle Kreativität nicht ein. Es gilt, loszulassen und zuzulassen. Jeder hat sein Recht auf eingene Erfahrung. Kreativität ist etwas Einmaliges und Wichtiges. Ein Entweder-Oder-Denken stellt keinen Weg dar, um weiter zu kommen und daß eine Sowohl-Als-Auch-Einstellung die Relativität fördert scheint selbstverständlich zu sein. Je mehr Wege wir kennen, desto mehr Auswahl haben wir. "Wenn du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und GHolz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine." (Antoine dee Sain-Exupery)