Birch Tree

29.06.2007 um 11:07 Uhr

Schulschluss

27. Juni 2008:
Der Inhalt dieses Eintrags musste leider gelöscht werden, da er zu viele Hinweise auf die Identität der handelnden Personen beinhaltete. Ich bitte um Verständnis.

28.06.2007 um 20:23 Uhr

Raphael lebt!

Stimmung: glücklich
Musik: keine.

Um Viertel nach sechs kam ein Anruf. Raphaels Zustand ist stabil. Mein Vater hat gesagt, es klingt gut. Ich denke, es wird wieder. Hoffentlich.

Ein anderes Mal mehr dazu.

28.06.2007 um 13:22 Uhr

Wie ich Trost finde.

Stimmung: traurig
Musik: U2: All That You Can't Leave Behind

Gestern waren wir (ein paar Klassenkollegen und ein paar aus Parallelklassen) beim Sommerfest in der Klasse. Beauty fragte, ob ich schlecht drauf bin. Ich sagte ihr, Nein, nur traurig. Eigentlich wollte ich nicht darüber reden, aber ich musste weinen und sie fragte weiter, was denn los sei. Es hat nichts mit euch zu tun, sagte ich. Sie meinte aber, Das macht ja nichts. Dann hab ichs erzählt, der Beauty, und die Cona war natürlich auch dabei. Es sind nicht alle gleich gerannt gekommen, als sie sahen, dass ich weinte, das fand ich sehr nett von ihnen. Ich hab dann also erzählt, was los ist. Dass mein Raphael in Lebensgefahr ist. Die Beauty kann sehr gut trösten. Und VT ist dann auch gekommen. Und überhaupt haben sie mir sehr geholfen. Wir haben ein bisschen darüber geredet. Sie sagten auch, ich sollte nach Hause fahren und nicht mehr aufräumen, das müssen ja nämlich die Fünften Klassen machen. Aber ich wollte nicht heim, ich wollte bei den anderen bleiben. Und dann meinten sie, ich sollte mich ablenken. Und sie haben ja Recht. Es hilft nichts, wenn ich weine. Und dann haben wir über andere Sachen geredet und später aufgeräumt. Ich hab zwar trotzdem noch an Raphael gedacht, und später daheim noch mehr, aber geholfen haben sie mir schon. Heute hat mich die Beauty gefragt, wie es mir geht und ob es was Neues gibt. Ich hab nur sehr kurz geantwortet, denn gehen tut es mir nicht besonders gut und etwas Neues gab es auch nicht. Später hat mich noch VT gefragt, wie es meinem Cousin geht, ob es was Neues gibt. Ich hab nur gesagt, er ist noch am Leben. Was sollte ich auch großartig sagen? Ich versuche zwischendurch immer, ich selbst zu sein, und manchmal klappt es auch ganz gut; ich rede und lache dann. Aber sonst denke ich an Raphael und bin dabei sehr traurig. Das merkt man dann natürlich auch, und ich glaube, die anderen sind froh, dass bald Ferien sind und sie mich dann nicht mehr täglich sehen.

Ich hab so Angst, Raphael könnte sterben. Manchmal weine ich deshalb. Aber heute am Nachmittag muss ich so tun, als ob ich ganz glücklich wäre. Wir, also die Geigen- und Klavierschüler von meiner Klavierlehrerin gehen Eis essen. Und da kann ich ja wirklich nicht melancholisch herumhängen und allen die Laune verderben.

 

Wenn es mir mal besser geht, schreib ich mehr. Aber jetzt kann ich an nichts anderes als an Raphael denken…

27.06.2007 um 15:37 Uhr

Raphael

Stimmung: bedrückt
Musik: Concerning Hobbits

Raphael, mein kleiner „Cousin“ ist in Lebensgefahr. Zuerst hat es ja geheißen, es sei nichts Schlimmes, nur eine Anpassungsstörung, und es gehe schon wieder bergauf. Aber dann sind sie draufgekommen, dass er einen Herzfehler hat. Er ist operiert worden und jetzt „sieht es schlecht aus“. Er schwebt in Lebensgefahr, und wir wissen nichts Genaues, nur eben das. Ich wünschte, ich könnte irgendetwas Hoffnungspendendes zu Nicole sagen, oder wenigstens zu mir selbst, aber ich hab einfach nur Angst, Raphael könnte sterben.

Warum? Er ist doch erst ein paar Tage alt. Warum soll ein kleiner Junge sterben? Ein kleiner Junge, der noch nie die Liebe seiner Eltern gespürt hat, der noch nie lachend mit seinen Freunden über eine grüne Frühlingswiese gelaufen ist?     Warum?

26.06.2007 um 18:28 Uhr

Klassenvorstandstage

27. Juni 2008:
Der Inhalt dieses Eintrags musste leider gelöscht werden, da er zu viele Hinweise auf die Identität der handelnden Personen beinhaltete. Ich bitte um Verständnis.

25.06.2007 um 07:09 Uhr

Muss gleich weg.

Stimmung: relativ gut
Musik: irgendsoein Wahnsinniger, der seit sieben Uhr sägt. Und Vogelgezwitscher.

Ich mag Tränen. Ich mag das Gefühl, wenn sie über die Wangen hinunterlaufen. Und ich mag das Gefühl, wenn sie später trocknen.

 

Um viertel nach acht treff ich mich mit der Cona beim Schwarzen Strich. Dann gehen wir zum Bahnhof runter. Der Zug geht um acht Uhr einunddreißig, aber wir müssen ja vorher unten sein, weil wir von der falschen Seite kommen und sonst beim Schranken stehen.

Ich frag mich, was ich im Prater eigentlich machen soll. Die Geisterbahnen und Lachkabinette interessieren mich sowie so nicht (mehr) und auf die Hochschaubahnen freu ich mich jetzt auch nicht besonders. Nur auf die eine, wo man am Bauch liegt. Aber sonst brauch ich die nicht unbedingt. Naja, angeblich sind die Klassenvorstandstage gut für die Klassengemeinschaft, deshalb fahr ich auf jeden Fall mit.

 

Ich sollte mich dann mal anziehen und meinen Rucksack packen und alles.

24.06.2007 um 14:17 Uhr

Elena

Stimmung: traurig
Musik: Celtic Dream

Es ist der vierundzwanzigste Juni Zweitausendsieben, kurz nach zwei Uhr. Vor ziemlich genau zwei Jahren haben wir Elena begraben. Ich sitze hier, höre Celtic Dream und weine. Es ist die Erinnerung… Ich vermisse sie so sehr. Ja, sie war eine Katze. Nur eine Katze. Und wahrscheinlich versteht mich niemand. Aber sie war meine Freundin. Und ich vermisse sie. Ihr Fell und ihr Schnurren. Sie hat immer beim Zaun vom Pfarrer auf mich gewartet, wenn sie wusste, dass ich in der Schule oder in der Stadt bin. Und wenn sie mich gesehen hat, ist sie mir entgegengelaufen. Und ich hab sie gestreichelt und nach Hause getragen. Und mit ihr gesprochen. Sie hat mich verstanden. Es glaubt mir wahrscheinlich keiner. Aber ich weiß, dass sie mich verstanden hat. Und sie hat mich getröstet. Sie hat nie viel gesprochen, denn sie war ja eine Katze. Aber sie hat mich verstanden und getröstet.

Und dann, an jenem Freitag, hat meine Mutter angerufen und mir gesagt, dass sie tot ist. Sie hatte sie am Straßenrand gefunden, mit einer schweren Wunde am Kopf. Mein Vater hat einen echten Sarg gebaut, aus Holz. Und dann mussten wir sie begraben. Mit Blumen. Aber was nützen die Blumen, wenn sie doch nicht mehr zurückkehrt? Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Und ich hoffe, sie wiederzusehen. Aber ich werde vielleicht neunzig oder hundert Jahre alt. Und ich kann nichts tun als warten. Sie war eine Katze. Aber sie war meine Freundin. Meine beste Freundin. Ich erwarte nicht, verstanden zu werden, und ich spreche auch nicht darüber. Aber ich denke oft daran.

In Erinnerung an Elena 

24.06.2007 um 11:16 Uhr

Sonntagvormittaggedanken

Stimmung: gut... aber auch ein bisschen... traurig oder so...
Musik: The Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring - The Breaking of the Fellowship

Letztes Jahr um die Zeit hat mir mein Vater sein altes Rad geschenkt. Er wollte sich ein neues kaufen, hat das aber nicht getan. Er ist einfach nur noch sehr selten gefahren, mit meinem Rad. Seit ein paar Tagen hat er jetzt doch wieder eines. Und jetzt fährt er täglich. Freut mich ja, dass es ihm so gefällt. Er ist schon wieder seit über zwei Stunden unterwegs. Hoffentlich kommt er bald wieder…

 

27. Juni 2008:
Ein Teil dieses Eintrags musste leider gelöscht werden, da er zu viele Hinweise auf die Identität der handelnden Personen beinhaltete. Ich bitte um Verständnis.

When the cold of winter comes
Starless night will cover day
In the veiling of the sun
We will walk in bitter rain

But in dreams
I can hear your name
And in dreams
We will meet again

When the seas and mountains fall
And we come to end of days
In the dark I hear a call
Calling me there
I will go there
And back again

Das höre ich gerade, und ich finde es wunderschön… Aber es weckt in mir ein bisschen Sehnsucht. Obwohl ich nicht weiß, wonach. Vielleicht nach Valinor? Ich sollte wirklich bald wieder den Herrn der Ringe lesen. Egal, ob ich im Auenland bin oder bei der Schlacht auf den Feldern des Pelennor… oder in Mordor… egal, wo ich bin, ich fühle mich in diesem Buch zu Hause. Das klingt verrückt. Sich in einem Buch zu Hause fühlen. In einer Geschichte, die nie passiert ist, die es nicht gibt. Die nur aus Worten besteht. Aus Gedanken. Aber ich wünschte, sie würde hier und jetzt geschehen. Ich wünschte, ich könnte nach Mittelerde fliegen. Als ich Tintenherz gelesen habe, stellte ich mir vor, die Geschichte wäre wahr. Dann hätte ich versucht, mich in den Herrn der Ringe hineinzulesen. Nach Rohan.

Ich muss jetzt aufhören. Meine Mutter will, dass ich ihr beim Stachelbeerenernten helfe.

22.06.2007 um 23:01 Uhr

Traumberuf

Stimmung: nachdenklich
Musik: das Rauschen des Ventilators über meinem Prozessor

Ich habe einen Traumberuf. Das ist ziemlich ungewöhnlich, denke ich. Normalerweise hat man einen Traumberuf, wenn man ein kleines Kind ist. Da wollen dann z.B. die Jungen alle Feuerwehrmänner oder Autorennfahrer sein. Und Mädchen? Was wollen die eigentlich sein? Ich hatte eigentlich nie einen „unrealistischen“ Traumberuf, ich wollte Tierärztin werden. Und die Cona auch nicht. Die wollte Lehrerin werden. Vielleicht denken kleine Mädchen einfach realistischer? Oder vielleicht haben sie auch diese unrealistischen Traumberufe. Vielleicht wusste ich nur nicht, dass die Cona einen hatte, oder ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern. Das würde auch erklären, warum ich keinen hatte. Bei mir hat sich das einfach langsamer entwickelt. Ich hatte keinen, als ich kleiner war. Dafür hab ich jetzt, mit vierzehn Jahren, einen. Ich will Flugretter werden.

Ich hab schon lange davon geträumt, aber in letzter Zeit nicht allzu viel daran gedacht. Am Mittwoch war dann dieser Bewerbungsworkshop, und wir mussten unseren Traumberuf aufschreiben. Er musste nicht realistisch sein. Einfach nur der Traumberuf. Dann hab ich Flugretter geschrieben. Und seit dem denke ich oft darüber nach. Ich hätte diesen Workshop nicht besuchen sollen. Ich weiß doch, wie unrealistisch das ist. Die anderen haben mich gefragt, warum. Dann hab ich ihnen gesagt, dass die Aufnahmeprüfung so schwierig ist. So genau konnte ich ihnen das nicht erklären, und sie haben auch nicht viel weiter nachgefragt. Eigentlich wusste ich es ja selber nicht so genau. Aber dass ich niemals Flugretter werden kann, da weiß ich. Eben wegen den Voraussetzungen, die gestellt werden. Steffi, für die wäre das was. Die klettert nämlich schon, seit sie fünf ist. Ist Staatsmeisterin und alles. Aber sie will und braucht das gar nicht. Wahrscheinlich weiß sie nicht einmal, was ein Flugretter ist. Die anderen aus dem Workshop wussten es schließlich auch nicht. Aber die Steffi kann ja sogar einfach nur vom Klettern leben, als Profi. Wohingegen ich meinen Traumberuf niemals ausüben werde, weil ich keine Erfahrungen im alpinen Bereich, oder wie auch immer das heißt, habe. Natürlich. Ich könnte mich bei einem Kletterkurs für Anfänger anmelden und in zwei Metern Höhe an Klettergriffen hängen, während die Sechsjährigen um mich herum in einem Meter Höhe herumkraxeln. Aber das will ich nicht. Bevor ich mit vierzehn ein Kletteranfänger bin, klettere ich lieber gar nicht. Außerdem wäre es mit Klettern ja nicht getan. Ich hab bis jetzt noch nicht sehr viele Informationen über die Ausbildung zum Flugretter gefunden, aber dass da mehr als ein bisschen Kletterei dazugehört, weiß ich auch so. Ist ja auch logisch, dass man sehr sportlich und alles sein muss. Die können ja keinen Übergewichtigen zu einer Unfallsstelle fliegen lassen, die womöglich irgendwo mitten in der Wildnis ist.

Ich weiß also, dass ich niemals Flugretter sein werde. Eigentlich sollte ich ja auch recht zufrieden mit meinem bisherigen Leben sein. Klar, ich würde vieles gerne können, was ich nicht kann, Klettern ist da nicht das erste und nicht das letzte, aber trotzdem… Ich bin gut in der Schule, kann meinen Hobbies in Ruhe nachgehen, habe meine beiden besten Freundinnen, auf die ich mich verlassen kann sowie nette Eltern und so weiter und so fort.

Naja… vielleicht denke ich ja bald weniger daran. Eigentlich stellt das Flugrettern ja auch einen Widerspruch zu anderen schönen Dingen dar. Zum Beispiel Irland. Wenn Flugrettung, dann in Österreich. Und überhaupt. Ich sollte aufhören, an Dinge zu denken, die niemals Wahrheit sein werden. Das hab ich in den letzten Monaten schon oft genug getan.

Ich denke, ich sollte wieder den Herrn der Ringe lesen. Ich hab ihn zwar erst vor einem halben Jahr das letzte Mal gelesen… und eigentlich wollte ich ihn das nächste Mal auf Englisch lesen… aber eine Originalausgabe hab ich nicht. Die müsste ich mir von meiner Schwester ausborgen, und die wiederum ist – mit den Büchern – in Graz. In den Herrn der Ringe einzutauchen ist einfach jedes mal wieder wunderbar. Bin jetzt zu müde, um das zu beschreiben. Vielleicht ein anderes Mal. Hab in den letzten Nächten kaum geschlafen, weil ich die ganze Zeit husten, niesen oder mich schnäuzen musste. Aber jetzt gehts wieder besser. Ich freu mich schon auf morgen – ausreiten. Vielleicht träume ich heute vom Fliegen.

Gute Nacht.

Christophorus 15