Stimmung: nachdenklich
Musik: U2
Mit meinen besten Freunden rede ich nicht über das, was ich denke, weil wir einander schon so lange kennen. Andere Sachen haben uns früher beschäftigt, wir sind es nicht gewohnt, über schwere Dinge zu sprechen. Natürlich hat sich unser Gesprächsstoff in den letzten Jahren verändert, wäre ja traurig, wenn nicht. Aber viel reden wir nicht über Probleme und Sorgen. Die Zeit, die wir miteinander verbringen können, ist auch viel zu kurz, um sie für persönliche Therapiestunden zu verwenden.
Mit anderen Freunden rede ich nicht über das, was ich denke, weil wir uns nicht so gut kennen, dass ich ihnen das alles anvertrauen würde.
Mit meiner Schwester rede ich nicht über das, was ich denke, weil so masochistisch bin ich auch wieder nicht. Sie hat mich einfach immer wieder zurückgewiesen, alles kritisiert, mich fertig gemacht… Ich konnte mir einer Sache noch so sicher sein – wenn sie ihren Kommentar dazu abgegeben hat, hab ich wieder an allem gezweifelt. Nein, sie ist die letzte, mit der ich über meine Probleme reden würde.
Mit meiner anderen Schwester rede ich nicht über das, was ich denke, weil ich nicht will, dass sie sich damit beschäftigt. Sie hat mich schon so oft getröstet, als ich kleiner war. Sie hat wirklich besseres zu tun, als sich um die Probleme ihrer kleinen Schwester zu kümmern. Ich will nicht, dass sie sich mit mir belasten muss.
Mit dem Max rede ich nicht über das, was ich denke, weil ich nicht will, dass er mein „engster Vertrauter“ wird. Ich weiß nicht, warum er mir überhaupt Beachtung schenkt, warum er mich scheinbar sehr gut versteht. Darüber freue ich mich natürlich, aber mehr sollte da nicht sein, und mehr will ich auch gar nicht. Er ist ja nicht mein Bruder, auch wenn mir das sehr recht wäre.
Mit meiner Mutter rede ich nicht über das, was ich denke, weil sie mir sowieso nicht helfen könnte, selbst wenn sie es versucht. Irgendwie lustig, wenn ich daran denke, dass sie eigentlich Psychiaterin ist.
Mit meinem Vater rede ich nicht über das, was ich denke, weil… keine Ahnung, warum. Er hat nicht so besonders viel Zeit, aber die würde er sich für mich nehmen, wenn ich ihn darum bitten würde. Es gibt sicher Dinge, über die eine 15jährige Tochter mit ihrem Vater nunmal nicht redet. Und sonst weiß ich nicht, warum ich nicht mit ihm über mich spreche.
Es stimmt wahrscheinlich, dass es leichter ist, wenn man über seine Sorgen reden kann.
Aber auch wenn ich noch so viel über mich rede, mit meinem eigenen Leben muss ich doch selber klarkommen, meine Probleme muss ich selber lösen.