Birch Tree

28.04.2008 um 18:29 Uhr

Mein altes Fahrrad

Stimmung: recht gut
Musik: U2

Mein altes Fahrrad war gelb, mit einigen roten Elementen, Marke Katarga. Gepäckträger, Kilometerzähler, Dynamo. Früher hat es meiner Schwester gehört, danach mir. Und durch mich hat es einen Lebensinhalt bekommen. War nicht nur irgendein Rad, sondern etwas ganz Besonderes – zumindest für mich.

Als ich neun war haben wir miteinander die Fahrradprüfung bestanden, ein Jahr später waren wir zusammen am Neusiedlersee auf Urlaub. Mit meinem alten Fahrrad hab ich früher freihändig Fahren geübt, und noch viele andere Sachen erlebt. Ich bin ziemlich lang mit ihm gefahren, denn ich mochte es sehr. Hab ihm damals sogar einen Namen gegeben. Als ich dreizehn war, wurde mir das Rad dann wirklich zu klein, und mein Vater schenkte mir seines, gelb, mit einigen schwarzen Elementen, Marke Fokus, Kilometerzähler, Flaschenhalter. Und mein altes Fahrrad wartete im Keller auf bessere Zeiten.

Die scheinen jetzt gekommen zu sein, denn vor einigen Tagen hat es mich für immer verlassen. Ich war fast ein wenig traurig, denn auch wenn es „nur“ ein Fahrrad war, hatte ich es dennoch sehr gern. Aber dann sah ich den Jungen, der es mit liebevollem Blick auf die Straße führte…

Mein altes Fahrrad wird jetzt ein anderes Kind glücklich machen und hat damit wieder einen wirklichen Lebenssinn. Vielleicht gibt ihm der Kleine einen neuen Namen, vielleicht übt er mit ihm freihändig Fahren. Ich bin mir sicher, sein neues Fahrrad wird ihm viel Freude bereiten.

26.04.2008 um 23:01 Uhr

Mit Müttern ist es nicht immer ganz einfach...

Stimmung: nicht besonders gut

Ich will dir nicht wehtun. Aber ich weiß nicht, wie ich es besser machen könnte. Ich bin nunmal fünfzehn, Mum, das hab ich mir nicht ausgesucht. Ich war immer die Kleine, und du kannst nicht einsehen, dass diese Zeit schon längst vorbei ist, dass auch aus der Kleinen langsam eine Große geworden ist. Was meine Schwestern vorgezeigt haben, erwartest du von mir immer doppelt. Kannst du dir vorstellen, wie das ist? Es geht die ganze Zeit darum, Erwartungen zu erfüllen. Ich will kein Lob, ich will nur, dass nicht von vornherein klar ist, wie es zu sein hat. Meine Schwestern haben vorgemacht, was richtig ist, und ich muss es genauso gut nachmachen. So ist es doch. Die beiden sind jetzt erwachsen, und du hast ein Problem damit. Sie sind in ihren Großstädten, in ihren eigenen Wohnungen bei ihrem Studium. Und ich bin daheim, und ich soll nicht nur das machen, was meine Schwestern mir vorgemacht haben, sondern sie gleich auch noch ein wenig ersetzen. Aber daran, dass ich eigentlich nur ich bin, und sonst niemand, daran denkst du selten.

Ich könte dir das niemals sagen, denn du würdest alles abstreiten. Es ist dir noch nie aufgefallen, und du würdest es auch nicht einsehen.

Das finde ich traurig, denn du hast drei verschiedene (um nicht zu sagen besondere) Töchter. Nicht nur eine, die dreimal hintereinander alles richtig macht.

26.04.2008 um 21:16 Uhr

Selbstverletzung (V)

Fünftens und wahrscheinlich letztens, weil ich es schon lang nicht mehr mache.

26.04.2008 um 20:49 Uhr

Ein Leben ohne Katze

Stimmung: Naja
Musik: U2

Immer, mein Leben lang, hat eine Katze bei mir gewohnt.
Der Platz in der Küche, wo sonst immer ein Napf auf einem Geschirrtuch steht, ist leer. Das Futter ist noch in der untersten Lade links neben dem Herd. Weniger schwarze und weiße kurze Haare im ganzen Haus verteilt. Morgens nicht die Türe aufsperren, um die Katze reinzulassen. Die alte Magnetmaus, mit der sie immer gespielt hat, sitzt verlassen auf der Stiege. Der Fisch hängt immer noch an seiner Gummischnur an der Wohnzimmertür. Keine Vogelfedern auf der Terrasse.
Am meisten fehlt das klägliche Rufen nach Futter. Sie war ist fast immer hungrig. Hat dann so herzerweichend geschrien. Scheinbar widerwillig, und doch eigentlich ganz gerne, hat sich dann jemand ihrer erbarmt.
Ich würde gern wissen, wo sie jetzt ist. Ich hoffe, es geht ihr gut.

Die Katze mit dem Jack-Sparrow-Bart

 

Mein Leben besteht in erster Linie aus Warten und Hoffen. Ob sich das wohl irgendwann ändern wird?

Wenn es Bewerbe im Schnelldruckaufladen gäbe, dann würde ich in meiner Altersklasse wohl recht gut abschneiden.

Es ist Samstag, und ich bin krank. Hab den Vormittag damit verbracht, mich davon zu überzeugen, dass ich gesund genug bin, um reiten zu gehen. Aber manchmal muss man realistisch sein, es wäre ziemlicher Schwachsinn gewesen. Und dabei wäre ich heute so gern wenigstens mitgefahren.

23.04.2008 um 23:00 Uhr

Versagen

Stimmung: müde, enttäuscht, traurig, ängstlich
Musik: Celtic Dream

Ich habs nicht geschafft, heute. Bin gescheitert. Irgendwie wusste ich gestern schon, dass ich es nicht schaffen werde. Es hat sich irgendwie angebahnt, in letzter Zeit.

Aber ich habs trotzdem noch versucht. "Scheitern ist besser als aufgeben." War mir kurz nicht ganz sicher, wo da die Grenze ist. Ist aber eigentlich egal, ist nämlich beides kein schönes Gefühl.

Bis Freitag...

Ein Boot wird kommen...

Und ja nicht aufgeben, bis dahin.

21.04.2008 um 18:50 Uhr

Die Katze ist weg

Stimmung: beunruhigt
Musik: The Go-Betweens - Finding you

Ich wollte über so viele Dinge schreiben, die ich in letzter Zeit vernachlässigt habe. Aber jetzt denke ich an die Katze. Sie war gestern Nachmittag das letzte Mal da, und ich mach mir wirklich Sorgen. Sie ist ziemlich scheu. Geht mit keinem Fremden mit und erkundet keine Garagen oder Kellerräume. Sie hat bei uns seit gestern nichts mehr gegessen. Es schüttet in Strömen. Wo ist die Katze? Mein Vater hat sie mit dem Fahrrad gesucht. Aber nicht gefunden. Mira, wo bist du?

20.04.2008 um 18:11 Uhr

Es geht weiter

Stimmung: gut
Musik: Bruce Springsteen

Raphaels Zustand ist stabil, er ist in Wien bei seiner Familie. Es ist noch nicht vorbei, aber es ist eine Atempause. Das, worauf ich gehofft hatte.
Ich danke allen, die mit mir gehofft und vielleicht sogar gebetet haben. Ich glaube ganz fest daran, dass Raphael gesund wird.
Aber vergesst bitte nicht die vielen anderen, namenlosen, Kinder, die kämpfen müssen.

Viel Druck konnte ich in letzter Zeit loswerden. Mein Kopf und mein Genick sind froh darüber. Es geht mir recht gut. Hab ein bisschen ein schlechtes Gewissen deshalb. Obwohl ich weiß, dass das Schwachsinn ist.

Frühling, eine Zeit der Gefühle und Erinnerungen. Besonders jetzt, nach einem dunklen Winter. Früher hätte ich beim ersten Sonnenlicht mein Schweizer Taschenmesser herausgeholt und wäre dann mit den Kronis als Räubertochter durch den Wald gelaufen. Jetzt nicht mehr.
Dieses Jahr musste ich mich stattdessen mit den Stammformen von Verben, Konjunktiven in Cum-Sätzen und allerlei anderem lateinischen Stoff beschäftigen. Morgen krieg ich die Schularbeit zurück, und wenn die nicht positiv ist, hab ich ein ernsthaftes Problem.

Ich war nicht da, wo ist dem Wolf sein Blog? Ich verstehe es nicht, kommt er wieder, ist er woanders?

12.04.2008 um 23:17 Uhr

So tun, als ob

Stimmung: traurig, müde, nachdenklich
Musik: One Step Closer (U2)

Vielleicht werde ich in nächster Zeit so tun, als ob die Welt einigermaßen gut und gerecht wäre. Es kann nicht sehr schwierig sein, so viele Leute machen das jeden Tag. Aber heute noch nicht.

Eure Anteilnahme an Raphaels Leben berührt mich sehr, ich danke euch. Er ist jetzt in Deutschland, aber dort haben sie sich auch nicht getraut, ihn zu operieren. Ehrlich gesagt, ist das nicht besonders ermutigend. Nein, es hat sich nichts verbessert.

Als ich gefragt habe, was ich in dieser Welt noch mache, wusste ich die Antwort eigentlich schon lange. Aber es ist schön zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die genau diese Antwort gibt.

Bono meint, dass man es manchmal nicht allein machen kann, und dass ein Herz, das weh tut, auch schlägt. Und Die Ärzte sagen, dass ich nicht allein bin.

Es gibt so viel, über das ich eigentlich schreiben will. So viel, über das ich nachdenke.

Ich sollte mich auf die Lateinschularbeit konzentrieren. Das wäre eigentlich das, was andere momentan für am wichtigsten halten würden. Die sollte nämlich dringend positiv sein.

Und ich muss mich ein bisschen um meinen Vater kümmern. Er ist sehr stark, aber auch er ist nicht allmächtig. Er meint, ich kann ihm nicht helfen. Aber da hat er ausnahmsweise mal nicht Recht. Ich weiß, dass ich ihm helfe, indem ich ich bin. Weil ich weiß, dass er mich gern hat und dass ich ihn ablenke und zum Lachen bringe.

So viel zu sagen, so viel zu schreiben. Zu wenig Zeit. Geduld.

„Nicht so hastig.“

Ich laufe weiter, mit meinem Ziel vor mir, auch wenn der Weg dorthin viele Kurven macht.

01.04.2008 um 23:24 Uhr

Für die Kinder dieser Welt

Musik: If God Could Talk (Meat Loaf)

Wenn das irgendwer liest, der an sowas wie einen Gott glaubt, zu dem er oder sie betet, dann würde ich darum bitten, dass er oder sie beim nächsten Mal ein paar Worte für die Kinder dieser Welt sagt. Ich finde, sie sind das Wichtigste, was es gibt. Sie sind das eine oder andere Gebet wert. Besonders die, die es am Schwersten haben und von Geburt an kämpfen müssen.

Es kommt nichts von mir zurzeit; nichts, was lesenswert wäre. Die Welt ist so schnell. Gedanken habe ich, aber sehr durcheinander. Ich weiß nicht wirklich weiter, ich warte darauf, dass sich irgendeine Lösung ergibt. Oder so ähnlich. Keine Ahnung.
Was mache ich eigentlich noch in einer Welt, die so ungerecht ist?