Birch Tree

30.06.2008 um 22:28 Uhr

Schon geschrieben

Stimmung: nachdenklich, verwirrt
Musik: Lennon Legend

Vielleicht wurde alles schon einmal aufgeschrieben. Dann wäre es eigentlich nicht so schwierig, Antworten auf Fragen zu finden. Wenn man weiß, wo man suchen muss… Wenn man weiß, wo alles schon geschrieben steht, kann man ja nachlesen. Doch, ich denke, dass alle wichtigen Dinge schon irgendwo stehen:

Der gerade Weg ist nicht immer der kürzeste. Hier fängt die Geschichte an. Tu was du willst. Traue niemals einem Stollentroll. Ich sollte lieber lachen. Haribo macht Kinder froh. Carpe diem. Per aspera ad astra. People find it far easier to forgive others for being wrong than being right. Even darkness must pass.

Es gibt immer irgendwo eine Antwort, und sie ist nicht immer 42.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das jetzt irgendeinen Sinn hatte. Aber ich musste es aufschreiben. Schon allein das ist ja eigentlich der Sinn.

30.06.2008 um 20:51 Uhr

Planlos

Stimmung: nachdenklich, durcheinander
Musik: The Lord of the Rings - The Return of the King - Into the West (Annie Lennox)

Zeit ist eine Illusion lese ich fast täglich bei Shadowfax. Dieser Satz hat eine neue Bedeutung für mich, ähnlich wie ich liebe dich. Es gibt so viel zu tun, und ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Heute ist der letzte Tag, den ich auf meinem Schuljahreskalender durchstreichen kann. Es wird mir fehlen, dieses Tag vorbei, und morgen geht es weiter – Gefühl. Ich bin dann planlos, sozusagen. Denn in den nächsten Wochen geht das nicht mehr, dieses sich Tag für Tag vorarbeiten. Wenn ich jetzt nicht handle, komme ich nie nach Westen. Doch in diese Richtung will ich, der Sonne entgegen. Und ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste, es wird Zeit, dass ich den Weg finde. Zeit… Freizeit ist übrigens das falsche Wort für das, was ich hier habe. Welcher normale Schüler stellt sich in den Ferien den Wecker auf halb sieben. Trotzdem ist der Tag zu kurz, um all die Gedanken zu denken, die gedacht werden wollen. Der gerade Weg ist übrigens nicht immer der kürzeste, liest man bei Tolkien. Da ist es wieder, dieses Heimweh, das gleichzeitig auch ein Fernweh ist. Ich will die Bücher lesen, ich muss die Bücher lesen, am besten gleich auf Englisch. Dieser Drang, diese Sehnsucht, ja, Sucht scheint mir das richtige Wort…
Gedankenflut. Ekstase? Ich melde mich irgendwann wieder.

27.06.2008 um 21:01 Uhr

Jubiläumszeugnis

Stimmung: sentimental
Musik: Die Ärzte

Jubiläum. Zehn Zeugnisse, zehn Jahre, das klingt so wenig. Doch ist es eine lange Zeit, zwei Drittel meines Lebens. Seit meinem sechsten Geburtstag gehe ich in die Schule. Auf den Tag genau, war damit immer die Jüngste in der Klasse. Die Volksschulzeit ist schnell vergangen, heute habe ich mit kaum jemandem von damals Kontakt. Über die tollen Leute aus der Unterstufe im Gymnasium könnte ich wochenlang schreiben. In der Oberstufe viele neue Gesichter, nur meine beste Freundin kannte ich wirklich gut. Letztes Jahr haben wir unsere Schulpflicht abgeschlossen. Heuer waren die die 6A. Unbeliebt bei den Lehrern, bekannt für Unzuverlässigkeit und schlechte Noten, aber dennoch die beste Klasse dieser Welt. Gerecht und loyal, wir halten zusammen, was auch geschehen mag. Zwölf von uns schlagen sich weiter durch, miteinander, bis zur Matura. Lauter außergewöhnliche Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, jeder Einzelne etwas Besonderes, und sie alle sind mir so unglaublich wichtig. Danke für die schöne Zeit, und lasst euch nicht unterkriegen, bald haben wir es geschafft. Ein Hoch auf uns!

27.06.2008 um 15:44 Uhr

Die Frau hat 'nen Hau oder was...

Stimmung: belustigt
Musik: Die Ärzte

Es ist lächerlich. Sie ist lächerlich. Glaubt, sie kann tun, was sie will.

Gestern doch tatsächlich noch eine Klassenbucheintragung. Am vorletzten Schultag. In Zeichnen. Es ist zum Lachen.

„Die Klasse verhält sich undiszipliniert.
R.R. und V.T. sind unhöflich, trotz Mahnungen!“

R.R., das bin ich ;) Es hat sich ausgezahlt. Wir, gemeinsam, gegen sie.

„Die Frau
        hat 'nen Hau
                oder was...“

Sie schnappt aus 'ner Herde sich eines der Pferde... Das Pferd passt nicht rein, sie platzt und geht ein. Kein Stück blieb zurück. Was 'n Glück... - Jan Pienkowski, Fliegenfresser

26.06.2008 um 22:43 Uhr

bildnerisch unerzogen

Stimmung: nicht schlecht
Musik: I Want To Break Free (Queen)

Wir hatten damals gerade Biologie, als der Administrator den Saal betrat und die Zettel austeilte, auf denen wir entscheiden mussten, ob wir in den nächsten Schuljahren Zeichnen oder Musik haben wollten. Ich hatte meine Wahl längst getroffen. Ohne zu zögern griff ich zu meinem Vier-Farben-Kugelschreiber, schrieb mit entschlossener Miene meinen Namen auf das Papier und machte ein Kreuz über das erste der beiden weißen Kästchen. Ich gab meinen Zettel als Erste ab und kehrte mit einem triumphierenden Lächeln wieder zu meinem Platz in der dritten Reihe zurück.

 

Seitdem zählte ich die Donnerstage bis zum heutigen Tag. Denn heute hatte ich endlich die allerletzte Zeichenstunde meines Lebens. Sie hat mich heute, zum krönenden Abschluss, bei meinem Klassenvorstand vorgeladen. Es ist lächerlich. Sie ist lächerlich. Ich habe keinen Respekt vor ihr. Von ihr lasse ich mich nicht bildnerisch erziehen. Sie hat es nie geschafft. Ich habe es nur gehasst, habe gelitten, die Minuten gezählt. Nie wieder lasse ich mich bildnerisch erziehen. Ich verlasse den Zeichensaal und komme nicht zurück.
Es ist nicht die Kunst an sich, der ich den Rücken kehre. Ich entsage der Bevormundung, der Einschränkung, dem völlig falschen Zugang zu einem sehr interessanten Thema. Eigentlich ist das traurig. Aber ich kann mir nicht alles gefallen lassen.

24.06.2008 um 16:07 Uhr

Man kommt ja hier zu gar nichts

Stimmung: durcheinander, nachdenklich, gestresst, ein wenig traurig aber nicht sehr schlecht
Musik: Howard Shore

Man kommt ja hier zu gar nichts. Genießt jede ruhige Minute. Sofern sich eine ergibt.

Ich halte nicht viel vom Sommerfest (auch Sommerpest genannt). Es ist in erster Linie mit Stress verbunden. Die Sechsten müssen Cafés machen. Der Elternverein macht uns mit seinem Buffet Konkurrenz. Und kriegt dann die Hälfte von unseren Einnahmen. Um sieben sind wir in der Schule. Weil nur ein Teil der Klasse informiert wurde, dass wir erst um neun beginnen. Ich rege mich nicht auf. Ein Kommunikations-
problem, mehr nicht. Manche kommen gleich gar nicht. Die stehen dann wenigstens nicht im Weg herum. Andere hingegen halten die Vorbereitungen auf. Sie sollen sich zusammenreißen. Ich will das eigentlich auch nicht machen. Aber ich bemühe mich trotzdem. Unseren Klassenvorstand interessiert es sowieso nicht. Sie ist morgen nichtmal da. Unser Biolehrer hilft uns. Er sollte uns nächstes Jahr adoptieren.

Wenigstens ist es meistens lustig. Aber auch das nicht immer. Jemand ist nicht gekommen. Ihr Hund ist gestorben. Er war erst neun Jahre alt. Er hatte Rattengift gefressen. Sie hat ihn sehr geliebt. Jemandem, den ich sehr gern habe, geht es nicht besonders gut. Oder ziemlich schlecht. Wie man es nennen will. Ich weiß es nicht genau. Ich spreche sie nicht darauf an. Etwas mit ihrem Freund. Nach ungefähr sechzehn Monaten. Ich dachte, sie könnte mit ihm glücklich werden. Sie tut mir so leid. Manchmal verfluche ich mein Mitgefühl. Bis mir wieder einfällt, wie schön es eigentlich ist. Und selten, aber doch, tut es sogar gut. Ich freue mich für die beiden. Für ihn, über den ich hier nicht schreibe. Und für sie, die ich auch sehr gern mag. Ich freue mich, wenn ich die beiden sehe. Es tut nicht mal weh. Wenn sie nur glücklich sind.

Ich bin wohl sehr durcheinander. Zum Beispiel schrieb ich zuerst „Elternferein“ und „concurrence“, brauchte ungefähr zehn Sekunden, bis „nächstes Jahr“ richtig dastand und vergaß bei „glücklich“ das „lich“. Zu viel im Kopf. Man kommt ja hier zu gar nichts.

22.06.2008 um 21:17 Uhr

Der Sonne entgegen, oder: Fernweh

Stimmung: nachdenklich, sehnsüchtig
Musik: Schandmaul

Gestern lief ich der Sonne entgegen. Gegen Abend, erst durch den Wald und dann immer weiter, nach Westen. Die Hühner versteckten sich, und auch die Kühe drängten sich im Schatten unter den Bäumen. Nur ich setzte meine Haut wieder einmal ungeschützt der Sonne aus. Neunzig Prozent des Schadens durch UV-Strahlung richtet man schon in seiner Kindheit an, sagt mein Biologielehrer, und ich verstecke mich nicht vor dem Licht. Im Gegenteil, ich lief der Sonne entgegen, immer Richtung Westen. Ich wäre weitergelaufen, immer weiter, wenn ich frei wäre, das zu tun. Aber das bin ich nicht, ich bin gefangen in dieser Welt. Ich kann nicht einfach weglaufen, gehen, wohin ich will. So wurde ich langsamer, wandte mich um, ließ meinen Schatten vor mir her heimwärts laufen. Heimwärts, was ist das schon? Seit fast sechzehn Jahren kenne ich diese Gegend, gut genug. Habe zugesehen, wie sie sich verändert hat, aber dennoch immer noch die gleiche ist. Ich habe Fernweh. Will fort hier, meinen Rucksack packen und raus in die Welt, Erfahrungen machen und Neues kennenlernen. Was hält mich hier, warum kann ich nicht über mich selbst bestimmen, frei sein?

„Völlig frei und ungebunden, keine Kette, die mich hält. Ich bin an keinen Eid gebunden, trampe frei durch diese Welt. Bin unterwegs, bin auf der Reise, ich will nirgendwo hin. Bin unterwegs auf meine Weise, und das ist der Sinn.“ (Schandmaul, Bin Unterwegs)

„Wir sind frei, wie die Vögel, sind vogelfrei. Wir ziehen mit ihnen im Winde, wohin ganz einerlei.“ (Schandmaul, Vogelfrei)

Ich hätte heute wieder nach Westen laufen können. Aber ich wusste, worin das enden würde. Am Abend müsste ich umdrehen, nach Hause gehen. Die Katze füttern und morgen um sieben beim Bahnhof sein.

21.06.2008 um 17:47 Uhr

Symbiose

Stimmung: nachdenklich, sonnig, durcheinander
Musik: U2

Manchmal ist Freundschaft in Wirklichkeit nur eine Symbiose.
Auch vermeintliche Liebe kann leider einfach nur eine Symbiose sein.
Vielleicht gibt es sowas wie Liebe auch gar nicht.
Vielleicht sind alle Beziehungen in Wirklichkeit nur Symbiosen.
Aber das glaube ich nicht wirklich.

Was ist Wirklichkeit?

20.06.2008 um 22:03 Uhr

Dancing in the Dark

Stimmung: nachdenklich
Musik: Dancing in the Dark (Bruce Springsteen)

Immer noch nicht so wirklich im Licht. Bruce Springsteen weiß, wovon er redet: „You can’t start a fire without a spark.“
Ich brauche einen Funken. Woher?

[Ich war mir so sicher, dass die Portugiesen Deutschland raushauen. Jetzt setze ich meine Hoffnungen in Kroatien.]

17.06.2008 um 20:17 Uhr

Erleichtert

Stimmung: besser als zuvor
Musik: Meat Loaf

Na das ist ja nochmal gut gegangen. Doch kein Cabrio. Glück gehabt. Meinen Vater hab ich sagen hören, dass „da Clio jo eh a gonz a liabs Auto is.“ Und eigentlich „woit ma ja nur a neichs Birndl kaufn.“ Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte… Aber jetzt ists ja gut, kein Cabrio in Aussicht. Erleichterung.

Jetzt werden die ewigen schweren Gedanken abgelegt, sortiert, Gedanke für Gedanke nochmal durchgegangen und dann entweder aussortiert, weitergedacht oder für später aufgehoben. Denn jetzt ist Zeit, abzuschließen, was nicht geändert werden kann und auszuführen, was begonnen wurde.

Ein Teil der Liste der Dinge, die im nächsten Vierteljahr hoffentlich getan werden werden. Die Reihenfolge ist willkürlich und nicht unbedingt proportional zur Wichtigkeit.
Mich selbst Suchen, im alten Zelt von meinem Großvater schlafen (zur Selbstfindung und Erinnerung und weil ich es mir einfach schön vorstelle), über Gott, Übersinnliches, Schicksal und Religionen nachdenken und herausfinden, ob es eine Religion gibt, die meine Vorstellungen vertritt, über mich selbst und die Leute um mich herum nachdenken, soziale Kontakte pflegen, über das Vertrauen nachdenken, über die Liebe nachdenken, über den Hass nachdenken, lernen (fürs Leben, nicht für die Schule), über die Zukunft nachdenken, meinen 16. Geburtstag feiern, versuchen, mein Weblog persönlich zu gestalten, mein Zimmer aufräumen, mein Zimmer neu gestalten (mit Regenbogen und Weltkarte, wenns geht), meinen Computer aufräumen, Fotos sortieren, endlich eine Sicherungskopie erstellen, mich mit Borland Delphi spielen, Stenographieren lernen, Irish Tin Whistle Spielen lernen, Projekt C15-OE-XED fertigstellen (so bald wie möglich), über Politik nachdenken, schreiben und vieles mehr.
Zu manchen alten Gewohnheiten will ich zurückkehren, anderes will ich neu beginnen.

Für morgen hab ich frei gekriegt. Werde wahrscheinlich in die nächstgrößere Stadt reisen, um ein Palme zu kaufen ;) Es grüßt die 6A, die allerbeste Klasse dieser Welt.

Von österreichischer Seite her wars das dann wohl bei der EURO. Dabei hatte ich auf ein optimistisches drei zu zwei gewettet. Vielleicht hätten wir doch die besten Spieler einsetzen sollen, nicht die richtigen. Ich hoffe nur, Deutschland wird nicht am Ende noch Europameister. Und ich hoffe, Jürgen Macho gehts gut.

16.06.2008 um 19:02 Uhr

Nein!

Stimmung: verärgert, und auch enttäuscht. irgendwie sogar verzweifelt.
Musik: Meat Loaf

Mit Sicherheit nicht!
Meine Eltern sollen ihre Midlifecrisis bloß nicht auf mich übertragen. Da mach ich nicht mit. Ich fahre nicht in einem Cabrio mit. Mit Sicherheit nicht. Das können sie vergessen. Normalerweise macht man sich sowas mit seinen Kindern aus, sucht nach einem Auto, das allen gefällt. Aber nicht bei uns. Ich werde nach London geschickt, und hinterrücks suchen sie sich ein hässliches graues Cabrio aus. Nicht, dass ich es gesehen hätte, ob das Cabrio hässlich ist. Aber Cabrios sind nunmal hässlich. Gegen die bin ich allergisch. Meine Eltern wissen das, aber sie kaufen trotzdem eins. Ich habe kein Mitspracherecht. Ich bin ihnen egal. Und den Clio wollen sie also verkaufen. Schön, dass ich das auch mal erfahre. Er ist ein gutes Auto, unser Clio. Muss nicht ersetzt werden. Abgeschoben. Wegen einem Cabrio. Warum? Das muss nicht sein.
Ich will das nicht!

16.06.2008 um 00:36 Uhr

Mind The Gap

Stimmung: rückblickend und ausblickend. sentimental. hoffnungsvoll.
Musik: Queen

Back home…
Trotz aller Müdigkeit müssen wenigstens ein paar der Eindrücke und Gedanken niedergeschrieben werden.

Donnerstag, 12.6.
Halb ausgeschlafen sprinten wir in Eltham zum Zug Richtung Charing Cross. Es wird ein anstrengender Tag mit National Gallery, Parliament, Change of Guards, Buckingham Palace von Außen, Oxford Street, Madame Tussauds, Westminster Abbey (evangelischer Evensong) und Portrait Gallery. Trotz fehlender Pause für Nahrungsaufnahme kommen wir alles andere als hungrig, leicht erschöpft, aber sicher zurück nach Etham.
Meine liebe beste Freundin, mit der ich mir bei unserer freundlichen Regengastmutter ein Zimmer teile, ist so anspruchsvoll dass es fast schon wieder lieb ist.
Einmal mehr verstärkt fällt mir auf, dass ich anders bin. Keine Außenseiterin. Aber doch deutlich anders. Auch Mr. M. und meinen „fünf kleinen Freunden“ muss das auffallen, aber ich weiß nicht, ob es sie stört.
Seite an Seite zu einem Zug rennen gibt ein angenehmes Gefühl des Zusammenseins. Denn auch wenn man die anderen Leute noch nie gesehen hat, haben in diesem Moment doch alle das gleiche Ziel, nämlich den Zug noch rechtzeitig zu erreichen.
Früher habe ich fast nie von mir selbst auf andere geschlossen. Aber in letzter Zeit denke ich, dass ich es vielleicht doch manchmal machen sollte.
Ich huste vor mich hin.
Ich bin unglaublich optimistisch.
Die Zahnpasta wird langsam knapp.

Freitag, 13.6.
Nach langer Zug-, Bus- und Fußreise über Tower Bridge zum Tower, nach beinahe ebenso langer Reise zu Harrods, über Tottenham Court Road zur Oxford Street, zum Abschluss das British Museum (Stein von Rosette, Parthenon, Mumien und Game of Ur).
Das Anderssein wird zunehmend komplizierter. Ich muss dringend mal darüber nachdenken.
Man kommt hier kaum zum Denken. Vielleicht ist es ganz gut, meinen Kopf einmal für eine Zeit mit Eindrücken von außen zu überschütten. Aber manchmal wünsche ich mir ein paar Minuten Ruhe, um meinen eigenen Gedanken folgen zu können.
Alles ist hier so schnell. So viele Eindrücke in so kurzer Zeit. Aber ich achte auf die Menschen, wie sie sich verhalten, welche Gefühle sie zeigen, und so weiter. Die Menschlichkeit geht nicht verloren, in dieser Stadt. Wir sind alle Individuen mit eigenen Sorgen, Ängsten, Wünschen, Träumen. Einem niedergeschlagenen Afro-Amerikaner konnte ich ein Lächeln schenken. Er gab mir seins zurück.
Können blaue Plastiksäcke spurlos verschwinden?
Ich habs nicht gesehen, aber ich hab mir sagen lassen, Österreich hat gut gespielt. Schade dass nicht mehr als ein Ausgleich drin war. Und ich hab mir sagen lassen, dass Deutschland verloren hat. Aber Montag ist ja auch noch ein Tag.
Ich huste weiter.
Die Zahnpasta wird immer knapper.

Samstag, 14.6.
Camden Town Market, National Library, Oxford Street again, Dominion Theatre – We Will Rock You (best show ever), China Town, Piccadilly Circus (ist kein Circus mehr), Leicester Square (ist noch ein Square).
Früher habe ich alle Großstädte dieser Welt verabscheut. London habe ich diesmal ins Herz geschlossen. Es tut weh, bei Charing Cross in den Zug zu steigen und zu wissen, Das wars jetzt. Auf Wiedersehen, London, denn das hoffe ich.
Zum Abschluss eine Riesenportion an Menschlichkeit. Ich weiß seinen Namen nicht.
Die wissen alle gar nicht, wie gern ich sie hab. Wie dankbar ich manchen von ihnen bin und wie wichtig sie mir sind. Ob ich es ihnen wohl irgendwann sagen werde? Und wie wichtig bin ich ihnen?
So unglaublich viele Hemmungen an einer einzigen Person. Das kann nicht gesund sein. Etwas gehört getan.
Manche Leute sagen, sie bereuen nichts. Ich schon. Keine Ahnung, ob das nun gut oder schlecht ist. Jedenfalls bereue ich viel und lange. Ich denke nicht, dass ich das ändern könnte.
Ja, Plastiksäcke können spurlos verschwinden. Aber manchmal tauchen sie wieder auf, wenn man sich darum bemüht.
Ich kann nicht glauben, dass sie wirklich so naiv ist. Warum zeigt sie mir nicht, dass sie ein höheres Niveau hat? Oder ist das wirklich meine beste Freundin wie ich sie kenne und liebe?
Die Zahnpasta musste sparsam rationiert und mit Bedacht verwendet werden. Der Vorrat neigt sich dem Ende zu. Aber es reicht noch.

Sonntag, 15.6. (9:36)
Da sind wir nun also, am Weg zum Flughafen. Fünf von uns schlafen, darunter auch Mr. M. – er ist also doch ein Mensch. Maschinen schlafen ja nicht. Es macht mich ein wenig traurig, die Stadt zurückzulassen. Die Insel zurückzulassen. Und das denkt ausgerechnet jemand, der sich vor vier Jahren in Irland verliebt hat. Aber irgendwann werde ich auch hierher zurückkehren. Wieder über Trafalgar Square laufen, die National Library besuchen und einen Tag im Hyde Park verbringen. Vielleicht wohne ich wieder in Eltham, könnte ja sein. Wäre schön, denn am meisten wird mir das Zugfahren hier fehlen. Die Geräusche, das hektische Piepsen, wenn die Türen aufgehen, und die freundliche Stimme, die mir sagt, wo wir gerade sind, und dass ich keine unattended items on the train or in the station zurücklassen soll. Und das Display, auf dem diese Informationen in gelber Leuchtschrift vorbeilaufen. Die roten Busse und Telefonzellen, und die Straßen ohne Zebrastreifen. Look right, steht da zum Beispiel, wie eine Erinnerung, dass die Autos links fahren. Und blindengerecht sind die Steine, an denen man erkennt, ob hier eine Straße oder eine Rolltreppe ist. So viele Dinge, die es bei uns nicht gibt.

Jetzt
Noch ein allerletztes Mal, weils so schön ist:
This is a Southeastern Service to Charing X, calling at Barnehurst, Bexleyheath, Welling, Falconwood, Eltham, Kidbrooke, Blackheath, Lewisham, New Cross, London Bridge, Waterloo East and Charing Cross. The next station is Lewisham. We will shortly be arriving at Lewisham. Please mind the gap between the platform and the train. Please do not leave any unattended items of luggage on the train or in the station.

Aber nun wird das abgeschlossen. Auf in neue Zeiten. Bessere? Andere. Die Welt ist im Wandel. So manches Geschehene war traurig, ist traurig, wird lange oder immer wehtun. Aber es musste wohl so sein, vielleicht war es gut so. Wir wollen nicht mehr dem nachtrauern, was wir verloren haben. Sondern der Zukunft entgegensehen.
Es gibt viel zu tun.

11.06.2008 um 12:08 Uhr

Die letzte Reise

Stimmung: nicht besonders gut. Ich fühl mich als ob ich Grippe hätte. Aber das Sternbild der Hoffnung leuchtet am Horizont.
Musik: R.E.M.

Möge die Reise nach London die letzte in dieser dunklen Zeit sein. Möge sie einen Schlusspunkt darstellen, den Weg in die Freiheit. Möge das nach Hause Kommen am Sonntag auch ein zu mir selbst Finden sein.
Ich hoffe es.
Bis dann, ich pass auf uns auf.

09.06.2008 um 22:03 Uhr

Kraftlos

Stimmung: nicht besonders gut
Musik: Meat Loaf - It's All Coming Back To Me Now

Ich hab mich viel zu wenig vorbereitet und mache mir ein wenig Vorwürfe. Aber ich kann einfach nicht mehr, bin völlig kraftlos, will nur noch, dass das endlich alles vorbei ist. Ich fühle mich nicht gut, mir ist heiß und kalt zugleich, ich bin so müde wie oft im letzen halben Jahr. Das merkt man nicht, ich bin mindestens genauso gelassen und heiter wie sonst. Ich will nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn ich nicht wüsste, dass es am Montag vorbei ist. Kein Traubenzucker mehr da. Morgen wird ein langer, schwerer Tag. Ich habe nichts gelernt. Und ich bin so unglaublich müde…

 

Per aspera ad astra?

08.06.2008 um 22:44 Uhr

Was denkt er über mich?

Stimmung: zu nachdenklich
Musik: Regen

Er verwirrt mich, immer wenn er da ist. Warum interessiert er sich für mich? Was denkt er von mir? Mag er mich? Wie sehr mag er mich? Was denke ich über ihn? Ist er mir wichtig? Was kann ich ihm erzählen? Sollte ich besser schweigen? Was soll ich sagen? Versteht er mich? Er sucht meine Nähe, ob ich will oder nicht. Er nimmt mich anders wahr als die meisten Leute. Ich denke, dass er mich versteht. Aber es gibt Beziehungen, aus denen nicht mehr werden sollte. Nicht mehr, als ohnehin schon ist. Nicht, dass er das wollen würde. Oder ich. Aber dieses Verständnis, das ich nicht verstehe, gibt mir sehr zu denken.

Ein schwarzes Schaf mit hellen Haaren, bei Regenwetter, während einem EM-Spiel, das es sich nicht ansieht, obwohl oder gerade weil es, wie gewohnt, mit seinen Gedanken am falschen Ort ist, denn es hat keine Ahnung von der Nationalen Einigung Italiens, denkt stattdessen über jemanden und die Welt nach und wartet darauf, dass die Sonne aufgeht.

08.06.2008 um 20:31 Uhr

Schwarzes Schaf

  
Sollte aber irgendwann über mich gesagt werden, ich sei das "Schwarze Schaf" der Familie, dann möge mich dies stolz machen. Dann stehe ich dazu und sage, Ja, ich bin das schwarze Schaf. Ovis nigra sum. Und ich werde dabei lächeln. Es ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis ich in eine solche Situation kommen werde. Anders und stolz drauf.

(Die kroatischen Medien nannten unser Nationalteam ein lächerliches; das ist es gewiss nicht. Der Elfmeter in der vierten Minute war schlimm, aber zeitweise haben die Österreicher ganz schön Druck gemacht. Gefoult wurde auf beiden Seiten nicht wenig. Aber das mit Kienast beim Freistoß hätte wirklich nicht sein müssen.)

Ich wünsche allen Deutschen und Polen noch einen unterhaltsamen Abend, aber bitte reißt euch zusammen. Fußball soll verbinden, hab ich gehört.

07.06.2008 um 23:16 Uhr

Am eigenen Weg überholt werden

Stimmung: nachdenklich
Musik: Das Rauschen des Ventilators über meinem Prozessor

„Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann nicht überholt werden.“

Das war vor einigen Tagen die Lösung beim Zitate-Rätsel in der „Presse“. Ich weiß nicht viel über Marlon Brando, er war lange vor meiner Zeit. Aber dieses Zitat von ihm gefällt mir. Als ich es zu meiner besten Freundin ganz nebenbei gesagt habe, hat sie es sofort zunichte gemacht. Das ist etwas, das ich besonders an ihr mag. Nichts nimmt sie einfach so hin, wie man es ihr sagt, sie muss immer alles hinterfragen. Wenn ich meinen Weg gehe, und sie geht auch diesen Weg, dann kann sie mich überholen, meinte sie. Ich habe sie dann nur gebeten, sie möge doch bitte ihren Weg gehen, nicht meinen. Aber ich habe weiter darüber nachgedacht, und ich denke, dass Marlon Brando Recht hat. Wenn ich meinen Weg gehe, kann mich niemand überholen. Denn der entsteht erst, während ich ihn gehe, und er ist nie länger als bis dorthin, wo ich gerade bin. Wenn mir jemand auf diesem Weg folgt, kann er mich nicht überholen. Denn sobald er das tut, geht er seinen eigenen Weg, nicht mehr den meinen. So sehe ich das momentan. Vielleicht frag ich mal meine Freundin, was sie dazu sagt.

Jetzt muss ich mir mal Geschichte durchlesen. Morgen Abend komm ich ja nicht dazu, da spielt Österreich gegen Kroatien.

04.06.2008 um 21:59 Uhr

Bald schon...

Stimmung: so mittel
Musik: Alphaville

Ich lass mich ja bekanntlich nicht stressen, das hat mittlerweile sogar schon Mr. M. gemerkt. Trotzdem ist das Angebot an für blogigo zur Verfügung stehender Zeit momentan etwas knapp am Markt. (Wodurch zwar der Preis steigt, entgegen der Erwartungen aufgrund des Marktmechanismus aber nicht die Nachfrage sinkt.)

Haben heute eine unglaublich gemeine Lateinschularbeit geschrieben, das kann ja morgen heiter werden (Donnerstag erste Stunde Latein). Diese Woche dann noch Biologieprüfung, Mathetest und Deutschtest, am Montag Geschichtetest, am Dienstag die schriftliche FCE-Prüfung. Aber dann muss endlich mal Ruhe sein. Vom Elften bis Fünfzehnten sind wir mit Mr. M. in London, am Sechzehnten spielt Österreich gegen Deutschland und am Achtzehnten ist die Notenkonferenz. Und für die darauffolgende Zeit ist in meinem Kopf schon eine Liste der Dinge, die ich machen will. Ganz oben steht Mich Selbst Suchen, und den Rest schreibe ich hier vielleicht auch mal auf. Es gibt so viel zu denken und so viel zu schreiben, aber momentan wünsche ich mir nur, dass das, wo ich im letzten halben Jahr war, endlich vorbei ist.
Nur noch zwei Wochen… Hoffe ich.

Am Samstag stellt uns meine Schwester ihren Freund vor, der ist kein Brite, sondern aus Grein, aber er arbeitet dort und jetzt ist er da. Oder so ähnlich zumindest. (Ich würde mich nicht bei meinen Eltern als der Freund meiner Schwester vorstellen müssen wollen.)

Ich wünsche allen viel Gutes und die Aussicht auf bessere Zeiten, denn strahlende Hoffnung in der nahen Ferne tut der Seele gut.

Ich liebe dieses Regenwetter, auch wenn ich da nicht barfuß gehe.

Gute Nacht.

Und alles Gute zum Geburtstag, Dad.

01.06.2008 um 21:47 Uhr

Where is the Horse and the Rider?

Stimmung: schön, ganz woanders und doch zuhause
Musik: The Lord of the Rings (Howard Shore)

Where now the horse and the rider? Where is the horn that was blowing?
Where is the helm and the hauberk, and the bright hair flowing?
Where is the hand on the harpstring, and the red fire glowing?
Where is the spring and the harvest and the tall corn growing?
They have passed like rain on the mountain, like a wind in the meadow;
The days have gone down in the West behind the hills into shadow.
Who shall gather the smoke of the dead wood burning,
Or behold the flowing years from the Sea returning?

(
J. R. R. Tolkien, adapting the Old English poem The Wanderer)

Weil ich gerade die richtige Musik dazu höre und es wunderschön finde. Weil ich nicht in Wasserau bei meinen Lateinvokabeln bin, sondern in Rohan, mit einem Pferd wie Schneemähne.

Faithful servant yet master's bane,
Lightfoot's foal, swift Snowmane.

01.06.2008 um 00:41 Uhr

Manchmal ist Anderssein schwierig

Stimmung: nachdenklich, müde
Musik: Bryan Adams

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre ein wenig mehr wie die Leute, die mir wichtig sind. Nicht weil mir die Meinung anderer so wichtig ist. Sondern weil mir meine eigene Meinung sehr wichtig ist. Ich bin gerne anders. Doch wäre ich es auch gerne auf eine Art, dass ich stolz darauf bin. Denn manchmal ist es sehr schwierig. Manchmal steht mir mein Anderssein im Weg.