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Stimmung: durcheinander, auch nachdenklich
Musik: erst die Rolling Stones, dann Conor Oberst
Nachdem ich meine Birke in den letzten Tagen ohnehin schon so vernachlässigt hatte, schien es mir nicht notwendig, die einwöchige Abwesenheit ohne Internetzugang im Vorhinein anzukündigen. Ich war mit einer guten Freundin am Stritzlhof, und es tat wirklich gut, sich mal eine zeitlang keinem einzigen Familienmitglied auseinandersetzen zu müssen. Nette Leute, nette Pferde, nette Hunde. Ich nehme dort die Zeit anders wahr, lebe bewusster. Es gab sehr schöne Augenblicke, zum Beispiel gehe ich gern möglichst früh über taunasse Weiden, galoppiere über Stoppelfelder, kraule Nestroy am Kinn, rede mit Gleichaltrigen zwar nicht über Gott, aber zumindest über die Welt und höre Musik in schlaflosen Nächten. Über Max will ich noch schreiben, aber der kriegt bei Gelegenheit einen eigenen Eintrag.
ÂAls ich nach Hause gekommen bin, gab die Mirakatze keinen Laut von sich, hatte kaum Appetit und lag die meiste Zeit nur fad herum. Sie schien nicht wirklich krank, eher depressiv. Gestern wollten wir sie zum Tierarzt bringen, aber der eine ist auf Urlaub und der andere nicht erreichbar. Vielleicht hat aber schon die Drohung gereicht, jedenfalls hat sie heute ein wenig gesprochen, wieder mehr gegessen und sich auch ein bisschen bewegt.
ÂIch weiß nicht viel aber eins weiß ich. Wenn ich mal groß bin, wenn es sich irgendwie mit dem ganzen Rest vereinbaren lässt, dann wohnt bei mir ein Hund. Nicht so ein Hamster wie Eric, sondern ein echter Hund wie Boss. Oder einer, der noch ein bisschen was mit einem Wolf zu tun hat.
ÂMein Vater hat eine Knochenabsplitterung am linken Mittelfinger und eine geprellte Hand. Er ist trotzdem im Krankenhaus, aber nicht als Patient, sondern als Anästhesist. Offiziell ist er wohl in Krankenstand, aber irgendein Facharzt muss ja im Haus sein. Sind ja super Arbeitsbedingungen da draußen. Ob daran die Holding schuld ist, frag ich mich manchmal.
ÂIch habs ja schon geahnt. Hört auf zu streiten, dachte ich mir immer wieder, Bringt was weiter. Sonst endet das noch in Neuwahlen. Und tatsächlich… die große Koalition ist gescheitert. Jetzt dürfen auch die ihre Stimme abgeben, die bis zum Wahltag 16 werden, da kommt ja Freude auf. Auch wenn einen die Politik sonst nicht so sehr interessiert, finde ich doch, man sollte sich zumindest ein wenig auskennen. Wissen, wer Faymann ist, wer die Roten sind, wofür die Abkürzung SPÖ steht. Hat der Ö3-Mikromann Jungwähler gefragt, die keine Ahnung von nichts hatten. Fast ein wenig traurig, sowas.
ÂMan sagt manchmal, es gehe bergab, dann ist das schlecht; bergauf hingegen heißt, dass es wieder besser wird. Ich finde, es sollte andersrum sein. Bergauf ist es mühsam und anstrengend, wenn man dann oben angekommen ist, geht es wieder leichter weiter, bergab ist nie besonders anstrengend. Wenn man einen schwierigen Berg überwunden hat, ist das doch gut, finde ich.
ÂÜbrigens, weil ich es gar nicht erwähnt habe, zumindest meine beste Freundin und ich haben das Cambridge ESOL FCE-Zertifikat geschafft. Die anderen wohl auch, aber fragen wollte ich sie nicht, denn ein wenig Angst hab ich doch vor der Antwort.
ÂJemand, den ich respektiere und dem ich gerne zuhöre, hat einmal gesagt, in der Biologie sollte man immer nur nach dem Warum fragen, niemals nach dem Wozu. Und ich denke, er hat Recht. Beim eigenen Handeln sollte man sich überlegen, Wozu mache ich das, was ist der Sinn? Doch bei anderen Dingen, die man nicht beeinflussen kann, sondern so akzeptieren muss wie sie sind, da reicht ein einfaches Warum.
ÂMeine Schwester ist 20, unser Fernseher ist älter. So war es immer, von mir aus hätte es so bleiben können. Seit einigen Wochen haben wir einen neuen, flachen Fernseher. Dass ich das noch erleben muss. Wir sind ja so innovativ. Sogar einen DVD-Player haben wir. Sachen gibts… Es war ein guter, treuer Fernseher, den wir da hatten. Ich werde ihn nicht vergessen.
ÂUnd irgendwann eines Tages werde ich meinen eigenen Reiterbogen spannen. Ich muss mir nur erst noch einen kaufen.
Â
Die Gesellschaft für Verbreitung von Schrecken aller Art teilt mit, daß nun auch fingierte Einbrüche polizeilich genehmigt worden sind. Die Abonnenten genießen wie immer erhebliche Vorteile. Auf ein Jahresabonnement zu 3 Einbrüchen 1 Mordüberfall gratis. Näheres die Prospekte und Kataloge.
Das war jetzt nicht von mir, sondern von Christian Morgenstern; Aus dem Anzeigenteil einer Tageszeitung des Jahres 2407.
Ich wünsche eine gute Nacht.
Guter alter Fernseher:
