Stimmung: nachdenklich
Musik: Simon & Garfunkel
Da war früher mal ein schöner Pfad, ausgetreten durch viele kleine Füße, Kinder am Weg ins Lager, oder vom Lager, zum Holzsammeln, am ehesten wohl auf der Jagd.
Doch die Füße sind gewachsen, tragen Schuhe Größe 40 und noch mehr, gehen jetzt andere Wege.
Früher hat mich dieser Gedanke traurig gemacht, dass sich eines Tages, wenn wir erwachsen sind, andere Kinder „in unserem Wald“ herumtreiben werden. Doch jetzt, wo diese Zeit eigentlich kommen müsste, sind jene Stellen, die mir so viel bedeuten, verlassen, geradezu trostlos.
Wo sind sie, die Räubertöchter und Borkasöhne, die Indianerhäuptlinge, Meisterdetektive? Wo spielen die Kinder von heute, spielen sie überhaupt? Oder wollen sie nicht mehr ihre eigenen Welten erfinden? Verbringen sie ihre Zeit vielleicht lieber mit ihrer Play Station oder gar mit einem elektrischen Hund? Ich verstehe es nicht. Waren wir die letzten, denen das Wurzellager ein Zuhause war? Oder bin ich gar die einzige, der jener Wald so sehr am Herzen liegt? War es völlig umsonst, dass wir spätabends mit unseren Taschenmessern die roten Markierungen von der Rinde kratzten, um das Wurzellager zu retten? Stimmt schon, das Unternehmen ist ohnehin gescheitert, die drei Bäume wurden gefällt. Und dennoch würde ich unseren alten Wald gern in guten Händen wissen.
Wenn ich eines Tages einen jungen Birk Borkasohn im Wald treffe, dann schenke ich ihm meinen alten Haselnussbogen mit allen Pfeilen, die ich noch finden kann.
Es war wohl naiv zu glauben, dass Generationen von Kindern hier im Wurzellager „leben“ werden.