Birch Tree

30.09.2008 um 18:48 Uhr

Ich will endlich sicher im Leben stehen.

Stimmung: wann hat der scheiß ein ende?
Musik: Queen

Nein,
ich bin nicht traurig,
es ist nichts vorgefallen,
ich habe mich nicht verletzt,
ich habe mit niemandem gestritten.

 

Ja,
ich lache viel,
es geht mir gut,
ich pass auf mich auf,
ich bin die lustige Person,

und nicht nur bei Goethes Faust.

 

Ich bin mit der Gesamtsituation nicht einverstanden.
So macht es keinen Spaß mehr.

Ich brauch Veränderung.

Ich muss raus hier.

Fort von hier.

Weg.

 

Wo gehts hier bitte zum Ausgang?

29.09.2008 um 17:43 Uhr

Hier zu Hause

Stimmung: ziemlich fertig und müde, aber nicht allzu schlecht
Musik: Queen & Paul Rodgers - The Cosmos Rocks

Ich wandere nicht aus, wenn die Regierung nichts weiterbringt.

Ich ziehe auch nicht aus, wenn daheim der Strom ausfällt.

Nicht einmal die Schule verlasse ich, obwohl wir dort manchmal ziemlich fies behandelt werden.

Und ich werde nicht gehen, solange meine kleine Birke hier noch lebt und wachsen kann. Selbst wenn ich wollte, ich könnte nicht.
Denn Blogigo ist einzigartig.

Nie hat eine Internetplattform mein Leben mehr bereichert. Nie konnte ich so anonym bleiben und doch so offen schreiben. Und niemals habe ich irgendwo Wichtigeres gelesen als hier.

Das musste einfach mal geschrieben werden.

Wer gehen will, soll gehen, auch wenn mir manche fehlen werden.

Ich werde keinem folgen.

(Aber vielleicht wandere ich doch noch aus.)

 

Und jetzt muss ich versuchen, das Englischreferat ordentlich hinzubekommen. Das kann ja heiter werden.

28.09.2008 um 20:11 Uhr

In was für einem Land leben wir hier eigentlich?

Stimmung: leicht deprimiert und nachdenklich
Musik: Die Ärzte

Baustelle Österreich.

SPÖ und ÖVP haben stark an FPÖ und BZÖ verloren:

fast ein Drittel der ÖsterreicherInnen hat blau oder orange gewählt.

Die Grünen liegen mit zehn Prozent auf Platz fünf.

Na gute Nacht, oder „Zeit zum Auswandern“, wie es meine Schwester so treffend formuliert hat.
Viel Spaß bei der Regierungsbildung, ihr Vollkoffer.

Echt jetzt... so eine Baustelle.

„Unheimlich beknackt.“

 

Und dennoch ist es ein interessanter Gedanke, dass unter diesen vielen tausend Stimmen auch eine von mir ist...

27.09.2008 um 19:17 Uhr

Harvest

Musik: Alphaville

Der Westen ist meine Richtung, meine Jahreszeit ist der Herbst.

Kastaniensammeln, Räuberspielen, Lagerbauen, Drachensteigen… das wird es alles kaum noch geben. Es bleiben Erinnerungen, an alte Zeiten, an eine schöne Kindheit. Und es bleibt das Gefühl beim ersten Apfel aus dem Garten und beim ein letztes Mal barfuß Gehen. Es bleibt der Geruch beim Einheizen und beim Apfelspaltentrocknen. Es bleibt das Trommeln des Regens und das raschelnde Laub. Der Herbst beginnt nach meinem Geburtstag, wenn die Spinnen ins Haus kommen und die Katze faul herumliegt. Wenn die Pferde in der Box stehen und es in der Schule anstrengend wird. Wenn es in der Früh noch dunkel und in meinem Zimmer kalt ist. Dann beginnt meine Jahreszeit.

Der Herbst ist ein einziges großartiges Gefühl.

26.09.2008 um 22:56 Uhr

Mr. M. – Fragen, auf die es keine Antwort gibt

Stimmung: nachdenklich
Musik: Queen

Warum macht er das? Er führt uns in ausweglose Situationen, und stellt es so dar, als ob wir selbst schuld wären. Er sorgt dafür, dass wir uns schlecht fühlen. Wir sind unfähig. Nutzlos. Ungeziefer. Nicht gut genug für diese Welt. Oder für seine Welt. Warum, warum macht er das? Was gibt es ihm? Will er unseren Willen brechen? Dann ist er auf dem falschen Weg. Oder ist es Hass? Vielleicht ein alter Hass, der sich tief hineingefressen hat, und wegen dem er sich jetzt an uns zu rächen versucht. Hass auf wen? Auf die Menschheit? Auf Jugendliche? Auf uns? Will er, dass wir uns selber hassen? Wenn er uns nicht hasst, was denkt er dann dabei? Denkt er, er hilft uns auf unserem Weg? Denkt, wir brauchen einen solchen Druck, um erwachsen zu werden? Es ist kein einfacher Druck mehr. Es ist demütigend, es ist gemein. Und es ruft Hass hervor. Wie kann einer allein so grausam sein? In welcher Welt lebt ein solcher Mensch?

Mr. M. – was denken Sie dabei?
Werden Sie sich eines Tages vor uns rechtfertigen?

16.09.2008 um 20:37 Uhr

Völlig fertig

Stimmung: Winterschlaf, das wär was...
Musik: John Lennon - Watching The Wheels

Irgendwie ist das gerade alles zu viel für mich.
Es geht mir nicht schlecht. Ich bin nur völlig fertig.
Sehne mich nach Ruhe. Stunden guter Musik. Drachensteigen.

Und ich finde, ich sollte lernen, auch öfters auf mich selbst zu schauen, nicht immer nur auf das Wohlbefinden der anderen. Ich will nämlich auch ein angenehmes Leben haben. Ist das egoistisch?

10.09.2008 um 22:58 Uhr

Wahllos

Jetzt ist es also geschehen, was sich schon angebahnt hatte, die letzten Tage. Ich konnte mich ja kaum dagegen wehren, sie haben mich einfach auf die Liste gesetzt und mich mit absoluter Mehrheit gewählt. Was hätte ich machen sollen, wo sie das doch so sehr wollten? Wo ich doch sowieso immer schon die war, die versuchte, mit den Lehrern vernünftig zu reden, die Klasse zu verteidigen, und so weiter. Ich hätte es lieber freiwillig und unverbindlich gemacht, aber wenn es ihnen gut dabei geht, dann solls eben so sein. Das schreibe ich. In Wirklichkeit denke ich, Warum ausgerechnet ich?

Klassensprecherin, soweit kommts noch! Nein, soweit ist es schon gekommen. Ein schönes Gefühl, beliebt zu sein...

 

Beschäftigt von Kopf bis Fuß. Absolut keine Zeit zum Bloggen.

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Österreich gegen Litauen zwei zu null verloren. Aber eine interessante, ganz andere Atmosphäre hat das Stadion in Litauen.

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Gute Nacht.

07.09.2008 um 23:17 Uhr

Wo sind die jungen Räubertöchter?

Stimmung: nachdenklich
Musik: Simon & Garfunkel

DickichtDa war früher mal ein schöner Pfad, ausgetreten durch viele kleine Füße, Kinder am Weg ins Lager, oder vom Lager, zum Holzsammeln, am ehesten wohl auf der Jagd.

Doch die Füße sind gewachsen, tragen Schuhe Größe 40 und noch mehr, gehen jetzt andere Wege.

Früher hat mich dieser Gedanke traurig gemacht, dass sich eines Tages, wenn wir erwachsen sind, andere Kinder „in unserem Wald“ herumtreiben werden. Doch jetzt, wo diese Zeit eigentlich kommen müsste, sind jene Stellen, die mir so viel bedeuten, verlassen, geradezu trostlos.

Wo sind sie, die Räubertöchter und Borkasöhne, die Indianerhäuptlinge, Meisterdetektive? Wo spielen die Kinder von heute, spielen sie überhaupt? Oder wollen sie nicht mehr ihre eigenen Welten erfinden? Verbringen sie ihre Zeit vielleicht lieber mit ihrer Play Station oder gar mit einem elektrischen Hund? Ich verstehe es nicht. Waren wir die letzten, denen das Wurzellager ein Zuhause war? Oder bin ich gar die einzige, der jener Wald so sehr am Herzen liegt? War es völlig umsonst, dass wir spätabends mit unseren Taschenmessern die roten Markierungen von der Rinde kratzten, um das Wurzellager zu retten? Stimmt schon, das Unternehmen ist ohnehin gescheitert, die drei Bäume wurden gefällt. Und dennoch würde ich unseren alten Wald gern in guten Händen wissen.

Wenn ich eines Tages einen jungen Birk Borkasohn im Wald treffe, dann schenke ich ihm meinen alten Haselnussbogen mit allen Pfeilen, die ich noch finden kann.

verlassenes Lager

Es war wohl naiv zu glauben, dass Generationen von Kindern hier im Wurzellager „leben“ werden.

07.09.2008 um 22:05 Uhr

Neujahr

Stimmung: rückblickend und hoffnungsvoll
Musik: U2 - New Year's Day

Für mich beginnt das neue Jahr Anfang September.
Das letzte Jahr war wohl sehr wichtig für mich. Da gab es diese wunderschönen Momente, in denen ich mein Leben so richtig genießen konnte. Aber ich habe auch ganz andere Erfahrungen gemacht.
Ich habe auf den Boden geblickt
und festgestellt, dass ich da nicht liegen will.
Das war nicht besonders angenehm, aber es war unglaublich wichtig.
Es hat sich viel verändert, in meinem Kopf. Vielleicht habe ich auch begonnen, mich selbst kennen zu lernen. Mal sehen, wie es weitergeht. Haltet mich jetzt bloß nicht auf.

06.09.2008 um 23:33 Uhr

Sieh mal einer an, wer hätte das gedacht?

Stimmung: gut, wenn auch hundemüde.
Musik: ein offenes Fenster, mehr brauch ich heute nicht

Österreich gegen Frankreich, drei zu eins. Na, wenn das mal nicht erfreulich ist.

Trotzdem würde mir eine WM-Qualifikation nicht sehr viel bedeuten. Wann und wo die Österreicher spielen ist mir nicht so wichtig, nur wenn sie mal spielen, dann seh ich sie gern gewinnen. Ich bin ja ein verhinderter Fußballfan, auch wenn man es mir nicht ansieht.

 

Der Direx und ich, wir werden noch mal ganz dicke Freunde. Wird immer lockerer, was sich da jährlich in seinem Büro abspielt. „Wie üblich bringe ich Ihnen meine Abmeldung vom Religionsunterricht.“ – „Wie üblich frage ich dich, hast du dir das auch gut überlegt?“ Ein wenig Smalltalk, wies mir denn so geht, denn wir sehen uns ja so selten, dann ein freundlicher Händedruck, und weg bin ich wieder. Wo ich doch nun schon seit Jahren an einem Tabu-Thema rüttle, denn es ist ja „nicht im Sinne dieser Schule“. Na, dann erst recht…

 

Trotz dieser zwei gewonnenen Wochenstunden wird es wohl ein sehr, sehr anstrengendes Schuljahr. Wo doch die Englischförderung wirklich wieder sinnvoll wäre, mich die Carbonara aber auch zur Lateinförderung überredet hat; dazu noch die ganzen Philosophiestunden im gesundheitlich-sozialen Profil, und so weiter und so fort. Aber wir schaffen das schon, sind ja nicht die ersten, die da durch müssen. Und wir halten zusammen, wir 13.

 

Viel in meine Kopf, zu viel. Langsam gewöhnt man sich daran. Morgen ist für mich Neujahr, mal sehen, was das bringen wird.

Ich komme wieder, keine Frage.

02.09.2008 um 22:55 Uhr

13 in der Besenkammer

Stimmung: müde, aber nicht schlecht
Musik: Howard Shore

Jetzt haben wir es also tatsächlich in die Siebte geschafft. 7A, das klingt doch ganz gut. Dreizehn sind wir, dürfen damit den Titel der kleinsten Klasse tragen. Und hausieren in der Besenkammer im zweiten Stock. Drei Tische breit der Raum, und etwa vier Tische lang. Vor der Pinnwand stehen zwölf Spinde, vor den Spinden steht eine Tafel, vor der Tafel stehen die Mistkübeln. Der Overhead-Projektor ist eine Atrappe, die Uhr wohl auch. Alles in allem, ein recht heimeliges Klassenzimmer. Überschaubar, geradezu kuschelig. Kalt kann uns bestimmt nicht werden. Am Vormittag lacht die Sonne durch das einzige Fenster, das man nicht ordentlich öffnen kann, damit wir nicht raushupfen. Sie könnten im Vorhinein schon so unterrichten, dass wir gar nicht auf diese Idee kommen; aber das fällt ihnen nicht ein. Lüften ist da zweitrangig, die Sicherheit geht vor. Unser Biolehrer meint ja, das einzige Problem seien die neuen Lichtverhältnisse. Nach zwei Jahren im Keller müssten wir uns erst wieder vom Tasten und Fühlen auf das Sehen umstellen und unsere Augen an die Helligkeit gewöhnen. Aber wie viele Klassen haben schon die Ehre, in der Besenkammer zu wohnen? Nur eine einzige. Und wir sind die Auserwählten, das nenne ich Glück. Nur Licht von hinten ist nicht optimal. Und ein Waschbecken hätte ich gern. Aber man muss es einfach mit Humor nehmen.

  

 

[Und Herr J. ist jetzt auch schon 17. Möge er unvernünftig und humorvoll bleiben, etwas weniger trinken und seinem Vater nicht wieder Viagra stehlen.]

02.09.2008 um 22:16 Uhr

In Erinnerung an den Professor

Stimmung: erstaunlich ruhig
Musik: der grandiose Soundtrack von Howard Shore

Da hab ich gestern seine Bücher von einem Regal ins andere geräumt, und dabei gar nicht an ihn gedacht. Erst durch den Eintrag im Büchergarten fiel mir auf, es war sein Todestag. Heute brennt mein Teelicht für ihn, J.R.R. Tolkien, der jene Welt erschaffen hat, in der ich zu Hause bin, in gewisser Weise. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar und würde es ihm auch gerne selber sagen; doch er wusste es wohl ohnehin selbst. Dass es Leute geben wird, die diese Bücher unlesbar finden, und andere, die sie lieben. Und auch wenn ich nur einen sehr kleinen Bruchteil seiner Werke gelesen habe, bewundere ich den Professor, für das, was er getan und mitgeteilt hat.

 

„Shakespeare schuf Charaktere und Entwicklungen,

Tolkien dagegen Welten und Mythen.“
(W.H.Auden)