Birch Tree

30.11.2008 um 23:58 Uhr

Wunsch nach Eltern

Musik: U2 - Heartland (with Brian Eno) (aber nur im Kopf, nicht im Ohr)

Manchmal wünschte ich, meine Eltern wären ein wenig mehr wie Eltern. Wahrscheinlich wär es mir dann auch nicht recht, wenn sie sich ihrer Rollen mehr bewusst wären; ich sag ja auch nicht, dass sie was falsch machen. Aber manchmal, da wünsch ich es mir eben. Wünschte, sie wären mir vertrauter. Wünschte, sie wären mir eine Hilfe. Wünschte, sie wüssten ein wenig mehr vom Drachenbau und könnten den Knoten in der Schnur etwas lösen. Ich mag meine Eltern, ganz ehrlich, bin froh, dass sie so sind, wie sie eben sind. Nur ein bisschen mehr von einer Mama, und ein wenig mehr von einem Papa, das würde wohl manches viel leichter machen.

29.11.2008 um 21:54 Uhr

Seele tot?

Stimmung: leer
Musik: Stille. Rauschen. Rund um mich. Und in mir.

Und nun stellt sich mir die Frage: Lebe ich denn überhaupt noch?
Oder ist es nur mein Körper, der noch funktioniert, und psychisch
bin ich längst tot?
Langsam dahingestorben, keiner hats bemerkt.
Ist mein Ich doch längst tot.

Hat sich selbst verzehrt.

Der stille Schrei.

Der Hilferuf.

Wonach?

Wird leiser.

Immer leiser.

Und verstummt.

Schlussendlich ganz.
Mein Herz, es schlägt noch. Doch mein Gehirn ist tot? Ohne Kontrolle, keine Perspektive. Was bleibt? Für mich?

Ich denke, ich bin, ich lebe.
Nur wie?
Was ist das in meinem Kopf?
Wo kommt es her, wo geht es hin?
Hinfort... Mein Kopf gehört nur mir. Nur mir?

 

Wind für meinen Drachen!

Was hilft der Wind, hat man doch keine Schnur?

27.11.2008 um 23:53 Uhr

Laternenschein

Stimmung: ganz gut und schön, nachdenklich, leicht sentimental
Musik: U2

Es wird nie mehr wie es war. Natürlich nicht, warum sollte es auch? Einem Winter ohne Rodeln folgte ein Frühling ohne Lagerbauen, danach ein Sommer ohne Straßenkreidenmalen, und nun ein Herbst ohne Kastaniensammeln. Es tut weh, natürlich tut es das, denn es finden Veränderungen statt, mit denen ich nur schwer zurechtkomme. Doch werden nicht auch Kinder unter Schmerzen geboren, und kann nicht das Sterben oft schmerzhaft sein? Ohne Licht kein Schatten, kein Licht ohne Schatten. Kein Schmerz ohne Leben – kein Leben ohne Schmerz? Ich will so gern verändern, doch muss ich einsehen, dass ich damit nicht die einzige bin. Ich bin erwachsen geworden, natürlich bin ich das, ich kann ja nicht ewig eine kleine Räubertochter bleiben. Manchmal, da fühle ich mich unglaublich alt, und ich frage mich, ist das alles? Ist das wirklich das Leben, um das so ein großes Theater gemacht wird? Gibt es nicht mehr? Aber dann habe ich doch wieder das Gefühl, dass meine Zeit noch kommen wird. Ich kann es nicht wissen, natürlich nicht, wie denn auch? Aber ich bin sechzehn, ich werde womöglich noch dreißig oder fünfzig Jahre alt. Und bis dahin wird es weitergehen und sich verändern, und danach ebenso, und der Globus wird sich immer noch drehen. Vorgestern war wieder Freddie Mercurys Todestag, und der Geburtstag meines fröhlichen Psychologieprofessors. Und heute, worauf ich schlussendlich kommen will, ist der Geburtstag meines geliebten Großvaters. Was haben wir gelacht heute, in diesem Affenzirkus, den er sich nicht antun wollte. Denn immer nur Wachstum, das kann es ja nicht geben. Und er hat Recht behalten, natürlich hat er…

Laterne und Spiegel nachts in der Kurve

Laternenschein und Spiegel
(Ein Bild voller Bedeutung)
Für dich, mein lieber Gobeti,
auch wenn du es nicht sehen kannst.

25.11.2008 um 05:57 Uhr

bat out of hell

Musik: Meat Loaf

If you're going through hell,

keep going.

(Winston Churchill)

Wenig erklärender Nachtrag:
Ich bin nicht in der Hölle.
Das ist nur in meinem Kopf.
Ich sehe so keine Zukunft.
Muss es irgendwie schaffen.
Da wieder rauszukommen.
Irgendwie...

18.11.2008 um 18:15 Uhr

Immer die Letzte

Stimmung: ein bisschen beleidigt bin ich schon...
Musik: Arcade Fire

Beim Handy meines Vaters bin ich die Kurzwahl Nummer 6.
3 ist meine Mutter, meine Schwestern sind Nummern 4 und 5. Die letzte Nummer ist meine. Ich weiß, dass ich das nicht persönlich nehmen darf. Aber unfair ist es trotzdem, und verstehen kann ich es nicht.
Meine Lade ist immer die unterste, im Familienkalender stehe ich ganz rechts am Rand. Die Letzte, war ich immer, werde ich immer bleiben. Ich weiß, dass das nicht böse gemeint ist. Aber unfair ist es trotzdem, und verstehen kann ich es nicht.

Es klingt lächerlich. Es ist ungerecht.

Ich bin die Jüngste, aber was kann ich dafür?

[Oder traue ich ihnen zu viel zu? Ist das Alter das einzige Ordnungssystem, das sie verstehen? Wie wäre es mit Körpergröße, Haarlänge, Alphabet, Anzahl der Buchstaben im Namen, Geburtstagsreihenfolge im Jahr (Februar-Juni-September…), Sternzeichen (chronologisch oder alphabetisch), Anzahl der Muttermale, Zeit beim letzten 60-Meter-Lauf,…? Und jede dieser Reihenfolgen ist auch noch andersrum zu verwenden. Auch die, die nach Alter geht.]

17.11.2008 um 22:55 Uhr

Einladung? Vorladung!

Stimmung: besser. belustigt, aber auch zweifelnd. ich will da nämlich nicht hin...
Musik: U2

„Liebe R.!
Ich darf mir erlauben, dich am
Dienstag, 25. November 2008, 17.00 Uhr,
zur Ballnachbesprechung in den Lehreraufenthaltsraum einzuladen.
Im Anschluss daran würde es mich freuen, wenn du dir für ein gemeinsames Abendessen in der Schule Zeit nehmen könntest.
Die entstehenden Kosten werden aus dem Lehrerdrittel des Ballgewinns abgedeckt.
Mit freundlichen Grüßen“
unser geliebter Herr Direktor höchstpersönlich...

Ich will da aber nicht hin! -.-
Wer von diesen Kameradenschweinen hat mich eigentlich zur Klassensprecherin ernannt? Danke nochmals, für die zahlreichen Stimmen bei einer äußerst demokratischen Wahl, zu der ich mich eigentlich nie aufstellen hab lassen.
Und du, Stepl, ich sags dir, wenn du nicht mitkommst, wenn ich ohne dich da hin muss – aber diese Frage stellt sich gar nicht! Ich befehle dir in meiner hohen Autorität als Klassensprecherin (*hust*) dass du mit mir da hingehst! Und keine Widerrede! (Du bist sowieso mitschuldig, zufällig weiß ich nämlich, dass du mich auch gewählt hast.)
Argh! Die ganze Welt ist gegen mich… oder zumindest meine Klasse.
Warum ausgerechnet ich?

Neinsagen lernen. Ganz, ganz dringend.

Sonst werd ich womöglich noch Bundespräsidentin.

Aufgepasst, bald beginne ich mit Eigenlob. 

*g* Es wird besser.

Woher das ganze Serotonin?

15.11.2008 um 17:59 Uhr

Hoffnung, die weh tut

Stimmung: hm… traurig, nachdenklich, hoffnungslos hoffend… alles in allem nicht ganz so lustig momentan
Musik: U2

Wenn jemand stirbt, oder aus sonst irgendeinem Grund für immer gehen muss, und man weiß, dass man ihn oder sie nie wieder sehen wird, dann kann das mitunter sehr schmerzhaft sein. Das weiß ich, weil ich es nun schon öfters in meinem Leben erfahren habe.

Wenn nun aber jemand geht, und eigentlich geht er oder sie für immer, aber er oder sie könnte jederzeit wieder kommen, und man hofft so sehr darauf, man weiß aber, dass das nie geschehen wird… Dann tut diese Hoffnung weh. Man weiß, es ist hoffnungslos… und man kann sich dennoch nicht von der Hoffnung lösen. Man hat nicht verloren… man wird aber auch nie wiederfinden. Das kann dann noch viel schlimmer sein.

Wenn du nur glücklich bist und bleibst… dann ist das schon in Ordnung so. Du hast jetzt eine eigene Familie, und damit muss ich mich eben abfinden. Der Brief bleibt ungeschrieben… denn was würde es noch ändern? Wir werden uns wieder sehen… aber das ist auch schon alles. Leb wohl… und pass auf dich auf.

Ich bin so ein Mensch, der leise weint, wenn er traurig ist. Aber in mir drinnen schreie ich. Hoffnung, die weh tut… es gibt wirklich die schlimmsten Sachen hier auf dieser Welt…

Hmm… und Raphael wird wieder operiert. „Man muss. Man weiß aber nicht, ob man kann.“ Ich bitte mal wieder um das eine oder andere Gebet für die Kinder dieser Welt. Ich hatte mal den Eindruck, es hilft. Wobei, wenn ich mir das alles so ansehe, glaub ich nicht, dass sich der liebe Gott irgendwie darum schert, ob kleine Kinder nun sterben oder leben.

13.11.2008 um 21:17 Uhr

Drachensteigen ohne Schnur

Stimmung: traurig, kindlich naiv
Musik: U2

Zu Weihnachten war er immer da. Und jetzt ist bald wieder Weihnachten, und diesmal wird er nicht mehr da sein. Und diesen Gedanken finde ich gerade unglaublich blöd, das darf es nämlich eigentlich gar nicht geben. Das ist von vorne bis hinten so völlig falsch, ich kann es gar nicht beschreiben. Wie Drachensteigen vielleicht, ohne Schnur. Wie ein Meer ohne Salz, wie ein Herbst ohne Blätter. Unnatürlich. Ganz und gar falsch. Und ich sehe überhaupt nicht ein, warum das dann so sein sollte. Warum es nicht einfach so sein kann wie früher. Das finde ich blöd. Zu Weihnachten war er nämlich immer da.

(Bald werde ich wieder versuchen, es zu verstehen. Werde sagen, es ist gut, so wie es ist. Weil es eben so ist. Aber heute fühle ich mich wie ein kleines Kind, dem irgendwas ganz was Wichtiges weggenommen wurde, und es konnte sich gar nicht dagegen wehren. Es sieht nur, wie grausam jemand sein kann, und es weiß, es wird nie mehr so schön wie es einmal war.)

08.11.2008 um 10:53 Uhr

Drüberstehen

Da muss man eben drüberstehen.

Muss sagen,
Na und? So ist es eben.
Zur Kenntnis genommen und notiert.
Und damit kann ich recht gut leben.

Keinen Schild aufbauen. Aber ein Sieb.
Denn wenn ich mir immer alles zu Herzen nehme,
tut es irgendwann nur noch weh.

Nicht immer alles so nahe kommen lassen...

06.11.2008 um 15:42 Uhr

Schnelle Nomaden und die Schönheit der Imperfektion

Musik: Fool's Garden

Currently moving. To a faster server. ;-)

Wir müssen hier ja alle Nomaden sein.
Was wir herumziehen, da kommt keiner mehr mit.

Und immer schneller, immer schneller.
Wenn es einen Knall gibt, haben wir den Schall überholt.

Ich hab ja diesen Caravan, der sich blogigo nennt, unglaublich gern. Dass er hin und wieder nicht anspringt, dass hier und da mal was scheppert, das macht ihn mir umso sympathischer.

Ich habe nämlich eine Liebe zur Imperfektion entwickelt. Zur Imperfektion der Bilder, der Worte, und sogar zu der der Handlungen. Wenn man sie ein wenig zu schätzen weiß, kann die Imperfektion solch etwas Schönes und Liebenswertes sein.

Die Schönheit der Imperfektion

(Und Obama wird nun also nicht nur die USA retten, sondern die ganze Welt in ein goldenes Zeitalter führen, Kriege beenden, Krankheiten verbieten, allen Leuten Geld und Essen geben, Kriminalität und Treibhausgase abschaffen und die völlige Gleichberechtigung aller Menschen einführen. Schön, dass in Amerika alles möglich ist. Schön, dass wir daran glauben können. Alles wird gut.)

04.11.2008 um 22:03 Uhr

respectus

Stimmung: müde und sehr beschäftigt im Kopf
Musik: Queen, immer noch

Während eines Telefongesprächs mit meinem Vater.
Die Frage nach dem Respekt.

Großen Respekt hatte ich vor meinem Großvater. Ich kann sogar so weit gehen zu sagen, ich habe auch jetzt noch ungemindert diesen Respekt vor ihm. Wer gelesen hat, was ich über ihn schrieb, versteht, was ich meine.
Ich respektiere aber auch den Mann mit dem Sakko. Wie er da so auf der Bank sitzt, mit seinem Plastiksack und ein bis drei Bierdosen, wie er bisweilen nicht aufrecht stehen kann, so respektiere ich auch ihn.

Meinen Biologielehrer respektiere ich auf eine andere Weise als meine Mitschülerin Sri. Tolkien würde ich anders begegnen als Astrid Lindgren. Der Respekt vor dem Tschechischen Warmblut Kalinka war ein anderer als der vor der Mirakatze. Sogar meine beiden Schwestern respektiere ich auf eine andere Art.

Respekt als Ehrfurcht. Respekt als Hochachtung. Respekt als Anerkennung. Rücksicht. Toleranz...

respecto 1, respectavi, respectatum. Zurückblicken.
Rücksicht also.
 Rücksicht auf jeden Menschen. Auch auf jedes Tier. Auch auf Spinnen? Ja, auch auf Spinnen. Auf alles? Auf Birken, auf Brennnesseln, Löwenzahn. Schwierig. Unerreichbar. Ideal. Da kann ich an mir arbeiten. Respekt vor mir selbst. Genauso wichtig.

Respekt. Darüber könnte man lange schreiben. Was ich zu meinem Vater gesagt habe? „…und ein bisschen Respekt hab ich auch vor dir.“

Vielleicht irgendwann mehr darüber.