Stimmung: nachdenklich, optimistisch
Musik: all das, was mich durch dieses jahr begleitet hat (alles auf shuffle)
Das alte Jahr ging vorüber, was soll ich dazu sagen? Es wurde langsam Zeit; ich bin es schon fast ein wenig Leid gewesen.
Wisst ihr, ich sag ja nicht, dass dieses Jahr schlecht war. Anders eben. Früher, da war ich halt ein Kind. Kein besonders dummes Kind, das würde ich so nicht behaupten. Aber eben auch keines, das so besonders viel nachgedacht hat. Und das hat sich eben geändert, ich habe mich verändert, wie so vieles. So manches ist geschehen, was nicht passieren hätte müssen, wenn es nach mir gegangen wäre.
2008 begann mit einem Riesenhaufen Sorgen und traurigen Gedanken. Ich hatte davor schon wochenlang „Star“ von Reamonn gehört, Kalinkas unscharfes Abbild in meinen Händen, Tränen in den Augen... Schwarzer Pferdekopf mit rotem Halfter auf braunem Grund. Stolzes tschechisches Warmblut. Sie musste gehen; damit begann das neue Jahr. Wer weiß, wo sie jetzt wohl ist, meine gute Stute...
Dasselbe Hirn versuchte gerade, mit dem baldigen Tod eines geliebten und geachteten Menschen fertig zu werden. Die Zukunft des kleinen Raphael war ungewiss. Böse Nachrichten aus aller Welt. Nichtstunkönnen. Flucht, Flucht aus der Realität, wie es oft schon gehandhabt worden war. Doch diesmal Flucht in die Gedanken. Gedanken, die wie Drogen sind. Abhängigkeit und Sucht. Ambivalenz. Ich habe gelacht, so unglaublich viel gelacht. Und innerlich geweint, geschrieen, aus Trauer und Wut und Hilflosigkeit.
Irgendwann erkennt die junge Frau ihre Neigung zur Selbstzerstörung. Sie sagt ihr den Kampf an, sie wird an ein Versprechen gebunden. Das war mir zuvor noch nie passiert, es bedurfte eines Wolfes, der handelt ohne vorher viel zu fragen.
Spätestens hier, doch eigentlich schon viel früher, erkannte ich auch den Wert dieser Plattform, blogigos unermesslichen Wert. Ich hatte ein weiteres Zuhause gefunden, außerhalb meiner Gedanken, einen Ort, an dem es auch um mich geht.
Das war gut und wichtig, denn ich habe viel verloren, zumindest in Gedanken. Vor allem verlor ich die Kontrolle, jegliche Struktur, den Rhythmus und Zyklus des Alltäglichen. Ich war schwach, viel zu schwach, ich war allein und unverstanden.
Doch da war die Musik, der Herr der Ringe, der Globus und die Erinnerung an meinen Großvater...
Ich habe viel gelernt, in diesem Jahr, viel über mich selbst, die wohl wichtigste Person in meinem Leben. Es fühlte sich an, als hätte ich viel verloren. Doch ich habe auch erhalten, von diesem vergangenen Jahr. All diese Gedanken, sie sind meistens eine Last. Aber ich bin nunmal anders, ich bin nicht ganz einfach, und damit muss ich mich abfinden. Ich versuche, einen Nutzen daraus zu ziehen, und ich stelle fest – Ich betrachte auch die Welt anders als so manche andere, öffne die Augen und sehe das Schöne in ihr.
Ich bin nicht allein, auch das habe ich längst erkannt. Ich werde sogar verstanden, im Großen und im Kleinen.
Und wie Aragorn im Herrn der Ringe tauchte aus Dunkelheit, Nebel und Rauch M. auf, um mich an der Hand zu nehmen und ein Stück des Weges mit mir zu gehen. Anfangs schien es surreal. Dass da draußen jemand ist, dem ich meine Worte schicke, die ungesagten Worte, „Worte die nur uns beide etwas angehen.“ Ich musste erst lernen, mich verstehen zu lassen. „Akzeptiere es. Da ist jemand, der dich versteht.“ Ich habe gelernt, was Vertrauen ist. Und langsam wurde es klarer.
Ja, es gab dunkle Momente, und ja, es war manchmal ziemlich anstrengend zu leben. Aber ich hatte ein paar wirklich gute Gedanken, und so einiges habe ich aufgeschrieben.
Und war nicht die Musik genial? Das Alte blieb, und vieles war neu – Meat Loaf, Jethro Tull, U2s Joshua Tree (endlich! jetzt fehlt dann noch Achtung Baby...), Queen + Paul Rodgers und einige mehr.
Ich hörte auf, die Mirakatze nur zu tolerieren und wusste sie allmählich sehr zu schätzen. Dann war sie auf einmal verschwunden, und es fehlte etwas in meinem Leben. Doch so leicht lässt sie sich nicht unterkriegen, die Katze kehrte zurück und jetzt ist es so, als hätte es diese zwei Wochen nie gegeben.
Wir flogen kurz nach London; this is a Southeastern Service, mind the gap between the platform and the train. Ich mag diese Stadt; im Dominion Theatre spielten sie We Will Rock You, und ich war dabei.
Im Sommer gab es einen Familienurlaub, den vermutlich letzten für lange Zeit. Ich war auf Korsika, in Frankreich, zum allerersten Mal; ich stellte fest, dass ich in Genua nicht wohnen will, und dass es in Bergamo hohe Mauern gibt.
Dann trat Herr Max in mein Leben. Der liebe imperfekte Max, eigensinnig und stur, doch auf seine ganz besondere Art freundlich. Liebenswürdig. Sein blondes Haar kurzgeschoren, aus Gründen der Gesundheit; anfangs tat er mir leid. Kaum älter als ich, hat er wohl schon so einiges mehr durchgemacht. Mann, hab ich den Herrn ins Herz geschlossen; ich sehe ihn doch viel zu selten.
Zugegeben, der Sommer `07 war besser, doch es stellte sich ein gutes Gefühl ein, als ob ich in etwa am richtigen Weg sei...
Ich wurde sechzehn und begann mit der Führerscheinausbildung; Autofahren ist eigentlich gar nicht so schwer.
Das Queen-Konzert am ersten November, ich werde es nicht vergessen. Ich habe gelernt, Gefühle zu speichern. Es war einmalig. „Hammer To Fall!“, welche geistreiche Aussage zu mir selbst.
Der Beschluss, mein Schweigen endlich zu brechen. Hilfe anzunehmen, wo ich Hilfe brauche.
Die höchst feierliche Verleihung der Cambridge-Zertifikate; ich hab ein A, ein „Very Good“, aber stolz macht es mich dennoch nicht.
Das erste Weihnachten ohne meinen Großvater. Die Sterne leuchten und der Globus dreht sich. Es wird schon gut sein, so wie es ist.
Nach drei wunderschönen Tauplitz-Tagen das Gefühl, mit der Karte das Richtige getan zu haben, als um 14:39 eine Antwort kam: „Hallo liebe r.! Danke für die nette karte. Ich wünsch dir auch einen guten rutsch ins jahr 2009, und vor allem glück und gesundheit. Ich denke oft an die schöne zeit, die ich mit euch verbracht hab. Ein gutes neues jahr, auch an den rest der family. Lg annemarie“. So kann ich diese schöne, wenn auch traurige Sache als abgeschlossen betrachten...
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Ich dachte, ich sei stillgestanden. Doch es hat sich einiges bewegt. 2008 ist das erste Jahr, von dem ich mit Überzeugung sage, Es war ein wichtiges Jahr für mich. Und auch wenn ich in der Zukunft nichts als schemenhafte Gestalten im Nebel sehe, ich weiß jetzt zumindest in etwa, was ich will. Ich will stolz sein, zufrieden und sicher, und ich will sagen können, Sogar in mir steckt eine kleine Heldin.
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Ich danke allen, die da waren und mich ein Stück begleitet haben, durch dieses Jahr. Und ganz im Speziellen danke ich allen, die hier gelesen und geschrieben haben, auf diesem Blog Nummer 23101.
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betula crescit; die Welt ist im Wandel. Ich werde meinen Weg gehen, und irgendwann einen Ort finden, an dem es mir gefällt.
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„Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.“ (Christian Morgenstern, ein schönes Zitat)