Birch Tree

25.07.2009 um 21:36 Uhr

„Ich liebe dich.“

Stimmung: gut
Musik: Boston

Schöne Worte, ein ästhetischer Satz.

Doch ich bin nicht ganz zufrieden.

 

Ich liebe dich. Ich. Ich liebe. Zufällig dich. Aber das steht ganz hinten, das ist nicht so wichtig. Bedeutend ist: Ich liebe dich.

 

In Italien sprüht man es nächtens mit Farbspray auf öffentliches Gemäuer: Emilia, te amo! – Emilia, ich liebe dich! Oder eigentlich: Emilia, dich liebe ich. Te, dich. Amo, ich liebe. Dich liebe ich. Dich und keine andere.

 

 

- Hey, Du...

lass mich hier für Dich festhalten:

Dich liebe ich. Dich und keine andere.

23.07.2009 um 13:35 Uhr

Heaven can wait, we're only crossing the skies...

Stimmung: gut
Musik: Queen

Eben jener nette Herr, der auch meine England-Reise finanziert, nimmt mich heute mit zum Fliegen. Ich hoffe, er erwartet nicht zu viel. Womöglich wird aus mir niemals eine Pilotin. Doch ich will es zumindest probiert haben. Ich würde es bereuen, wenn ich mir diese Chance entgehen lasse. Ein Mal will ich geflogen sein und danach sagen: Ich weiß, wie es ist. Selbst wenn sich herausstellt, dass es „nichts für mich ist“.

 

Es ist kein Helikopter frei, aber der nette Herr meint ohnehin, ein Motorsegler wäre besser für den Anfang. Ich müsse nur tun, was ich auch wirklich will, und die Leute seien dort alle sehr nett. Ich glaub, meine Mum hat mehr Angst als ich :-)

 

Hos aliquis, tremula dum captat harundine pisces,
aut pastor baculo stivave innixus arator
vidit et obstipuit, quique aethera carpere possent,
credidit esse deos.

 

Die beiden erblickte einer, der mit zitternder Angelrute Fische fing, oder ein Hirte, der sich auf seinen Stab, oder ein Ackersmann, der sich auf den Pflug stützte, und war erstaunt; da sie den Äther durchmessen konnten, hielt er sie für Götter.

 

(Ovid, Metamorphosen, Achtes Buch, Daedalus und Icarus)

 

 

Ich hoffe nur, ich lande sanfter als der arme Ikarus...

22.07.2009 um 23:09 Uhr

Annemarie

Wir umarmten uns und ich sagte leise: „Schön, dass du da bist“ – was angesichts der Tatsache, dass ich sie bei ihr zu Hause besuchte, nicht besonders geistreich war. Das fiel mir auch sofort auf, und so fügte ich hinzu: „So schön, dich wieder zu sehen“. Womit ich der Wahrheit schon sehr nahe kam – denn sie sieht beeindruckend gut aus. Sie hat ein wunderschönes Gesicht, ist schlank und scheint doch stark, auf eine gewisse Weise strahlt sie... An Stelle ihres dunklen gelockten Haares trägt sie jetzt ein blaues Tuch mit weißem Muster...

 

Annemarie. Das ist ihr Name. Früher, noch lange bevor ich zu schreiben begann, war sie ein Teil meiner Familie. Sie war immer da, immer bei mir, und erst im Nachhinein lernte ich diese Besonderheit, einen Menschen wie sie zu haben, so richtig voll und ganz zu schätzen. Ja, es gibt ein Nachhinein. Es trat vor etwa dreieinhalb Jahren ein, als Annemarie uns – und damit mich – verließ. Sie stach in See, zog ins Lebensmeer hinaus, um ihre eigene Familie zu gründen. Niemand konnte mir meine Annemarie ersetzen. Niemand versuchte es wirklich. Niemand hätte es geschafft, sie wären alle kläglich gescheitert.

 

Ich sprach nicht darüber. Ich hätte nicht gewusst, was ich sagen sollte. Ich war doch nur ein Kind, das eine seiner allerwichtigsten Bezugspersonen verloren hatte. Ich vermisste sie. Wir hatten kaum Kontakt, sporadisch schrieb ich aus dem Urlaub oder zu Weihnachten, wir trafen einander das eine oder andere Mal. Ich kann mich an zwei Träume erinnern, in denen sie plötzlich unangekündigt wieder da war. In beiden Träumen weinte ich vor Glück, aus einem wachte ich unter Tränen auf. Doch Annemarie kam nicht wieder. „Hoffnung, die weh tut“ – ich erwähnte es hier schonmal.

 

Dann rief sie aus dem Krankenhaus an. Diagnose: Morbus Hodgkin – Krebs... Und doch: es geht ihr gut, meiner Annemarie. Ich sah sie letzten Sonntag wieder, nach langen Jahren der Stille zwischen uns. Während meine Schwester und ihr Freund mit den Kindern spielten, suchte ich nur ihre Nähe, wollte sie sehen, hören, fühlen, dass sie da ist. „Annemarie... bist du glücklich?“ fragte ich sie endlich unter Tränen. Ja. Es geht ihr gut. Oder zumindest gab sie sich die allergrößte Mühe, um diesen Eindruck zu erwecken. Aber das glaube ich nicht. Ich glaube, sie ist glücklich. Ich glaube, sie ist stolz darauf. Und ich weiß, dass sie wieder gesund wird.

 

Am Abend jenes Tages, zurück daheim in meinem Zimmer, weinte ich mich in den Schlaf. Das mache ich für gewöhnlich nicht, ich kann mich gar nicht erinnern, es schon jemals getan zu haben. Aber so viele Tränen, all das, was nie herausgeweint worden war, musste jetzt endlich raus. Dabei war ich gar nicht unglücklich. Es tat so gut, sie gesehen zu haben. Doch der Schmerz, die Sehnsucht der letzten Jahre... Wie ein kleines Kind weinte ich minutenlang, bis ich in einen tiefen Schlaf fiel.

 

Und als ich diesen Eintrag schrieb kamen mir wieder die Tränen. Da müssen tiefe alte Wunden in meiner jungen Seele sein...

 

Aber jetzt wird alles gut. Jetzt bleiben wir in Kontakt. Nie wieder lass ich dich einfach so gehen – meine Annemarie...

20.07.2009 um 23:15 Uhr

It ain't no time to figure wrong from right cause reason's out the window – better hold on tight!

Stimmung: gut

rushing headlong 
And don't stop me now - I'm having such a good time... 

14.07.2009 um 23:46 Uhr

Headlong! (-...?)

Stimmung: aufgeregt, nachdenklich
Musik: im Kopf: Headlong - Queen

Es ist ein kleines bisschen verrückt. Gerade war ich neun Tage in Italien, und so schön und so gut es auch war, ich war dennoch froh, dass es nicht länger war. Denn ohne jegliche genauere Planung erhoffe ich mir diesen Sommer etwas ganz großes: Veränderung. Aber nicht eine solche von außen, der ich mich gegen meinen Willen fügen muss, sondern eine heiß ersehnte, hart erkämpfte Verbesserung – so stelle ich es mir in etwa vor. Ich will es schaffen, und nichts darf mich davon abbringen.

 

Wenn da nur nicht der EF Last Minute Sommerflyer wäre... Der hat mich auf eine Idee gebracht. Vor etwa eineinhalb Jahren erhielt ich von einem netten Herrn unter Umständen, die nicht näher erläutert werden müssen, eintausendkommanullnull Euro. Auf keinen Fall sollten wir, sagte er uns – meine Schwestern bekamen denselben Betrag – das Geld nur auf unser Sparbuch legen. Nein, wir sollten, ich glaube er sagte tatsächlich: etwas Verrücktes machen. Er wisse, wie hart das Studentenleben sei, nie könne man sich etwas leisten, immer sei man knapp bei Kasse, und so weiter u.s.f... Ich, die ich mir unter „1000“ schon fast gar nichts mehr vorstellen kann, brachte das Geld zu Bank. Auf meinem Konto liegt es bis heute, mit 1,5% vereinbartem Zinssatz. Und neben mir, daheim im gelben Haus mit Nummer 36, liegt ein Flyer, auf dem steht zum Beispiel:

 

 

EF Sprachschulen: heute buchen, morgen abheben. Bournemouth 2 Wochen oder 4 Wochen Sommerkurs inkl. Flug ab 960,–

 

 

Ich hab das Geld. Ich hab die Zeit. Ich hab Amerika überlebt. Ich könnte es wieder tun...

05.07.2009 um 05:36 Uhr

Hold Your Hand

Musik: All My Loving (The Beatles)

Hey, Du...

Lass mich hier für Dich festhalten:

Ich liebe Dich.

Du wirst das nie erfahren - außer vielleicht in zehn Jahren, wenn Du glücklich verheiratet bist, zwei liebreizende Kinder mit ihm hast und nichts von mir Ausgesprochenes die gute Beziehung zwischen uns stören kann.

 

Dann kann ich getrost sagen:

Hey, Du...

Ich liebe Dich.

Du warst meine erste große Liebe. Das weiß ich, weil ich nicht danach frage. Weil es einfach so ist. Und nichts, was Du sagst, kann daran etwas ändern.

 

So, meine Liebe, entspanne Dich. Lass das Ruder los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön. Das war von Kurt Tucholsky, nicht von mir :-) Erhole Dich von den Strapazen der letzten Jahre, blick voll Hoffnung in die Zukunft und versuche, deine Zeit zu genießen.

 

„And then while I’m away I’ll write home everyday and I’ll send all my loving to you... “