Birch Tree

16.08.2009 um 13:15 Uhr

An Dich - den Titel überleg ich mir vielleicht später noch, ich muss dringend weg

Hey, Du... Meine Liebe. Du hast mich gestern ganz schön überrascht. Von allen Leuten --- ausgerechnet Du? Zufall, Schicksal, Bestimmung? Und – wie kam ich zu der Ehre, dass...? Wie geht es weiter, meine Liebste? Ich hab den Eindruck, wir lassen es nicht einfach so laufen, wie es früher gehandhabt wurde? Auch wenn ich es Dir nicht sage, Du kannst wohl ahnen, dass mich das freut. Manchmal, da denke ich an Dich mit schmerzverzerrtem Gesicht, das ich in meinen Händen vergrabe, und ich ärgere mich über mich selbst. Aber dann, in der selben Minute, bereitet mir der Gedanke an Dich eine solche Freude, dass ich nur lächeln kann, und ich finde es schön, so wunderschön, von dieser Liebe zu Dir erfüllt zu sein. Ich muss jetzt weg. Machs gut, machs besser. Ich denk an dich. Dich liebe ich. Bis bald.

14.08.2009 um 02:20 Uhr

Heute Nacht...

Wir vier. Gehören zusammen. Für immer. Vergesst niemals. Über Jahre hinweg. Haben wir einander nicht verloren. Ich brauche euch. Ich liebe euch. Jede ein wenig anders. Was auch war. Was kommen mag. Vergesst uns nicht. Niemals.

 

Cona, Lovi, Val... Wir, zu viert, sind großartig. Vergesst niemals unseren Schatz, nicht die Kastanien und nicht die Straßenkreiden, und niemals, wie nied wir sind, wenn wir Cookies mit Reluluh teilen...

 

(Hatten wir nicht eine schön verrückte Kindheit?)

11.08.2009 um 09:15 Uhr

Meinen Eltern zu Handen ( - die von ihrer Jüngsten schon mehr Briefe bekommen haben, als vom Finanzamt)

Stimmung: ganz gut
Musik: U2 - Achtung Baby

Hey...
ich möchte endlich über eine Sache schreiben, die schon lange auf mir lastet. Mal mehr und mal weniger. Momentan gerade wieder eher mehr. Es geht um Frau O. Schon damals, als wir jemanden für die Stelle suchten, stellte ich infrage, ob es wirklich notwendig ist, dass täglich jemand zum Kochen, Putzen, Bügeln kommt. Ich war nicht die einzige. Nein, Mum, du warst die einzige, die das unbedingt wollte. Okay, dachte ich mir. Es ist euer Geld, es ist euer Haus und damit eure Entscheidung. Bzw., Mamas Entscheidung eben. Ich glaube auch nicht, dass ich erwartet hatte, dass jene, die den Job bekommen würde, meine geliebte Annemarie ersetzen könnte. Aber ich akzeptierte, dass jemand kam und so tat, als würde sie den gleichen Job machen, den zuvor Annemarie hatte. Doch es lief nicht so toll. Es lief eher schlecht. Ich würde sagen, es lief ziemlich schlecht. Wir konnten nichts miteinander anfangen. Wir hatten einander nichts zu sagen. Irgendwann fing sie an, mich jeden Tag zu fragen, ob sie zusperren soll, wenn sie geht. Beim ersten Mal sagte ich nein, da meinte sie, es wäre besser schon. Von da an ließ ich sie eine zeitlang zusperren. Bis ich es irgendwann blöd fand und wieder auf Nichtzusperren umstieg. Es sei nicht notwendig, sagte ich ihr jedes Mal. Sie fing auch an, jeden Tag zu sagen "Wir kenan eigendlich eh glei essn", wenn ich nach 5 oder 6 Stunden heimkam. Ich fand es mit der Zeit ziemlich blöd, immer den gleichen Satz zu hören. Irgendwann fiel ihr dann, glaube ich, auch auf, wie bescheuert das ist. Sie hörte jedenfalls irgendwann auf damit. Ich aß immer brav mindestens eine Portion, selbst wenn ich keinen Hunger hatte. Manchmal gab es zwischen uns Gesprächsversuche. Wenn sie mich etwas fragte, antwortete ich artig. Meistens fand ich es ziemlich bescheuert. Wir wussten ja beide, dass wir einander eigentlich nichts zu sagen hatten. Ein bis zwei Mal brachten wir ein halbwegs vernünftiges Gespräch zustande. In so vielen Wochen, Monaten, zwei Gespräche! Was für eine Leistung. Nun, es kann schon schwierig sein, wenn zwei sozial sehr unsichere Menschen ein Verhältnis zueinander aufbauen sollten. Es muss vielleicht sogar schwierig sein. Wahrscheinlich wäre alles andere nicht möglich gewesen. Aber wenn ich doch wenigstens finden könnte, dass sie ihre Arbeit gut macht. Davon hab ich ja schon erzählt.
(Darüber geschrieben hab ich hier übrigens auch mal.) Ich frage mich, wie man so unvorsichtig mit Dingen umgehen kann. Noch dazu, wenn man dafür bezahlt wird. Noch dazu, wenn einem die Dinge nicht selbst gehören. Und noch dazu, wenn sie der Person, der sie gehören, teilweise sehr, sehr wichtig sind. Weiters fand ich ihre Arbeit, wie schon erwähnt, so unnötig. Nicht alles, versteht sich. Es ist mir schon klar, dass wir jemanden brauchen, die ein bisschen putzt und so. Aber nicht fünf Tage die Woche! Und nicht täglich mit Mittagessen für 5 Personen! Es kann doch nur einleuchtend sein, dass das nicht notwendig ist. Sehr oft dachte ich mir schon, okay, mir solls nicht wehtun. Wenn meine Eltern bereitwillig zahlen und die Frau keine Sinnkrise kriegt [denn ich würde solch einen unnötigen Job nicht lange aushalten], dann soll es mich nicht weiter stören. Tut es aber. Es tut mir leid, das zu sagen. Und es tut mir weh, das zu gestehen: Ich mag sie nicht. Manchmal, fürchte ich, verabscheue ich sie sogar. Es tut mir leid, verdammt, es tut mir leid, das zu sagen! Aber es ist so. [Mir kommen gerade Tränen, Anm.] Sie ist zu tief, viel zu tief in meinem Leben, wo sie nicht hingehört. Wenn ich mir einen Menschen aus meinem Leben wünschen könnte, dann würde ich sie rauswerfen. Nicht den Mr.M. Nicht CL. Sondern Frau O. Das ist gemein. Ich glaube, ich hab noch nie so über einen Menschen geschrieben. So bin ich normalerweise nicht. Aber was soll ich tun? [Ich weine, Anm.] [Aber nur ein kleines bisschen, Anm.] Ich kann es nicht ewig geheim halten. Ich will, dass ihr es zumindest einmal gelesen habt, was ich dabei denke und fühle. Weil ich glaube, dass es euch nicht egal ist, was ich fühle. In der fünften Klasse hatte ich jeden zweiten Mittwoch Zeichnen. Was bedeutete, dass ich jeden anderen zweiten Mittwoch nur vier Stunden hatte. Ich setzte daraufhin meine Klavierstunde auf Mittwoch, achte Stunde. Jeden zweiten Mittwoch wartete ich eine Stunde lang in der Schule auf Kla4. Jeden anderen zweiten Mittwoch wartete ich drei Stunden lang in der Schule auf Kla4. Wenn man mich fragte, warum ich dazwischen nicht nach Hause gehe, tat ich so, als wäre ich besonders faul und wolle den Weg nicht zweimal mehr gehen. Könnt ihr euch den wahren Grund schon denken? Jeder Tag, an dem ich nicht vor 14:00 nach Hause kam, war für mich ein kleiner Triumph. Desgleichen in der sechsten Klasse. Ich schaffte es, meine Kla4stunde am Freitag nach 5 Schulstunden und einer Freistunde zu bekommen. Somit blieb nur noch Dienstag, wo ich nach 6 Stunden heimgehen musste. Versteht ihr das Problem? Man sollte doch gerne nach Hause kommen, man sollte sich darüber freuen, dass man nur wenige Schulstunden hat. Aber ich machte weiter wie gehabt. In der Siebten war es leicht - ich hatte nur am Freitag zu früh aus und organisierte mir wieder eine Kla4stunde. Wäre ich in den letzten Jahren nicht immer mit der Cona heimgegangen, wäre ich ganz einfach immer noch länger in der Schule geblieben. Ich könne dort besser Hausaufgaben machen, wäre die Ausrede gewesen. Ich wollte mir aber das mit der Cona Heimgehen nicht so einfach nehmen lassen. Manchmal, ganz selten, trieb ich mich also nachdem ich sie zu ihrer Oma begleitet hatte noch ein wenig in der Gegend herum und kam erst nach 14:00 nach Hause. Zweimal, als es regnete, ging ich direkt in den Keller und wartete dort eine halbe Stunde lang, leise und immer auf der Hut, um nicht entdeckt zu werden. In den letzten Wochen wurde mein Problem allmählich in der Klasse bekannt - und ich bekam überraschend viel Verständnis. Das ist gut, denn so konnte ich Ende dieses Schuljahres schon das eine oder andere Mal ein bisschen länger als notwendig in der Schule bleiben, ohne nach einer Erklärung suchen zu müssen. Nachdem ich im Krankenhaus gewesen war, stand ich schon am Dienstag wieder einen Durchgehend-acht-Stunden-Tag durch. Auch das unter anderem deshalb. Nachdem ich mir meine England-Reise organisiert hatte, stellt eich fest, dass ich genau in der Woche wegflog, in der Frau O.s Urlaub zu Ende ging. Auch das war ein gewisser Erfolg für mich. Nachdem ich in England gewesen war, dachte ich zuerst gar nicht an sie, aber am Heimweg erwähnte die Mil sie. Das verpasste meiner Freude einen ordentlichen Dämpfer. Aber ich werde die Ferien noch überstehen. 2 Wochen lang hab ich ja sowieso Führerscheinkurs, am Vormittag, nicht am Abend, welch ein Glück. Danach hat mich die Schule wieder, und wenn ich zu früh aus hab, kann ich jetzt unbesorgt in der Schule bleiben. Die Cona weiß auch schon längst Bescheid, sie wird kein Problem damit haben. Bei ihr, übrigens, fand ich auch schon das eine oder andere Mal Zuflucht wenn ich mal wieder nicht heim wollte und sie gerade nicht bei ihrer Oma war. Ich bin sogar gerne noch ein bisschen länger in der Klasse, meistens wartet sowieso jemand auf den Bus oder Zug, und ich verbringe gerne Zeit mit ausnahmslos allen meinen MitschülerInnen. Was nach der Matura sein wird, weiß ich ja selber nicht. Aber irgendwann bald danach studiere ich vielleicht oder mache ein FSJ oder was auch immer. Die Frau O. kann dann jedenfalls für sich selber kochen und braucht mich nicht mehr länger zu stören. Ihr braucht euch also keine Sorgen machen - ich komm schon irgendwie zurecht mit ihr. Ich mache auch niemandem hier einen Vorwurf. Ich wollte es nur mal geschrieben haben. Ich habe nicht das Gefühl, wirklich alles dazu geschrieben zu haben. Aber 4 Seiten sind nicht nichts. Und ich glaube, es ist gut, gewisse Dinge anzusprechen. Gerade jetzt, wo ich meine Lebensdrachenschnur wieder ein wenig fester in den Griff bekommen hab...
Bussis,
R.

09.08.2009 um 22:51 Uhr

Daheim.

Stimmung: gut. müde.
Musik: U2 - Achtung Baby

Aus einer E-Mail, die ich heute an meine Gastfamilie in England schrieb:

“Hi,
I've had a safe journey home. The whole family's here - parents, sisters, boyfriends. It's great to see them again, and my best friends have already called me, and I've slept in my own bed with the light switched off and I didn't wake up from Julia's horrible alarm clock, I'm listening to my new U2 album all day long and it's raining cats and dogs. At the moment, I have very strong feelings about being home - about having a home, to be precise. I've hardly ever felt so before. I know now - I may stroll through this world, I may explore it, wander about and wander off. But I've got a home, and that's special, and that's important to me. (...)”

 

Und so ist es, tatsächlich. Hier bin ich zu Hause. Es war gut in England. Toll. Interessant. Erfahrungsreich. Geil. Gefühlvoll. Neu. Fordernd. Ich bin froh, dort gewesen zu sein. Ich konnte es die meiste Zeit genießen. Ich habe so manche Dinge zum ersten Mal gemacht. Aber dieses Projekt hat nun seine Endphase erreicht. Seit gestern Abend bin ich wieder daheim. Daheim. Ja, hier, im gelben Haus, bei Nummer 36. Und in etwa so, wie ich versuchte, es zu beschreiben, so fühlt es sich auch an.

 

„Zu Hause schlafe ich alleine in meinem Zimmer in meinem eigenen Bett. Ich drehe abends das Licht ab und schlafe im Dunkeln. Während ich einschlafen will, murmelt, stöhnt oder singt niemand über mir. Sollte mir selbst jedoch einmal nach Murmeln sein, dann ist das nicht verboten. Ich werde nicht mitten in der Nacht aufgeweckt, um Auskunft über die Uhrzeit zu geben. Der Wecker läutet nicht Stunden bevor ich aufstehen muss. Er läutet außerdem so, wie ich es will. Auf Zimmer-lautstärke und mit einem angenehmen, keinem unerträglichen Song. Weiters läutet er nur für mich. Deshalb reicht es, wenn er einmal läutet und ich ihn einmal abstelle. Denn ich teile mein Zimmer nicht mit einer Polin, die eine halbe Stunde lang alle fünf Minuten Weckergeläute braucht, um aus dem Bett zu kommen. Eben jene Polin redet und flucht und wasnochalles bei mir daheim auch nicht morgens und abends. Überhaupt hab ich daheim voll und ganz meine Ruhe von ihr. Morgens, nachdem ich nicht auf meine Eisentablette vergessen habe, trinke ich Tee mit Milch. Ich kann jeden Tag schwimmen gehen, manchmal reiten und auch Bogenschießen. Mein Zimmer wird von einer Energiesparlampe erhellt. Es gibt wieder echtes dunkles Schwarzbrot zu essen. Beim Duschen finde ich genau die richtige Temperatur. Ich dusche lang und höre dabei Radio. Danach föne ich mir die Haare. Meine Familie lacht und scherzt. Gelegentlich gehe ich mit meiner Oma einkaufen. Ich sehe Lovi und Cona. Ich melde mich ausführlicher bei Sri. Und ich erfahre endlich, wie es Beauty und VT geht. Wir haben Biomistkübel und trennen Altpapier, Altglas und Altplastik voneinander. Die Äpfel werden auch bald reif. Schön, daheim zu sein.“

 

- Dieses Heimatbrainstorming schrieb ich schon, bevor ich wieder heim kam. Bisher hat es sich größtenteils bewahrheitet. Es ist gut, daheim alles in etwa so vorzufinden, wie es sein soll. Gut, zu sehen, dass die hier den Laden für kurze Zeit auch ohne mich schmeißen können. So mag ichs. Und nach einem Tag Ruhepause wird morgen wieder gelebt.

 

Ich danke meiner Schwester für den EF Last Minute Sommerflyer. Dem netten Herrn gilt es, für die Finanzierung zu danken. Meinen Eltern danke ich für die Unterstützung. Dank auch an sternenschein und Nachtwolf, die mich dazu ermutigt haben. Ich danke meiner grandiosen Gastfamilie. Und ich danke den netten Menschen, die in den letzten beiden Wochen meinen Weg gekreuzt haben. Unter ihnen ganz besonders Leonard, dem Dänen. Der allergrößte Dank aber, der gilt wohl mir selbst: ich hab es wirklich gut gemacht.