Birch Tree

29.10.2009 um 16:53 Uhr

Verdammte Terminplanung.

Stimmung: nicht schlecht, leicht ängstlich gestresst, hoffnungsvoll, leicht enthusiastisch, erschöpft
Musik: Celso Machado - Despedida

Nein, ich beschwere mich gar nicht mehr über aufeinander treffende schulische Leistungsanforderungen. Ich schaffe es nicht einmal, meine Freizeit stressfrei zu planen.

 

Hatte einen Anruf in Abwesenheit, kam bei Rückruf zu meiner Dienststelle. Wurde mit meinem Ausbildungsbeauftragten verbunden, ich natürlich keine Ahnung, worum es überhaupt geht, und er auch nicht so recht. Nach einigem Herumgetelefoniere die Lösung: Sanitäterin am Samstag Vormittag kann nicht heben (Kreuzprobleme), sie bräuchten eine/n Lernsani, der am KTW mitfährt. Ich will ja sowieso Dienste machen, und wenn sie mich sogar fragen, weil sie mich brauchen – da kann ich unmöglich Nein sagen. Also bitte von sechs bis dreizehn Uhr, und auf jeden Fall pünktlich, weil wir um halb sieben schon Dialyse fahren. Ist gut, bin dabei.

 

Freitag Nacht Crystal Club mit Cona, Beauty und SD. Ich hab schon eine Karte, Beauty feiert ihren Geburtstag, ihr Freund kann nicht kommen und auch wenn ich eigentlich genau weiß, dass ich in diese Welt nicht wirklich passe, will ich unbedingt den Versuch wagen, Freude daran zu finden. Nur bin ich schon öfters übermüdet gefahren, aber noch nie unter Restalkoholeinfluss nach kaum Schlaf um halb sechs in einen Dienst als Lernsanitäterin. Mein gewissenhaftes Über-Ich wird mit der ängstlichen Hoffnung, dass ich am Samstag keinen Fehler mache, übergangen. Wenn der Dienst um eins vorbei und gut gelaufen ist, zünde ich eine Kerze an.

 

Ach nein, geht ja nicht, keine Zeit dazu. Um zwei kommt meine Annemarie mit ihren zwei kleinen Kindern. Fast unmittelbar nachdem mein Dienst ausgemacht war, rief ich sie schon an – ich könnte ab Samstag Nachmittag. Es war geplant, dass wir uns beizeiten mal treffen und, wenn das Wetter passt, auf den Hausberg meiner Heimatstadt gehen. Ich komme also aus dem Dienst, lege meine Uniform ab und umarme meine Schwester-Mutter-Freundin, die früher immer da war und dann nicht mehr und dann hatte sie Krebs aber jetzt ist sie wieder gesund und hat nach eigener Aussage eine Igelfrisur, weil ihre Haare allmählich wieder nachwachsen. Hoffentlich muss ich nicht weinen, das wäre nicht angebracht.

 

So viel zum Thema Planung.

27.10.2009 um 21:55 Uhr

Branwen; Gedanken über das Ende

Musik: Bryan Adams (have you ever really loved a woman?)

Vor etwa drei Wochen schrieb ich Gedanken über sie, die ich meine erste große Liebe nenne, nieder.

Im Folgenden werde ich mich des Namens einer walisischen Sagenfigur bedienen: Branwen – in etwa vergleichbar mit Venus/Aphrodite, der Göttin der Liebe und der Schönheit.

 

„Ich dachte zuvor mal daran, wie es wohl sein wird, zu finden, dass ich nicht mehr so verliebt bin wie früher. Der Gedanke tut weh, das ist als wäre ich ein gefühlloser kalter Mensch der sich nicht mehr daran erinnert, zu lieben. Als wäre die Liebe wertlos. Es ist ganz wichtig, sich zu merken, dass sie eben genau das nicht ist. Branwen ist mir wichtig. Ich will sie beschützen. Ja, ehrlich gesagt, das will ich, auch wenn es sich blöd anhört. Ich liebe sie. Noch. Das klingt so hart. Aber es ist so, ich bin mir sicher. Diese Gefühle bleiben nicht auf ewig, sie verändern sich. Auf eine gewisse Weise werde ich sie vielleicht immer lieben, aber es wird nicht so sein, wie es war. Davon abgesehen, dass dies nicht in meiner Hand liegt, wenn es nicht verständlich wäre und weiterer Rechtfertigung bedürfte, es wäre zu meinem Wohl. Da ich meine Liebe zu ihr nicht auslebe, macht es für Branwen keinen Unterschied, wie ich fühle. Ich aber muss von ihr loslassen können. Für das Glück, das mir diese Liebe brachte, bin ich dankbar. Über das Leid muss ich hinwegkommen. Dann kann ich einer neuen Liebe eine Chance geben. Um möglicherweise irgendwann meine Gefühle erwidert zu finden. Außer in Freundschaft kann ich Branwen nicht treu sein. Sie wird auch mir niemals treu sein. Schon immer war klar, dass wir nicht füreinander bestimmt sind. Ich entscheide mich nicht für oder gegen Branwen, auch nicht für oder gegen die Liebe oder für oder gegen meine Liebe zu Branwen. Ich stelle nur fest, dass eben jene Liebe mich nicht gefangen hält. Möglicherweise ist auch Branwen von Veränderung nicht ausgenommen. Ich werde die Veränderung zulassen.“

 

Dich nicht zu lieben, Branwen, wird eine zeitlang schmerzen. Du wirst davon nichts spüren. Das würde ich Dir versprechen, wenn Du davon wüsstest.

 

Es ist besser so für uns beide.

27.10.2009 um 20:00 Uhr

Schulfrust

Stimmung: eigentlich nicht so schlecht und nichtmal todmüde. nur das thema "schule" finde ich ziemlich frustrierend.
Musik: Queen

Jeden Tag von 8 bis 17 Uhr will ich beim Roten Kreuz sein. Alle möglichen Verletzungen, Krankheitsbilder, Komplikationen und zu treffenden Maßnahmen lernen. Blutdruck messen, bergen, richtig lagern, reanimieren, Druckverbände anlegen und Mary nach dem Kurs nach Hause bringen. Ich will in der Theorie gefordert werden und in der Praxis bis an meine Grenzen gehen. Nach einem anstrengenden Lerntag oder einem erfolgreichen Dienst will ich müde heimkommen und sagen: Wir habens gut gemacht.

 

Stattdessen fahre ich morgens um 20 vor 7 in die Schule. Stunde für Stunde, Chemie, Latein, Geo, Mathe,... Egal, ob ich es gut mache. Ich will nicht mehr dorthin. Ich fühle mich gefangen im österreichischen Bildungssystem. Ich will raus in die Welt. Das Rote Kreuz ist eine Möglichkeit. Oder der Europäische Freiwilligendienst, oder was auch immer. Ich brauche einen Sinn, dem ich mich hingeben kann.

 

Meine Arbeit beim Roten Kreuz ist von Beginn an in die spärliche Freizeit verbannt, ich gehe immer noch Tag für Tag zur Schule. Drei Referate innerhalb von drei Wochen. Ich will nicht mehr, es reicht. Es wird dringend Zeit für etwas Neues. 12 Jahre sind definitiv zu lang.

 

- Referate der Oberstufe, fein säuberlich geordnet.
Wie viel Zeit ich mit denen verbracht habe und wie wenig es mir gebracht hat! Eine vernichtende Bilanz.

25.10.2009 um 22:47 Uhr

Aus Liebe zum Menschen, juhu!

Donnerstag Abend traf ich zu Beginn meines Nachtdienstes den Ausbildungsbeauftragten meiner Dienststelle. Ob ich am Samstag zum Kurs komme? "Sicherlich." Ja, so war es ausgemacht, Ich kann ganz unverbindlich Lernsani-Dienste machen und es ihm sagen, wenn ich entgültig entschieden habe, ob ich die Ausbildung mache. Oder ich soll am Samstag einfach in den Kurs kommen, dann bin ich auch fix dabei.

Ich weiß, dass die Ausbildung kein Spaß wird. Schon jetzt hat es sich so blöd ergeben, dass der schulische November kaum zu bewältigen scheint. Noch ohne einen näheren Blick auf das CAE (Certificate of Advanced English), geschweige denn auf die Matura zu wagen. Keine Ahnung, wer zuerst aufgibt: corpus oder psyche? Es ist keine Belastungsprobe. Denn wir proben ja nicht. Es ist der Ernst meines Lebens.

Warum ich die Ausbildung mache? Ich muss. Ich kann nicht anders. Ich hatte mich dazu entschieden, bevor ich mir dessen bewusst wurde. Es gibt für mich kein Zurück. Ich muss sehr stark und ein bisschen masochistisch sein.

Ich konnte nicht den Eindruck gewinnen, dass die RettungssanitäterInnen, die ich bisher getroffen habe, bei ihrer Arbeit glücklich sind.

Das Motto oder der Werbespruch des Roten Kreuzes lautet: "Aus Liebe zum Menschen." Dieser Satz wird übertrieben häufig verwendet, wo es nur geht; wohin man auch blickt, auf meiner Dienststelle findet man überall diese Worte.

Es soll eine Antwort darstellen. Auf die Frage "Warum?". Doch es ist nur eine Scheinantwort. Der Versuch einer Erklärung. Wie eine Ausrede. Weil wir eigentlich selbst nicht immer so recht wissen, warum wir uns das antun.

Menschen wie ich können nur dann mit sich selbst zufrieden sein, wenn sie es nicht allzu leicht haben. Sie brauchen ein gewisses Grad an Schwierigkeit. Vielleicht um etwas zu beweisen. Oder möglicherweise um sich selbst Leid zu tun (Leid tun in beiderlei Hinsicht). Wir müssen Opfer bringen, um Befriedigung, Glück, zu erlangen. Vielleicht ruhen wir erst, wenn alles zerstört ist. Vielleicht kommen wir aus diesem Schema wieder heraus. Ich weiß es nicht; ich bin noch jung und unerfahren.

Ich sage nicht, dass alle Freiwilligen beim Roten Kreuz und anderswo Opfermenschen sind oder dass Opfermenschen gezwungenermaßen ehrenamtlich tätig sein müssen.

"Aus Liebe zum Menschen" ist eine einfache Antwort. Ich denke, dass mehr dahinter steckt. Bei mir, zum Beispiel, der Versuch, etwas zu tun, was mir sinnvoll erscheint. Die schöne rote Uniform zu tragen. Meinen Opfertrieb zu befriedigen.

Freilich war ich gestern im Kurs. Wie der Sohn unseres Ausbildungsbeauftragten sagen würde: "Und natürlich bin ich top-motiviert!". Bin ich auch, ja, wirklich.

Und morgen, am Nationalfeiertag, an dem fast alle normalen ÖsterreicherInnen frei haben, komme ich wieder dorthin. Ich werde mich nicht mit Chemie, Latein, Mathe oder den zu schreibenden Referaten beschäftigen. Ich werde mich auf den Kurs konzentrieren und danach noch genug Kraft haben, um Mary sicher und schnell den langen Weg in ihr Heimatkaff zu fahren.

Am Rückweg allein im Dunkeln bei angenehmer Musik erhoffe ich mir die nötige Ruhe, um abends an den Referaten arbeiten zu können und am Dienstag um 6 Uhr 40 frisch und fröhlich in die Schule gebracht zu werden. (Es tut mir Leid, dass ich es dazwischen nie schaffe, ganz besonderen Menschen ganz besondere Worte zu schreiben...)

Es ist schwierig. Aber ich mache es. Warum? Achja...

 

 

 

- Nicht vergessen!

19.10.2009 um 21:29 Uhr

Celso Machado - Despedida

Stimmung: vorsichtig zuversichtlich, nachdenklich wegen Medizin in Budapest

Auch wenn ich nicht weiß, worum es da eigentlich genau geht. Die Bedeutung liegt nicht im Text, sondern im Gesamten. Und für mich scheint es eine relativ große Bedeutung zu sein. Heute zumindest.

18.10.2009 um 20:23 Uhr

Wiesu tut sie su?

Stimmung: erst sehr nachdenklich, zum schluss erheitert besser werdend
Musik: im kopfe: Georgy Girl

Warum ziehe ich den Kopf ein? Vor der Menschheit? Vor der Welt? Warum? Ich war doch schon so weit. Das hatten wir schon. Ich bin wertvoll. Ich bin um nichts schlechter als die anderen. Ich sollte stolz auf mich sein. Warum also zeige ich ihnen, dass ich eine solche Angst vor ihnen habe? Was soll mir das bringen? Es ist zerstörerisch, das zu tun. Der Selbstzerstörung wurde abgeschworen. Der physischen zumindest. Lassen wir das also. Ich stehe sozial fast mit dem Rücken zur Wand. Was sagte ich letzte Woche in der „Begabtenförderung“ zu unserer neuen Englischassistentin? „I don’t socialize. I’m fine with myself.“ Schluss damit. Es kann eigentlich fast nur noch besser werden. Einerseits frage ich mich bei fast jeder Handlung, die jemand bemerken könnte, was diese Person wohl davon halten würde. Andererseits kann es mir völlig egal sein, was die anderen denken, weil ich sowieso immer nur allein bin. So geht das doch nicht. Bisher hat es mich kaum gestört. Jetzt sollte dann endlich mit der Vergangenheit abgeschlossen und neu orientiert werden. Hoppauf, Rían. Reiß dich zusammen. Ich weiß doch, dass du das kannst. Strider wird dir helfen, wenn du ihn darum bittest. Es sei denn, du brauchst ihn nicht. Egal – komm jetzt. Teile deine Welt mit den anderen Menschen. Zeige, wer du bist. Stehe dazu. Kämpfe um dein Ego.

Ich bin also wirklich schon weiter gekommen. Ich habe mich selbst zurückerobert. Jetzt beginne ich zu versuchen, die anderen zu erreichen. (Irgendwann reiße ich auch noch die Weltherrschaft an mich.)

Und mir kam schon wieder eine neue Idee für die Zukunft: Medizinstudium in Budapest. Das wär doch auch mal was. (Falls ich doch nicht Tischlerin oder Flugrettungssanitäterin oder Pilotin oder Psychotherapeutin werden will.)

12.10.2009 um 15:43 Uhr

Wow...

Ich bin ganz baff. Eigentlich hab ich es gar nicht gehört, aber meine älteste Schwester hat mich gerade indirekt eingeladen, bei ihr zu wohnen.

Sie wohnt mit meinem Schwager in spe in einer sehr schönen aber auch sehr kleinen Wohnung in Graz und sucht gerade nach etwas komfortabel Größerem. Vor einigen Minuten gab es ein Telefongespräch, von dem ich nichts mitgekriegt habe. Sie hat sich eine Wohnung ums Eck angesehen, die ihr gut gefällt, größer ist, und auch dementsprechend teurer. Das erzählte gerade mein Vater meiner Mutter in der Küche, während ich im Wintergarten war. Meine Mum schlug eine/n Untermieter/in vor. Und was antwortet mein Vater? Ja, oder die Mil hat auch gemeint, wenns is, dass dann vielleicht die R. ...

Wow... Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Ich bin gerührt. Ich hab noch nichtmal die Matura, und meine Schwester schlägt schon vor, dass ich danach zu ihr ziehen könnte. Echt, wahrscheinlich ist es eine Überreaktion, aber mir kommen gerade fast die Tränen. Womit hab ich das verdient? Wie kommt es, dass mich meine Schwester bei ihr in Graz haben will?

Hey, Mil... ich hab dich ganz wahnsinnig lieb.