weiter, weiter...
Stimmung: erschöpft
Musik: u2 - ultra violet (light my way)
Ich weiß noch, wie ich dem Meister schrieb „die nächsten zwei, drei Wochen werden noch hart“. Haha, welch schöne, hoffnungsvolle Illusion! Nix da, es geht weiter so, auch nach „zwei, drei“ Wochen. Und ich habe diesen Weg selbst gewählt. Ich habe nicht Marys Disziplin was (zumeist unnütze) Arbeit angeht, und so bleibt das, was an Kurswochenenden schulisch zu tun wäre, einfach auf der Strecke. In mancher Hinsicht schade, in anderer einfach nur eine lästige Nebenwirkung meiner Sani-Ausbildung.
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Heute war ein wunderschöner Kurstag. Am Vormittagsprogramm standen drei Stunden Rechtliche Grundlagen und eine Stunde die „Sandwich“-Bergetechnik. Der Vortragende wurde aber krank, und so übernahm unser Ausbildungsleiter persönlich, mit seinem (und teils auch meinem) Lieblingsthema „Psychische Betreuung von Patienten“. Der Nachmittag war fast noch besser: Praxis ohne Patientenkontakt. Hilfeleistung bei Notärztlichen Maßnahmen, Notfallcheck und Reanimation bei Säuglingen und Kindern sowie Schienungstechniken. Ziemlich anstrengend. Aber gut.
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Wie gestern und auch letztes Kurswochenende brachte ich KB, die am selben Berg wohnt wie ich, nach Hause und drehte dann um, um Mary in ihr Heimatkaff zu fahren. Am Rückweg R.E.M. hörend eine absolut fehlerfreie und sichere Reise, halbwegs ruhig und fast nicht zu schnell. Ich hab mir nämlich, aufgrund der großen Verantwortung hinter dem Steuer und ehrlicherweise hauptsächlich angesichts dessen, was im Verkehr schon so manches passiert ist, vorgenommen, vorsichtiger zu fahren.
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Mary freut sich übrigens, das muss ich endlich hier erwähnen, jedes Mal alle beide Haxen aus, wenn ich sie nach Hause bringe. Ein Ausschnitt aus unserem Handy-Dialog nach unserem ersten Probelauf am Nationalfeiertag:
„Ich danke für diesen ausgezeichneten taxidienst! Empfehle gerne weiter wenn du das als 2tes Standbein ausbauen willst. Lg mary“ - „Frag mich grad, was eigentlich mein 1. standbein ist…“ - „Die antwort wird noch kommen … Wenn dir nichts anderes einfällt kannst du auch problemlos taxifahrerin werden. Meine empfehlung hast du sicher. Lg mary“ - „Danke für den guten zuspruch! Werde später daran denken. Unerwünschte nebenwirkungen (wie hws-verletzungen, sht [Schädel-Hirn-Trauma, Anm.] oder hämatothoraxdings) können bis zu 24 stunden nach der fahrt noch auftreten! Schlaf gut, gute nacht. R.“ - „Ich glaube nicht das deine fahrt nebenwirkungen oder spätfolgen hat. Danke noch mal! Gute nacht! Lg mary“
Mary bedankt sich pro Fahrt durchschnittlich mindestens 3 Mal und versichert mir, dass ich das nicht machen muss. Immer und immer wieder. Sie macht mir Komplimente, wie lieb ich bin und wie gut ich fahre. Aber ich glaube, sie hat schon längst verstanden, wie sehr es mich freut. Eigentlich sollte sie ja einen eigenen Eintrag kriegen. Sie, die mir die Ausbildung überhaupt erst ermöglicht hat. Denn allein wäre ich dort nicht hingegangen. Jetzt diskutieren wir in unserer Freizeit, ob der Oberschenkelhalsbruch der alten Dame, die ich letzten Sonntag ins Spital gebracht habe, eine Notarztindikation gewesen wäre. Und vieles mehr. Danke, „Mary“. Ich muss dir noch mal klarmachen, was das für mich bedeutet.
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Nur noch ein Wochenende bleibt meinem Kurs. Gleich nach den CAE-Prüfungen. Freitag von sechs bis zehn, Samstag von acht bis fünf, Sonntag auch. Eine Art kleine Abschlussfeier soll es geben. Danach werden weiter fleißig Dienste gemacht, bis wir unsere 160 Stunden, sieben Krankheitsbilder/Verletzungsmuster und sämtliche Unterweisungen/erweiterte Maßnahmen haben und uns kompetent und sicher fühlen. Dann schreiten wir zur Prüfung, irgendwann in weitester Ferne. Und damit beginnt der Ernst unseres Sani-Daseins beim Roten Kreuz. Ich darf nur nicht, so wie dieses Wochenende, die Schule völlig ignorieren. Ein gutes halbes Jahr noch, bis ich dem österreichischen Bildungssystem endlich zu entkommen gedenke.
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Zumindest für eine Weile. Gestern Abend nämlich schrieb ich eine E-Mail:
„Hallo B.,
wir kennen uns ein bisschen; du hast mich letztes Jahr an meine Therapeutin vermittelt. Das war eine unglaublich gute Idee, die Therapie hat mir sehr geholfen und war mit ein Grund weshalb ich im Sommer so glücklich war.
Im Sommer war es auch, dass ich endlich die Kraft hatte, ernsthaft über meine Zukunft nachzudenken. Seit September gehe ich in die 8. Klasse Gymnasium, und das einzige, wobei ich in jenen hellen Sommerwochen, als ich meinen Blick zeitlich in die Ferne schweifen ließ, ein gutes Gefühl hatte, war, eine zeitlang Freiwilligendienst zu leisten. Die vergangenen Wochen hab ich mich also ein bisschen im Internet umgesehen, hauptsächlich der Linkliste auf eurer Homepage folgend. Aber ich weiß nicht so recht, was ich eigentlich will und was ich kann. Vielleicht würde mir ein Gespräch helfen, die möglichen Wege etwas klarer zu sehen. Meinst du, das ginge vielleicht mal? Dass jemand vom J. [vom Jugendservice, bei dem sie arbeitet, Anm.] auf meine Gedanken eingeht und mich auf neue bringt? Oder vielleicht habt ihr auch zielführende Information zu dem Thema. (…)“
Und vielleicht wird ja was draus?
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Gestern war es auch, dass meine Mum meinte, ich sollte mehr schlafen, ich hätte dunkle Ringe unter den Augen. Na, das fiel ihr aber früh, die hab ich doch schon lang. Aber ich gebe ihr auch Recht. Freitag nachts war ich nicht im C. Club. Warum ich nicht komme, fragte Beauty. „Keine Kraft“, so einfach war die Antwort. Es freut mich, dass ich gestern Abend im Kino nicht eingeschlafen bin. Zwei Karten hatte ich schon Mittwochs (als ich Nachtdienst hatte) reserviert, meine Oma lud uns ein (Herzlichen Dank dafür!), wäre schade, wenn ich was verpasst hätte. Die vergangenen zwei Nächte machte ich Progressive Muskelrelaxation. Ich schlief danach nicht schlecht, aber an meinen Verspannungen änderte es nichts. Wobei ich zugeben muss, dass meine Rückenschmerzen auch mit mangelnder Bewegung zusammenhängen könnten. Ich weiß einfach nicht, wann ich noch reiten, laufen, bogenschießen, drachensteigen, geschweige denn ins Hallenbad zum Schwimmen fahren sollte. Vielleicht am kommenden verlängerten Wochenende mal. Aber da ist viel zu tun, und Dienste will ich ja auch noch machen. Und so vieles bleibt ungeschrieben! Nach Deutschland, in die Schweiz, nach England und nach Amerika, und ganz besonders an meine Therapeutin.
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Aber das alles hat auch etwas Gutes. Denn ich lebe zumindest. Es ist kaum zu vergleichen mit der Zeit davor. Auch wenn ich keine ordentlichen Einträge mehr zustande bringe. Das ist hier die Hauptsache: Es geht mir gut.
(nachtrag: ne, ich mach jetzt nicht die abstände zw. den absätzen kleiner und die formatierung richtig. ich les mir jetzt mal englisch durch, dann mach ich meine progressive muskelrelaxation und die augen zu. gute nacht.)

