Stimmung: nicht sehr gefühlvoll, hauptsächlich erschöpft obwohl die meiste Zeit heute fad herumgesessen.
Musik: vorhin Queen: It's A Hard Life; im Kopf Gives You Hell
Zuallererst legten L. und ich eine
grandiose Reanimation hin. Prüfer: „Obwohl ich noch so genau geschaut habe,
konnte ich keinen Fehler finden.“ Ich hatte meine Scheu längst abgelegt und der
gute Start machte auch meinen Prüfungspartner lockerer. Großunfall wurde uns
auch nicht schwer gemacht. Bei der Trauma-Praxisstation forderte zwar keiner
von uns den NAW nach, aber unsere ansonsten fehlerfreie Darbietung dürfte recht
überzeugend gewesen sein. So richtig mühsam war das Warten zwischen den fünf
Teilprüfungen. Auch das Arztgespräch wurde im Team geführt, aber wir konnten unser
großes Wissen gar nicht anbringen. Der Gerätelehreteil bei meinem
Ausbildungsleiter war geradezu enttäuschend (warum lässt er mich von allen
notärztlichen Maßnahmen ausgerechnet ein doofes Medikament im Verhältnis eins
zu neun aufziehen?), und beim zweiten Teil bekam ich Blutdruckmessung. Ich
verwendete erst ein paar einfache Fachbegriffe und durfte dann feststellen,
dass der Prüfer 130 zu 80 hat. Danach wurde, wie auch dazwischen gewartet und
gewartet und gewartet. Die Situation war nicht angespannt, sondern äußerst
unspektakulär zäh. Besser so als anders. Nach ewig Erscheinendem Gezähe wurden
die vier Freiwilligen meiner Dienstelle noch zum Essen eingeladen und am
Heimweg kam kurz die Freude über den siegreichen Tag in mein Bewusstsein. Ich
sehe die Sache mittlerweile etwas anders – ich könnte mir durchaus vorstellen,
auch bald mal mit einem guten Fahrer zu zweit Dienste zu machen. Nur leider bin
ich ja momentan nicht in der besten körperlichen Verfassung – kein Wunder,
immer nur blöd in der Schule rumsitzen und daheim dann noch mehr von dem
theoretischen Zeugs. Und mit meinen siebzehneinhalb Jahren bin ich natürlich
doch noch relativ jung und dementsprechend weniger allgemeine Lebenserfahrung
habe ich. Aber ich hab auch schon was drauf als Sanitäterin, das brauch ich gar
nicht abstreiten. Bei den nächsten Einsätzen will ich jedenfalls keinen
Atem-Kreislauf-Stillstand. Ich hab die letzten zwei Wochen genug reanimiert für
die nächsten acht Wochen. Und lasst mich bloß kein Medikament mehr aufziehen,
sonst werd ich aggressiv und die Ampullen fliegen durch die Gegend. Aber einen
Venflon öffnete ich heute Abend dann doch noch – wir haben zufällig zwei
abgelaufene daheim. Ich wickelte ein Stück Mullbinde um eine
Erste-Hilfe-Zotter-Schokolade und befestigte Marys Beatmungsmaske, indem ich
den Venflon durch den Ring steckte und mit einem Stückchen PehaHaft festklebte.
Das Ergebnis gefällt mir unheimlich gut :-)) Worauf ich schrieb, was ich Mary
nochmals klarmachen will, ist ein Ausschnitt einer Kopie meiner
Ausbildungsbestätigung. Auf deren Rückseite steht nun:
„Liebe Mary,
die Ausbildung zur Rettungssanitäterin bereitete mir im vergangenen halben Jahr
viel Freude und wird bestimmt auch weiterhin zu positiven und lehrreichen
Erfahrungen führen. Ohne dich wäre es dazu nicht gekommen. Ich hab diese
Ausbildung selbst, freiwillig und gern gemacht, aber du warst es, die mir den
entscheidenden Schubs dazu gegeben hat.
Fühle dich durch den
abrupten Abschluss der offiziellen Lernphase von mir auf keinen Fall links
überholt. In Wirklichkeit ist das Sanitäterinnen-Dasein ein jahrelanger Lernprozess.
Eine gute Helferin wird man nicht von heute auf morgen, und schon gar nicht
durch ein Zeugnis.
Nichtsdestotrotz freue
ich mich freilich über den erfolgreichen Abschluss dieser Ausbildung, an deren
Anfang neben allen dafür sprechenden Gründen ganz besonders du standest. Ich
finde es schön, dass wir Kolleginnen beim Roten Kreuz sind. So möchte ich dir
nochmals meinen Dank dafür ausdrücken und dir alles Gute für deine Zukunft als
Sanitäterin wünschen – Danke und alles Gute!“
Â
So beende ich einen
kurzen Bericht über einen anstrengenden Tag mit ein paar für die Prüfung
relevanten Auszüge aus dem Mitteilungsspeicher meines Mobiltelefons. Einfach so an Stelle eigenen Ausdrucks spezieller Freude.
Gestern Abend an den Meister:
Werde
morgen mein bestes für das ziel (die sani-sache) geben. Es ist richtig, darauf
zu vertrauen.
Gestern
nachts von Beauty:
Hey....sorry, dass ich so spät noch
schreibe...wirds mei sms wahrscheinli erst morgen lesen(eigantli scho
heute…egal) kann nämlich grad ned schlafen und da hab i an di gedacht und mia
is eingefallen, dasd ja morgen die prüfung hasd...also drück i da fest de
daumen :-) wirsd sehen des schaffds sicherlich weil i glaub des is anfoch des
richtige fia di :-D naja also viel glück und i hoff mal i hab di ned aufgweckt
:-) bussi --- Danke judith! Das ist
wirklich lieb, ich freu mich :-) Jetzt schlaf mal, werd gesund. Gute nacht, R.
Heute
früh von Mary: Guten Morgen! Alles gute und viel glück bei der sani
prüfung. Du schaffst das! Glg mary --- Heute Früh an Mary: Danke! Werd mein bestes geben.
Heute nach der letzten Teilprüfung an meine
Therapeutin: Sie können
aufhören, an mich zu denken! Ich habs geschafft. Möchte mich beizeiten nochmal
bei ihnen melden… Liebe Grüße! R. --- Hab recht an sie gedacht worum
gehts denn? --- Rettungssanitäterprüfung
:-) --- Gratuliere! --- Danke!
Ich hoffe sie hatten nicht mehr erwartet. Ist was ganz wichtiges für mich. --- Ich
weiß wie bedeutend es für sie ist und freue mich! --- Wollte nur sichergehen! Unabhängig davon will ich gern wieder
mit ihnen reden – ich rufe sie an. Danke für ihre unterstützung.
Nach den Prüfungen an den Meister: Lieber M., es lief wie erwartet.
Nach den Prüfungen an verschiedene: Hallo (…). Es läuft wie erwartet, wir warten
schon auf die zeugnisse. Ich hoffe, ihr habt einen schönen tag! Liebe grüße, R.
Beauty: Hey :-) hasd des du hosd as gschaffd? ?? Bussi
--- Ja :-) --- He supi :-) freu
mi fia di !!! Naja dann mach da nu an schönen tag und dua brav feiern :-) bussi
(…)
Mary:
Ich drück dir ganz fest die Daumen! --- Brauchst
du nicht mehr! Sind schon fertig. Ist wirklich nichts zum fürchten.
Um drei an meine Eltern: Und warten und warten und warten... Wir
haben alle lauter einser aber die kommission kommissiert und die zeugnisse sind
noch nicht verteilt... Um dreiviertel
vier an meinen Vater: Wir fahrn jetzt erstmal essen :-)
An meine Schwestern abends am Heimweg: Huhu liebste schwestern, habt ihrs schon
gehört? Ich bin ausgezeichnete rettungssanitäterin, jawohl! --- Waaaaah!
Super! Gratuliere ganz herzlich und bin voll stolz auf dich! Hab dir den ganzen
vormittag gedanklich die daumen gedrückt! Bussiii
Nachdem so viele gemeint hatten,
sie seien sich sicher, dass ich es schaffe, wunderte es mich, dass manchen mit
„Es lief wie erwartet“ nicht sofort klar war, dass ich damit meine, dass ich es
geschafft habe.
Vor lauter geschafft und durstig Sein
und Zugang in Schokolade Stechen kam ich noch gar nicht zu Feiern und Freude.