Das Haus Esterhazy
Die ungarische Magnatenfamilie ist 1238 erstmals
belegt. Benedikt Esterhazy heiratete um 1526 Helene von Bessenyey de Galantha.
Den ungarischen Freiherrenstand erhielten die Esterhazy 1613, Grafen von
Forchtenstein wurden sie 1626. Sie wurden 8.12.1687 in den Fürstenstand erhoben (ad
personam); die Familie war und ist im nördlichen Burgenland reich begütert (1648
Erwerb von Eisenstadt). Am 23.03.1712 wurde der Reichsfürstenstand mit
„Hochgeboren“ auf den Erstgeborenen, am 21.07.1783 auf alle Nachkommen
ausgedehnt. Am 22.05.1804 erwarb das Haus die am 17.12.1804 zur erblichen
Grafschaft erhobene ehemalige Abtei Edelstetten, wurde aber nicht mehr in den
Reichsfürstenrat aufgenommen. Dem kaiserlichen Feldmarschall Nikolaus IV.
(1765-1833) bot Napoleon vergeblich die ungarische Königskrone an. Das Prädikat
„Durchlaucht“ erhielten die Esterhazy 1825.
Bedeutende Vertreter:
- Anton Graf von Esterhazy (†1722), Feldherr;
- Nikolaus Joseph Fürst von Esterhazy (1714-1790),
kaiserlicher Feldmarschall und Mäzen Joseph Haydns;
- Nikolaus Fürst von Esterhazy (1765-1833), dem
Napoleon 1809 die ungarische Königskrone anbot.
- Peter Graf Esterhazy de Galantha (*1950),
Schriftsteller (2004 Friedenspreis des Börsenvereins des deutschen
Buchhandels).
Der Chef des Hauses führte den Titel Fürst Esterhazy von Galantha, gefürsteter
Graf zu Edelstetten, Graf von Forchtenstein. Er war Erbobergepan des
Komitats Ödenburg und erbliches Mitglied des ungarischen Oberhauses. Die
Nachgeborenen führen den Titel Prinz
und Prinzessin Esterhazy von
Galantha. Daneben gibt es noch ein gräfliches Haus Esterhazy von
Galantha.
Fürst Anton II. (*1936) lebt mit seiner Familie in
München, besitzt in Budapest nur eine 2-Zimmer-Wohnung und hat vom Verkauf des
Wiener Palais Esterhazy bloß 305.000 € bekommen. Die Fürstin Melinda (*1920),
Alleinerbin des letzten Majoratsherrn Paul V. Esterhazy (1901-1989) und mit
einem Vermögen von 1,1 Milliarden € eine der reichsten Österreicherinnen, hat
Antons Mitgliedschaft im Familienbeirat sistiert und sämtliche Zahlungen an ihn
ausgesetzt (2002).
Den sagenhaften Reichtum hatte weiland Fürst Paul V.
Esterhazy bei seinem Tod 1989 hinterlassen. Fürstin Melinda verwaltete das
Ererbte und richtete schließlich eine Privatstiftung zur Versorgung des
Familienverbandes ein. Die Oberaufsicht hat ihr Neffe Stefan Ottrubay. Fürst
Anton II. hat lediglich repräsentative Angelegenheiten der Familie wahrzunehmen.
Zahlreiche Mitglieder der weitverzweigten Familie
waren in Ungarn geblieben, wurden aber in der Volksrepublik nicht durch Reichtum
oder Skandale bekannt. Mathias Benedek Graf Esterhazy de Galantha, der zum
zweiten Haus des ersten Zweiges des zweiten Astes der ersten Linie gehört, hatte
durch die Enteignung sein ganzes Vermögen verloren. Zunächst konnte er sich noch
als Übersetzer und nicht-politischer Journalist über Wasser halten, bis auch er
nach Hort umgesiedelt wurde und seine wachsende Familie als Feldarbeiter und
Melonenzüchter ernähren mußte. Dafür wurden zwei seiner Söhne sogar über die
Landesgrenzen hinaus bekannt. Martin stieg zu einem gefeierten Fußballstar auf;
sein älterer Bruder Peter studierte Mathematik und wurde einer der bekanntesten
Schriftsteller Ungarns. 2004 wurde er mit dem Friedenspreis des Börsenvereins
des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.