Stimmung: Ich habe frei! Ich habe frei! Ich habe frei!
Ja, wo fange ich an? Ach ja: HUUUURRRRRAAAAA! Ich habe morgen frei!
Und dann noch 3 Tage - also 4 Tage am Stück! Ist das nicht toll? (Das bedeutet
zwar vermutlich, dass ich danach wieder mehr als eine Woche durcharbeiten muss,
aber das verdränge ich jetzt einfach mal...)
Aber abgesehen davon: Was war heute nur für ein Schei...XXX - Tag! Also nicht
der frühe Nachmittag, da hab ich mich mit dem Grazer Stammtisch aus dem
HDR-Forum getroffen, aber danach, bei der Arbeit! Zuerst war normal viel los
für einen Freitag Spätnachmittag, danach war es extrem ruhig, um dann um kurz
nach 22:00 Uhr aber sowas von auszuarten... Und zwar bis 10min nach 23:00 - vor
lauter Streß hatte irgendwie keiner Zeit, rechtzeitig abzusperren, und daher
hat das Hereinströmen der Kunden gar nicht aufhören wollen! *ächz*
Und natürlich habe ich den Nachtbus wieder nicht erwischt und bin zu Fuss nach
Hause gestiefelt... Wie beinah jeden Tag in der letzten Woche.
Am Nachhauseweg hatte ich Zeit, über die "Arbeitsmoral" im
Allgemeinen und im Besonderen nachzudenken. Der Grund waren zwei Erlebnisse des
heutigen Tages:
Nr. 1
Die ganze Lobby ist leer, kein Kunde da. Während links und rechts von mir je 2
KollegInnen miteinander tratschen, räume ich die Saucen ein. Da kommt ein Kunde
zur Tür herein, und weil ich die einzige bin, die das überhaupt mitbekommt,
aber eigentlich grade am Arbeiten bin, sage ich zu Kollegin links - die steht
gleich neben mir: "Machst du Kassa bitte?". Die mault zur anderen "Na
klar, die da drüben tratschen auch, und ich soll das machen..." und
quasselt einfach weiter. Die zwei rechts sind weiter entfernt und bekommen
überhaupt gar nicht mit, dass da ein Kunde rumsteht. Also geh ich zur Kassa und
mach das. Eh klar, ich Trottel. Die linke denkt wahrscheinlich: "Na bitte,
geht doch!"
Nr. 2
Die linke Kassa und die mittlere (meine) sind von Kunden besetzt, der Kollege
rechts hat grade nichts zu tun. Er steht gedankenverloren herum und starrt
Löcher in die Luft, während die Pommes-Friteuse wie verrückt piepst und um
Aufmerksamkeit schreit. Ein wirklich penetrantes Geräusch, aber nicht umsonst,
denn: die Pommes müssen raus! Der Kollege rechts starrt einfach weiter. Noch
mehr Kunden kommen rein und stellen sich an den zwei besetzten Kassen an, sie
bemerken nicht, dass auch eine dritte Kassa geöffnet hat. Macht sich der
Kollege wenigstens irgendwie bemerkbar, wenn er schon die Friteuse nicht von
ihrem Leiden erlöst? Nein, er starrt einfach weiter. Ein freundlicher Hinweis
meinerseits reißt ihn dann endlich aus seinen Träumereien und er bedient die
Kunden. Das mit den Pommes erledige ich schnell zwischendurch.
Ein ähnliches Szenario gibt es an diesem Abend noch 3-4 mal. Ich kann und will
ihm gar keinen Vorwurf machen, denn ich bin sicher, dass er es nicht mit
Absicht gemacht hat: er hat es nur einfach gar nicht mitbekommen!
Ich neige dazu, mich an solchen Abenden selbst zurechtzuweisen, indem ich
denke:
1. Ich bin vermutlich viel zu besserwisserisch, kritisch, unzufrieden, zu wenig
verständnisvoll...
2. Ich sollte mich über sowas nicht ärgern sondern einfach Tacheless reden -
selber schuld!
3. Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder meinen relativ hohen
Leistungsanspruch teilt...
4. Warum mach ich mir überhaupt Gedanken, die anderen tun's doch auch nicht,
und es hat vorher auch ohne mich geklappt - warum mache ich mich so wichtig?
5. Warum tu ich diese Sachen, wenn ich mich dann darüber ärgere? Warum bin ich
so blöd und engagiere mich dann?
6. [...]
Allerdings hat mich ein Gespräch vor wenigen Tagen mit der
Lieblingsschichtführerin aus Deutschland (Gegend um Dresden, glaube ich) dann
doch hellhörig gemacht. Sie hat nämlich genau die Dinge beanstandet, die mir
heute ganz auch besonders aufgefallen sind (heute war sie nicht da, sondern eine
andere Schichtführerin): keiner schert sich um die Friteuse, das war in D
damals ganz anders; es wurde allgemein besser zusammengearbeitet - mehr
einander geholfen; generell wurde auch mehr Leistung verlangt, es war mehr
Arbeit von weniger Leuten zu leisten; diese (österreich-typische?) "na is
eh wurscht, kann man nix machen" - Haltung... Das sind ja im Grunde
genommen auch die Dinge, die mich stören. Vor allem, weil ich dann der Typ
Mensch bin, der dann einspringt und versucht, diese ganzen Lücken zu füllen.
SIE ist da auch so, glaube ich - denn der Grund, warum mir das heute besonders
aufgefallen ist, ist wohl der, dass sie eben NICHT da war!
Mich nervt das so, weil ich dadurch immer ziemlich schnell in die Position
"Trottel vom Dienst" rutsche (war ja in der vorigen Arbeit auch nicht
anders) - aber ich kann da aus meiner Haut einfach nicht raus und mir einfach
auch denken: eh wurscht, ist halt so. Ich will diese Haltung eigentlich auch
nicht annehmen, sie gefällt mir nicht!
Und jetzt wage ich mal, meine übliche Denkweise umzukehren und ausnahmsweise
mal nicht davon auszugehen, dass ICH der Exot bin, der sich ändern muss,
sondern dass ich einfach im falschen Umfeld bin. Wenn nämlich 2 oder 3 Leute
zusammenarbeiten, die ähnlich ticken wie ich, dann ergänzt sich das ganz
wunderbar - wie eine frisch geölte Maschine. Die Rädchen greifen ineinander,
niemand hat das Gefühl ausgenutzt zu werden, jeder hilft jedem, und das
Ergebnis kann sich sehen lassen und macht alle Beteiligten zufrieden.
Warum kann es nicht einfach so einfach sein?
Seufz.
Ein wenig genervt, Claudia