
Zuerst die "hard facts":
Es ist draußen so unglaublich warm! Ich war heute ca. 2 Stunden unterweg (einkaufen, spazieren), und war zuerst mit T-Shirt und Jacke natürlich viel zu warm angezogen... Aber da ich in den letzten Tagen beim Praktikum immer gefroren habe, habe ich das echt unterschätzt.
Ich hatte heute zum ersten Mal keine Bandage am Fuss, sondern nur einen Strumpf, weil ich eigentlich gar keine Beschwerden mehr habe. Trotzdem weiß ich, dass ich zur Unaufmerksamkeit neige, wenn ich nicht irgendeinen Schutz habe. Ich habe ein Bild von gemacht, weil ich grade ein wenig zum "Exhibitionismus" neige und obwohl man nichts wirklich Dramatisches sehen kann. (Es braucht sich ja niemand anzusehen. Ich persönlich finde ja fremde Füsse auch eher... Ürghs.) Es kommen immer wieder bläuliche Stellen rund um den Knöchel durch. Ich habe wohl echt das "Glück", dass ich meine Bänder als Kind so oft überdehnt habe (ich bin manchmal wochenlang einbandagiert herumgelaufen), dass da heute echt nix mehr passieren kann. Klick zum Bild:
<HIER>
Ja, der Fuss ist echt so weiß. Immer. Und nicht nur der Fuss, sondern auch der Rest von mir. Vielleicht bis auf Gesicht und Arme. Die werden ein ganz klein wenig brauner, wenn ich gerade so viel in der Sonne bin, dass ich keinen Sonnenbrand bekomme. Und den Molkerei-Spruch könnt ihr euch gleich sparen, danke!

Eine "Taufe" gab's heute auch. Ich habe ja eine kleine Birke am Balkon, die ich aus meinem Göllersdorfer Garten ausgegraben habe. Gestern habe ich einer Freundin am Telefon davon erzählt und mußte mich echt konzentrieren, nicht "Trance" statt "Birke" zu sagen. Meine Pflanzen haben eigentlich traditionellerweise keine Namen, aber nun muss ich eine Ausnahme machen - es hat sich mir aufgedrängt. (By the way, da fällt mir ein, dass ich heute Nacht von meinem
<Fensterblatt> geträumt habe - bis auf 2 Blätter war er ganz kahl... Ich war todtraurig.)
Ich gebe also feierlich bekannt, dass diese entzückende kleine Pflanze ab jetzt auf den Namen
"Trance Gemini" hört:
Und weil ich die Kamera gerade in der Hand hatte und dank neuer Akkus (Freudentanz!) auch mehr als 20 Bilder machen kann ohne die Batterien zu wechseln, habe ich auch gleich noch das Trudi und dem Trudi seine "Wiese" geknipst:
* * * * * * * * *
Beim Gehen hatte ich Zeit nachzudenken und jetzt möchte ich einige Dinge aufschreiben, die mir schon seit einigen Tagen/Wochen im Kopf herumgehen.
Ein Teil dieses Nostalgieanfalles betrifft mein Pferd - dazu habe ich einen eigenen Beitrag verfaßt:
<Die wilden 90er>
Also, das "Problem" ist folgendes: Da ich in meinem Leben ja schon einige Male übersiedelt bin und jedesmal fast neu angefangen habe, hat sich natürlich auch der Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder geändert bzw. erneuert. Bis zum 20. Lebensjahr war es noch ziemlich homogen - die Leute kannten mich im Dorf, in der Schule und im Reitstall. Ich war damals also eine Person, die man geographisch und thematisch einzuordnen wußte. Und wenn ich jemandem eine Begebenheit aus meinem Leben erzählen wollte, mußte ich nicht erst groß ausholen und die Begleitumstände schildern.
Als ich dann nach Mödling kam, wurde erstmals einiges anders - zu den Leuten "daheim" verlor ich teilweise den Kontakt bzw. es wurden "Berichterstattungsbeziehungen" daraus: Man traf sich 2-3 mal im Jahr und tauschte die wichtigsten Neuigkeiten aus, aber vom täglichen Leben bekam man kaum etwas mit. (Damals gab's auch noch keine emails und Telefonieren war teuer!). Andersrum kannten die Menschen, die ich in Mödling und später in Wien kennenlernte, weder meinen "alten" Freundenkreis und auch nicht meine "Pferdekarriere" - ich war plötzlich nicht mehr "die Claudia mit dem Pferd", sondern die "Wirklich, du hast ein Pferd? - Claudia".
Als ich dann nach Göllersdorf übersiedelte (samt Daisy), war ich zwar wieder "die Claudia mit dem Pferd", aber ich hatte die Turnierzeit längst hinter mir gelassen, den Westernsattel gegen "ohne Sattel" und später den baumlosen Freizeitsattel getauscht - niemand dort wußte, dass Daisy und ich eine aktive Turnierkarriere hinter uns hatten. Natürlich, ich habe es immer wieder mal erzählt, aber es war eben nie mehr als ein "Schatten" aus der Vergangenheit. Niemand dort hatte eine Ahnung davon, wie es früher war mit Daisy und mir - in der Anfangszeit, als wir uns zusammenraufen mußten und dann irgendwann die ersten Erfolgserlebnisse hatten. Es gibt zum Beispiel heute in meinem Bekanntenkreis eine einzige (!) Person, die noch das Fohlen kannte, das Daisy damals hatte.
Vor allem meine berufliche Entwicklung blieb den "Daheimgebliebenen" ziemlich verborgen - die Schule in Mödling, der erste Job beim Architekten, der zweite beim Tischler... Beim dritten Job in Stockerau entwickelten sich wieder neue Freundschaften - keiner dieser Menschen kannte mich in meiner "Wiener Zeit" mit meinem Exfreund. Wieder ein wesentlicher Teil, der meiner Meinung nach fehlte.
Jetzt bin ich hier in Graz und die Menschen, die ich neu kennenlerne, haben überhaupt ein noch unvollständigeres Bild von mir: Daisy ist seit 2,5 Jahren in Pension und "weit weg", meine Haare sind ultrakurz - und keiner hier weiß, dass sie noch bis vor 2,5 Jahren so lang waren, dass sie bis zum Hintern reichten! Wien und besagter Exfreund sind längst Geschichte, das interessiert verständlicherweise keinen mehr. Und trotzdem ist es ein wichtiger Teil von mir, oder?
Dann kommen noch die Menschen hinzu, die ich jetzt "wiedergefunden" habe - denen fehlen zum Teil überhaupt die letzten 10 Jahre!
Ich fange langsam an, den Sinn der Institution "Familie" zu verstehen - das sind in Wahrheit die einzigen Menschen, die mich schon mein Leben lang kennen und daher keine allzugroßen Wissenslücken in meiner Biographie haben. Mir wird zwar immer wieder erschreckend bewußt, wie oft grade Familienmitglieder manche Ereignisse falsch verstanden oder interpretiert haben, aber zumindest kann man voraussetzen, dass die groben Eckdaten bekannt sind - ohne groß ausholen zu müssen. Wobei ich hier auch wieder an meine Schwester denken muss - sie ist noch so jung, dass ich Daisy schon länger einen Teil meines Lebens nennen kann als sie! Das ist doch auch irgendwie schräg, oder nicht?
Eine echte Katastrophe sind für mich die Begegnungen in meinem Heimatdorf - ich kenne grade noch die Gleichaltrigen, auch wenn ich mit keinem davon in den letzten 10 - 15 Jahren ein Wort gewechselt habe. Die Jüngeren sind mir zum größten Teil völlig unbekannt, die älteren Menschen kenne ich vom Sehen her, weiß sie aber überhaupt nicht mehr einzuordnen. Seit ich die Haare kurz habe, erkennt mich noch nicht einmal mehr die Nachbarin - wenn nicht meine Schwester oder die Eltern als "Passierschein" dabei sind. Jedes gesellschaftliche Ereignis, zu dem ich von seiten der Familie verpflichtet werde, ist mir daher ein Greuel. Ich soll Menschen (die ich nicht mehr kenne) erzählen, "was ich grade mache" (ja wenn ich das selber wüßte!) oder mit Gleichaltrigen Smalltalk führen, mit denen ich in der Schule schon nichts anzufangen wußte... Gruselig.
Es gibt in meinem Leben ausserhalb der Familie nur zwei Menschen, die mich so durchgehend gekannt haben, dass sie ein halbwegs vollständiges Bild von mir haben - wobei auch hier gerade meine "Internetseite" völlig im Dunklen liegt.
"Das ist eben das Leben" hat eine dieser Freundinnen vor kurzem gesagt - vermutlich hat sie recht, aber es beschäftigt mich trotzdem. Es gibt in meiner Biographie keine Phase, die ich gerne auslöschen würde, daher betrachte ich mich heute als Produkt meiner Vergangenheit - und die Menschen, die mein Leben annähernd so lückenlos begleiten wie ich, werden immer weniger. Das erinnert ein wenig an einen Flickenteppich - und manche Freundeskreise kennen nur einen ganz kleinen Ausschnitt davon. Ich finde es auch wirklich schwierig, Kontakte aufrechtzuerhalten, wenn man in eine neue Phase eintaucht - es holpert eben ein wenig, wenn man versucht, andere Menschen am Leben teilhaben zu lassen, auch wenn sie nicht mehr zum Alltag gehören. Sie werden zu Besuchern, und das macht mich irgendwie traurig.
* * * * * * * * *
So, genug schwere Gedanken - auch wenn es ein wenig so klingt, bin ich heute ganz und gar nicht melancholisch. Im Gegenteil: grade heute wird mir bewußt, wie gut es mir geht:
Θ ich kann den PC anschalten und aus jedem noch so alten Film eine beliebige Szene irgendwoe im Internet finden und anschauen
Θ oder uralte, längst verloren geglaubte TV-Serien als DVD einfach bei amazon bestellen
Θ 400 Lieder auf den MP3-Player laden, das Teil in die Hosentasche stecken und jede beliebige Musik hören, wo immer ich grade bin - und dabei weder Platz im Rucksack beanspruchen noch mich mit zusätzlichem Gewicht abschleppen!
Θ ich kann die alten Fotoalben heraussuchen, Bilder auf den Scanner legen und am PC archivieren oder online stellen; sie werden nicht vergilben oder verkleben oder beim nächsten Umzug verloren gehen...
Θ ich habe die Möglichkeit, Liedertitel und -interpreten per Knopfdruck ausfindig zu machen, auch wenn ich nur mehr ein paar Worte einer bestimmten Textzeile weiß (so geschehen bei: "Somethings gotten hold of my heart") und ...
Θ ... Lieder im Internet zu finden, die ich noch irgendwo in ganz mieser Qualität auf einer alten Kassette hatte (zB Karthago "Requiem")
Θ ...to be continued...
Ich bin ja immer wieder am Zweifeln, ob ich das mit unserer Informations- und Konsumgesellschaft wirklich gut finden soll, aber so wie es aussieht, bin ich wohl doch ein richtiges "Kind des Computerzeitalters"...
Schönes Wochenende!