Stimmung: ähm, häh?

Ich bin hundemüde, und es ist ja auch schon spät. Die Augen brennen und ich sollte ins Bett. Trotzdem möchte ich gerne jetzt gleich aufschreiben, wie es mir im Moment geht, denn es ist irgendwie seltsam...
Aber beginnen wir von vorne, das wäre... hmmmm... gestern Nacht, vermutlich. Da war nämlich wieder "Andromeda" auf RTL II - diejenige Serie, die vor wenigen Wochen verantwortlich war für die gräßliche Nacht des Fieberdeliriums (
<HIER> nachzulesen). Gestern gab's also wieder 2 Folgen hintereinander (von 22:00 bis 00:00 Uhr), die ich auf Video aufnehmen wollte. Allerdings mußte ich zwischen den beiden Folgen die Kassette wechseln, aber da RTL einen nahtlosen Übergang macht, fehlte mir der

Anfang der 2. Folge. Egal, denn es gibt eine Wiederholung mitten in der Nacht (nach 4:00 Uhr). Also habe ich mir den Wecker gestellt, um punktgenau den Videorekorder einzuschalten und weiterzuschlafen (auf die Programmierung wollte ich nicht vertrauen, da die Beginnzeiten in der Nacht nicht immer ganz verläßlich sind). Andromeda mitten in der Nacht - ich glaube, ich werde es mir abgewöhnen. Ich meine, die ganze Serie ist irgendwie strange, voll von schrillen Figuren und psychedelischen Bildern - die netten bunten Bilder hier stammen beide aus besagten zwei Folgen - allerdings dreht und bewegt sich dann auch noch alles. Und dann passieren so Sachen wie: Durch die Route der Zeitalter kommt man in unendlich viele Paralleluniversen - und so kann man den Abyss vernichten. In einem dieser Universen existieren nicht die Körper, sondern die Gedanken. Das was man denkt, wird Realität. Und Trance Gemini, die ein Avater einer Sonne ist, kann dadurch, dass sie zu einer Supernova wird und alles vernichtet, das Schiff und die Crew retten. Ihr versteht nur Bahnhof? Geht mir ähnlich... Also irgendwie geistern diese Bilder schon den ganzen Tag in meinem Kopf herum.

Der Vormittag verlief ereignislos: staubsaugen, duschen und Haare waschen, ein wenig am PC sitzen, danach zu Bahnhof und ab nach Wien. Auf dem Weg dahin habe ich "Jonathan Strange und Mr. Norrell" weitergelesen: ein 1000-Seiten-Wälzer, den ich von meinem Bruder zu Weihnachen bekommen habe. Da geht es um zwei Zauberer im England des 17. Jahrhunderts... Mehr weiß ich immer noch nicht, dabei habe ich schon mehr als die Hälfte gelesen. Die Geschichte plätschert so dahin, man erfährt, was welcher Zauberer wann gemacht hat, es gibt unglaublich viele Fußnoten, die sich teilweise über mehrere Seiten erstrecken. Die Schreibweise ich teilweise recht amüsant, allerdings hatte das Buch bisher weder Höhen noch Tiefen. Ich weiß auch nicht, ob es noch richtig spannend wird. Keine Ahnung. Wenn ich am Lesen bin, dann kann ich gut 100 Seiten in einem Rutsch lesen, aber wenn ich es weglege,

dann fasse ich es 2 Wochen lang auch gar nicht mehr an. Ich lese hauptsächlich noch, um es endlich fertig zu kriegen. Trotzdem es weder besonders spannend noch gruselig ist, hat es doch eine eigenartige Wirkung - im Buch verschwimmen immer wieder unsere reale Welt und die mystische Feenwelt des Rabenkönigs, es existiert eine Welt hinter den Spiegeln, Menschen werden in der Nacht in fremde Welten entführt. Dann kommt dann noch die englische vernebelt-regnerische Landschaft dazu, die Schwermütigkeit zweier Personen, die nachts vom "Herr mit dem Haar wie Distelwolle" entführt werden... Ich weiß auch nicht, das Hirn wird davon ganz matschig. Vor allem, wenn es schon Andromeda-vorgeschädigt ist.
Nebenbei habe ich meine Ohren noch mit Robbie Williams "Live Summer 2003" aus Knebworth beschallt (Me and my Monkey, Mr. Bojangles,...).

Endlich war ich am bfi in Wien, konnte allerdings unseren Raum nicht gleich in Beschlag nehmen, weil da noch eine andere Gruppe drinnen war. Also habe ich mich am Gang an ein kleines Tischlein gesetzt und - während Robbie noch fröhlich trällerte - durch 2 Glastüren durch in den gegenüber- liegenden Teil des Gebäudes geschaut. Schmaler Gang, weiße Wände und Decke. Links kommt eine Person aus einer Tür, geht quer über den Gang, verschwindet in einer Tür. Kurz darauf geht eine andere Tür auf, eine Person kommt raus, geht ein paar Schritte auf mich zu, verschwindet wieder in einer Tür. Und dann wieder eine Person - Tür - Gang - Person - Tür - ... 30 Minuten lang. Die Verw

irrung steigt, die Situation erscheint mir immer absurder. Dazu arbeitet sich noch eine Information durch das Gehirn: Robbie Williams hat seinen Entzug abgebrochen, oder die Therapie? Da war vor ein paar Tagen irgendwas in den Nachrichten, ich weiß es nicht mehr genau. Ich kann nicht behaupten, dass ich ein besonderer Fan bin, aber irgendwie mag ich den Kerl. Und wie ich da so sitze, seine Musik höre, auf meine Kollegen warte und die Menschen durch Gänge laufen sehe, fange ich an, mir Sorgen um ihn zu machen. Diese melancholische unterschwellige Art von Sorgen. "Ach wie schade,..." Langsam frage ich mich, ob ich noch ich selbst bin.

Zum Glück trudeln die Kollegen langsam ein. Eine ruft an, dass sie später kommt, weil sie gerade wegen Feueralarm aus der U-Bahn raus mußte. Wir erfahren später, dass 2 Stunden zuvor die U-Bahn schon mal gesperrt war, weil sich jemand vor den Zug geworfen hatte. Nanu, was'n heute los?
Wir wollen uns ein Video vom letzten Seminar ansehen: da wurde ein Rollenspiel gefilmt, das wir analysieren sollen. Leider ist die Tonqualität schlecht, sodass dieses Vorhaben scheitert. Ich male die ganze Zeit über Blümchen auf ein Stück Papier. Nach weniger als zwei Stunden beenden wir diese "Übung" (wir werden rausgeworfen, denn der Raum wird schon wieder von einer anderen Gruppe gebraucht, obwohl das ganze übrigen Stockwerk leer ist). Ein Kollege ist ohnehin nur körperlich anwesend, weil ihm sein Handy geklaut wurde - zu Beginn unseres Treffens IM bfi, als er sich kurz umgedreht hatte. Wir gehen in die nahe Pizzeria, das Handy taucht in einem Mülleimer wieder auf. Es wurde ein Anruf ins Ausland getätigt, aber da der Kollege die Nummer sofort sperren ließ, war es dann wohl wertlos. Naja, ich wundere mich noch nicht einmal mehr.

Auf dem Weg in die Pizzeria begleiten wir eine Kollegin in die Trafik, zum Zigaretten kaufen. (Weil wir das auch mal machen wollten: Zigaretten kaufen. Diese Erfahrung macht man als Nichtraucher ja nicht wirklich oft.) Drinnen sehen wir drei riesige Schachteln (zu Werbezwecken) und stellen uns vor, wie groß wohl die Zigaretten sind, die da drinnen Platz haben - und wie es wohl aussieht, wenn man die raucht; beidhändig. Und statt eines Feuerzeuges braucht man dann wohl einen Flammenwerfer. "Haben Sie Feuer?" Hysterisches Lachen ist die Folge - Kollegin wird uns wohl in Zukunft nicht mehr mitnehmen.

Beim Essen überfällt mich eine innere Unruhe, Nervosität, wie ich es lange nicht erlebt habe. Ich kralle mich an mir selber fest, um nicht davon zu laufen. Komisch, ich weiß nicht, woher das nun wieder kommt. Gepaart mit den wabernd-nebligen, psychedelisch- bunten Bildern im Kopf, dem verwirrenden Hin- und Herlaufen in schmalen Gängen und der melancholischen Sorge um Robbie ergibt das ein wirklich seltsames Gefühlschaos. Als mich dann eine Freundin aus Graz anruft, steige ich inhaltlich völlig aus - sie erzählt irgendwas von einem Caféhaus, in das ich sie morgen begleiten soll, weil sie sich da alleine nicht hintraut, aber ich bemühe mich gar nicht erst, zu verstehen wovon sie spricht. Vielleicht morgen.
Auf der Heimreise lese ich weiter in dem Buch (noch 300 Seiten, dann hab ich es geschafft - falls ich nicht vorher überschnappe) und werde dabei schläfrig. Immerhin besser als diese seltsame Nervosität. Ich versuche, nicht daran zu denken, dass ich für 2 Stunden sinnloses Videoschauen und einem Pizzaessen 5 Stunden im Zug gesessen bin und 30 Euro für die Fahrt bezahlt habe.

Ach ja, morgen. Da habe ich endlich mein Einzelgespräch mit der NOWA-Beraterin, und ich hoffe, dass sich meine Gedanken dadurch klären. Das habe ich nämlich noch gar nicht erwähnt: Wir haben ja die Aufgabe, am Dienstag ein Berufsbild vorzustellen, und irgendwie bin ich jetzt bei "Unternehmensberater" gelandet. Was da so bei den Anforderungen steht, spricht mich total an. Aber wenn man sich dann auf diversen Webseiten anschaut, wer denn tatsächlich Unternehmens- berater wird, dann stößt man in erster Linie auf ehrwürdig-imposante ältere Herren, die zumindest Wirtschaftswissenschaften studiert haben oder Manager in irgendeiner großen Firma waren. Mensch, da hab ich ja auch wieder nix zu suchen! Jedenfalls hat die Beschäftigung mit dem Thema dazu geführt, dass alle möglichen Dämonen wieder aus ihren Löchern krabbeln, die zum Beispiel heißen: "Das-kannst-du-doch-alles-nicht", "Die-werden- dich-auslachen",

"Den-Druck-hältst-du-doch-gar-nicht-aus", "Wer-bin-ich-denn-schon", "In-dieser-Welt-hast-du-doch-nix-verloren", "Du-wirst-jämmerlich-versagen". Um nur mal einige zu nennen. Dass ich dabei wirklich ein Bild von Dämonen im Kopf habe, die aus Erdlöchern krabbeln, macht es auch nicht weniger bedrückend... Ich überlege, ob ich hier nicht eine neue Kategorie "Gruselkabinett", "Geisterbahn" oder "Der ganz normale Wahnsinn" einrichten soll.
Ich zitiere aus einem bekannten Musical: "Ich glaub, ich verlier' den Verstand!" (Na, wer weiß es?)
Es gibt aber neben all der Verwirrung auch etwas Positives zu berichten: Ich habe heute den Bescheid vom Wohnbeihilfenreferat bekommen: ich krieg ab Anfang Februar Beihilfe, und das nicht zu knapp!

Und der dicht gedrängte Wochenendplan wird auch ein wenig einfacher, weil ich mit meinem Bruder im Auto mitfahren kann und deshalb nicht auf die Zug-Zeiten angewiesen bin.
Nun aber: Gute Nacht - und möglichst keine Träume!
Claudia
PS.: Ich nehme an, dass sich jetzt niemand mehr wirklich fragt, warum ich nachts manchmal nicht schlafen kann... Oder?