
Endlich ist es soweit - der "Harry-Potter-Monat" ist eröffnet!
Ich habe den neuen Film gestern im O-Ton und heute in der Synchro gesehen, und ich brenne darauf, endlich auch meinen Senf kundtun zu können.
Achtung -
hier wird gnadenlos gespoilert!
Bevor ich aber direkt mit der Kritik zum Film anfange, noch kurz meine ganz persönliche Harry Potter - Vorgeschichte:
Den Einstieg fand ich, als damals der Hype um Band 4 so richtig losging. Ich hab dann die Bücher 1-4 in wenigen Tagen verschlungen und mich in die lange Schlange derer gereiht, die schon sehnsüchtig auf Buch 5 warteten. Ich fand alle Bücher toll, aber "Der Feuerkelch" war mein persönliches Highlight - und ist es bis heute. Dann kam die Verfilmung vom "Stein der Weisen", und auch davon war ich begeistert. Ich hatte es noch nie erlebt, dass die durch das Lesen entstandenen "Bilder im Kopf" so gut zu den Bildern passten, die ich auf der Leinwand zu sehen bekam; mit "Die Kammer des Schreckens" ging es mir ganz ähnlich. Allerdings hatte ich dann mit Teil 3 "Der Gefangene von Azkaban" so meine Schwierigkeiten. Die Landschaft wich plötzlich total von dem ab, was ich mir bisher vorgestellt hatte, weshalb zum erstem Mal wirklich ein Bruch mit dem Buch entstand. Schlimmer getroffen hatte ich mich aber, dass die emotionale Verbindung zwischen Harry und Sirius meiner Meinung nach nicht intensiv genug rüberkam.
Zum "Feuerkelch" kann ich nicht viel sagen - den habe ich nur einmal gesehen, ich fand ihn ziemlich gehetzt und nicht annähernd so bedrohlich und unheilvoll wie das Buch, und Lord Voldemort... Ich weiß nicht so recht, vor dem kommt bei mir nicht wirklich Angst auf. Hätte man ihm eine Kapuze übergezogen, sodass man das Gesicht nur schemenhaft erkennen kann, wäre das vermutlich furchterregender für mich...
Das langersehnte Buch Nr. 5 war dann eine Enttäuschung für mich. Da ich natürlich nicht warten konnte, bis die Übersetzung rauskam, habe ich "The Order of the Phoenix" im Original gelesen - und fand es unheimlich zäh und frustrierend. Zäh nicht nur, weil die Handlung einige Längen aufwies, sondern auch weil ich im Englischen nicht so schnell lesen konnte wie gewohnt, was mich neben der aggressiv-destruktiven Grundstimmung des Buches zusätzlich frustriert hat.
So gesehen die optimalen Voraussetzungen dafür, dass ich den Film lieben würde: Zweifelsohne würden die Längen gestrichen werden, und schlimmer konnte es auch sonst nicht werden!
Kam ich gestern aus der OV noch mit gemischten Gefühlen raus, hat mich der Film heute beim 2. Mal wirklich überzeugt. Ja, es gibt auch Negativpunkte: Zum einen, dass ähnlich wie in Film 3 den Charakteren und Beziehungen nicht genügend Raum gegeben wurde. Manche Geschehnisse hatten mehr "Infocharakter" und boten nicht wirklich Gelegenheit, gefühlsmäßig einzutauchen - dafür war manches zu gehetzt. Zum Beispiel Arthus Weasly's Rettung - die ganze Aktion wird in einer Minute abgehandelt inklusive Genesung und Weihnachtsfeier, man kriegt gar nicht so recht mit, dass er fast gestorben wäre und dass nicht nur die ganze Familie um ihn gezittert hat. Stattdessen hetzen wir durch die Okklumentik-Stunden mit Snape, die zwar mit den Rückblenden sehr gut umgesetzt wurden, aber auch sehr hektisch rüberkommen. Gut gelungen übrigens Snapes "Worst Memory" - eine passende Besetzung für den jungen Snape, aber leider ebenfalls sehr knapp geraten.
Was mir auch sehr leid tut: Dass Harry und der geneigte Kinobesucher nicht wirklich eine Chance bekommen, um Sirius zu trauern. Auch hier geht wieder alles Schlag auf Schlag, nach der Rückkehr nach Hogwarts findet noch das obligatorische - dieses Mal für meinen Geschmack viel zu kurz geratene - Abschlussgespräch mit Dumbledore statt, und dann verschwinden schon alle in die Ferien. Im Buch gab's da diese Szene, wo Harry alleine am See sitzt und trauert, aber die wurde offensichtlich leider gestrichen. Sehr schade.
Die Dementoren - was für eine Mutation haben die denn bloß durchgemacht? Ich fand sie in ihren schwarzen Fetzen viel gruseliger; und seltsamerweise schauen sie bei der Ausbruch-Szene dann auch wieder so aus. Filmfehler?
Die Musik konnte mich auch nicht wirklich überzeugen - sie war so dezent, dass sie mir kaum auffiel, obwohl ich ein paar Mal extra darauf geachtet hatte. Einzig die Melodie im Ministerium war ziemlich eingängig, was aber durch die Ähnlichkeit zu "Am Ende vom Tag" aus "Les Misérables" im Endeffekt eine echt unangenehme Ablenkung war.
Dass einige Szenen verändert wurden (zB der Avada Kedavra, der Sirius tötete/Details rund um die Prophezeihung), manches gegenüber dem Buch sogar eine fehlerhafte Logik aufweist (zB warum konnte sich Sirius, nachdem ihn der Fluch getroffen hatte, noch umdrehen und Harry anschauen?), vieles fehlt (Harry zertrümmert Dumbledores Büro) und vereinzelt was hinzugefügt wurde (zB Dumbledores fulminanter Abgang) stört mich nun überhaupt nicht. Da bin ich nicht so pingelig.
Nun aber zu den Highlights - möglichst in order of appearance (zumindest bemühe ich mich drum):
Den Einstieg mit der Sommerhitze, Dudley und den Dementoren fand ich ziemlich gut gelungen. Die Dursley-Eltern geben ein furchtbares Bild ab und haben vermutlich schon besser geschauspielert, aber was solls - die kann ohnehin keiner leiden.
Dann wird Harry von den Mitgliedern des Ordens abgeholt, und obwohl der Flug über die Themse sicherheitstechnisch nicht wirklich Sinn macht, gibt er optisch doch einiges her. Wie überhaupt der ganze Film durch die Kamerafahrten über die Landschaft punktet.
Bei seiner Ankunft in Hogwarts sieht Harry (und der Kinobesucher) zum ersten Mal die Thestrale. Genial gelungen, tatsächlich. So häßlich sie auch aussehen mögen, so sympatisch sind sie durch ihre zutrauliche Art. In der Szene lernen wir auch Luna Lovegood kennen - ein absolutes Highlight des Films. Obwohl ich sie mir ganz anders vorgestellt hatte und echt erschrocken war, so eine "Barbiepuppe" vorzufinden, überzeugt sie ab dem ersten Moment sofort. Durch ihre singende Stimme, den leicht weggetretenen Blick und ihre ehrliche, freundliche Art ist sie sofort sympathisch.
Ebenso überzeugend - wenn auch nicht im Geringsten sympathisch: Dolores Umbridge - die vom Ministerium gesandte Inquisitorin, die nicht nur den Schülern das Leben zur Hölle macht. Sie ist Vertreterin des Ministers Fudge, der klare Ziele hat: Harry in aller Öffentlichkeit als Lügner abzustempeln, Dumbledore aus dem Verkehr zu ziehen und vor allem: zu leugnen, dass Lord Voldemort zurückgekehrt ist und eine erneute Schreckensherrschaft plant. Schon als man sie bei der Anhörung zum ersten Mal zu sehen bekommt (in rosa Klamotten unter der schwarzen Robe) - lernt man sie zu hassen. Alles an ihr ist wirklich genial umgesetzt: immer zuckersüß und freundlich, dabei aber eigentlich eiskalt und vor nichts zurückschreckend. Ihr Zimmer ein (Alp-)Traum in Rosa, hunderte Katzenbilder an der Wand, die in alter Zauberertradition natürlich herumlaufen (und die ganze Zeit miauen). Auch Harry findet schnell heraus, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, denn als er zum Nachsitzen bestellt wird, muss er zur Strafe unzählige Male "I must not tell lies" schreiben - mit einer Zauberfeder, die die Worte in seinen Handrücken ritzt.
Wirklich genossen habe ich die ganze Geschichte um Dumbledore's Army. Sowohl die erste Besprechung mit Hermines und Harrys "Rede", als auch die Treffen selbst haben mir sehr gefallen. Rund um diese Treffen gibt es einige humoristische Einlagen, als nämlich Filch versucht, die Mitglieder abzupassen - und wie sie ihn austricksen, um nicht geschnappt zu werden. Filch bietet in diesem Film als Handlanger von Umbridge ohnehin eine Glanzleistung und bekommt verhältnismäßig viel Screentime.
Der erste Kuss... Nur dass es nicht heißt, ich hätte ihn nicht erwähnt: Also ich fand ihn einfach süß. Schade nur, dass der Rest der "Beziehung" (gab es eine?) und vor allem der darauffolgende Bruch keine Aufmerksamkeit mehr bekamen. Immerhin wäre - nachdem herausgekommen war, dass Cho die Gruppe nicht mutwillig verraten hatte, sondern nur unter dem Einfluß des Veritaserums geplaudert hat - wenigstens eine Entschuldigung angebracht gewesen. Genial in diesem Zusammenhang übrigens Prof. Snape - als er Umbridge mit einem "Wenn Sie Mr. Potter also nicht vergiften wollen - und ich gebe zu, ich sähe nichts lieber als das -, dann kann ich Ihnen nicht weiterhelfen" (sinngemäß) abfertigt und Harry dadurch auch begreift, dass Snape in diesem Fall tatsächlich auf seiner Seite steht. Aber ich greife vor.
Voher geschieht noch das Unglaubliche: Weil Dumbledore's Army schließlich - durch Cho's "Verrat" - doch auffliegt, wird Dumbledore als Schulleiter abgesetzt. Aber weil er wenig Verlangen danach hat, nach Azkaban abtransportiert zu werden, inszeniert er einen feurigen und würdigen Abgang - "mit Stil", wie Kingsley Shacklebolt kommentiert.
Gut inszeniert waren auch die Träume, die Harry immer wieder heimsuchen, auch wenn man im Film nicht so eindringlich wie im Buch mitbekommt, wie häufig und intensiv diese Übergriffe passieren. Trotzdem bekommt man eine Idee von der tatsächlichen Bedrohung. Gleichzeitig unternimmt das Ministerium alles, um selbige herunterzuspielen - was auf eine wirklich faszinierende Weise immer wieder mittels Zeitunsgberichten dargestellt wird. So wird auch der Massenausbruch aus Azkaban Sirius Black angelastet, was natürlich totaler Blödsinn ist. Bei diesem Ausbruch kommt auch Bellatrix Lestrange frei - neben Luna Lovegood die zweite gelungene Neuerscheinung. Sie verkörpert tatsächlich die durchgeknallte Hexe, der man zutraut, Nevilles Eltern bis zum Wahnsinn gefoltert zu haben. So bekommt auch Neville seinen Platz im Film, und er darf dieses Mal nicht nur tolpatschig und unfähig sein, sondern auch kleine Erfolgserlebnisse mit nach Hause nehmen. Ich hoffe, wir sehen in den letzten beiden Filmen noch mehr von ihm!
Auch Fred und George bekommen ihren großartigen Auftritt bzw. Abgang, als sie beschließen, die Schule hinzuschmeißen (und einen Laden zu eröffnen, was man aber nur als Buchkenner weiß) - und sich von Umbridge mit einem Riesenfeuerwerk verabschieden, und so auch ihren Untergang einleiten.
Kommen wir nun aber zum Showdown im Ministerium. Leider geht auch hier manches ein wenig schnell - so landen unsere Helden sofort in der Mysteriumsabteilung mit den Prophezeihungen, ohne eine einzige Tür öffnen zu müssen. Und dann endlich bekommen wir Lucius Malfoy und die anderen Todesser zu sehen - die in ihren Masken wirklich sehr gut aussehen, zwar nicht sofort furchterregend, aber unheimlich. Naja, und Lucius - muss ich viel sagen? Dieser Mann kann soviel Kälte ausstrahlen, dass ich ihm viel eher zutraue, Angst und Schrecken zu verbreiten wie Lord Voldemort mit seiner unglückseligen Visage.
Und dann kommt wirklich Action in die Geschichte - als nämlich die Mitglieder des Ordens in den Kampf eingreifen - in einer eigenartigen Materialisation aus Wind/Staub (?). Das ist zwar ganz und gar nicht Buch-konform, aber mir hat das gut gefallen. Zwar hätte ich mir im Kampf dann ein wenig mehr "Mann gegen Mann" als "Windhosen" gewünscht, aber der Effekt hatte was.
Und dann Sirius. Da kämpft er im einen Moment noch Seite an Seite mit Harry, nennt ihn im Eifer des Gefechts "James", als ihn ein grüner Blitz trifft. Er dreht sich zu Harry um und sieht ihn noch einmal an bevor er im "Nebelvorhang" verschwindet. Die nachfolgende Szene erinnert stark an Gandalfs Sturz im "Herr der Ringe" - als nämlich Lupin Harry festhält, damit er nicht Bellatrix hinterherläuft. Die Musik ist leider nicht so ausdrucksstark, deshalb erreicht die Szene nicht maximale Wirkung, aber Harrys Not kommt dennoch sehr gut rüber. Schließlich reißt er sich doch los, hetzt Bellatrix einen "Cruciatus" auf den Hals, doch dann taucht Lord Voldemort himself auf, und gleich darauf auch Dumbledore (der Voldemort übrigens mit "Hallo Tom" begrüßt). Er entsteigt dem grünen Feuer des Flohnetzwerkes, was übrigens auch einer der wirklich genialen Effekte des Filmes ist und ziemlich oft zu sehen ist.
Und dann wird uns endlich gezeigt, was wirklich abgeht, wenn Zauberer miteinander kämpfen: Harry kann sich nur noch hinter einer Säule in Sicherheit bringen, Fenster bersten, Säulen brechen ein - ein Kampf der Giganten. Abgesehen vom "Wasserball" gefällt mir der Kampf außerordentlich gut, man sieht einige Male sehr schön die Angriffe und wie sie abgewehrt werden. Schließlich zieht sich Voldemort zurück, dringt dann aber in Harrys Geist ein, und was dann folgt, ist meiner Meinung nach die stärkste Szene des ganzen Filmes - Harry windet sich am Boden, während Voldemort ihn beherrscht und quält, Dumbledore kann nur hilflos danebensitzen und zusehen.
Schließlich zieht sich Voldemort doch zurück, wird dabei aber noch vom Zaubereiminister gesehen, der nun endlich kapiert, dass Harry und Dumbledore recht hatten ("He is back!") - sie werden rehabilitiert, und endlich ist es offiziell: der dunkle Lord ist wirklich zurück.
Leider folgt nun nur noch ein (viel zu kurz geratenes) Gespräch Harry - Dumbledore, eine sehr nette Szene mit Luna Lovegood und die Verabschiedung in den Sommer - und keine Zeit für die Trauer um Sirius. Und das ist für mich auch der einzige wirkliche Wermutstropfen an der ganzen Angelegenheit.
Ich habe jetzt längst nicht alles erwähnt, denn es gab da noch Tonks, Hagrid und Grawp, die Zentauren und Umbridges "Entführung", Ginny, die kollektive Bestrafung der DA, die OWLs, Percy, Kreacher, die (meiner Meinung nach) schlechte Leistung von Arthur Weasly,... Aber ich denke, die wichtigsten Punkte hab ich erwähnt. Ist ohnehin schon wieder alles viel zu lang geworden.
Auf jeden Fall hat der Film Lust darauf gemacht, nicht nur die letzten Szenen noch einmal nachzulesen, sondern mir auch den "Halbblutprinzen" noch einmal vorzunehmen, bevor nächstes Wochenende bereits der 7. und letzte Band herauskommt. Ich geb's zu: ich hab ein wenig Angst. Mal angenommen, das Ende wird saublöd: dann kann man doch auch den Rest der Geschichte in den Müll kippen. Und das jetzt, wo ich grade wieder Feuer gefangen habe...
Zeit fürs Bett. Gute Nacht!
PS.: Oh, ich vergaß - weitere Rezensionen wie immer auf
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