Gerold in Südostasien

04.02.2008 um 11:57 Uhr

Staedtevergleich aus touristischer Sicht

von: Gemane   Stichwörter: Bangkok, HCMC, Phnom, Phen, Siem, Reap

Nachdem ich jetzt in drei groesseren Staedten in Suedostasien war moechte ich einen Vergleich von diesen herstellen. Es handelt sich um HCMC (Saigon)/Vietnam, Phnom Phen/Kambodscha und Bangkok/Thailand, wobei ich hauptsaechlich aus touristischer Sicht eine Meinung abgeben kann. Ausserdem ein kleiner Ausblick auf Siem Reap mit Angkor.

Alle drei grossen Staedte befinden sich mehr oder weniger am selben Breitengrad und sind Staedte der sogenannten Tigerstaaten. HCMC und Bangkok sind mit 6-7 Mio. Einwohner relativ grosse Staedte, inbesondere im Vergleich zu Phnom Phen mit 2 Mio.

HCMC ist nicht die Hauptstadt von Vietnam (sondern Hanoi) und somit nur teilweise mit den beiden anderen vergleichbar. Der Tourismus blueht dennoch, aber ist noch weit von der Perfektion in Bangkok entfernt. Da wo in HCMC noch wandelnde einpersonen Verkaufslaeden sind, stehen in der Khaosan Road (Touristenstrasse in Bangkok) groessere Standverkaeufer mit einem grossen Angebot an Kleidung, Taschen oder gefaelschten Ausweisen falls noetig. Auch das Angebot an Bars ist nicht zu vergleichen mit Pham Ngu Lao (Touristenstrasse in HCMC). In Bangkok hat sich das Touristenviertel bereits auf mehrere Strassen ausgedehnt und die beruehmte Khaosan Road ist nicht mehr die urspruengliche Absteige fuer Rucksacktouristen, sondern bereits selbst eine Touristenattraktion. Die Billigreisenden haben sich an einer anderen Stelle, nicht unweit davon entfernt, niedergelassen.

Da wo man in HCMC noch eher sporadisch von den Tuk-Tuk Fahrern betrogen wird (Wucherpreise fuer kurze Fahrten), erfolgt das in Bangkok professionell. Dazu kurz eine Geschichte: So wollte ich zum Beispiel an einem Nachmittag den Royal Palace ansehen und wurde auf dem Weg dorthin von einem Thailaender angesprochen. Der wirkte recht freundlich und erklaerte mir, dass der Palace geschlossen ist (was auch tatsaechlich aufgrund von Feierlichkeiten war). Dann meinte er ich solle mir den grossen "stehenden" und "liegenden Buddha" ansehen ... und insbesondere eine der groessten Attraktionen - "Voglee"! Mmmh, was ist Voglee? Die Erklaerung kam schon - es ist ein Geschaeft fuer Anzuege! Da ist er bei mir als Rucksacktourist mit kurzer Hose und Sandalen eindeutig an der richtigen Stelle Fröhlich. Egal - grosser stehender Buddha klang Interessant und probierte mal aus wohin mich die Reise fuehrt. Auf jedenfall wollte ich nicht zu dem Geschaeft. Ein Tuk-Tuk Fahrer war in der Naehe, der mich zu den beiden Buddhas fuehrte. Der stehende Buddha ist auch tatsaechlich beeindruckend, da dieser eine Hoehe von 32 Metern hat. Der liegende Buddha war nicht so ueberragend, dafuer sprach mich dort wieder jemand an der mir doch tatsaechlich auch zu Voglee senden wollte. Uh! Ich nahm die Reise wieder auf und was kam - der Fahrer stoppte vor dem Geschaeft Voglee. Sah von aussen gut aus, aber ich will da nichts kaufen. Wieder aus Interesse ging ich hinein und merkte sofort: ich bin hier hundertprozentig am falschen Ort. Kaufte noch eine Seife und verschwand aus dem Laden.

Eigentlich sollte das genug sein, aber der Fahrer brachte mich dann auch noch zu einem thailaendischen Reisebuero, wo ich gleich von vornherein sagte - nein danke! Paar Tage spaeter traf ich bei einem Bier zwei frisch angekommene Schweden, die mir die gleiche Geschichte erzaehlten und von dem Reisebuero. Die kamen aber mit einem vollstaendig durchgeplanten Aufenthalt in Thailand mit allen Unterkuenften und Reiseverbindungen zurueck.

Fröhlich

Wie sieht's aus in Kambodscha? Dort merkt man, dass das Land noch in der Entwicklung steckt. Teilweise sind neue sehr schoene Bauten zu sehen und dann wieder einfache Baracken. Korruption ist ein grosses Problem, so dass auch das derzeitige Touristenviertel fuer Rucksacktouristen womoeglich einem Hotel weichen muss. Das Viertel ist grundsaetzlich sehr schoen, da es an einem See liegt, von wo man den Sonnenuntergang beobachten kann. Nachdem aber Investoren aus reicheren Laendern mehr Geld haben, wird alles versucht die Anrainer wegzubekommen. Insbesondere wird der See nicht von dem darin schwimmenden Muell gereinigt. Wenn moeglich verkauft die Regierung Kultstaetten (Killing Fields in Choeung Ek), Strassen und Areale fuer Hotelanlagen an auslaendischen Investoren, um an Geld zu kommen. Die wiederrum verlangen fuer die Benutzung exorbitante Preise.

Siem Reap, die Stadt neben einem der neuen 7 Weltwunder, Angkor Wat, boomt derzeit unglaublich. Man sieht eine Menge Hotelanlagen entstehen und das Touristenviertel gleicht sich bereits dem von Bangkok an. Diese Stadt wird in ein paar Jahren nicht mehr zu erkennen sein und ist bereits jetzt fuer Pauschaltouristen leicht zugaenglich. Ich kann den Besuch der Tempelanlage Angkor wirklich fuer jeden empfehlen! Bilder folgen noch.

Google Maps - Angkor

06.01.2008 um 10:48 Uhr

Politik

von: Gemane   Stichwörter: Politik, Kommunismus, China

Zum neuen Jahr hin moechte ich von einer meiner Diskussionen erzaehlen. So geschehen in Ho Chi Minh City, gemuetlich in einer Bar mit einem Bier sitzend und dem Treiben auf der Strasse beobachtend. Neben mir sass ein Mann gleichen Alters aus Hongkong, also letztlich auch westlich beinflusst, aber kennt die asiatische Seite besser.

Es ging um Politik. Was sonst - ist ja Maennerthema Fröhlich

Die konkrete Frage die sich stellte, ist, ob denn das System in China tatsaechlich so viel schlechter ist als unsere "Demokratie" in den westlichen Laendern? Ich denke mir, dass es derzeit das beste System fuer dieses Land ist und manche Entscheidungen besser und schneller getroffen werden als in unserem politischen System. Dazu moechte ich aus einem Interview eines Greenpeaceaktivisten in China zitieren. Dieser sagte, dass die chinesische Regierung sehr gerne zuhoert und auch auf die Probleme die angesprochen werden reagiert. Nur bestimmte Themen sind tabu, wie zum Beispiel der Drei-Schluchten Staudamm am Jangtsekiang. Die kommunistische Partei muss nicht auf jede Interessensvertretung hoeren, sondern kann unbeliebte Themen einfach durchziehen. In den europaeischen Laendern wird monatelang ueber das selbe Thema gestritten, herauskommen tut aber nichts. Eventuell ein Kompromiss. Zumindest laeuft das so in Oesterreich.

Ich war beeindruckt als ich von dem chinesischen Parteiprogramm hoerte, dass zukuenftig wissenschaftliche Erkenntnisse insbesondere fuer die Umwelt zu beruecksichtigen sind. Alleine der Ansatz ist fuer mich erstaunlich. Der Hongkonger Gespraechspartner meinte dazu natuerlich sofort - Papier ist geduldig.

Wir hatten lange ein monarchisches System und dieses war zu diesem Zeitpunkt meiner Meinung nach das Beste und das aktuelle System in China ist dem in gewisser Weise aehnlich. Der Druck der Globalisierung bedeutet, dass es sich mehr und mehr oeffnen muss und die groesste Sorge fuer die kommunistische Partei ist, das Land dabei stabil zu halten, da sie ansonsten ihre Macht verlieren wuerde. Wenn ich mir vorstelle was passiert, wenn die gesamte chinesische Bevoelkerung zu revoltieren beginnt, weil die Politik so schlecht ist, dann moechte ich auf einer fernen Insel im Pazifik leben, um nicht viel davon mitzubekommen.

Da wirkt fuer mich die aktuelle Politik von den USA viel gefaehrlicher, denn hier wird versucht die gesamte Weltbevoelkerung zu ueberzeugen, dass das eigene System das Beste fuer alle ist. Und gleichzeitig besitzt es Regelungen die frueher in den Ostblocklaendern existiert hatten. Bespitzelung ohne richterliche Erlaubnis (soll das nicht auch fuer Oesterreich kommen?).

Es sollten nicht wenige Machtpolitiker Angst in der Bevoelkerung schuerren und damit ihre eigenen Interessen umsetzen, sondern die Bevoelkerung muss den Politikern Angst einjagen damit Richtlinien umgesetzt werden, so dass alle Bevoelkerungsschichten profitieren.

PS: Keine Angst, mir ist bekannt, dass es reichlich Menschenrechtsverletzungen in China gibt. Ausserdem werden viele Regelungen durch Korruption unterwandert.

25.12.2007 um 13:17 Uhr

Weihnachten

von: Gemane   Stichwörter: Weihnachten, Religion

Urspruenglich wollte ich Weihnachten in Angkor Wat (eines der neuen 7 Weltwunder ist auch ein Zentrum fuer Buddhismus, was damit eine neue Erfahrung fuer mich gewesen waere) feiern, aber leider sind ein paar Umstaende dazwischen gekommen, so dass ich die Reise verschoben habe. Dafuer war ich in einem Waisenhaus in Phnom Penh der Hauptstadt von Kambodscha. Dazu aber spaeter.

 In Ho Chi Minh City wurden schon einige Wochen vorher Weihnachtsbaeume, Weihnachtsmaenner und Schneemaenner aufgestellt, jedoch glaube ich nicht, dass dies nur aus geschaeftlichen Gruenden getan wird, sondern oft auch aus reinem Spass daran. Wie bekannt ist, ist in Suedostasien der Buddhismus die groesste Religion und das Christentum vertritt nur 7% in Vietnam, 2% in Kambodscha und nur 0,6% in Thailand. Dennoch wird hier auch Weihnachten gefeiert, wenn auch meistens nur fuer Touristen.

 Man scheint hier aber auch etwas offener mit Religionen umzugehen, da vermutlich der Buddhismus nicht so dogmatisch ist wie das Christentum. Da ich selbst schon mehr ein Atheist (laut einer Radioreporterin sogar ein Hardcore Atheist, da ich nicht an ein Leben danach glaube - zumindest nicht im spirituellen Sinn) bin, ist es oft leichter mit anderen Leuten sich zu unterhalten. Das hatte mir auch geholfen, als ich letzten Freitag mit ein paar Israelis diskutierte. Eigentlich gaebe es da riesige Barrieren - die Religion und der Antisemitismus - aber wenn man offen zueinander ist und richtig zuhoert, dann kann daraus ein ueberaus interessantes Gespraech werden. So erfaehrt man dann, dass auch die Israelis ihre Regierung nicht verstehen oder, dass auch die Israelis den Antisemitismus und alles was damit zusammenhaengt gerne als Vergangenheit ansehen wuerden. So wie wir unsere Kriegsvergangenheit gerne abschliessen wuerden.

 Der Besuch des Waisenhauses war irrsinnig nett. Wir kauften vorher ein paar Spielsachen und einen Sack Reis und gaben es den Kindern. Leider gibt es keine Foerderung von der Regierung und deshalb lebt das Zentrum nur von Spenden. Zum Vergleich: 1 Sack Reis mit 60kg reicht nur fuer einen Tag bei 70 Kindern.

 Dann wurde auch noch Volleyball und Fussball gespielt, man drueckte sich gegenseitig und am Ende freuten sich alle.

http://www.lighthouseorphanage.co.uk/

21.12.2007 um 15:38 Uhr

Geld verdienen

von: Gemane   Stichwörter: Geld

Vietnam ist ja noch immer ein Entwicklungsland, aber es hatte bereits seit laengerer Zeit den Kapitalismus eingefuert. Eigentlich eine interessante Kombination, wenn man bedenkt, dass die Regierung kommunistisch ist.

 Egal. Geld. Ist doch ueberall wichtig und deshalb wird auch hier mit allen moeglichen Mitteln versucht Geld zu verdienen. Ich kann mich hauptsaechlich nur auf touristische Bereiche konzentrieren. Ein paar hatte ich schon erwaehnt, es gibt Motorbike Taxis, die Touristen herumfahren was auch ganz in Ordnung ist. Es gibt diese wandelnden Verkaufsladen, die versuchen einem alles Moegliche zu verkaufen. Aber es gibt noch andere Moeglichkeiten:

 Eines davon ist ein Junge der in einer Bar permanent Touristen in Billiard herausfordert, um gegen ihn zu spielen. Es funktioniert anscheinend. Er spielt sehr gut und kann damit manchen einiges Geld abknoepfen. Es geht nicht um viel. Gerade mal 6 Dollar. Insbesondere die Englaender spielen gerne, konnten ja bereits im Heimatland gut ueben. Ich vermute aber, dass das Geschaeft gut laeuft. Sonst wuerde er es ja nicht machen.

Dann gibts natuerlich auch die Prostituierten. Die spielen auch permanent Pool. Eher aus Zeitvertreib. Wirken auf den ersten Eindruck eher unscheinbar, aber letztlich gehts ums Geld verdienen, denn sie koennen sich so relativ unbemerkt an die Touristen ranmachen.

 Ein weiteres Beispiel ist ein Knabe, vermutlich 4 Jahre alt. Das ist der Showstar! Ich habe noch nie einen Jungen so gut tanzen gesehen! Wirklich unglaublich. Der hat alle Grooves drauf, die fuer die verschiedensten Songs verwendet werden - und das mit 4 Jahren! Der kommt immer mit seiner Mutter in die Bar und tanzt auf einem Tisch. Die Touristen geben natuerlich gerne ein Trinkgeld Fr旦hlich

Es lebe der Kapitalismus!

PS: Das soll man jetzt nicht zu negativ sehen. Letztlich ist es wichtig, dass Geld in diese Laender kommt, denn im Vergleich zu Europa sind die Preise fuer Dienstleisungen hier nur ein Fuenftel von den unseren. Und was koennen wir uns schon um 200EUR Monatslohn leisten? Da wird sogar das Handy teuer.

21.12.2007 um 15:13 Uhr

Die andere Seite

von: Gemane   Stichwörter: Drogen, Prostitution

Darueber haette ich von Anfang an schreiben koennen, aber es ist besser mit etwas Positivem zu beginnen als mit den Schattenseiten. Gleich am ersten Tag als ich am Abend einen Spaziergang in Ho Chi Minh machen wollte sprach mich ein Junge auf der Kreuzung in dem Touristenviertel an. Ich, zu dem Zeitpunkt noch voellig unbekuemmert, kam mit der anderen Seite von Saigon in Beruehrung. Er sagte "Do you want some Marihuana?". Ich ignorierte ihn und ging weiter. Als naechstes sagte er "Kokain". Puh - muss es denn gleich so extrem los gehen? Ich habe so etwas erwartet, aber gleich am ersten Tag? Das war aber erst der Beginn von dem Abend. Eigentlich wollte ich einen netten Spaziergang machen, um etwas von der Gegend zu sehen und so ging ich die Strasse weiter. Am Ende kam ich an eine Kreuzung von zwei Hauptstrassen und da bog eines von diesen Motorbikes zu mir her. Und da kam es auch schon: "Fucking?" - "10 Dollar" - steht da irgenwie auf meiner Stirn geschrieben "Suche Maedchen"? Ich kann es denen nicht ganz verdenken, als Blonder, eindeutig westlich aussehender und allein spazierender Mann bin ich das ideale Ziel. Ich sagte dankend "Nein", um vielleicht nur dem naechsten Angriff eine Moeglichkeit zu geben. Denn nun kam das naechste Motorrad mit zwei Maedchen, um mir eine Stunde anzubieten. Auch diesesmal lehnte ich dankend ab und kehrte zum Hotel zurueck. Das war genug Erfahrung fuer einen Abend.

 Das ist kein Einzelfall. Insbesondere wird man permanent fuer Marihuana angesprochen. Ich bin gar nicht mehr so sicher, ob das zum Spass ist oder im Ernst gemeint ist. Mittlerweile laechle ich die Jungs an und sage nein. Mir ist es ganz einfach zu gefaehrlich, insbesondere, weil man gleich fuer ein paar Monate ins Gefaengnis dafuer kommen kann.

Es ist leider die Realitaet und natuerlich treffen die Vietnamesen in einem Touristenviertel auf einen fruchtbaren Boden, um diese Art von Geschaefte zu machen.