Satu Saari <3

03.05.2010 um 17:57 Uhr

Only you can heal the emptyness I felt - not completed

"Only you can heal the emptyness I felt"

(Datum: 15.09.2008)



...start


“Ich will aber nicht kucken.” “Du bist wirklich unmöglich. Diese Aussicht ist der blanke Wahnsinn. Ehrlich. Du verpasst schlichtweg alles was sehenswert ist.” “Ich sagte, ich will es nicht sehen. Und wenn ich das sage, dann meine ich das auch so.”
Ich presste die Augen noch einen tick fester aufeinander und hörte nur ein genervtes Schnauben neben mir. “Hätte ich dich bloß nicht mit genommen. Dann wäre mir das erspart geblieben. Fliegen ist so was wundervolles und grade die Aussicht, wenn man über die Alpen fliegt, das ist eine Lebenserfahrung.” “Ja sicher, für Idioten wie du einer bist.”

Axu schlug mir sanft gegen den Oberarm. “Werd mal nicht frech, ja ?” Ich lachte leise und schaute ihn aus einem Auge herauf an. “Ich werd nicht frech, ich sage nichts als die Wahrheit.” Er zog einen kleinen Schmollmund, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute mit vollster Absicht lieber auf den Gang des Flugzeuges als weiterhin mit mir zusammen mehr oder weniger aus dem Fenster.
“Komm schon du Zicke. Schmollen gilt nicht.” Doch genau in diesem Moment durchfuhr das typische Lupfen einer Flugzeugslandung die ganze Maschine und ließ alle meine guten Vorsätze vergessen. Hektisch umgriff ich mit beiden Händen Axus Oberarm und entlockte ihm damit ein leises Lachen. “Große Klappe haben und dann noch über den Wolken, aber vor Angst bald durchdrehen.”
“Halt doch die Klappe du Vollidiot.”

Meine Schritte waren noch nicht das was sie sein sollten, als wir zusammen die Koffer vom Gepäckband hoben. Ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich an die Zeit erinnert, als wir mit der Schule Ausflüge in irgendwelche Freizeitparks machten und man sprichwörtlich bis zum kotzen die Achterbahnen abfuhr. Und dann noch sonstige verrückte Geräte unbedingt testen musste. Ja, so fühlte ich mich. Dem Kotzen nahe, oder noch viel mehr einem Kollaps. Denn mein Magen war viel zu deutlich wahr zu nehmen und ich hatte das Gefühl, er würde mich damit daran erinnern wollen, dass ich Füße hatte. Oder auch nicht ?

Axu lief schon einige Meter vor mir her und ich verspürte den Drang ihm in seinen weniger süßen Arsch zu treten, würde er nicht sofort damit aufhören mich zu hetzen oder gar zu jagen. Ich hasse Fliegen, das wusste er schon seit einigen Jahren, aber scheinbar war das bei diesem Flohhirn noch immer nicht angekommen. Kein Wunder, ihm wuchs ja auch Stroh aus dem Kopf.

“Boah Axu, ich warne dich. Wenn du nicht sofort auf mich wartest, dann werf ich dir diesen hässlichen Koffer an den Kopf.” Mit einem hämischen Grinsen auf dem Gesicht drehte er sich zu mir herum. “DAS würde ich an deiner Stelle lieber lassen, meine Liebe. Sonst hast du nur wieder unnötigen Knatsch mit Mikko. Und nenn den Koffer bloß nicht in seiner Gegenwart hässlich. Er, nur um ein Beispiel zu nennen, steht voll auf diese Farbe.” Ich rollte genervt mit den Augen und schloss mit mühen auf ihn auf. “Eh klar, wahrscheinlich weil die Farbe zu seinem schwulen Charakter passt.” Dieses Mal musste selbst Axu auflachen. “Okay und DAS solltest du ihm mit Sicherheit wohl auch nicht sagen.”

Als die Türen des Flughafens aufgingen, stob uns die milde Luft Wiens entgegen. Es war angenehm. Viel besser als das, was ich in Oslo empfand. Es war nicht kalt, aber auch nicht warm. Es roch einfach gut, belebend und nach dem was da kommen würde - Sommer. Und ich spürte wie meine Wut auf Axu mit Beginn dieser Erkenntnis begann abzuschwellen. Aber wohl nicht genügend ..


“Du weißt aber schon mit welchem Bus du jetzt fahren willst oder gehe ich gerade richtig von der Annahme aus, das du es NICHT weißt und nur so tust, als hättest du einen Schimmer ?” Ich hatte mich müde auf den Koffer fallen lassen und beobachtete gespannt Axus Miene, die sich stätig zu verändern schien, während er die Busabfahrzeiten seines Pockettimers studierte.

“Kari, ich habe eine Bitte an dich, halt einfach mal deinen viel zu vorlauten Schnabel. Ich weiß mit welchem Bus wir nach Innsbruck kommen. Ich fahre das doch nicht zum ersten Mal. Ich überlege nur gerade wie wir dann von Innsbruck weiter nach Stams kommen.” “Zu Fuß ?” Axu lachte ironisch auf. “Klar, wir laufen die restlichen Kilometer. Das wird die Spaß machen mit dem Gepäck. Bevor ich mir das antue, würde ich eine Kutsche einem Taxi vorziehen.” “Ja und mit aller höchster Wahrscheinlichkeit auch nur deswegen, weil es in so einem Kuhkaff wie Innsbruck nur Kutschen und keine Taxis gibt.”

Nach unzähligen Diskussionen und Möglichkeiten war es dann letztendlich doch das Taxi, dass uns von Wien bis direkt nach Stams bringen sollte und noch während ich den Koffer in den Gepäckraum verstaute, keimte in mir die sinnlose Frage auf, warum ich bloß ja gesagt hatte. Warum hatte ich bloß gesagt, nehmt mich mit. Ich hätte es mir so wundervoll machen können. Zuhause in Norwegen. Okay, zugegeben, die Au Pair Kinder waren auch anstrengend, aber im Vergleich zu Axu waren sie schon aus dem gröbsten draußen. Wenn man es so sagen konnte.

War doch komplett egal was dort draußen an mir vorbei zog. Ich wollte lieber wieder zurück nach Norwegen. Mit ganz Mitteleuropa hatte ich abgeschlossen. Schon damals als ich mich aus Deutschland kommend dazu entschieden hatte meine Taschen zu packen und wirklich die Möglichkeit eines Au Pair anzunehmen und wahr zu machen. Und stellte ich mir nun die Frage ob ich es wohl bereute, dann würde ich ganz klar den Kopf schütteln.

“Kari ? Alles klar ?” Axus Hand strich über meine Wange und ich schaute ihn erschrocken an. “Was?” Er legte den Kopf schief. “Du siehst traurig aus.” “Unsinn. Ich bin nicht traurig, höchstens nachdenklich, aber definitiv nicht traurig.” Lächelnd wuschelte ich ihm durch die blonde Mähne und schaute dann wieder aus dem Fenster. Klar, so töricht war ich nicht, ihm zu zeigen, dass es noch immer weh tat, all das geliebte hinter sich gelassen zu haben. Von niemanden ein Leben lang verstanden worden zu sein. Axu war und ist bis heute der einzige, der mich mit all meinen Macken wirklich zu lieben scheint. Und irgendwie bekomme ich das Gefühl, er wird es auch immer bleiben.

“Wirklich ?” Ich nickte nochmals. “Ich hänge nur Erinnerungen nach. Aber ich bin nicht traurig.” Axu lehnte sich seufzend zurück gegen die Lehne und schloss die Augen. “Was ? Glaubst du mir jetzt nicht ?” Er nickte schwach. “Doch, aber ich bin das erste Mal seit Ewigkeiten wieder hier in Österreich. Das letzte mal, da war ich noch festes Mitglied des finnischen Kaders und das ist nun wirklich verdammt lange her.” Ich zuckte die Schultern und griff dann nach seiner Hand. “Na also, dann wird es Zeit, dass du das hier alles wieder genauer unter die Lupe nimmst.”

Er nickte wieder schwach. “Tut mir Leid, dass ich dich so aufdringlich dazu gezwungen habe mit nach Österreich zu kommen.” Ich schüttelte bestimmt mit dem Kopf. “Zwingen wäre etwas anderes gewesen und letztendlich entscheide ich noch immer alleine und ich habe mich dafür entschieden mit dir zu gehen und ich bin glücklich damit. Und nun entspann dich bis wir in Stams sind, weil ich dir eine Szene machen werde, wenn unsere Unterkunft nicht das ist, was ich denke das sie es ist.”


Axu schaute mich plötzlich aus klaren blauen Augen an. “Achja, die Unterkunft ...”
“Ja, die Unterkunft ? Willst du mir vielleicht etwas sagen ?”
“Ich muss ja auch nach meinem Geldbeutel schauen und die meisten Unterkünfte waren einfach zu teuer. Najaa und da hab ich mich auf die guten alten Freunde verlassen ...”
Meine Brauen schnellten in die Höhe.
“DAS wiederholst du jetzt sicherlich gleich noch einmal für mich oder ?”
“Was ?”
“Das du mich bei einem deiner schäbigen Freunde unterbringen willst ...”

Axu rollte mit den Augen. “Meine Freunde sind nicht schäbig und DIESER sowieso nicht. Und außerdem bringe ich dich da nicht unter, sondern uns beide. Und du wirst ihn mögen. Mit großer Sicherheit sogar.” “Was du nicht alles  weißt.” Ich verschränkte die Arme vor der Brust und starrte lustlos aus dem Fenster.

“Du machst schon seit wir aus Norwegen weg sind so ein Gesicht. Wenn du das bei ihm auch machst, dann lässt der Gute mich nicht über die Türschwelle.” Ich lachte ironisch auf. “Oh welch Güte”
Axu schlug mir leicht gegen den Arm. “Warte doch ab, in weniger als 15 Minuten kannst du dir ein Bild von ihm machen.”
Ja, und ich weiß jetzt schon es wird alles andere als gut sein.

... stranger

Die verschiedenen Landschaften zogen immer schneller an uns vorbei und ich begann mich stumm zu fragen wo der Taxifahrer wohl seine Führerschein her hatte. Meine Vermutung lag schwer bei Neckermann, aber Axu meinte wohl es sei Otto gewesen, die hätten von Hause aus die schlechteren Waren. Innerlich schüttelte ich den Kopf und stieß ihn gleichzeitig immer wieder erlösend gegen die Scheibe des Autos. Ich konnte mich ja ärgern, aber ich sollte wohl nicht versuchen es mit der Brechstange zu probieren und Axu unnötige wegen diesem kleinen Problem bezüglich der Unterkunft zu provozieren. Ich war doch ein Genie. Mir würde schon etwas treffliches einfallen.

Ich spürte etwas warmes, an meiner Wange und öffnete nur schwach blinzelnd die Augen, drehte die Pupille zur Seite ohne den Kopf zu drehen und schaute in zwei blaue Augen, meine Erkenntnis das es Axus Nase war, die über meine Wange strich, überraschte mich nicht. “Also wenn es dir nichts ausmacht, dann würde ich jetzt gerne mit dir zusammen aussteigen.” Ich hob den Kopf von der Rückenlehne und ließ die Nackenmuskeln knacken. “Sind wir etwa schon da ?” Überrascht schaute ich ihn an. Na bei der Geschwindigkeit konnte der Taxifahrer wohl doch nicht von Otto sein, also war meine Vermutung die richtige, eben doch Neckermann.

Axu nickte mir schwach zu und ohne dass ich es wollte öffnete er meinen Anschnallgurt und zwinkerte mir frech zu, während das Auto in eine Einfahrt bog. Ich zog den Kopf ein, damit ich unter des Fensterrahmens auf Axus Seite hinweg, einen Blick auf das Haus erhaschen konnte. Es war einfach und dennoch irgendwie schön. Naja, vielleicht wohnten hier doch nicht irgendwelche schäbigen Freunde von ihm drinnen, sondern nur schäbige Freunde, das war bei in Betracht ziehen der Tatsache schon wahrlich ein Fortschritt. Für mich wohl gemerkt und würde Axu den Sinn verstehen, für ihn sicherlich auch.




Und leider musste ich mich an diesem Tag zum wiederholten Male korrigieren. Nachdem ich wohl doch dachte er Taxifahrer sei von Neckermann blieb selbst ich letztendlich auf Axus Seite und glaubte ihm seine Rede von Otto Versand. Denn das Absetzen der Koffer in dem feinen Kies, war wenig Gentlemans Like. Kopfschüttelnd hob Axu den Koffer an, doch ich kannte in meiner Wut kein erbarmen. “Ey schau dir den alten Wichser an. Der luchst dir beschissene 117 Euro ab und hat es nicht einmal nötig die Koffer zu tragen.” Ich hob den Mittelfinger und hoffte inständig er würde ihn durch den Rückspiegel hinweg noch erkennen.

Axu neben mir begann zu lachen. “Hey Kari, läufst du warm ?” Seine Nase stupste wieder gegen meine Wange und ich hörte das leise Lachen, dass immer weniger in seiner Stimme mitschwang. Augenrollend umfasste ich sein Gesicht mit beiden Händen und küsste ihn laut und schmatzend auf die Lippen. “Hör zu mein Süßer. Ich lauf nicht warm, ich laufe gleich heiß. Weil ich Hunger habe, weil meine Füße weh tun und ich müde bin und wenn ich heiß laufe, hast du ein Problem und dein Freund sicherlich auch. Also lass gehen.”

Axu schüttelte den Kopf. “Ich liebe dich.” Ich winkte ab. “Nichts neues Schätzchen. Das kenn ich schon.” Ich wollte den Koffer elegant hinter mir herziehen musste aber ernüchternd feststellen, dass die Räder des Koffers auf dem feinen Kies keinen Millimeter von der Stelle rollen wollten. “Ich glaub bei dir ist alles von Otto. Selbst der scheiß Koffer. Schwule Karre.” Axu lachte auf. “Wenn du nicht aufhörst so über den Koffer zu reden, dann sag ich es Mikko.” “Lass mich doch endlich mal mit deinen bescheuerten Freundschaften in Frieden. Ich kauf Mikko tausend neue Koffer, Hauptsache die Teile fahren, wozu haben sie sonst Räder ?”

Axu schüttelte den Kopf und griff nach dem Griff, schob mich leicht zur Seite. Ich spürte sein Grinsen förmlich auf sein Gesicht treten und als ich aufschaute erkannte ich zu meiner Überraschung jedoch keinen Schalk. “Im Prinzip hast du ja Recht. Da sollte ich doch als Wiedergutmachung für diesen Höllenritt so nett sein und der Lady wenigstens tragen helfen.” Ich lachte leise und schaute ihn dann an. “Naja, wenn deine Goldfinger den Griff umfassen, dann ist die Qualität vielleicht doch eher Neckermann.” “Hörst du wohl jetzt endlich mit dem Otto und Neckermann Getue auf. Du machst mich kirre damit. Komm schon, Fetti wartet schon auf uns.”

Ich rollte genervt mit den Augen. “Das weißt du auch schon wieder ?” Axu lachte leise auf. “Nein, ich sehe es, das ist der Unterschied.” Ich zog die Stirn in Falten und schaute dann nach vorne, wäre beinahe über meine Füße gestolpert, als schon einen Gestalt auf uns zu kam. Ähnlich dünn wie Axu, ähnlich groß, nur wahrscheinlich nicht annähernd so hübsch wie Axu. Eher im Gegenteil.

Laut lachend hob Axu schon die Hand und kurz darauf schlug eine fremde ein. Mein Koffer schlug mir unsanft in die Waden und ich funkelte Axu für seine oberflächliche Art und Weise an. Dann halt doch nur Otto. Aber “Last Chance” Ware. Ach verdammt Kari, nun hör auf mit dem Otto und Neckermann Getue, das macht dich selber noch ganz schwer im Kopf.

Ich reagierte erst als ich eine fremde Hand vor meinem Gesicht auftauchen sah und schaute erst die Hand an, dann hinauf in ein Gesicht, das ich zwar von Fotos erkannte, dass aber anders wie jenes von Axu, eher ausdruckslos erschien. Zwei braune Augen, die markant zu dem zart wirkenden Gesicht standen. Wangenknochen die einen perfekten Abschluss zu bilden schienen und ein tief gehender Blick. Gegen Axu, war das hier eine Niete.

Ich schlug feste in die Hand ein, sodass mein Gegenüber den Blick nochmals hob und meinem kessen Grinsen begegnete. “Fetti, das ist Karin, meine beste Freundin. Du weißt schon.” Axu zwinkerte dem Braunhaarigen kess zu und mir schwoll die Zunge im Mund vor Neugierde an. “Er weiß WAS Axu ?” Fetti lachte schallend auf. “Nichts wichtiges.” Er ließ meine Hand los und ich wollte gerade den ersten Giftstachel in seine Richtung schießen, als es mir augenblicklich verging. Wozu ? Der Kerl war ja wohl mal übelste Otto Wahre.

“Also, wie gesagt, das ist Kari und Kari, das ist Fetti, du weißt schon Manuel Fettner.” Ich seufzte auf und entriss Axu meinen Koffergriff. “Warum sagst du immer ‘du weißt schon’ ? Wenn ich, beziehungsweise er es wissen sollten, warum stellst du uns dann noch vor ? Sowas sinnloses. Und außerdem, nein, ich weiß nicht. Kann durchaus sein, dass ich ihn als so unwichtig empfand, dass ich mir seinen Namen nicht behalten habe oder bei deinen Erzählungen eingeschlafen bin. Ich weiß es nicht mehr. Der Bewegrund ist mir leider auch entfallen.”

Ich staunte nicht schlecht, als sich der Koffer nun doch auf dem feinen Kies fortbewegen wollte. Erstaunlich zu was diese aggressiven Kräfte, die in einem steckten doch in der Lage waren. Also fassen wir doch einfach mal zusammen. Der geglaubte Otto Waren Koffer mutierte nun doch zu waschechtem Neckermann Material und Mr. Schokoladenauge, der wohl dachte er sei von Armani ausgestattet, machte sich nicht schlecht mit dem Talent die Eigenschaften zu haben, nichts zu taugen. Also fassen wir zusammen Mikkos schwuler Koffer war nun doch mehr Wert, als Axus schäbiger Freund, ergo, Fetti war 100 Prozent Otto Ware ... der Arme ...

... Landscape



An dem Absatz einer Treppe blieb ich dann letztendlich stehen und musste leider Gottes Mr. Armani vs. Otto den Vorrang lassen. Sonst wäre ich nie in das Haus gekommen, in dem er wohl zu wohnen schien. Es passte einfach nicht zu ihm. Aber wer weiß was mich drinnen erwarten würde. Kaum zu glauben das so ein komischer Kautz auch nur allen Ernstes Ordnung halten konnte. Nein, ich konnte es mir nicht vorstellen. Sah bestimmt so aus, wie in den Lagerhallen von Otto Versand. Und ja, ich sollte jetzt wirklich endgültig aufhören von Otto Versand zu fantasieren.

Axus Koffer, der laut gegen die Steintreppe stieß, ließ mich meinen Blick über die Schulter werfen, hinein in das wohl bekloppteste Gesicht dieser Welt. Kussmund ala’ Kokkonen und dann auch noch mit diesem Ausdruck in den Augen. Das war deutliches Anzeichen dafür, dass mir Axu das Kiffen verschwieg. Anders konnte ich mir diesen Blick nicht erklären.
“Hör auf mir so ne Schnute hin zu halten. Wird doch eh wieder nix.” Grinsend kniff er mich in die Seite und ich drehte meinen Kopf wieder in die Richtung unsere Gastgebers. Und ich dachte noch dass er vielleicht von hinten besser aussehen könnte, als von vorne. Aber auch diese Möglichkeit ging nach hinten los. Aussichtslos. Sprichwörtlich platt wie der Bodensee. Ich wollte mir jetzt nicht die Frage stellen, ob wohl alles an ihm so kurz und knapp war. Nein, das sollte ich wirklich nicht. Oh Gott, schon passiert. Ich sollte besser darauf achten was ich denke.

Als Mr. Armani die Tür aufhielt, hob ich mühsam aber zu stolz, den Koffer die Treppen nach oben und stellte ihn auch nur wenige Sekunden später einfach wieder ab. Doch nichts war es mit dem Gedanken, die größte Gefahr sei nun gebannt, denn es dauerte erneut keine Minuten, ehe ich einen spitzen Schreckensschrei ausstieß und mich Axu und Mr. Armani reichlich dämlich musterten. Das Augenpaar das vor mir aufgetaucht war, wich einen Schritt zurück und schaute dann in Mr. Armanis Richtung. War ja sowas von klar, sowas komisches musste zu dieser Irrenanstalt gehören. Plötzlich lachte Armani auf und ich warf ihm einen skeptischen Blick zu. Der sollte es mal wagen, mich auszulachen, dass hat sich noch keiner getraut, da brauchte er gar nicht den Dicken raus hängen zu lassen. “Krass, es hat sich glaube ich noch keiner so vor meinem Bruder erschrocken. Aber wie sagt man so schön, man lernt immer wieder dazu.”

Ich schaute ihn an, dann wieder den komischen Kautz von eben und rollte nur mit den Augen. Das war zu viel. Einer war schon schlimm. Aber diese Ausführung gleich im doppelten Format, das war schon nicht mehr fair, nein, ganz im Gegenteil, das verstieß gegen die Menschenrechte. Ob es Tierquälerei war, konnte ich ja schlecht beurteilen.
Axus Nase stieß an meine Wange und ich schob ihn so gut ich konnte ein Stück zur Seite, nur keine falschen Eindrücken solchen Knallköpfen verschaffen, wer weiß wozu das führen würde, oder viel besser führen könnte. Nicht auszudenken.

Mr. Armani schüttelte jetzt schon den Kopf. Ich würde sicherlich kein gefundenes Fressen für ihn sein. Das wäre ja noch schöner. Das er seinen kleinen, beschissenen Freunden hier aus diesem Kuhnest erzählen konnte was ich mit Axu trieb. Erst als er mir und auch Axu das Zimmer zu wies, das im Obergeschoss war, konnte ich entspannt sagen, ja, ohne diesen komischen Beigeschmack namens Fettner, war dieses Kuhkaff schon gar nicht mehr so hässlich und das Axu direkt in dem Zimmer nebenan schlafen würde, das war noch beruhigender. Wer weiß was passiert wäre, wenn ich mir auch noch mit ihm hätte ein Zimmer teilen müssen.
Armanis aufdringlicher Bruder stattdessen schlurfte mir unaufhaltsam hinterher und wenn ich nicht gewusst hätte, dass er 100 Prozent Mensch ist, dann hätte ich es mit dem Standhart Spruch “Hol das Stöckchen” versucht, aber ich wollte weder Armani noch seinen Ableger in irgendeiner Art und Weise unnötig erschrecken.

Der Koffer lag mir gut auf dem Bett, viel entscheidender war die Frage nach meinem Ausblick und der war, ehrlich, gar nicht mal so schlecht. Ein paar Berge, Wald, kleine Häuser, die wirklich klein wirkten, wenn man aus dem Fenster blickte. Aber ein Trugbild hinter meiner Pupille verriet die Schönheit die vor mir lag. Das waren keine Berge, da waren Fjorde und da waren tiefe, dunkle Seen und ganz anderer Wald, viel mehr Wald und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Verraten. Das Bild, das hinter meinen Augen das schwimmen begann, ging unter, als ich dem Wiederstand meiner Wimper nicht mehr standhalten konnte. Weg. Und vor mir nun doch wieder kleine Berge, Wälder, die mich viel zu sehr an Deutschland erinnerten und Häuser. Überall kleine Häuser, wo Leute drin lebten und laut waren. Ich schloss die Augen, erschuf mir noch ein mal dieses wunderbare Trugbild. Dieses Trugbild das mich schweben ließ. Wie konnte ich nur so töricht sein und mein wundervolles Norwegen für so lange Zeit hinter mir lassen.

Zwei Arme, die sich um meine Taille schlängelten, rissen mich aus dem Bild, das aus wunderschönen Farben und Tönen bestand. Ich holte erst lauter Atem, ließ mich aber dann doch gegen die Brust sinken, die sich hinter mir auf tat. Mit geschlossenen Augen ließ ich mich halten. “Böse ?” Ich schüttelte den Kopf. Axu hatte Nerven, sollte ich ihm etwa sagen, dass ich ihm am liebsten in den Arsch treten könnte ? Nein, sowas tat man unter Freunden nicht. Also würde ich es auch nicht sagen.


“Nein.” Leises Lachen. Nun lach doch nicht noch darüber. “Wirklich nicht ?” “Das hast du mich doch schon mal im Auto gefragt.” “Ja, da kannte ich aber deine Reaktion auf Fetti noch nicht.” Fetti .. Ach stimmt ja, Mr. Armani hatte ja auch noch einen Namen. Wobei mir Armani immer noch Hundertmal besser gefiel als Fetti. Fetti ... als wenn der Kerl fett wäre. Das wäre ja was ganz Neues.
“Hat mit dem nichts zu tun ...” “Sondern ?” Ich schlug die Augen langsam auf und musste damit endgültig von dem Trugbild los lassen, das ich noch so lang es möglich war hinter meinen Augen versucht hatte im Rahmen zu halten. “Ich fühle mich hier einfach nicht mehr wohl.” Ich legte meinen Kopf auf Axus Schulter ab und schloss wieder die Augen.

“Mit dem Unterschied, dass Österreich nicht Deutschland ist.” “Das sind Nachbarn und meine verhasste Familie liegt viel zu nah an der Grenze, als das ich mich hier stark fühlen könnte.” Scheiße, hatte ich das gerade wirklich gesagt ? War das meine Stimme die so fürchterlich verzweifelt klang ? Erschrocken öffnete ich die Augen und bemerkte Axus Gesicht nahe über meinem. Er hatte sich nach vorne gebeugt und sein Blick trug wieder die Absicht in sich, mich zu durchbohren. “Du bist immer stark, seitdem Vorfall. Das weißt du, das ändert sich nie wieder. Die können dir nichts mehr und du führst nun gelungenerweise dein eigenes Leben und das machst du ganz wundervoll. Ich glaube du kannst getrost mit diesem Kapitel abschließen.”
Ich seufzte wieder auf. Warum verstand der Kerl das eigentlich nach all den Jahren immer noch nicht ? Es ging mir nicht um die Gefahr die ich spürte, es war das Gefühl ..
“Ich fühle mich aber so schrecklich unwohl, es holt mich einfach immer wieder ein. Das kann man nicht abstellen. Das ist nicht nur eine schlechte Erinnerung, das ist noch viel mehr.”

“Ich weiß.” Seine Arme schlangen sich enger um meinen Körper. “Aber vielleicht tut es dir mit den Tagen gut hier zu sein. Wenn die anderen von oben runter kommen und wir Training haben. Vielleicht kannst du dich ja doch mit meinem schäbigen Freund irgendwie anfreunden und vielleicht wird ja doch noch einmal der Gedanke an deine Familie weg geblasen.” Ich zuckte die Schultern. Lebender Optimist, hoffentlich würde das eines Tages ein Ende nehmen und ob ich mich überhaupt mit Mr. Armani anfreunden wollte, das war die andere Frage.
“Ich werd’s versuchen.” Er küsste mich auf den Kopf. “So ist es brav und ich bin ja schließlich auch da, du tust grad so, als hätte ich dich ausgesetzt.” Ich lachte leise auf. “Bei deinen kranken Ideen weiß man doch nie was als nächstes kommt.” “Aber dich aussetzen würde ich nie. Ehrlich.”
Ich umfasste seine Hände. Stimmt, vielleicht sollte ich ihm das abkaufen.
Allerdings gabs da noch einen Haken ..
Wer versicherte ihm, dass ich nicht Mr. Armani aussetzen würde ?

... Julian


„Axu ? Was tust du da ?“  Ich schaute ihn fragend an und hatte Mühen mir einen dummen Kommentar zu ersparen. Das Bild das mir Axu bot, war einfach zu entzückend. Nun, wenn man es so nennen konnte. Der kleine Zwerg, wie er da in dem Zimmer stand und sich mit dem Bezug der Bettdecke abzumühen schien. Eine Hand in dem Bezug, mit der anderen hielt er krampfhaft das Deckenlaken umgriffen. Nur wollte mir einfach nicht in den Kopf gehen, wie man mit dieser Technik ein Bett beziehen konnte.
„Ich beziehe das Bett, nach was sieht es denn aus ?“ „Ja, das frage ich mich ja. Weil nach dem Beziehen eines Bettes sicherlich nicht.“ Axu rollte leicht generevt mit den Augen. „Das musst du doch mir überlassen. So mach ich das immer.“ „Ach, und wie lang bist du dann mit beziehen beschäftigt ? Nen, halben Tag ?“ Ich musste mir das Lachen wirklich verkneifen. Gespielt böse funkelte er mich wieder an.



„Ich brauche keinen Crahskurs im Betten beziehen.“ Ich schüttelte nur den Kopf. „Ich bin allerdings schon weitaus länger fertig als du, zumindest eine bessere Technik hätte ich dir ja beibringen können oder meinst du nicht ?“ „Vergiss es.“ Ich seufzte auf und wollte das Zimmer gerade verlassen, als Axu mit einem Fuß auf den Bezug trat und gleichzeitig versuchte daran zu ziehen. Und mit einem dumpfen Schlag stolperte Axu vorwärts und brachte die Lampe die auf dem kleinen Tisch stand prombt mit dieser Bewegung zu Fall. Ich grunzte leise auf, ehe ich ungehalten in lautes Lachen verfiel. Der Blick der sich mir bot war einfach zu köstlich. Sein gespielt böser Blick der mich unter dem Vorhang aus blonden Strähnen hinweg versuchte anzublitzen.



Ich drehte mich lachen um und wollte zurück in mein Zimmer verschwinden, als ich gegen eine Brust stieß und schielend in zwei braune Augen blickte. Mr. Armani von Pöpelhausen mal wieder ....
Er schaute mich zwar an, aber gleichzeitig auch an mir vorbei und ich verspürte erneut das brennenden Verlangen ihm den Hals umzudrehen, warum wusste der Teufel in der Hölle.
Da fiel mir ein, am liebsten würde ich ihn zum Teufel in die Hölle schicken und ihm seinen unschönen Arsch verbrennen. „Kari ?“ Ich drehte mich zu Axu herum, der im Schneidersitz auf dem Boden sass und unkontrolliert versuchte den Anfang von dem Ende des Bezuges zu trennen. „Ja Axu ?“ Er blies sich einzelne Strähnen aus dem Gesicht und schaute mich dann an. „Wie geht deine Technik noch gleich ?“ Lachend stieß ich mich vom Türrahmen ab, ihne Armani eines Blickes zu würdigen und ließ mich zu Axu auf den Boden sinken.



Das Lachen unsere unfreundliches Gastgebers hallte schrill in meinen Ohren. „Das ist nicht dein Ernst oder ?“ Axu schaute Armani fragend an. „Halt doch die Fresse man.“ Ich zog Axu den Bezig aus der Hand und hatte in weniger als einer Minute das Kissen, das Laken und die Decke fertig bezogen. Mit einer flüchtigen Handbewegung strich ich mir die Haare aus der Stirn und zeigte Axu die Zunge, ehe ich mich dazu entschloss, selber das Haus zu erkundigen. Dass mir dabei Armani nicht einmal wirklich Platz zu machen schien, als ich durch die Tür treten wollte, störte mich nicht. Sollt er doch zur Hölle fahren. Aber schnell und schmerzhaft, damit ich seine flehenden Schreie noch bis hier oben hören würde.



Das Haus war relativ schlicht. Man sah dass hier mehrere Leute noch ein und aus gingen. Als ich das Wohnzimmer betrat sah ich einige Medaillen und Pokale auf einer Vitrine stehen und mit wenigen Schritten, stand ich direkt davor. Axu hasste es seine Pokale jeden Tag zu sehen. Er hatte sie in einer Kiste gepackt und vor einigen Monaten auf den Speicher geschafft. Zur Freude Mikkos, der wieder allen möglichen Krams dann in der Wohnung verteilen konnte.
Ob die Dinger wohl alle von Armani waren ? Kaum vorzustellen, er sah gar nicht so aus, als wäre er in der Lage auch nur irgendetwas richtig zu machen.
Besonders schön fand ich die Goldmedaille der Universiade 2003. Damals fand sie in Innsbruck statt und ich hätte schwören können, das zumindest diese Medaille Mr. Armani gehörte. Sein Bruder erschien mir zu jung als damal schon hätte Teil nehmen können.


Ich schüttelte den Kopf und mein Blick fiel auf die offen stehende Terassentür und ich dachte Nico würde draußen sitzen, doch als ich näher kam, erkannte ich das es nicht Nico war, sondern ein Blondschopf, der den Kopf über einem Buch hingen ließ, zögernd trat ich näher und klopfte an den Türrahmen. Sein Kop schnellte zu mir herum und seine Stirn legte sich in Falten.
„Bist du die Neue von Fetti ?“ „Äh, was ?“ „Ob du die Neue von meinem Bruder bist ?“ „Ach, du bist auch ein Fetti ?“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln. „Nein, ich bin Julian und wenn schon, dann einer der Fettners aber ich bin nicht Fetti, das ist der Spitzname von meinem Bruder Manuel.“ Er zog einen freien Stuhl heran und klopfte auf das Polster.
„Setz dich doch.“



Das erste Lächeln des Tages stahl sich ehrlich auf meine Lippen und schwungvoll nahm ich Platz und als ich das erste Mal entspannt den Blick über Birgitz und dieser herrliche Bergkette genießen konnte, wurde mir das erste Mal auch richtig warm ums Herz. „Schön, nicht ?“ Ich nickt. „Ja, wenn man aus Norwegen kommt, aber auch irgendwie seltsam.“ „Ach, du bist mit Luitsi hier ?“ Ich schaute ihn verwirrt an. „Mit wem ?“ „Mit Luitsi, Axu, das war sein alter Spitzname.“ „Ja, richtig.“ „Dann bist du seine Freundin ?“ „Nein, nur eine Freundin, dier unbedingt dabei haben wollte.“ Julian lächelte und legte das Lesezeichen in das Buch, ehe er es zuschlug und auf den Tich schob.


„Harry Potter und der Heiligtümer des Todes.“ „Ja, endlich.“ „Keine Zeit gehabt zum Lesen ?“ Julian zuckte die Schultern. „Zeit schon, bloß wollte es Manuel nicht aus den Fingern lassen. Du musst wissen er liest für sein Leben gern und lässt sich auch scheiß Zeit dabei. Gib dem nie ein Fantasy Buch in die Hände und schon gar keinen Harry Potter. Das ist dein Todesurteil.“
Ich lachte leise auf. Armani war eine Leseratte ? Kaum vorzustellen, die armen Bücher taten mir jetzt schon Leid, ob es wohl eine internationale Gesellschaft gab zum Schutz von Büchern ?
Wenn ja, sollte ich diese vielleicht mal kontaktieren.



„Aber es ist dein Buch ?“ „Nein, seines. Er hat sie alle. In Deutsch und Englisch. Manu ist in der Hinsicht echt verrückt. Aber du kennst ihn ja sicherlich.“ Ich schüttelte automatisch den Kopf. „Nein, nicht gut genug.“ „Hat er dich in Norwegen nicht kennen gelernt ?“ Ich wich Julians Blick aus und schaute wieder auf Booklet des Buches. Meine Vergangenheit rollte über mich her. „Nein, ich bin noch nicht so lang in Norwegen.“ „Nicht ?“ Ich schüttelte wieder den Kopf. „Ich arbeite als Au Pair für eine norwegische Gastfamilie. Ich komme aus Deutschland. Irgendwoher aus dem Süden des Landes.“ „Woher ?“ „Ist doch egal, irgendwoher aus Deutschland. Wichtig ist, dass ich jetzt in Norwegen leben und das möchte ich auch nie wieder ändern.“


Julian schaute mich an und mir fiel auf das er verdammte Ähnlichkeit hatte mit Armani. Nur waren seine Haare blond gefärbt und standen wirr zu allen Richtungen ab. Seine Züge waren weniger makant, aber er hatte die gleichen Lippen und die selben stechend braune Augen. Auch er schien sich die Brauen zu zupfen, der Schwung war mir bei ihm sofort aufgefallen. Nico hatte diesen nicht. Das Glitzernde etwas, das von den Sonnenstrahlen reflektiert wurde als er sprach, fiel mir sofort auf. Julian trug ein Zungenpiercing. Etwas, was mir bei seinem überheblichen Bruder noch nicht aufgefallen war.


„Und bleibst du hier jetzt ?“ Ich nickte sofort, als mir auffiel, dass er mit mir sprach. „Ja.“ Julian schenkte mir wieder ein Lächeln. Der Kleine war unglaublich niedlich. „Schön, dann hoffe ich das es dir hier gefallen wird. Mein Bruder ist manchmal ein bisschen sonderbar aber ich glaube wenn du ihn richtig kennen lernst, wirst du ihn mögen.“ Ja, so sehr mögen, dass ich ihm lieber einen anderen Tod an den Hals hetze, als jenen in der Hölle zu verbrennen. Armani jemals mögen ? AUSGESCHLOSSEN !



„Hier steckst du also ?“ Julian und ich wirbelten beide herum. Axus strahlendes Lächeln ließ mich innerlich wieder augeglichener werden und er beugte sich zu mir nach unten um mir einen Kuss auf die Wange zu drücken. „Fetti und ich haben dich schon gesucht.“ „Fetti und du ?“ „Ja.“ Ich schaute ihn skeptisch an. „Du meinst Mr.Armani ?“ Julian legte die Stirn in Falten und während ich nur abwinkte deutete Axu ihm an, dass ich eine Schraube locker hatte.
„Hey pass auf Freundchen, sonst lass ich dich das nächste Mal auf dem blanken Boden schlafen.“ „Oh Nein, bitte, Gnade !“



Julian lächelte mich an und ich schenkte ihm ein freches Zwinkern. „Nur eine Freundin, ja ?“ Axu schaute ihn an, dann wieder mich ? „Ach, hat sie das gesagt ? Weißt Jule, das ist bei ihr Wunschdenken.“ Ich schlug ihm sanft gegen den Oberarm. Doch Julian lachte herzhaft auf. „Anderseit, wer will schon mit dir Knallkopf zusammen sein Luigi.“ „Boah, du mieser kleiner ..“ Axu wollte sich gerade auf ihn stürzen, als Armani im Türrahmen erschien. „Wenn ihr Hunger habt, ich hab grad die Nudeln abgeschüttet. Es gibt Pasta.“ „Du kannst kochen ?“
Meine Zunge war schneller als mein Verstand gewesen und ich hatte nicht mehr die Zeit gehabt mir die Hand vor den Mund zu schlagen.



Armani schaute mich unwirsch an und alleine für diesen bohrenden Blick hätte ih ihm gerne seinen Arsch wieder verbrannt. „Sicher, sollte ich nicht ?“ Er stieß sich schwungvoll ab und ging nach drinnen. Julian jedoch lehnte sich zu mir herüber und grinste breit.
„Lektion 1 die ich dir im Umgang mit meinem Bruder nur wärmstens empfehlen kann, versuche nach Möglichkeit nie auf seinem Stolz herum zu trampeln, das sind Dinge die hasst er wie die Pest.“ Ich nickte nur und ließ mich von Axu dann auf die Beine ziehen.
Herrlich, dank Julian wusste ich nun was ich machen konnte um Armani nach herzenslust herum zu scheuchen. Seinen Stolz kränken, besaß der sowas überhaupt ?
Jedenfalls konnte die Show nun endlich beginnen ...

... talking ? ...



„Boah, ich bin sowas von satt jetzt. Das glaubt mir keiner.“ Ich schob die Hand vor meinen Mund und hiekste leise auf, was Julian leise lachen ließ. „Das wird den Chefkoch sicherlich freuen zu hören und zwinkernd schaute er seinen großen Bruder an. Groß war gut getroffen, dafür sollte ich mich loben. Armani war kleiner als Julian. In etwa traf es Axus Größenmaß.

Zum Glück sagte die Körpergröße nichts über die Intelligenz aus. Das wäre schädlich für mich. Aber alleine der Gedanke, dass man Armani seine Blödheit ansehen könnte, ließ mich alle negativen Aspekte vergessen und zu dem Entschluss kommen, dass es schade war, dass man den IQ nicht an der Größe feststellen konnte.
Armani stattdessen lehnte sich mit einem süfisanten Lächeln auf den Lippen zurück gegen die Lehne des Stuhles. Alleine für dieses Grinsen, hätte er 100 Etagen tiefer fahren müssen.


„Eigentlich ist das herstellen einer Pasta Kinderkacke.“ Ich legte die Gabel und den Löffel wieder auf den Teller und verschränkte die Arme vor der Brust. Mission ich-kränke-Armanis-Stolz hat also soeben begonnen. Oh, welch Schadenfreude. „Findest du ?“ Ich nickte. „Klar. Dabei wird man nicht mal gefordert.“ Armani zog ein seltsames Gesicht und ich tätschelte mir zu Belohnung selber die Schulter. „So, wenn du kochen so einfach findest, dann kannst du doch auch sicherlich für den Gastgeber mal was anständiges kochen ?“ Stirb ! Falle um und Stirb !

„Sicher werde ich das tun können, bloß nicht mit der Absicht nur dem Gastgeber etwas Gutes zu tun.“ Axu drückte unter dem Tisch seine Hand auf meinen Oberschenkel und Julian prustete gleichzeitig los, weil er allen Anscheins nach das zucken von Armanis Brauen so köstlich fand. Naja, Geschmack liegt immer noch im Auge des Betrachters.


Selbst das Einräumen der Spülmaschine gestaltete sich als Kräfteakt. Ich konnte es mir nicht verkneifen keine Sekunde auszulassen Mr. Armani bei seinen Bewegungen zu beobachten und egal mit welcher Blickrichtung ich ihn auch betrachtete, es ergab sich keine Möglichkeit sein Äußeres als „duldsam“ zu beschreiben. Vielleicht sollte ich es wirklich lassen und mich wichtigeren Dingen widmen.


Doch scheinbar hatten es allen voran Axu und Julian darauf abgesehen mir ihren Verbündeten schmackhaft zu machen. Pech Jungs, mich konnte man nicht bestechen. Bei so viel Bestechung fing mir Nico an richtig sympathisch zu werden. Anderseit, Fettner bleibt Fettner, das sollte ich mir merken, bei Anbetracht der Tatsache das meine Zeit hier wohl länger anhalten würde als bloß ein oder aber zwei Tage.


Um mich abzulenken, von diesen unerträglichen Ungerechtigkeiten, die mich doch alle trafen, verbrachte ich den restlichen Tag, bis hinein in die frühen Abendstunden damit, mit Julian auf dem Sofa zu lungern und gemütlich durch die TV Sendungen zu zappen.  Gut, das hielt sich so lange ertragbar, bis sich Armani auf meine andere Seite fallen ließ und mir mit einem ekelhaften Grinsen, den Drücker aus den Händen riss. Ich realisierte ebenso aufbrausend wie Julian, dass er den TV einfach ausgeschaltet hatte und uns beide nun ansah. „Ey Alter, das war grad super interessant man.“


Unsanft fing sich Julian einen Schlag an den Kopf. „Du wirst es überleben.“ Erst danach schaute mich Mr. Armani wieder an. „Erzähl was.“ Meine Brauen schossen in die Höhe und ich fixierte erst ihn und dann das was auf dem Tisch stand. Erdnüsse, Cola und ich zweifelte an meinem Verstand, hatte ich ihn wirklich nicht kommen sehen ?


„Was soll ich erzählen ?“ Seine Hand umfasste das Cola Glas, sein Cola Glas, und mir fiel sofort der Ring an seinem Finger auf. Na wunderbar, einen schlechten Geschmack hatte er also auch noch. Naja, womöglich noch so ein schwuler Freund von Axu. Wie Mikko ...
„Na, der Grund warum du nicht hier her mit wolltest, aber dtrotzdem da bist.“ Ich schaute ihn irritiert an. „Julian, sieh zu dass du den Abwasch machst.“ „Wer ich ?“ „Heißt ihr noch jemand Julian ? Geh ihr nicht so auf den Keks und mach was vernünftiges.“ „Ich hab kei Bock man.“ Julian verschränkte schmollend die Arme vor der Brust und aus den Augenwinkeln heraus konnte ich Armanis Fassade erzittern sehen.


„Du sollst mich nich reizen Julian. Sieh zu dass du Land gewinnst. Ich möchte dich nicht jetzt hier dabei haben, sonst würde da sicherlich ein drittest Cola Glas stehen.“ Ich schaute wieder auf den Tisch. Würde mich Armani jetzt erpressen wollen ? Meine Zuneigung erzwingen wollen ? Oh, nun gut, da war er bei mir aber falsch beraten.


Mit einem unterdrückten Fluchen stand Julian dann doch auf und ich wuschelte ihm noch kurz durch die Haare. Ohja, den kleinen, den hatte ich wirklich schon in das Herz geschlossen. Ganz im Gegensatz zu dem Grauen, das da neben mir sass.
Julian war kaum aus dem Zimmer verschwunden, als auch schon dieses Fettner Seufzen an mein Ohr drang und ich aus den Augenwinkeln erkennen konnte wie Mr.Armani das Cola Glas zu mir herüber schob. Okay Kari, absolut cool bleiben. Einfach so tun, als sei alles in bester Ordnung.


Nur warum kam mir jetzt wieder der Neckermann und Otto Vergleich in den Kopf ?
„Also ?“ Endlich schaute ich ihn wieder an. Gott schicke mir Geduld. Mehr Geduld als ein einziger Mensch überhaupt tragen konnte, nur ich glaube, selbst das war bei Mr.Armani überflüssig.

„Also was ?“ Seine Augen begannen zu rollen. „Warum bist du hier, wenn mir Axu erzählt du hättest dich anfangs mit Händen und Füßen geweigert: Schlechte Erfahrungen mit Österreich gemacht oder was soll diese negative Kritik ?“


Meine Augen fixierten ihn mit solch einer Intensität das sie zu brennen begannen. „Ich kann mich nicht daran erinnern, je negativ über Österreich gesprochen zu haben.“ Eine seiner Brauen schoss nach oben und alleine weil es eine seiner Manieren war, sollte ich mir das vielleicht schleunigst abgewöhnen. „Nun, Axu sagt was anderes.“ „Tja, dann würd ich mal sagen, dass Axu Pech gehabt hat.“ Ich griff nach dem Cola Glas und nahm einen kräftigen Schluck, nur um meine aufkommenden Wellen an Wut und Verachtung davon zu spülen.


„Axu hat ..“ „Hör zu, es interessiert mich nicht was Axu dir erzählt hat, wenn du mich fragst, sollte es dich interessieren, was ich dir erzähle. Und wenn ich dir erzähle, dass ich nicht negativ über Österreich denke, dann solltest du zu diesem Thema eigentlich keine Fragen mehr haben. Ansonsten würde ich mir an deiner Stelle ernsthafte Sorgen darüber machen ob noch alles ganz richtig ist bei dir.“ Armanis Mund klappte auf, ehe er wieder  zu schnappte und er verkniffen auf den Tisch schaute. „Okay, dann eben nicht, dann bist du eben so unfreundlich weil du deine Tage hast oder was ?“


Ich konnte mich gerade noch so beherrschen sonst hätte ich den Inhalt meines Mundes nicht nur auf dem Tisch und dem Sofa verteilt, sondern vor allen Dingen in Armanis Gesicht. Welch Verschwendung der Cola.

„Was soll das ? Wo bin ich unfreundlich ?“ Sein Glas klirrte auf dem Tisch, als er es stürmisch darauf nieder stellte. Sollte mich dieses Flachhirn nur nicht provozieren.
„Nun, zu Julian magst du vielleicht nett sein, aber wenn du eine gute Lügnerin bist, dann kannst du mir sicherlich ohne eine Miene zu verziehen ins Gesicht sagen, dass du mich ungemein sympathisch findest, nicht wahr Fräulein von so und so.“

Hinter meiner Stirn begann es unliebsam zu köcheln. „Ach so ist das, hat der Herr ein Ego Problem oder was ?“ „Kein Ego Problem Kindchen, ich hab ein Problem mit Gästen die es nicht schätzen, dass ich ihre hässlichen Gesichter freiwillig durch dieses Haus wandern lasse ohne ein Dankeschön dafür zu hören. Weil wenn es dir so sehr gestunken hat hier her zu kommen, was suchst du dann hier ?“ „Sicherlich nicht dich.“ Ein animalisches Geräusch entwich Armanis Lippen.
„Darauf bin ich ja auch nicht scharf“ „Nun, wo liegt dann dein Problem ?“


Ich versuchte so überheblich wie nur möglich zu sein und ich freute mich, seinen Geduldsspiegel bis an die Grenzen zu treiben. Der liebe Gott schien mir doch Geduld geschickt zu haben.
„Das ich der Gastgeber bin und du es sicherlich nicht leicht haben wirst, wenn du mich versuchst zu verscheißern.“ Ich tätschelte ihm die Schulter. Oh Gott Ekelwelle rolle wieder von mir herunter ...


„Keine Sorge, ich verscheißere dich doch nicht, ich bin nur ehrlich zu dir weißt du.“
Argwöhnisch betrachtete er die Hand. „Du hast mir noch immer nicht meine Frage beantwortet.“ Stirnrunzelnd lehnte ich mich zurück und zog die Beine an meinen Körper. Okay, auch Menschen mit nahezu keinem IQ hatten das Recht auf Unterhaltungen, nicht das sie ganz von Blödheit verschluckt werden würden.


„Axu hatte mir diesen ungemein cleveren Vorschlag gemacht. Leider Gottes war nie die Rede davon, dass ich bei einem seiner Freunde unterkommen würde. Nun, hätte ich das gewusst, sei dir sicher, ich wäre nicht mit hier her gekommen. Da ich aber mit den grauenvollen Tatsachen eiskalt erwischt wurde blieb mir ja nichts anderes übrig.“ Armani begann sich die Schläfen zu massieren. „Ihr wollt mich verscheißern. Axu erzählt du wolltest mit kommen und du sagst Axu wollte das du mitkommst.“ „Axu sagt was ?“ Na warte, der würde was erleben, mich als Bettelkatze darzustellen.


Während ich überlegte wie ich sein Ego weiter ankratzen konnte, versuchte er mich langsam weich zu kochen. Von wegen gefällt es dir hier und woher kennst du Axu. HA ! Ich würde mich nicht von ihm um den Finger wickeln lassen, das hatte ich mir geschworen. Wie man überhaupt mit jemandem wie ihm befreundet sein konnte, das war mir ein undurchschauberes Rätsel.


Naehzu die Erlösung in Menschengestalt war das Klingeln seines Handys, dass mich das Cola Glas schnappend aufspringen ließ. Sein aufgebrachtes „Hey“ ging zwischen Wohnzimmer und Treppenaufgang unter.
Seufzend schloss ich die Zimmertür hinter mir. Wütend war ich es dieses Mal, die das Glas klirrend auf den Tisch stellte, der neben meinem Bett Platz beanspruchte.
Ich wollte nicht, das außer Axu irgendjemand in meiner Vergangenheit schnüffelte und schon gar kein Kerl, der kein Gehirn zu haben schien. Oh was wünschte ich mir, dass der Boden unter mir aufgehen würde und mich verschlingen möge. Jetzt sofort, um nie wieder dieses grauenhafte Gesicht etragen zu müssen ...


Das Laken war angenehm kühl in meinem Rücken und spülte die Wut langsam davon ...
Bloß diesem Kerl nicht mehr so nah kommen.
Und er hatte ja doch ein viel makanteres Gesicht als Julian ..
und diese Schokobraunen Augen ...


Ich schüttelte innerlich den Kopf und presste die Augen aufeinander.
Morgen würde Axu sich wünschen nicht zu leben, lasst ihn mich in die Finger bekommen ...
Rache mit Eis und Baileys ....

... sleeping with ghosts ...


Der Schrei der das Haus erzittern ließ, muss gewaltig gewesen sein, doch die Gewissheit, dass es Axu bezeweckte mich mutwillig um die Ecke zu bringen, die war noch viel schlimmer, als der Schrecken der einem Julian und Co nun durch die Glieder fuhr. Und bei dem bloßen Gedanken, dass es vielleicht genügt haben könnte, Armani aus dem Bett fallen zu lassen, wurde mir ganz anders und ich erkannte wieder meine diebische Persönlichkeit.
Mit einem leicht verstörten Blick konnte ich dann jedoch Axu findig machen, der noch immer recht verdattert an meinem Bettende sass und mich mit großen und durchaus fragenden Augen ansah. Was gab es da so blöd zuglotzen ? Hatte ich Blodinchen etwa gesagt, er solle mir einen nassen Waschlappen über dem Gesicht auswringen ? Unverschämtheit.
„Warte es nur ab Kokkonen, ich hatte eh schon vor gehabt dich heute um die Ecke zu bringen. Warte nur, meine Rache wird unzubändigen sein. Das schwöre ich dir.“


Wenigstens einer der das lustig fand. Sein Lachen hallte von den Wänden wieder und mein Gesicht begann sich automatisch zu verziehen. Das Wasser perlte von meinen Wangen und von meinem Kinn und dieser Vollidiot sass da und lachte mich aus. Ich sprang aus dem Bett und wollte auf ihn zu eilen, doch Axu war viel schneller als ich und als er schon zum Sprung ansetzte die Tür aufzureißen, erwischte ich ihn gerade noch so am Ärmelsaum um ihn zurück ziehen zu können.
„Gnade ... hilf mir dochh einer.“ Doch seine Rufe gingen in meinem ausgelassenen Lachen unter und ich versuchte ihn so gut ich konnte nieder auf das Laken zu drücken. „Warte nur Kokkonen, ich werde dich erdrosseln und jedem sagen du seist Schlafgewandert. Warte es nur ab. Dir werde ich es zeigen mich auszulachen und dann auch noch Armani erzählen ich hätte dich ja so sehr gebeten mich doch mit zu nehmen.“ Axu unter mir begann zu lachen, aber wenn er meinte ich machte Spaß dann war er schief trocken gelegt worden.
Doch das aufstoßen einer Tür und Axu's um Rettungsuchender Blick, ließen auch mich herum wirbeln.


Meine zusammengekniffenen braunen Augen trafen gestochen scharf auf ein weiteres paar, dessen Iris leicht vor Schreck geweitet war. Suchend huschten sie durch den Raum und blieben dann auf mir und Axu haften. Wie praktisch es dabei war, auf Axu drauf zu sitzen und nur eine Shorts und ein Shirt zu tragen. Wer weiß was man hier so alles unterstellt bekommen würde.
Ich wendete den Blick ab, ließ die braunen Augen alleine im Raum umher tanzen und schaute stattdessen zurück in jene von Axu, der mir nun nahezu thriumphierend die Zunge zeigte.
„Habt ihr eigentlich einen totalen Dachschaden ? Was denken denn die Nachbarn und meiner Eltern die unten wohnen. Müsst ihr mich zum Idioten machen ?“ Ich hörte das Geräusch von nackten Füßen und noch ehe Armani in meinem kompletten Blickfeld erschienen war, entwich mir schon der nächste sarkastische Wink mit dem Zaunpfahl.
„Dich zu einem machen ? Aber das ist doch nicht mehr von Nöten.“ Schwungvoll rollte ich mich von Axu herunter und blitzte dann in Armanis Antlitz. Zumindest war das mein Wille ...


Neben den Augen die verächtlich versuchten meinen Blick zu erwidern, war da nur eine Schlaffalte auf seiner Wange, wirre Haare, nackte Brust und unglaublich wenig Haut in einer Shorts die mehr als nur kitschig aussah. DAS, was da vor mir versuchte Respekt zu gewinnen, war amüsanter als ein Maikäfer der auf dem Rücken lag und mit den Beinen wackelte und nur dank meiner ausgesprochenen Zurückhaltung, konnte es mir gelingen nicht in schallendes Gelächter zu verfallen. Das war nicht mal mehr zu einem Drittel ein Armani Versuch, das hier war ... eine Lachfigur. Dagegen war Mikko eine Sexbombe und selbst das würde ich sonst nur im betrunkenen Zustand von mir geben. Welch Dinge dieses Etwas von Österreicher doch nur in mir auslöste.


„Ihr könnt doch nicht um diese Uhrzeit ihr solch Laute von euch geben.“ „So ? Warum denn nicht ?“ Ich schaute ihn auffordernd an. Elendiger Schisser. „Weil es eben nicht geht.“ Nannte er das einen bedrohlichen Blick ? Oh Gott Kindchen, ich würde nicht in die Knie gehen vor Angst, sondern aufgrund des Lachanfalles der mich jede Sekunde schütteln würde.


„Na stell dir mal vor ich würde mit Axu lauten und hemmungslosen Sex haben, was würdest du dann machen ? Uns an das nächste Hostel verweisen ?“ Armanis Blick schnellte zu mir zurück und seine Iris spielte wieder „lass mich dir zeigen was ich denke“ erschreckend das er mich so viel in seinen Augen lesen ließ, aber Axu Lachen lenkte mich von Armanis Augen ab und so wendete ich den Blick wieder zu dem kleinen, lachenden Kobold. „Ohja Kari ... bitte nimm mich ... ich habs so nötig ... tieferr .. jaaaa. ... Kari  .. oh bitte ...“ „Halt die Klappe jetzt.“
Doch Axu und ich brachen in schallendes Gelächter aus und ich wirbelte herum als ich Nico und Julian ähnlich lachend im Türrahmen lehnend erblickte.
„Ich dachte ja erst du verstehst keine Humor, aber der Kari, der war klasse.“ Ich schenkte Nico mein bestes Lächeln und mit dem Hauch von Thriumph ließ ich dann meine Iris sprechen und jagte den Reflexen in Armanis hinterher.


Und selbst als er mir den Rücken zu drehte und sich fluchend von der Bühne verabschiedete, konnte mir sein Hintern, der dennoch verdächtig eng in der Hose sass kein pfeifen entlocken. Stattdessen gröhlten wir alle ungehalten los und ich warf mich theatralisch zu Axu auf das Bett und schnurrte laut auf. „Oh Gott Axu .. du bist sooo gut ... ich komme ...“ Ich ließ einen spitzen Schrei folgen, den Julian auf die Knie zwang vor Lachen und sah noch aus den halb geschlossenen Lidern wie sich Nico und Axu laut lachend abklatschtend. Na, wie es aussah hatte mich nun Nico auch ins Herz geschlossen. Womöglich waren doch nicht alle Fettner gleich sondern nur einer.
Der Sache sollte ich auf den Grund gehen.


Nachdem ich schweren Herzens das Angebot Julians, mit mir unter die Dusche zu kommen um mir den Rücken einzuseifen, abgelehnt hatte, genoss ich es dann zutiefst beim betreten der Küche seinen Blick zu suchen und ihm einen freudigen Handkuss entgegen zu werfen. „Sollte ich dir mal behilflich sein, dann sag es nur, ich werde alles tun.“ Seine Brauen schnellten in die Höhe und er ließ sich schaukelnd auf einen der Stühle sinken und ganz geschmeidig zog ich mich auf die Anrichte zwischen Spüle und Kochstelle. „Alles ?“ „Sicher, alles was du willst.“
Dieses herrliche Funkeln in Julians Augen gefiel mir ausgesprochen gut, es hatte diesen Siegerwillen, den ich auch hatte. „Falls ich den Wunsch einer Massage verspüre melde ich mich bei dir, großes Indianerehrenwort.“ Und mit einem zynischen Grinsen auf den Lippen leerte er sein Milchglas in einem Zug, ehe er aufstand und sich mit den Worten „Training“ verabschiedete und ohne es gewollt zu haben, war ich mit Armani alleine in der Küche. Oh Gott nein, nicht schon wieder. Wo war der Dreckskerl wenn man ihn brauchte ?


Ich musterte ihn oberflächlich. Nun war er schon wieder mehr Armani Like. Die enge Jeans, das mukelspielende Shirt, die Halskette, der Ringe den ich erkennen konnte, während er sich das Müsli mengte. Gott hatte dieser Kerl keine Ahnung davon wie bescheuert er doch aussah ? Vielleicht sollte ihm das einer unbedingt sagen, nur für den grausamen Fall der Fälle, das er nur mit Hohn und Spott leben müsste. Also, nicht das mich das stören würde, aber ich sollte vielleicht etwas auf mein gutes Karma achten, nicht das ich wirklich noch in der Hölle landen würde. Anderseit, dann könnte ihm wenigstens eigenhändig seinen unschönen Hintern in Flammen setzen.
Gott diese Vorstellung - scheiß auf all die guten Taten und lasset mich in die Hölle fahren.
Mission wie fackele ich Armani den Arsch ab, kann von mir aus, beginnen.



„Müsli ?“ Ich wurde aus den Tagträumen von feurigen Flammen und zynischen Gelächter gerissen und erwiderte seinen Bick mit der gleichen Kühle wie schon zuvor.
„Ich steh nicht so auf Hasenfutter.“ „Das sehe ich.“ Und mit einem finsteren Blick wünschte ich mir ihn sofort töten zu können. Das ihm sein hässliches Lachen entrinnen möge auf diesem unschönden geformten Gesicht.
„Das sind meine Kurven, nicht deine.“ „Zum Glück.“ Und seine Iris öffnete sich, ließ mehr Pigmente tanzen und lud die meine regelrecht dazu ein. Welch Schrecken, dass meine diese Einladung wirklich annahm.
„Wie dem auch sei. Das Müsli dort ist trotzdem deines und in der Kanne ist noch Kaffee. Ich habe Training. Und wie ich weiß sehen wir uns heute Mittag an der Schanze.“ Und dieses fürchterlich zynische in seinen Augen tippte meine Iris an und ließ sie nahezu schmerzen aufgrund dieser Intensität.


Kokkonen ... so ... wir würden also zur Schanze gehen ?
Es schien als würde Armanis Verlassen der küche wieder  Vertsand durch mein Gehirn transportieren und als ich die Haustüre zuschlagen hörte, schwang ich mich doch tatsächlich von der Anrichte und nahm mir eine Tasse Kaffee und sein gemachtes Müsli.
Scheiß drauf Kari .... und meine Augen brannten, als ich mich an die Funken in seiner Iris erinnerte.

... swimming with the kids ...


Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte Axu im Bad eiskalt zu erwischen, gelang mir auch der erste Thriumpheszug. Um ihm auch klar zu machen, dass ich so gar nicht damit einverstanden damit war, das er alles hinter meinem Rücken zu vereinbaren schien, versuchte ich ihn im Waschbecken zu ertränken. Naja, zumindest stieß er sich den Kopf, kleiner Fortschritt. Ich konnte es jedoch nicht mehr verhindern, dass sein Rasierschaum zum guten Schluss mehr mein Gesicht zierte als das seine, aber das war mir der Jubel über seine anstehenden Kopfschmerzen wert.
Für dass sein Kopf Schaden erhalten hatte, litt sein brutal ätzender Fahrstil in keinster Weise darunter und der Versuch auf dem Beifahrersitz zu bremsen, der scheiterte wie sooft zuvor auch schon und so musste ich kreischend und diesen Kerl beschimpfend feststellen, dass ich lieber jetzt mit Armani in einer Küche sitzen würde, als mit diesem Koboldartigen Flachhirn Achterbahn fahren auf einer Landstraße ausprobieren würde.


Fauchend und unglaublich schlecht gelaunt stieg ich aus dem Auto. Von wegen ich solle tragen helfen ... lieber würde ich mich laut lachend über ihm aufbauen, wenn er es geschafft hatte über seine sinnlosen Bretter zu fliegen. Man, konnte ich heute noch zynischer werden, als ich es eh schon war, kaum zu glauben. Wobei, ich sollte vielleicht Armani suchen gehen, dann würden mir gehässische Sprüche sicherlich von ganz alleine wieder einfallen.

Tore öffnen, war etwas für Schisser und nachdem ich über einen Zaun hinweg gesprungen war, und im Auslauf der großen Bergisel Schanze in das weiche Gras fiel, drehte ich mich herum und zeigte Axu stolz meinen Mittelfinger. Schisser, erst alles abstellen und das Tor öffnen. Ey Alter, drüber schmeißen gibt mehr Geräusche und das Risiko das deine lächerlichen grünen Dinger da zu Bruch gehen ist viel größer.


Ich richte mein Gesicht in Richtung Sonne und genieße die zaghaften Frühlingsmomente. So gern ich Norwegen auch hatte, auf das kalte Wetter dort hatte ich nun wirklich keine Lust. Dagegen war das hier Luxus pur. Ein rauschendes Geräusch ließ mich die Augen öffnen, ehe sich ein Schatten vor mir aufbäumte und ich dagegen blinzeln musste. Oh ich hasste es deutlich kleiner zu sein als mein gegenüber.

„Fans sind hier nicht erlaubt. Hast du das Schild da nicht gelesen ?“ Ich zog eine Brauen nach oben und versuchte hinter dem dunklen Visier die Augen des Kerls ausfindig zu machen. „Genau dort am Eingang steht, dass Unbefugten das Betreten der Anlage verboten ist. Nun, ich denke nicht, dass du eine Skispringerin bist.“ Ruckartig schob er das Visier nach oben und schnallte dann vor mir die Skier ab. Und ich dachte in Österreich gäbe es weniger Lackaffen als in Norwegen. Ich sollte mich korrigieren, dagegen waren die in Norwegen der reinste Streichelzoo.


„Nun, ich bin ja auch kein Fan.“ „So, was bist du dann ? Ne Feldmaus wohl kaum.“ Ich holte tief Luft. „Hör zu, verarschen kann ich mich alleine und es tut mir fürchterlich Leid dich enttäuschen zu müssen, aber leider Gottes hat mich die Sehnsucht so gepackt nach Abenteuern und da ist mir doch glatt nichts besseres eingefallen, als mich hier infront einer Schanze ins stechende Gras zu werfen und euch Lackaffen dabei zu zusehen, wie ihr euch wie die Affen im Zoo umher werft. Man, seit ihr alle so dämlich oder haltet ihr euch bloß für zu genial als das ihr es nicht merkt, das Genialität nur nen Millimeter von grenzenlosem Wahnsinn entfernt liegt ?“

Seine Augen weiteten sich und ich erkannte das er auch braune Augen hatte. Scheiße verdammt, hatten alle Österreicher braune Augen oder trugen die Kontaktlinsen ?
Plötzlich hörte ich ein lautes Auflachen und schaute über die Schulter dieses Irren hinweg in das Gesicht eines kleinen Wuschelkopfes, der grinsend näher kam. Ein vernünftiges Gesicht. Juchu  Julian ..


Seine Hand schlug dem komischen Kautz auf den Rücken und er zwinkerte mir zu. „Vorsicht Kike, das hier, ist äußerst bissig.“ Und ich hatte schon befürchtet er würde was anderes von mir denken. Bloß wer zum Teufel war Kike ?  
„Du kennst sie ?“ Ich sah wie Julian nickte und dann zu mir herüber kam. Schwungvoll ließ ich mich von ihm auf die Beine ziehen. „Na, hast du Axu mit gebracht ?“ Ich knuffte ihn zur Begrüßung in die Seite. „Klar.“ „Oder vielleicht doch eher er dich als du ihn.“ Wäre sein Lachen nicht so fürchterlich sympathisch gewesen, hätte ich ihn für diesen Witz töten können. Stattdessen zeigte ich ihm die Zunge.

Ich beobachtete diesen Kike dabei, wie er sich den Helm vom Kopf zog und eine braune Wellenmähne zum Vorschein kam. Locken ! Schade, das ich Männer mit Locken mochte. Und dennoch musste ich zugeben, das war der erste wirklich attraktive Mann den ich seit einigen Wochen zu Gesicht bekommen hatte und da sage einer die Norweger seien hübsch. Um Gottes Willen. Was tut man wenn man Blond verachtet ? Lesbisch werden - okay, vielleicht dachte Mikko genauso und war deswegen schwul, aber stopp, da hatte ich wohl vergessen, dass er offiziell gar nicht schwul war, aber dennoch, inoffiziell ist ja auch ein Bekenntnis, wenn auch kein öffentliches.


„Na dann will ich mal nicht so sein. Sorry, aber hier tauchen leider viel zu oft Mädels auf, die wirklich nichts mit uns zu tun haben und sich dann nicht mehr vergräulen lassen.“ Ich hob die Schultern. „Kannst du ja nichts dafür, dass es Leute gibt, die ihre Zeit verschwenden euch bei sowas zu zusehen. Ich merks mir und werd es bei Gelegenheit mal in die Öffentlichkeit bringen.“

Sein verdatterter Gesichtsausdruck war zu herrlich und aus den Augenwinkeln heraus konnte ich beobachten, wie Julian mit sich selbst rang um mich in lautes Gelächter auszubrechen. „Ich ging davon aus, dass du aus genau diesem Grund hier bist.“ Mein Zeigefinger tippte gegen seine Brust. „Tja falsch gedacht du fliegender Kakadu. Ich bin hier, weil mein Blondinchen mich mit nach Österreich schleppen musste und ich nun die grausamsten Stunden meines Lebens im Hause Fettner verbringen muss. Und weil mein Blondinchen unbedingt hier her zum trainieren musste, bin ich nun auch hier und wenn ihr Schnick Schnack Schnuller meint, ich stelle mich hier Stunden lang in die Pampa und zähle eure Hüpfer die euch Rum und Halleluja bringen, dann seit ihr einmal zu oft auf dem Kopf anstatt auf den Beinen gelandet. Und nun entschuldige mich.“


Ich stieß ihn leicht zur Seite. „Julian ? Deinen Bruder finde ich wo ?“ „Du willst zu Manuel ?“ „Klar oder denkst du diese Show lasse ich mir nehmen ?“ Ein diabolisches Grinsen trat auf meine Lippen und ich wusste das Julian ahnte was ich plante. „Nun, du weißt aber schon, dass da noch einige andere sein werden ?“ Ich nickte, zwinkerte ihm zu. „Sicher weiß ich das, gerade das reizt mich ja.“ Und ein breites Grinsen legte sich auf Julians Lippen. Oh Gott den Kerl konnte man doch nur lieben, er wusste genau was ich dachte und zu allem Überfluss fand er meine Ideen auch noch gut. Was ein Goldstück. Vielleicht sollte ich mir überlegen ihn zu adoptieren und mit nach Norwegen zu nehmen.
Julian zeigte in eine Richtung. „Gleich dort wie dunklen Holzhütten stehen. Er müsste am wachsen sein.“ Ich nickte, warf ihm eine Kusshand zu und noch während ich die ersten Schritte zurück gelegt hatte, flötete mir die heißere Stimme von Kike ans Ohr ... „Okay Jule, und nu sagst du mir sofort wer genau diese heiße Braut ist.“


Ich vergrub meine Hände tief in den Tasche meiner Stretch Hose und schob die Steine auf dem Kiesweg zur Seite. Warum es mich auch immer in die Nähe dieses Idioten zog, ich wollte ihn einfach hier sehen, beim arbeiten, mit den Kollegen. Ich wusste nicht mal, ob es wie Julian vermutete, die Sucht danach war ihn Bloß zustellen die mich jetzt zu ihm trieb, oder die einfache Neugier zu sehen was er tat, wie er in seinem Umfeld war.
Ich erreichte den Hang und sah eine Traube an Kerlen um eine Hütte herum stehen und noch ehe ich richtig in Sichtweite kam, nahm mir Blondinchen meine glanzvolle Showeinlage.

„Hallo Püppchen.“ Ich schloss gequält die Augen und schaute provokant in eine andere Richtung, doch meine Füße schlossen die Lücken immer schneller und ehe ich mich vergucken konnte, spürte ich seine Lippen an meiner Wange. „Waaah, Axu ich bring dich um, lass das sein. Die Schreckschauben denken noch alle ich würde mich freiwillig auf jemanden wie dich einlassen.“


Ich schob ihn von mir und drängte mich dann endlich an ihm vorbei. „Na na, süße Aussichten am Bergisel.“ „Halt die Klappe Nico du Depp.“ Ich schaute mich um und erhaschte den Blick auf Mr. Armani, der an dem Tisch lehnte, eine Kippe im Mund, mich stumm beobachtend und ich realisierte dass ich ihn ebenso fixierte. Also entweder waren meine Augen scharf aufs Tanzen oder ich hatte nen Dachschaden.
Ich wendete den Blick ab, schaute zu Axu, der seine Skier mit einem Wasserschlauch abspritzte und dem erst beim aufblicken mein fragender Blick auffiel. „Das machen wir immer.“ Ich hob die Schultern an und so, als wäre es das normalste der Welt, schnellte ich nach vorne, entriss ihm den Schlauch und zielte direkt auf Armani, der mit einem dumpfen Schrei auswich. Aber leider hatte „Mr.Ich bin heilig“, nicht mit meiner Schnelligkeit gerechnet. Während die anderen lachend auswichen, konnte mir Armani nicht entkommen.
Erst als mir jemand den Schlauch aus den Händen riss und ihn Armani zuwarf, war es wohl um mich geschehen.


Ich schrie auf, doch Kike wollte mich nicht loslassen. „Komm schon Fetti, mach sie nass. Lass uns das Baby bestaunen.“ Ich schloss die Augen „Ich bring dich um du Arschkind. Lass mich los.“ Doch es passierte nichts und zu meinem Erstaunen, schloss Armani die Wasserleitung. „Wenn du duschen willst Alter, dann geh. Aber ich hab genug für heute.“ Er funkelte mich bitterböse an und da wo heute morgen noch eine Schlaffalte brangte, rannen nun Wassertropfen entlang. Stechende Augen fixierten mich, eine braune leuchtende Iris lud meine zum tanzen ein und ich schluckte dumpf das bisschen Speichel hinunter, das meinem Mund geblieben war.


Den Schlauch rollte er zusammen und hing ihn wieder über den Pfahl. Seine Haare waren nass, das Shirt durchdrängt und das sein Atem schnell ging konnte man unschwer erkennen. Leicht gereizt nahm er seine Skier vom Tisch wirbelte herum und enfernte sich dem lauten Lachen seiner Mannschaft. Und wenn mich nicht alles täuschte, dann hatte ich das gerade geschafft, von dem mir Julian abgeraten hatte, Armanis Stolz zu kränken.

Grob löste ich mich aus Kikes Griff und stifelte dem deutlich schnelleren Gernegroß hinterher.

Kari was war dich gerade im Begriff zu reiten ?
Ich war doch nicht allen ernstes auf dem Weg mich bei ihm zu entschuldigen ?
Und zum zweiten Mal innerhalb 24 Stunden wünschte ich mir, der Boden würde sich auftun und mich nach unten ziehen ..

Stattdessen folgte ich Armanis Schritten ...

Welch Elend begann mich zu reiten ???

... fuck you ...



Ich blieb einige Meter entfernt von ihm stehen, beobachtete wie er seine Skier gegen eine andere Hütte lehnte und an einem Ende das Shirt auszuwringen begann. Doch genau in diesem Moment hatte er mich ausfindig gemacht. Die fünf Meter zwischen uns hinderten ihn scheinbar nicht daran, mich abschätzend zu mustern und ich beobachtete wie seine Iris wieder einmal über mein Gesicht glitt, ehe mich ein verächtliches Schnauben aus seinem Mund aus dem tanzenden Takt brachte.
Galt das Geräusch gerade mir ?


„Was starrst du mich an. Zufrieden ?“ Ich blies mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Nun wenn du es genau wissen willst, dann ja, aber wenn ich es mir anders überlege dann würde ich aufgrund deines unfreundlichen Tones schon wieder die Reue bereuen.“
„Tu was du nicht lassen kannst.“ Ich schloss schnellen Schrittes die wenigen Meter zwischen uns und schaute ihm trotzig ins Gesicht.


„Und da stellst du mir die Frage warum ich dir gegenüber so bin wie ich bin.“ „Na wie bist du denn ? Du bist ein elendiger Mistkäfer, das bist du.“ Er spie die Worte förmlich aus und ich musste mich beherrschen das ich Armani für diesen Zorn der in seiner Iris wuchs nicht sofort eine saftige Ohrfeige verpasste. „Dann überlege doch mal warum ich so bin.“ „Nun, vielleicht weil du dir so wunderbar toll vorkommst, und mich vielleicht nicht sonderlich leiden kannst. Was weiß ich, aber mir ist das ehrlich gesagt egal, von mir aus. Ich lege keinenWert drauf von jemandem wie dir beachtet zu werden.“ Schnaubend krachte er die Skier auf den Tisch. „Dein Leben muss schon verdammt scheiße sein, wenn du dich wegen so Kleinigkeiten jedesmal so aufbläst und es darauf anlegst, mich vor der Mannschaft bloß zu stellen. Hast du sonst nichts zu tun ? Keine Hobbys, keinen Beruf ? Wobei wieso wundert mich das .. wer kann dich schon lange ertragen ? Vielleicht sollte ich Axu bewundern für seine Engelsgeduld.“


Ich öffnete den Mund und wollte etwas sagen, doch ich schloss ihn wieder. Mir wollte nichts einfallen was ich darauf erwidern konnte und das sollte was heißen. Ich fühlte mich von diesem sich in der Mauser befindenden Kakadu, bis aufs äußerste beleidigt und fand nicht die Worte zu kontern.

„Alleine die Vorstellung dich in meiner Familie zu haben wäre grausam. Gott sei Dank bleibt mir das erspart Wahrscheinlich würde ich dich aus dem Hause ekeln, wenn ich dich 24 Stunden ertragen müsste. Hast du keine Familie in Norwegen ? Oder in Deutschland oder wollten die dich nicht mehr und du bist deswegen in Norwegen ? Na ich kanns ihnen nicht ...“


Es war still gewesen, zu still, als das man den lauten Knall hätte überhören können, den meine Hand mit der Berührung seiner Wange erzeugte.  
Sein Kopf drehte sich langsam wieder in meine Richtung. Das zornige Funkeln in seiner Iris war zusammen geschrumpft und wahrscheinlich irgendwo in diesem endlosen Braun ertrunken. Stattdessen waren es nun meine Augen die ihn hasserfüllt fixierten und ich wusste in diesem Moment ganz genau, dass er nun endlich zu fressen schien, was ich wirklich von ihm hielt .. ich konnte diesen Kerl einfach nicht leiden. Ich fand ihn schlichtweg ekelhaft.


Und dort auf der Wange, wo heute morgen Schlaffalten prangten und vorhin Wasserperlen rannten, befand sich nun eine rötliche Verfärbung.
Außer dem aufgeregten Schreien einer Krähe, die irgendwo über uns in einer Tanne Krach machte, war es still. Armanis Nylon Hose gab ab und zu ein raschelndes Geräusch von sich, wenn der Wind ihm schwach in den Rücken blies. Aber keine Stimmen, keine Laute, nichts drang bis hier hoch zu uns heran  und ich spürte dass ich dieses Duell jetzt schon gewonnen hatte.


„Wage es nie wieder, solange ich bei dir wohne, Gast hin oder her, mich in dieser Art und Weise anzugreifen Manuel Fettner. Ich schwöre dir bei Gott, dann lernst du das erste Mal eine selbstbewusste Frau kennen und kein Schanzenhäschen, das sich von euch knallen lässt wenn euch der Schwanz danach juckt.“ Ich drückte ihm den Zeigefinger auf die Brust und spürte wie er leicht zurück wich. „Und spiele nie wieder auf meine Familie an. Das geht dich einen Scheißdreck an was ich mit meinem Leben mache. Und es geht dich genauso einen Scheißdreck an ob Axu mein Freund ist oder nicht. Wenigstens hat er Charakter, den du scheinbar nicht hast.“


Ich wich zurück und schaute ihn so gut ich konnte abschätzend an.
„Und ja, du hast Recht, ich kann niemandem ins Gesicht lügen und deswegen sage ich dir auch die Wahrheit, nämlich das du ein riesen großes Arschloch bist und ich dich auf den Tod nicht ausstehen kann. Zufrieden ? Prima, dann kann ich ja gehen und du deine Wunden lecken. Pass auf das du keine Fellknäule kotzt.“
Wirbelnd drehte ich mich herum und stürmte den Kiesweg nach unten. Wütend schlug ich gegen eine Tanne, die mir nahe genug erschien und drehte mich nochmals hasserfüllt um.
Sicher ließ es mich kalt, dass er dort stand und sich seine Wange hielt. Hoffentlich tat sie ordentlich weh. Damit er sich auf Lebzeiten an mich erinnern würde.


Unten wieder angekommen stürmte ich an Axu und Julian vorbei, ehe ich mich auf einen leeren Tribünen Platz fallen ließ und Löcher in den Auslauf starrte. Wie konnte er es wagen das leidvolle Thema meiner Familie anzusprechen. Wie konnte er bloß. Ich zog die Beine eng an den Körper und bettete die Arme mit samt Kopf darauf, Keiner außer Axu hatte das Recht dazu und schon gar nicht dieser Schwanz gesteuerte Wichser, dieser .. mir fehlten die Worte.

„Kari ?“ Ich blickte nach oben, hinein in Axus Gesicht und stellte fest, das er gerade dabei war sich neben mich zu setzen. „Du warst aber nicht nett.“ „Was heißt du warst nicht nett ?“ Hilflos hob er die Schultern. „Naja, wir haben dich eben schreien gehört, also das was du zu Fetti gesagt hast.“ „Na und ? Der Wichser greift mich an. Wer bin ich seine Hure die tut was er will ?“

„KARI !“ „ Na was denn ? Soll ich mich beleidigen lassen ? Angreifen lassen von diesem Flachwichser der keine Ahnung hat vom echten Leben ? Der gar nicht weiß wie es ist wenn man von allen anderen ausgelacht wird ? Woher soll das dieses glückliche Kind der Berge auch wissen ? Reich und Skispringer und jeden Tag nen anderes Weib im Bett. Wie viele Schlampen hatte der schon im Bett, komm Axu du als sein Freund weißt das doch, willst du es mir nicht sagen, dann kan ich zurück schlagen.“


Ich wand den Kopf zur Seite. Vorbei war der Spaß, vorbei meine Stärke und unbzubändigende Gelassenheit. Er hatte meine wunde Stelle getroffen. Was für einen Werwolf das Silber war und für einen Vampir das Knoblauch, das war für mich das leidvolle Thema Familie. „Du weißt doch gar nichts über ihn. Du kannst doch nicht einfach den Stab über jemanden brechen, den du nicht kennst und dir nicht einmal die Mühe machst ihn kennen zu lernen. Kari, Fetti ist sicherlich ein schwieriger Zeitgenosse, aber das bist du auch. Versuch doch das Gespräch zu suchen, du wirst merken dass ihr einiges gemeinsam habt.“ Ich schlug Axus Hand weg, die sich auf meinen Rücken legen wollte. „Forget it, ich wollte ihm hinterher, das war mir die Mühe wert, aber ich lasse nicht zu, das mich ein Kerl, der in keinster Weise mir imponieren kann, mich dermaßen zusammen scheißt. Und das tue ich auch nicht für dich. Thema beendet.“


Und mit genau diesen Worten stand ich auf und lief die wenigen Stufen zurück zum Auslauf. Julian, der mich kommen sah, begrüßte mich mit einem breiten Grinsen, doch obwohl ich seinen Griffen ausweichen wollte, empfingen mich seine Arme und er zog mich spielerisch in eine halbe Umarmung. Seine braunen Augen waren warm, fröhlich und er strahlte über das ganze Gesicht. „Ich fand das krass ehrlich, hast es ihm richtig gegeben.“ Und da war es wieder, das Lächeln auf meinen Lippen. Ich wollte es nicht zulassen und drehte den Kopf zur Seite. „Ey, net weggucken.“ Er knuffte mich in die Seite und dann musste ich ja doch lachen.

„Na schön, sprich du Nervensäge, was willst du ?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Kommst du mit uns heute Abend in die „Merodrom“ total angesagt hier. Da könnten wir einen trinken und du lernst die anderen mal entspannter kennen.“


Über Julians Schulter hinweg sah ich Kike.
Lässig am Gitter lehnend, eine Kippe im Mund, eingehüllt von weißen Dampfwolken.
Er war anziehend, keine Frage.Alleine um ihn betrunken zu genießen, war es der Besuch dieser Bar wert. Plötzlich drehte er den Kopf in meine Richtung und schenkte mir ein Zwinkern.

Kari, nicht den Kopf verlieren. Er war ein Freund von Armani, also allen Anscheins nach genauso ein Arschloch, aber dennoch er war scharf.
„Also schön, ich tue es mir an. Ich komme mit.“ Julian klatschte in die Hände. „Klasse, mal sehen was Manuel dazu sagt.“
Grinsend drehte er sich herum.
„Armani ist auch da ?“ Mir wollte das Lächeln von Julian einfach nicht gefallen.
„Sicher, sind ja schließlich seine Freunde und Kameraden.“


Seufzend massierte ich mir die Schläfen und versuchte auf nichts anderes zu achten, als auf die Butterblumen zu meinen Füßen.
Bienchen und Butterblumen -Butterblumen und Blümchen ..

Es war doch nur Armani .. warum zur Hölle konnte seit einigen Tagen nur noch dieser Kerl in meinem Kopf existieren.
Ich spürte eine Bewegung neben mir. Braune Augen, geschwungene Lippen.
Kari .. halt dich fest, sonst fällst du vom Zaun auf den du dich eben erst gesetzt hattest.

„Heißt das, wir haben heute Abend ein Date ?“
Ich schluckte ..

Hatten wir das  ?
Kike und ich ? - Ich und Kike ?

Nächstes Fettnäpfchen Kari ..

Was kam als nächstes ??

... let's get dirty ....





Mehr als nur gelangweilt schlug ich die Beine übereinander und versuchte mich nicht von Julians Sturzbächen an Reden erdrücken zu lassen. Nicht das ich darunter noch ertrinken würde und der vielleicht noch schön werdende Abend, dann zu Ende sein würde. Ich warf einen Blick unter den Tisch, nur um sicher zu gehen, dass der Saum meines Trägerkleides durch das übereinander schlagen meiner Beine, nicht zu sehr nach oben gerutscht war und zufrieden stellte ich fest, dass es noch genauso sass, wie ich es plante. Aufreizend genug, aber betont lässig.

Meine Augen beobachteten starr Kikes Finger, die nicht aufhören wollten um den Glasrand zu tänzeln. Ihn drehten und daran hinunter glitten und mir kam die nichtsbringende Idee, das es weitaus gefährlicher wäre ihm bei diesen Bewegungen zu zusehen, wenn ich ein Kerl wäre. Gott habe es selig das ich keiner bin. Mit höchster Kraft, riss ich meinen Blick los und lies ihn so unbemerkt dies möglich war über den Tisch wandern. Scheinbar schienen alle ziemlich angetan von dem zu sein, was dieser Balthasar von sich gab. Grausam, dass ich augenblicklich bei seinem Anblick an die Heiligen 3 Könige denken musste. Bloß dumm gelaufen, das mir außer Balthasar kein anderer König einfallen wollte. Mit einem nahezu thriumphierenden Gefühl stellte ich jedoch fest, dass zumindest keiner den bescheidenen Namen Manuel oder Fettner trug, das wäre mir aufgefallen.


Weiter glitt mein Blick zu Axu, der in einem angeregten Gespräch mit Nico vertieft war. Seltsamerweise sprach er gar nicht so viel mit Armani. Vielleicht  traf ihn endlich die Erleuchtung und er sah das ein, was ich ihm schon die ganze Zeit zu verständlichen versuchte, Armani war eben doch ein Arschloch. Wo steckte der überhaupt ?
Ich umfasste mein Cocktailglas, schaute weiter den Tisch entlang und meine Iris hatte dann endlich ihr Ziel gefunden. Eine Kippe in der Hand, mit der anderen in dem Glas herum rührend. Selbst die Art wie er rauchte und wie er begann in seinem Cocktailglas herum zu stochern, tropfte nur so vor Arroganz. Ich war mir sicher, dieser Kerl konnte tun was er wollte, er war in meinen Augen einfach ein Schleimhaufen.


Ich nahm einen Schluck meines Cocktails, zwinkerte Julian dann zu und mit einem letzten Blick auf Kike, verabschiedete ich mich in Richtung Tanzfläche. Wozu zog ich sonst dieses Kleid an, wenn ich nur sass und unzählige Knitter hinein arbeitete, bloß ohne das es jemand sah. Scheiße irgendwie. Und so kam ich wenigstens ein paar Minuten von Mr.Ekelhaft weg. Welch wundervolle Erholung. Würde ich nicht an meinem Verstand zweifeln, wenn ich es tun würde, würde ich glatt den Tierschutz alarmieren. Nur, eigentlich arg peinlich.

Die Musik die zu erklingen schien, heiterte meine Stimmung auf. Zwar nicht das was ich sonst hören würde, aber jetzt passte es zu meiner Stimmung. „Dirrty“ hallte mir lautstark entgegen und ohne noch einen Blick zu Armani alias Mr. Ekelhaft zu werfen, machte ich eine Drehung und stand mitten auf der Tanzfläche. Einfach tanzen, Frust abschütteln und ich musste zugeben, das ein oder andere Gesicht das ich auffing, wirkte ungemein anziehend. Ich hatte schon lange nicht mehr den Spaß gehabt einfach einen Kerl in die Knie zu zwingen. Wurde Zeit das ich mal wieder jagen ginge.


Es machte grenzenlosen Spaß den Schweiß am Körper rinnen zu spüren, den Körper der vor dem eigenen war zu berühren. Männliche Haut zu riechen und große Hände auf den Hüften zu spüren, die wirklich auf Erkundungstour waren. Zwei wahnsinns blaue Augen kamen den meinem immer näher und ich fuhr dem Fremden, der so geschickt mein Körper in Flammen zu setzen schien, spielerisch durch die Haare.
Alles eine Frage des Timings, doch plötzlich, als die Takte der Musik zu verstummen schienen, schlug sich ein anderer Arm um meine Taille und zog mich von dem Fremden weg, Ohne das ich etwas tun konnte außer einen schrillen Schrei zu tun, fand ich mich wenige Sekunden später, allerdings vollkommen außer Atem, in den Armen von Kike wieder.


Welch zynisches Lächeln seine Lippen in Bewegung bringen konnte, hatte ich mir nicht ausmalen können, das es sogar jenem von Armani Konkurrenz machen konnte, beeindruckte mich. Und als dann die Musik von „Fighter“ erklang, erwachte ein Kampfesgeist in mir.

„Was soll das, hast du einen Knall oder was ?“ Ich wollte mich von ihm losreisen, aber seine Hände schoben sich bestimmt auf meinen Rücken, drängten mich so dichter an ihn heran und seinem Gesicht, das so makelos und sexy erschien, so nah zu sein, brachte mich beinahe dazu ihn am ganzen Körper zu berühren, einfach des Sinnes halber, wenn man schon hier steht und sich antanzt, dann auch fummeln.
„Nur nicht so hektisch und frech werden. Ich dachte ich seh mal nach dir. Ist ja eine Verschwendung dich fremd tanzen zu lassen.“ Sein Gesicht war dem meinem so nahe, dass ich beinahe die Pigmente in seiner Iris erkennen konnte, nur tanzen, das wollte meine Iris einfach nicht mit seiner. Naja, vielleicht wusste sie, dass ihr Gegenüber ein schlechter Tänzer war. Ganz anders Kike, der scheinbar verdammt genau zu wissen schien, was mein Körper wollte, mochte ... whatever.


Irgendwas legte er in meinem Kopf lahm. Irgendwoher kam der Befehl nichts mehr zu tun, nur noch Kike anzusehen und scheiße verdammt. Seine Hände wanderten doch allen Ernstes an meinem Rücken hinunter, sein Becken schmiegte sich lässig gegen meines und das schwungvolle Kreisen, ließ meines automatisch erwidern. Ey ho, alles klar, dieser Kerl zündete in meinem Körper ein Feuer und ich war der Auffassung er sollte dafür auch wieder verantwortlich sein, damit es gelöscht werden würde. Eindeutig.
Ich keuchte leise auf, als seine Hände unter den Rock glitten und sich frech auf meinen blanken Po schmiegten. Sein Blick sprach Bände und meine Knie wurden zittrig, weich, mir wurde schwummrig und alles was mit Armani zu tun hatte, war ausgelöscht. Kike war gerade in meinen Kopf eingedrungen, wie ein starkes Parfum, dass in dem Hals kratzt, deine Lidern zucken lässt und die Schläfen zum trommeln bringt. Er war bis an meine Schädeldecke gekrochen und sein Geruch markierte sich auf meiner Haut, die so ganz und gar ihm folgen wollte.


Sein Kopf neigte sich frech und dann, während er im Takt eines mir unbekannten Liedes, sein Becken taktvoll kreisen ließ, spürte ich seine Lippen an meinem Hals und ich wäre sofort willig geworden, wären da nicht immer diese festen Bisse gewesen, die das Süße eher Herb werden ließen und ich spürte immer mehr, wie sehr mein Körper nach diesem Kerl lechzte. Er war so wundervoll Kerl, einfach zu haben, schlicht zu nehmen und sich keine weiteren Gedanken machen. So Kerle liebte ich. Ich senkte meinen Kopf, versenkte meine Hand in seinen Haaren, ließ die andere unter sein Shirt gleiten, spürte seine Bauchmuskeln und hörte ihn leise keuchen.

War ich wirklich dabei mich an diesem Typen aufzuheizen ? JA, das war meine eindeutige Antwort, als ich seine Hände spürte, die meinen Hintern zu kneten begannen.


Ich öffnete die Augen, während ich Kike weiter Zugang zu meinem Hals gewährte, und da war er. Der Blick, in zwei stechend braune Augen. Undefinierbar klar, dunkel, hell, feurig, egal was es war, es war einfach anders. Meine Iris bohrte sich tief in die des anderen. Feine Züge, die von der Stirn abwärts makanter wurden, beinahe zu grob für so schöne Augen. Lippen die kein zynisches Lächeln trugen, die nur schwach geschwungen waren. In seinen Armen ein Mädchen, blond, knapp bekleidet, er wiegte sie nur leicht, aber sein Blick klebte starr an und in mir. Schien mich zu durchbohren.
Ich schloss die Augen, wollte das Brennen aus ihnen verbannen. Doch als ich sie wieder aufschlug, lächelte er schwach, küsste ihre Wangen. Schloss seine Augen, öffnete sie wieder. Das Flackern in seiner Iris war überwältigend und taumelnd fuhr ich Kike über den Reisverschluss. Sein keuchender Atem traf heiß meinen Hals. Ich schob ihn sanft von mir und berührte dann seine Lippen, übte Druck aus, ließ seine Zunge auf meinen Konturen tänzeln und schloss seufzend fester die Augen.


Hinter meinen Lidern tanzten keine Punkte, hinter meinen Lidern zuckte die braune Iris eines Kerles, der mich langsam aber sicher begann zu verwirren. Ich schüttelte innerlich den Kopf. Neigte ihn zur Seite, ließ mich langsam von Kike von der Fläche drängen und öffnete dennoch kurz die Augen. Armanis Blick, bohrend tief und seine Lippen strichen leicht geöffnet über die Wange von Mrs.Blond. Und so skurill das auch klang, es enttäuschte mich auf eine sonderbare Art und Weise. Es wuchs in mir das Gefühl, es stieg in mir hoch und ließ das flackern seiner Iris so stark hinter meinen Lidern brennen dass ich wünschte, er würde die Augen schließen.
Ich selber würde den Blick nicht abwenden können.


Kike sei Dank, der mich an der Hand packte und mit sich zog. Die Stufen hinunter, weg von der Tanzfläche und ich drehte mich versucht um, zurück in Armanis Richtung. Und was ich sah wollte mir mein Verstand nicht abkaufen.

Mrs. Blond wurde von ihm einfach weggestoßen und mit verächtlichem Blick in meine Richtung verschwand er in der Menge.
Würde er etwa ...

Doch Kike drängte mich zu den Toiletten und noch ehe ich darüber nachdenken konnte, ob es wirklich das war, was ich wollte, belehrten mich seine Lippen eines besseren und verschlossen nicht nur die meinen, sondern auch meinen Verstand. Ließen mich seufzen, in Wonne suhlen, und das brennen Armanis Iris vergessen ....


Die Tür hinter einer der Kabinen fiel zu und jetzt war auch mein diabolisches Grinsen zurück gekehrt, jenes, das einfachhalber wusste wozu Kike gut war ... zum Spaß haben ohne Gedanken darüber machen ..


Manche Kerle waren eben doch zu was nutz ....

... sexual healing ...



Hätte ich es nicht selber gewusst oder direkt wahr genommen, hätte ich es nie geglaubt, das ich das was Kike im Stande war mit mir zu tun, durchließ. Die kalte Wand drückte unlieb gegen meinen Rücken und dennoch war die Hitze die von ihm aufflammte deutlich aufdringlicher als irgendetwas sonst. Seine Küsse waren zwar fordernd, aber sicherlich nicht annähernd so bestimmend wie die  meinen. Wäre ja noch schöner, dass ich die Führung komplett abgeben würde. Allerdings war ich mir auch der Situation bewusst. Ich sass mit Kike auf einem Klo in einer Bar fest und war dabei einen Quickie mit ihm zu schieben, ohne ihn überhaupt richtig zu kennen. Doch die Lust rief mich zurück. Rüttelte so lange an meinem Verstand bis ihm schwindelig wurde und ließ dann nichts desto trotz taumelnd die Fügung geschehen.


Es war mehr ein Befehl als eine Bitte, als ich mehr nach Luft japsend auf die Kleinigkeiten bestand und das Schmunzeln das Kikes Lächeln dabei schmückte ließ mich meine Fingernägel kraftvoller über seine Rücken scharben. Unglaublich das mich dieser Kerl von Beginn an im Stande war wuschig zu machen und noch unglaublicher erscheint wohl die Tatsache das ich es wirklich geschehen ließ, das er mit mir diese Dinge anstellen durfte. Seine Zähne versenkten sich immer wieder in meinem Hals und meine Nägel kratzten über die unterschiedlichsten Hautregionen. Sie wollten ihm einfach deutlich machen, das alles was er mir gab scheinbar noch immer nicht genug zu sein schien, um meinen hungrigen Körper komplett zu stillen.

Der Moment als er mich leicht hochhob, meinen eh kurzen Rock mit einem unwiederstehlichen Grinsen nach oben schob und mich dann auf sich dirigierte, ließ Sterne, Punkte und alles weitere vor meinen Augen auflimmern und ich dankte dem Gott, den es nicht gibt, dass niemand sonst in der Kabine war. Das Stöhnen das meinen Lippen entwich, wollte dem Befehl im Keim zu ersticken einfach nicht Dienst leisten. Ich ließ mich von ihm gegen die Wand pressen und krallte mich in seine Schulterblätter, ließ ihn die Bewegungen kontrollieren und ihn bewusst meine Muskeln reizen. Dieser Kerl war die Umschreibung für die Gewissheit von 100 % purer Sexausdruckskraft. Noch nie in all der Zeit hatte es einer, den ich nicht kannte, so schnell geschafft meine

Leidenschaft und Lust zum kochen zu bringen. Ich hörte seine Worte die mein Ohr trafen und jedes dieser Worte, beschleunigte meinen Puls, ließ mich noch mehr beben. Sein heißer Atem, der Stoßweise ging, der sich seinen rythmischen Körperbewegungen anpasste.


Mein Kopf war wie leer gefegt und es existierte nur noch das Gefühl aus Kike, mir und unsere Vereinigung die mich rasend machte. Die Sehnsucht danach ausgefüllt zu sein ließ mich sicherlich diesen Schritt gehen, aber auch die Tatsache das dieser Kerl wirklich ein Typ ist, über den man nicht nachdenken muss. Er ist kompakt, durchschaubar und unwiederstehlich einfach zu bedienen. Seine laute versetzten mich in einen anderen Zustand, schalteten meinen Verstand komplett aus. Und selbst wenn Mr. Armani jetzt nackt durch die Kabine gentanzt wäre, nichts hätte mich davon abhalten können diesen Moment zu genießen. Nichts.

Kike war nicht sonderlich sanft, auch nicht hart oder grob. Er war schlicht und einfach genau so, wie ich es jetzt wollte und sein letzter Stoß war lang und seine Zähne die dabei  meine Lippen nahezu aufbissen, spiegelten genau diese unbändige Lust wieder.
Vorsichtig setzte er mich wieder ab, ließ meine Beine langsam wieder Stand finden und küsste dabei unverändert lustvoll weiter meine Lippen. Seufzend fuhren meine Hände fahrig über seine nackte Haut und die Luft die nach  Lust, und uns roch, machte mich benommener als ich sowieso schon war. Doch hier ging es um kein Liebesgeständnis, sondern um den gemeinsamen Flug, die gemeinsame Landung und dann dass legendäre Over & Out ! Und nichts anderes sollte es auch sein. Und nachdem wir lachend unsere Klamotten gerichtet hatten, abwarteten ob die Kabinen auch leer seien, traten wir dann nach draußen, versuchten alle auffälligkeiten verschwinden zu lassen und wagten den Versuch unsere Mähnen zu glätten – mit weniger Erfolg !


Dank den Alkohols wurden meine Gedanken nach dem Aufflug, sofort wieder trüb, doch als sei das nicht schlimm genug, rächte sich mein Kopf nun für die hämmernden Pulsschläge, indem er mir mit Kopfschmerzen drohte. Kike schien schon wieder viel sicherer auf den Beinen und nur nebenbei realisierte ich die interessierten Blicke von Axu, jene von Julian, aber auch das Grinsen auf den Lippen Baltas' und ich versuchte es zu erwidern. Mein Heiliger der drei Könige schien zu wissen was wir getan hatten, denn das Zwinkern, das er freundlich in meine Richtung schickte, bestätigte mir, dass ich immer noch selber entscheiden konnte was ich tun wollte und was nicht. Oberflächlich streifte mein Blick, die Züge von Mr.Armani.

Das Kinn auf die ineinander verhackten Hände gestützt schaute er mich prüfend, durchdringend und bohrend an und mir schwabten Gedankenswolken entgegen, von der Show auf der Tanzfläche und seinem profozierenden Blick. Wieder jagten meine Gedanken sich, trieben die Konkurrenten in die Flucht und bissen sich an der Wolke fest, die mir sagen wollte, diese Kröte hatte versucht mich um den Finger zu wickeln, sie hatte doch tatsächlich versucht zu beobachten, ob sie mich schwach machen könnte. Doch der aktuelle Stand der Dinge war, dass bei Armanis Blick höchstens eine Fliege tot von der Wand fallen würde, ehe ich in die Knie gehen würde. Seine braunen Augen, seine stechende Iris fixierte wieder die meine. Ich schloss die Augen, öffnete sie wieder und blickte dann einfach in eine andere Richtung. Ich wollte nicht zulassen, das meine Iris in derer von Armani einen lieblings Tanzpartner fand. Am besten wäre es wenn ich nichts von ihm an mich ran ließe.


Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen und massierte meine Schläfen. Hinter meinen Lidern tanzten Punkte, die komischerweise die Formen annahmen von Kikes Lächeln und Armanis herausforderndem Blick und ich begann immer mehr hinein in eine Welt zu schwanken die komischerweise zu viel Details von Armani beinhaltete.

Und ich schwor mir die Augen geschlossen zu halten, damit meine Iris nicht nochmal auf die Idee kam,

mit derer von Armani hinein in einen braun, bernsteinfarbenen Vlies zu tanzen

....

... dancer ...


„Wer saufen kann, der muss auch aufstehen können. Das ist eine alte Devise meine Liebe, also schlag deine wunderschönen Augen auf und heiße diesen Tag willkommen. Ist echt nur gut gemeint von mir, bevor andere hier auf der Matte stehen und dich unsanfter wecken könnten als ich das tue.“ Ein warmer Atem streifte mein Gesicht und er roch nach Kaffee und Minze und mein schlaues Köpfchen addierte zusammen, das der jenige entweder Mintraucher war und Kaffee dazu genoss, oder das er schlicht und einfach Zähne putzen war, ehe er dem Kaffee seine Aufmerksamkeit widmete. Doch mehr, wollte ich nicht kombinieren oder denken. Mein Kopf schien zu zerspringen und erst als mir bewusst wurde das es wohl Julian sein musste, der da halb auf mir Verrenkungen ausübte, blinzelte ich ihn aus einem Auge an.“


„Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Morgen Sonnenschein.“ Ich konnte mich dem schmalen Lächeln nicht entwinden, dass sich auf meine Lippen schlich. Dieser Junge, war einfach zu goldig.“Hast du noch gut geschlafen nach letzter Nacht ?“ WUMMS
Und sofort waren all die Dinge wieder in meinem Kopf, an die ich eigentlich nicht denken wollte, mein Gesicht begann sich automatisch zu verziehen und ich hörte Julian lachen. „Ach komm schon, das passiert jedem mal, wenn er über den Durst trinkt. Macht doch nix, hat Manuel auch schon geschafft und andere auch.“ „Ich habe mich blamiert. Gibs zu. Ich bin die neue Witzfigur von Birgitz“ Julian lachte wieder auf und zog mir die Decke ein wenig zurück. „Quatsch. Ich glaub da waren andere auch zu voll, als das sie sich daran noch heute erinnern könnten.“

Aus verschlafenen Augen schaute ich Julian an. „Was habe ich angestellt ?“ Er zuckte die Schultern und fuhr mit dem Zeigfinger Konturen auf meinem Laken. „Ich weiß ja nicht ab wann du ein Blackout hattest meine Liebe.“ Ich schloss die Augen. „Um ehrlich zu sein, in dem Moment als ich mich wieder an den Tisch setzte.“ Und zack, wie bestellt und nicht abgeholt, erschienen zwei dunkle Augen hinter meinen Lidern, die bliteznd und fixierend mich zu durchbohren schienen.

„Alles klar, dann kannst du also auch nicht mehr wissen, dass du Kike am Tisch halb nieder geknutscht hast, das du zu Axu gesagt hast er solle nach Norwegen zu seinem schwulen Freund gehen und ne Nummer schieben. Naja und Manuel der war bei dir Mr.Flachwichser, aber das du dich an ihm festgekrallt hattest und ihm erzählt hattest, das dass Leben so fürchterlich ungerecht zu dir ist. Soll ich die Details lieber lassen ?“ Ich schaute Julian aus geschockten Augen an. Ich ? Armani ? Ihm mein Leid geklagt ? LIEBER GOTT WENN ES DICH GIBT – LASS MICH STERBEN !


„Nein, spreche dich nur aus.“ „Naja und du hast dich bei Manuel eingehakt und munter ihm von ... naja ... von deinem Abend erzählt und ..“ Ich war aufgesprungen, viel zu schnell. Mein Kopf rauschte, als würde ein Sandsturm hindurch wehen und meine Lippen waren unangenehm trocken und spröde. Alles in mir drinnen schrie vor Pein während ich noch immer in die dunklen Augen von Julian starrte. „Nein, das hab ich nicht.“ „Doch das hast du. Und du hast ihn gefragt ob er auch schon mal sowas gemacht hätte und naja, das Kike so gut sei und er sicherlich nie so gut wäre und Manuels Miene war wirklich zum schießen. Du glaubst nicht was wir alle unseren Spaß hatten. Sorry, aber du warst so furchtbar lustig Kari.“


Ich ließ mich zurück in die Kissen fallen und schlug die Hände vor das Gesicht. „Mein Ende ist nah, oh Julian siehst du es, das helle Licht, welches ungehalten immer näher kommt. Immer enger meine Seele zu fassen bekommt.“ „Oh Kari, rede nicht solch eine Scheiße.“ Ich musste die Lippen auf einander pressen, und dennoch musste ich prusten. „Oh Kari, rede nicht solch eine Scheiße ? Julian du bist so scheiße man.“

Er lachte, ließ sich neben mich fallen. „Tut mir ja Leid, dich mit der Wahrheit konfrontieren zu müssen, aber ich dachte ich sags dir, bevor es Axu tut, der war ganz schön sauer gestern Abend noch und Manuel sah auch nicht grad so aus, als würde er dich jetzt mit Haut und Haaren fressen wollen.“ „Mhm, das will ich ihn aber auch nicht.“ „Weiß ich doch, aber wer weiß, manchmal spricht man schneller als das Herz schlägt.“ Er zwinkerte mich an und ich hob die Hand, um ihm durch die Haare zu streicheln. „Das mein Süßer, lerne erst einmal zu verstehen. Glaub mir, der erste Eindruck ist oft der beste und ich weiß was ich will.“ Er zuckte abwehrend mit den Schultern. „Glaub ich dir gerne, aber du solltest mit Vorurteilen warten. Erst Urteilen, wenn man jemanden wirklich kennt. Und bis du meinen Bruder kennst, da brauchst du wirklich noch einiges an Zeit. Wenn er nicht mein Bruder wäre, dann würde ich ihn heute noch nicht verstehen, nur damit du weißt wie schwierig mein Großer sein kann.“


Ich schloss schwach lächelnd die Augen. „Du bist lieb.“ „Nein, ich hab dich lieb und deswegen bin ich lieb.“ „Och Jule, du, weißt du was ?“ Ich schaute ihn wieder an und er kuschelte sich enger an mich. „Nee, was ?“ „Ich könnt dich manchmal auffressen. Warum seit ihr nicht alle so liebenswert und zum auffressen.“ Er grinste und stupste seine Nase gegen meine. „Manuel ist auch liebenswert. Glaub mir das.“ Ich schnaufte nur auf. „Ich weiß nicht.“ Er zwinkerte. „Wir reden uns wieder. Warte nur, eines Tages kommst du und sagst, verdammt Jule, Manuel ist ne Wucht im Bett.“


Ich lachte laut auf, doch genau in dem Moment wurde die Tür aufgerissen und Julian und ich fuhren gleichermaßen herum. Armani und Axu lehnten beide im Türrahmen und bei der Betrachtung ihrer Mienen, war ich wirklich verdammt glücklich, das mich Julian geweckt hatten. Sollte das ein Überfall werden oder hatten sie einen Anschlag auf mich geplant ?

Ich nahm die Hand von Julian wahr, die leicht über meinen Arm strich, ehe er sich aufsetzte und seinen Bruder mit einem fragenden Blick begutachtete.“Jule, würdest du wohl bitte in dein Zimmer gehen und aufräumen ?“ „Du bist zum kotzen Manu. Ehrlich.“ Ich setzte mich auf fuhr mir durch die Haare. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nur ein Shirt an hatte und eine Pyjama Hose. Erschrocken schaute ich mir das Shirt an. Es war für meine Verhältnisse viel zu groß und der Versuch heraus zufinden, wer mich gestern ins Zimmer geschafft hatte, der scheiterte kläglich. Mein Kopf wollte einfach noch nicht so arbeiten, wie ich es mir gewünscht hätte.

„Du bist echt der mieseste Gastgeber, den Kari jemals gesehen haben muss, Platzen einfach in das Zimmer eine Frau rein. Hoffentlich werde ich mal nicht so wie du.“ „JULIAN FETTNER ! Verpiss dich sofort aus diesem Zimmer oder ich schwöre dir du lernst mich kennen.“ „Dann sag ichs Mama, dass du mich ärgerst und dann wirft sie dich hoffentlich bald raus. Kannst doch auch alleine leben, aber weil du ein Versager bist, kannst du net mal alleine ein Haushalt führen. Faul wie du bist, lebst du lieber im Hotelmama. Die haben dir damals bestimmt 'Oh wie dumm' eingeimpft.“ Armani hob die Hand, doch Julian sprintete los und während ich zu schmunzeln begonnen hatte, schaute mich Axu mit einem Blick an, der Enttäuschung widerspiegelte. Doch das war nichts gegen den kalten Blick von Mr. Oh wie dumm. Ich sollte Julian danken für diesen genialen Wortstreich. Die perfekte Beschreibung für ein Arschloch wie Manuel Fettner zweifellos eines war.


Braune Augen funkelten nicht, sie stachen. Sie bohrten nicht, sie spießten mich auf und noch ehe ich mein Wort an Axu wenden konnte, hatte Armani ihn an den Schultern hinaus geschoben und das Zimmer hinter seinem Rücken verschlossen. Ich schaute ihn böse an, doch unbeeindruckt von meinen Blicken, ließ er sich plump auf meine Bettkante fallen und kam mir so ruckartig näher, das ich schielen musste, um sein Gesicht länger fixieren zu können.

„Wenn du das noch einmal machst, dann schwöre ich dir, setze ich dich an die Luft, ob das Axu passt oder nicht. Das ist mir Scheiß egal. Was glaubst du eigentlich wer du bist Madame ? Erst machst du mich runter, dann fickst du mit Kike auf dem Barklo. Aber so, dass man euch bis in die Innenräume gehört hat. Dann kommst du stockbetrunken im Verlauf des Abends an und beschimpfst mich, meine Freunde, züngelst munter weiter mit Kike und nach alldem hängst du an mir und müllst mich voll mit deinem beschissenen Leben. Wie scheiße muss dein Leben sein, das du dich im Wind drehst wie ein Fähnchen ?“


Ich schaute ihm in die Augen. Meine Iris war  munter, doch seine Augen sprangen nicht an, er unterbrach den Blick, lehnte sich zurück und ich wunderte mich über meinen fehlenden Mumm einfach auszuholen und ihm zum zweiten Mal rücksichtlos eine zu knallen. Aber irgendetwas in mir drinnen sagte, Armani hatte Recht und es war beinahe eine Niederlage, dass ich resignierend die Augen schloss. Aber mir war schwindelig, mein Kopf hämmert und ich war müde. Und noch zu alledem konnte ich mich an nichts erinnern und wollte einfach, dass dieser Schleimhaufen sein Maul hielt.  


„Du warst verdammt peinlich gestern Abend.“
Ich antwortete nicht. Was auch. Das es mir peinlich war, das wusste ich auch selber. „Und lass dich nicht auf Kike ein, das muss nicht zum Gespräch in ganz Innsbruck und Umgebung werden. Der hat genug Bräute. Da musst du nicht seine Sammlung vervollständigen.“ Ich schaute zum Fenster, fühlte mich plötzlich schlecht und konnte ihm nicht mal etwas entgegnen.

„In der Küche steht dein Frühstück. Zwei Brötchen und Konfitüre. Ich wusste nicht was du magst, deswegen überlasse ich dir das streichen selber. Kaffee ist noch in der blauen Kanne, schwarzer Tee in der Roten und Erdnussbutter oder Nutella sind bei uns leider nicht Vorrätig. Das Shirt kannst du an meinen Türgriff hängen. Ist das Zimmer mit dem schwarzen Poster dran. Ich wollte nicht in deinen Klamotten wühlen. Die Hose kannst du noch anlassen. Die brauch ich nicht zur Zeit. Sie ist eh schon uralt. Die Aspirin sind im Hängeschrank über der Mikrowelle und wenn du Duschen willst hast du alle Zeit der Welt. Es waren alle schon duschen.“


Ich hob den Kopf, schaute ihn an. In Armanis braune Augen, seine makanten Gesichtszüge. Das Braun seiner Augen, schien zu glühen und da war wieder die Erinnerung an einen bernsteinfarbenen Vlies. War das die Art an Armani, von der Julian sprach ? Jene die liebenswert war ? Warum hatte er das getan, nachdem ich ihn nicht nur einmal bloß gestellt hatte, ihn mit den Füßen getreten hatte ...

Ich schloss die Augen, schluckte. „Danke.“ Mein Augenaufschlag, traf seine Augen, die über mein Gesicht huschten, die meine Lippen fixierten, meine Augen, meine Haare, die wirr herunter hingen. Dann ein Nicken, ein Schwung auf seinen Lippen, der wieder verschwand. So als hätte er sich getäuscht, so als wollte er die Lippen nicht vibrieren lassen. „Bitte.“ Und ich verzog die Lippen zu einem anerkennenden Lächeln. Ich wollte es wissen, wollte wissen ob ich mich getäuscht hatte, doch seine Lippen vibrierten nochmals, hoben sich leicht und zogen die Konturen eines Lächelns auf der tiefroten Farbe entlang.

Er unterbrach blinzelnd unseren Tanz über eine bernsteinfarbene Oberfläche, stand auf drehte sich dann um. Doch bevor er die Türe wieder hinter sich geschlossen hatte, drehte er sich nochmals herum. „Lass es dir schmecken.“ Ich nickte, ich quälte ein müdes Lächeln über meine Lippen. „Danke, ich ... werde es versuchen.“ Ein Nicken, dann verschloss eine Tür den Blick auf zwei braune Augen, auf Armanis Rücken.


Ich spürte den aufkommenden Schwindel, ließ mich zurück fallen und schloss die Augen, wollte das brennen meiner Augen verbannen, die den Blick seiner Iris nicht los lassen wollten. Doch das brennen nahm nicht ab und so stand ich dann doch auf, mühsam, taumelnd. Der Spiegel, der an der Schranktüre hing, bis zu dem Fußboden reichte, zeigte mich in schlapper Klamotten. Die Hosenbeine verdeckten meine Füße und die Ärmel des Shirts reichten bis in meine Armbeugen. Dennoch war es angenehm an meinem Körper und ich spürte schmunzelnd, dass er das Unterhemd nicht gewagt hatte auszuziehen. Ich trug es noch immer, samt BH unter dem Shirt. Der Stern der darauf prangte, der Schriftzug 'Punk Rock never dies' .. alles schien sein Leben widerzuspiegeln.


Ich tapste ins Badezimmer und streckte meinem Spiegelbild die Zunge heraus. Zwei braune Augen verfolgte mich, spielten ununterbrochen Fangen und Verstecken und Armani wurde ein Schriftzug in meinem Gedanken, der zusammen fiel wie Dominosteine und sich danach aus Schnörkeln und Verzierungen wieder aufbaute  ......

... crush ...


Zu meinerVerwunderung verlief das Frühstück ungewohnt ruhig. Keine anzüglichen Kommentare. Ich versuchte den Blick so gut ich konnte auf der Oberfläche meiner Cornflakes zu belassen. Nur hin und wieder, unbemerkt, schielte ich zu Julian und von ihm zu Armani, ehe ich wieder die Cornflakes beobachtete, die in der Milch unter tauchten, um vollgesogen wieder die Oberfläche zu berühren. Meine Kopfschmerzen brachten mein Blickfeld zum verzerren, ließen meine Pupillen brennen und immer wieder schloss ich die Augen, um ihnen Erholung zu gönnen.


Axu war sonderbar still neben mir. Immer wenn ich versuchte ihn azuschauen, hatte ich das Gefühl das er meinem Blick gekonnt auswich und am Rande meines Verstandes, tauchte die Frage auf, ob seine Gleichgültigkeit berechtig war. Mit einem leisen Seufzen, tauchte ich den Löffel in die Schüssel, beobachtete erneut die braunen Flocken, die in der weißen Flüssigkeit versanken und ich wünschte mir auch ich könnte so versinken, einfach um diesen fragenden Blicken zu entgehen. Alles war so einfach durchdacht und nun, überrannte mich das Gefühl, dass ich Kike wieder sehen würde und eine hämmernde Frage quälte meinen Kopf. Wie sollte ich mich nur verhalten ?

Als ich den Blick hob, um den Löffel zu meinem Mund zu führen, begegnete ich Armanis Blick. Zusammengekniffene Lippen, stechende braune Augen und ich wich nicht aus. Erwiderte den Blick, schob den Löffel in meinen Mund und leckte über meinen Lippen. Die schmalen Lippen, verzogen sich schwach, ließen ein mildes Lächeln geschehen und ich war erstaunt. Was hatte ich getan ? Ich ließ die Lider leicht sinken, blickte wieder auf und verzog auch die meinen Lippen zu dem Hauch einer freundlichen Geste.

Ich spürte das Lachen, das in meinem Bauch zu beben begann. Es verhöhnte mich regelrecht und ich gab Julian unter dem Tisch einen leichten Tritt, schaute ihm dann tief in die Augen und ich wusste er hatte verstanden, dass ich ihn nach dem Essen sprechen wollte.


Ich störte mich nicht einmal daran, dass ich alleine mit Armani die  Spülmaschine einzuräumen hatte. Auf engstem Raume, nebeinander. Und ich ... blieb stumm. Ich sagte nichts, vermied seinen Blick, auch jegliches Wort, das ihn hätte kränken können. Ich erkannte mich nicht wieder und immer wieder musste ich die Augen schließen, um den mich hetzenden Schwindel im Griff zu behalten. Nie wieder so viel Alkohol, nicht an einem Abend und nicht in dieser Gesellschaft.

Ich trocknete meine Hände ab und verschwand dann schwungvoll aus der Küche, sah Julian mich zu sich winken auf der Terasse stehen und schloss dann hinter mir die Tür.
Seufzend, lehnte ich mich an ihn und genoss die Nähe eines Menschen, den ich auf anhieb mochte, der mich wirklich verstand, obwohl er mich gar nicht wirklich gut genug kannte. „Du wolltest mich sehen ?“ „Ja, das auch ...“ „Und was noch ?“ „Armani ...“ „Mein Bruder ?“ „Ja.“ „Was ist mit ihm ?“ „Schwer zu sagen .....“  Julian drehte sich um, stand nun direkt vor mir und schaute mich an. „Erstaunt darüber, dass er sich gestern Abend noch richtige Sorgen um dich gemacht hat ?“ Ich zuckte die Schultern. Eigentlich wusste ich  gar nichts mehr, aber das konnte ich Julian wohl schlecht sagen.


„Keine Ahnung ... er ist einfach komisch drauf grad.“ Julian lächelte mich thriumphierend an. „Er ist net komisch drauf Kari, Manu ist grad einfach er selbst. Die liebevolle Seite an ihm, von der du meintest sie würde nicht existieren. Meinst du denn er hätte dich sonst gestern Abend, so fürsorglich aufs Zimmer gebracht ? Da hätt er sich auch weigern können.“ Ich zuckte wieder mit den Schultern. „Kann ja sein. Ich weiß es nicht mehr. Ich hab einfach nur noch Kopfschmerzen. Aber sag ... was hat Axu gestern Abend gemacht ? Sag es mir, er ist unglaublich abwesend zu mir. So kenne ich ihn gar nicht mir gegenüber.“

Julian schaute über meine Schulter, dann wieder in mein Gesicht. „Er war wahnsinnig enttäuscht gestern Abend. Ich denke er ist das immer noch. Und das musst du für dich selber aus der Welt räumen. Du kennst ihn besser als ich und er wird dir sicherlich zuhören.“ „Mhm ..“ „Nun grummel nicht so. Ich bleib dabei, das kann jedem passieren.“ Ich seufzte leise, als mich Julian sanft an sich zog. „Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dich Manu mag. Er ist einfach so wie er ist. So wie er dir vielleicht unbegreiflich kompliziert erscheint, so erscheinst du ihm vielleicht auch.“

Ich musste leise lachen und drückte Julian vorsichtig weg von mir. „Oh du großer Meister, dann lass uns hoffen das du Recht behälst.“



Ich versuchte immer wieder mit Axu zu reden, doch er entwich mir jedes Mal wenn ich in seiner Nähe war und ich rang mich nur mühsam dazu ab, mit zu dem stattfindenden Training zu kommen. Nicht nur, weil ich müde und geschlaucht war oder weil ich langsam keine Lust mehr dazu hatte Axu hinterher zu laufen, sondern sicherlich am allermeisten wegen Kike. Doch da würde ich wohl durch müssen, ob ich das wollte oder nicht. Wie sagte Julian wenig später noch ? Du hast dir diese Grube gegraben und um wieder hinaus zu klettern, musst du genauso clever sein, wie um hinein zu kommen. Seufzend erkannte ich allerdings immer wieder das mir das gar nicht so leicht fiel.


Mit Nico fuhr ich an die Anlage und war heilfroh, dass Axu und Armani schnell aus meinem Blickfeld verschwunden waren und ich mich nicht mit Gedanken über den Einen und Mordgedanken an den anderen beschäftigen musste. Ich sprang wieder über den kleinen Zaun und ließ mich in das Gras fallen. Weniger Motiviert wie das letzteMal und ich biss mir immer wieder auf die Unterlippe. Wie töricht war ich nur gewesen. Und dann auch noch in einem Klo, in einer Bar. Kein Wunder das Armani und Axu die Stirn in Falten rollen ließen. Ich würde es sicherlich nicht anders tun, wenn ich es bei einem von den beiden erhascht hätte.  

Ich ließ mich zurück in das Gras fallen. Atmete tief ein und versuchte die Erinnerungen an Kike zu verdrängen. Diese Erinnerungen hatten in meinen Gedanken nichts zu suchen und ich wollte sie  einfach nicht zulassen. Stattdessen bohrten sich wieder zwei stechend braune Augen in mein Unterbewusstsein, ein paar geschwungener Lippen, zaghaft zuckende Mundwinkel und ich legte die Stirn krauss, bis ich einen Schatten über mir wahr nahm und vorsichtig schlug ich die Augen auf.


Mit einem Ruck setzte ich mich auf und stieß mir zu dem Schrecken auch noch den Kopf an einem vorwitzigen Kinn, das leider in meine Schusslinie geraten war.

„Au, man hast du einen Dickschädel.“ Ich schaute wieder auf und fixierte Armani so gut ich konnte, ohne mir die Verunsicherung anmerken zu lassen. „Ich .. entschuldigung ich hab ja schließlich hinten keine Augen.“ Doch Armani schien der leicht schnippische Ton nicht daran zu hindern, meine Nerven weiter zu strapazieren.


„Holzkopf, man merkt es.“ Augenrollend schüttelte ich den Kopf. „Du tauchst immer auf um mir auf die Nerven zu gehen, nicht wahr ?“ Armani setzte ein freches Lächeln auf die Lippen.
„Du hast keine Ahnung, aber auch wirklich nicht die geringste.“ Und süfisant lächelnd stieß er sich von dem Zaun, über den er gelehnt hatte, ab und verließ die Anlage wieder Richtung Lift. Noch immer gab mir dieser Kerl Rätsel auf und auch wenn es eine stumme Versöhnung zwischen uns am Vormittag gegeben hatte. Alle Rätsel waren noch lange nicht aus der Welt geräumt und bei Armani wusste ich einfach, dass eine mögliche Basis, immer wieder aus ihrem Rhythmus geraten würde. Reine Intuition ...


Ich schaute den Jungs beim Springen zu, versuchte Kike ausfindig zu machen, doch ich hatte mich weit genug abseits gesetzt, als das es mir selbst mit einem geschulten Auge schwer gefallen wäre ihn ausfindig zu machen. Gut so. Nicht dass ich mich jetzt doch davor drücken wollte, ich sehnte mich schlicht und ergreifend noch nach etwas Zeit, um mir die Worte bewusst auf die Zunge zu legen.

Der Rosa Helm der aufblitze, legte mir ein Lächeln auf die Lippen, welches ich mir jedoch sofort wieder wegbiss. Ich schloss einen kurzen Moment die Augen, schlug sie aber rasch wieder auf, als ich mir der braunen Augen bewusst wurde, die allgegenwärtig wieder in meinen Gedankn kreisten. Armani war nun also an der Reihe und ich schaute gebannt nach oben. Er unterschied sich in seiner Weise wirklich ganz stark von der Mannschaft. Mal ganz davon abgesehen, das wohl jeder Skispringer, Weltweit, ein wenig was an der Klatsche hatte, so hatte Armani sicherlich einen größeren Schaden als viele andere.


Er hatte jedes Mal einen wahnsinnig hohen Luftstand, anders wie Axu, der auf die reine Geschwindigkeit aus war. Nach nur wenigen Sprüngen war mir bei Armani längst aufgefallen, dass er erst hoch war, höher als viele andere und ihm erst weit unten, im letzten Flugdrittel, die nötige Geschwindigkeit verhalf weit zu springen.

Seufzend schaute ich ihm zu und war nicht wirklich überrascht, dass seine Sprünge um so vieles besser geworden waren als zu gestern. Vielleicht war er ein Typ Springer, der immer länger brauchte. Doch mir blieb der Atem kurzzeitig weg, als es ihn im Auslauf zusammen drückte und er unliebsam über die Matten schlitterte. Ich hatte zwar von Axu gelernt, dass diese Stürze nicht die schlimmsten waren, aber sie waren heimtükisch genug und der Anstellwinkel Armanis rechter Fuß gefiel mir gar nicht.


Ich beobachtete Julian, der recht schnell bei Armani war, um ihm beim aufstehen zu helfen und ich merkte sofort dass  er Schmerzen hatte. Klar, im rechten Fuß.
Als er die Brille vom Kopf zog, traf mich sein Blick, anders, tiefer und schmerzverzerrt und ich raffte mich auf, ging zu ihm und Julian herüber und bot ihm meinen anderen Arm als Stütze an.

Seine Hand war warm, sein Körper schwer und sein Atem  ging noch immer schwer ... doch warum zum Teufel lauschte ich auf seinen Atem ?

Er setzte sich auf das Ende des Zaunes und ich erkannte das er wirklich Schmerzen zu haben schien. Julian nahm Armanis Skier und brachte sie zurück in den Servicebereich. Unbeholfen blieb ich neben Armani stehen und wusste nicht wo ich hin sehen sollte, doch sein Blick durchbohrte mich. „Sprunggelenk ..“ Und ich konnte seine Aussage nur nickend untermalen, während ich wieder wegsah.


Was zum Teufel war mit mir los ??

... operation, but not Ivy ...

Die Kaffeetasse ließ sich leicht inmeiner Hand drehen. Immer im Kreis und das Geräusch, das bei dem Kratzen über die Tischplatte entstand, begann sich in gleichmäßigen Zeitabständen zu wiederholen. Der Löffel gab ein leises Klirren von sich, immer dann, wenn er gegen die Tassenwand schlug. Meine Lider waren schwer und ich blinzelte, als meine Augen vor Anstrengung zu tränen begannen. Kopfschüttelnd hob ich den Blick, schaute zu Julian, der mir gegenüber sass. Auch er schaute mürrisch in die Tasse und nur das Atmen von Nico, der links von mir sass, durchbrach das Geräusch meiner Kaffeetasse.


Seufzend lehnte sich Julian dann zurück. „Ich habe ein schlechtes Gefühl.“ Fragend schaute ihn Nico an und ich folgte seinem Blick. „Naja, es sah schon so aus, als wäre das worüber er geklagt hatte ernster.“ „Heißt ?“ Ich schaute ihn durchdringend an, doch er zuckte nur die Schultern. „Bruch im Sprunggelenk. Das könnte ich mir eventuell vorstellen.“ Ich nickte nur und schaute wieder in die Tasse. Aus irgendeinem undefnierbaren Grund tat mir Armani leid und das hatte begonnen, von dem Moment an, von dem er in Krankenhaus gefahren wurde, bis jetzt, wo wir hier zuhause hingen und auf ein Signal warteten, eine Antwort. Etwas sagte mir, dass Julian Recht hatte, bloß zugestehen wollte ich es ihm nicht, dann würde er womöglich noch denken, das ich mir unnötige Gedanken über Armani machen würde.


„Ach Fuck man ..“ Nico fuhr sich genervt durch die Haare. „Nun mach dir mal keinen Stress Alter. Manu schafft das schon. Egal was es ist.“ Ich schaute zwischen Julian und Nico hin und her und kam mir plötzlich unglaublich fehl am Platz vor. „Eben nicht. Du weißt doch ganz genau, was dein großer Bruder für Motivationsprobleme hat. Stell dir mal eine Verletzung vor, die ihn zurück wirft. Ich mag gar ned dran denken.“ Julian nickte und ich schob die Tasse zur Tischmitte.

„Wartet es ab. Mehr als spekulieren könnt ihr jetzt eh nicht. Weder über die mögliche Verletzung, noch über seinen Elan um sich aus dem Tief zu arbeiten. Meist kommt es eh immer komplett anders, als man denkt. Wisst ihr doch.“
Nico gab ein zustimmendes Brummen von sich. Trotzdem wusste ich, er blieb von seiner Meinung überzeugt. Ich umgriff die Tasse und wollte gerade aufstehen, als Axu im Türrahmen erschien. Er war mit Armani zum Krankenhaus gefahren und nun, blickten ihn drei fragende Augenpaare an. „Sprunggelenk ist gebrochen.“ Nico schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „VERDAMMTER FUCK !“

Behutsam legte ich eine Hand auf seine Schulter. „Pssst, nun mal den Teufel nicht an die Wand. Wird er operiert ?“ Axu begann zu nicken. „Morgen früh. Dann darf er spätestens in drei Tagen wieder nach Hause.“ Julian seufzte auf. „Chaos hier dürfte vorprammiert sein.“ Nico nickte und drehte sich nach hinten zu mir herum. „Wir sind alle im Training. Einer muss ihm aber wenigstens Sachen bringen.“
Meine Brauen schnellten in die Höhe. „Moment mal ..“ Doch Julian fing schon verräterisch an zu grinsen. „Ja, da ihr euch ja jetzt zu vertragen scheint, ist das Risiko sicherlich nicht mehr so groß euch aleine zu lassen.“ „STOPP“ Doch Nico hatte sich schon zu mir herum gedreht. „Nun hab dich nicht so. Holst ihm halt einfach paar Sachen aus dem Schrank und bringst sie ihm.“ Ich schloss für einen Moment die Augen und ließ Julians Worte sacken. „Ich kann doch nicht einfach an seinen Schrank gehen und drinnen rum wühlen. Ich weiß doch gar nicht was er braucht und will und wo ich das finde. Das kann ich nicht.“ Doch Julian stand auf und küsste mich flüchtig auf die Wange. „Tut mir ja Leid, aber mein Trainer mag das nicht gerne, wenn ich unpünktlich bin.“ Ich konnte ihn nicht mehr zurück halten, schon war er aus der Tür verschwunden. „Julian. Du elendiges Kind du.“ Nico stand langsam und ungelenkig auf. „Du bist eine Frau, du wirst schon das richtige finden.“


Und keine 5 Minuten später stand ich alleine in der Küche. Zurück gelassen mit der Tatsache, dass ich jetzt Kindermädchen für Armani spielen durfte und nebenbei wusste ich doch nichtmal wo genau er lag und wie ich hinkam und ... knurrend stellte ich meine Tassse in den Abguss und ging dann langsam die Treppe hinauf. Seine Tür grinste mich nahezu an und ich wollte mir eigentlich nicht vorstellen, was er sagen würde, wenn er wüsste das ich in seinen Sachen wühlte. Seufzend drückte ich dir Türklinke nach unten nd behielt krampfhaft die Augen geschlossen. Warum, wusste ich selber nicht.
Das Zimmer, in dem ich nun stand, war recht groß, geräumig und für das es jenes von Armani war, gar nicht so überheblich wie ich anfangs dachte. Ganz im Gegenteil.

Es war ordentlich, für einen Mann wahrscheinlich schon wieder zu ordentlich und die ebenholzfarbene Einrichtung, verschaffte dem Flair des Raumes, einen ruhigen Touch der mich ergeben seufzen ließ. Sollte aber nicht heißen, das Armani deswegen nun Pluspunkte bei mir sammeln würde. Mit schnellen Schritten erreichte ich seinen Schrank und schlug ihn auf. Ein Schrei entwich meinen Lippen, als mir etwas nicht ganz zu definierendes entgegen fiel, aber hören würde mich ja eh keiner. War eh zu spät. Die Reisetasche war wohl der Wink mit dem Zaunpfahl. Aber so ordentlich das Zimmer auch war, der Schrank war eine Rumpelkammer und ich staunte nicht schlecht, als die ganzen Pullover, quer durcheinander geworfen, auf dem Schrankboden sich zu türmen begannen.


Und mit einem quälenden Seufzen griff ich einfach kreuz und quer nach zwei Pullovern und all dem anderen Kram, von dem ich ausging, Armani könnte ihn gebrauchen. Mit fast geschlossen Augen, warf ich dann noch zwei Shorts in die Tasche und stürmte beinahe nach einer halben Stunde aus dem Zimmer. Ich griff mir den Schlüssel vom Board, von dem ich wusste das es jener von Armani war und verließ dann das Haus, schmiss die Tasche in sein Auto und klemmte mich hinter sein Steuer. Auch hier war alles viel zu sauber, zu ordentlich. Für einen Punker. Vorsichtshalber vermied ich es den CD Player anzuwerfen. Stattdessen fuhr ich so schnell ich konnte zur Klinik, fluchte auf dem Parkplatz über jene Sonntagsfahrer, die es wagten mir die besten Parkplätze weg zu nehmen, und beschimpfte zum guten Schluss noch die verfickte Parkuhr, weil sie doch allen Ernstes das Rückgeld in Höhe von 8 Euro nicht mehr ausspuckte. Und das alles nur wegen einem Trottel, namens Armani.


Die aufgetackelte Tusse am Schalter verwies mich auf Etage 3 und nachdem dann auch noch der Aufzug außer Betrieb war und es mir untersagt war mit dem Patiententransportlift zu fahren, stürmte ich wütend die Treppen nach oben. Mit der Tasche. Und für jeden Schritt den ich tat, bekam ich ungemeine Lust Armani eines auf die Fresse zu geben.

Auf der Station war es eng, stickig und steril. Jene Mischung, die ich auf den Tot nicht leiden konnte und das Schwesternzimmer war wie immer verlassen. Und keine grünen Lampen leuchteten auf. Okay, dann eben Arschgeleckt. Wütend warf ich die Tasche auf einen der Stühle im Gang und vergrub die Hände in den Hosentaschen. Entweder ich würde jetzt einfach und spontan ein Zimmer nach dem anderen abklappern oder wirklich hier hocken und warten, bis sich eine Tusse zu mir scheren würde. Seufzend wollte ich mich gerade hinsetzen, als ich aufgehalten wurde.


„Oh Hallo, Sie wollen bestimmt zu Manuel Fettner. Na dann kommen Sie mal mit, ich zeig Ihnen sein Zimmer.“ Ich legte die Stirn kraus und hob dann jedoch die Tasche wieder vom Stuhl, um der jungen Schwester hinterher zulaufen. Wie sie auf die Idee kam, dass es mich zu Armani verschlug, wusste der Geier. Sie klopfte an einer blauen Tür, ehe sie eintrat. Irgendetwas von Besuch erzählte sie und ich vernahm ein vertrautes Brummen. Sie lächelte als sie sich wieder an mir vorbeischob und ich warf ihr in Gedanken tausende von Flüchen an den Kopf, für ihre Unterstützung beim Tasche nach drinnen befördern.


Schnaubend schritt ich über die Schwelle und fotgrafierte das Zimmer mit meinen Augen ab, bis zu dem Fenster unter dem das Bett stand. Armani schaute mich unglaubwürdig an, schrack dann auf und griff viel zu ungestüm nach dem weißen, ebenso sterilen Laken. Ich schluckte einmal, zweimal. Und schloss schnell die Augen, um sie dann wieder normalisiert zu öffnen. Das grüne OP Hemd stand ihm ausgesprochen gut und seine hektischen Bewegungen, um es sich wieder über die rechte Schulter zu ziehen, von der es vor wenigen Sekunden gerutscht war, nahm mich gefangen. Mit kräftigen Bewegungen schlug er das Laken zu beiden Seiten unter seinen Po und setzte sich dann drauf, um ja sicher zu gehen, dass nichts mehr verrutschen würde, doch ein Zischen, dass durch seine Zähne glitt, hinderte ihn an weiteren Bewegungen.  


Zögernd kam ich näher und stellte die Tasche auf den Stuhl, nahe seines Bettes. Mit einem freundlichen Nicken, begrüßte ich den älteren Herren, der in dem Bett neben ihm lag und dann, zog ich den Trennvorhang soweit ich konnte vor, damit niemand einen Blick auf Armani und mich erhaschen konnte. Braune Augen schauten mich an. Huschten über mein Gesicht, wichen zu der Tasche und dann wieder zurück zu mir. Er blinzelte und ließ sich dann seufzend zurück in das Laken fallen. „Eine bessere Schocktherapie fiel meinen Brüdern nicht ein oder was ?“ Ich biss mir auf die Unterlippe, als ich schon das erste fiese Wort über die Zunge rollen spürte. Das er verbittert sein würde, das war klar. Ich sollte jetzt nicht alles auf mich münzen. Ich ried mich zur Ruhe und zog den Stuhl heran, der noch frei war um mich darauf nieder zu lassen.


„Jule meinte das er und Nico keine Zeit hätten. Training und den Kram.“ Nervös legte ich meine Hand auf das Laken und begann mit dem Weiß der Decke zu spielen. Langsam, drehte Armani seinen Kopf in meine Richtung. „Training ? Heute Nachmittag doch nicht. Da hast du dir ja einen ganz tollen Bären von Jule aufbinden lassen und das glaubst du dem auch noch.“ Schnaubend schaute Armani wieder zur Decke und ich bemerkte erst nach dem Schulterzucken, das er es eigentlich gar nicht sehen konnte. „Ich habe dir ein paar Sachen in die Tasche gepackt. Axu meinte du würdest morgen operiert werden ?“ Er nickte. Schaute mich nur kurz an, dann wieder zur Zimmerdecke.


„Und übermorgen darfst du wieder heim ?“ „Wenn die OP gut verläuft, dann ja.“ „Wird sie.“ Ich biss mir auf die Lippen. Sein Kopf schnellte zur Seite und seine Augen glitten über mein Gesicht. Eindringlich begann er mich zu mustern. Schaute mich an und ich ließ meine Mundwinkel zucken. „Was macht dich da so sicher ?“ Ich öffnete die Lippen, schloss sie wieder und zuckte lieber mit den Schultern. „Ich weiß es einfach.“ Armani nickte schwach, ließ seine Mundwinkel kurz spielen und schaute an die Wand, dann zurück in mein Gesicht und schenkte mir ein kleines, aber ehrliches Lächeln, das ich bereit war ohne Abstriche zu erwidern.


„Soll ich einräumen ?“ Er schüttelte den Kopf. „Was ich brauche nehme ich mir aus der Tasche.“ Dennoch zog ich sie zu mir heran und ließ den Reisverschluss klingen. Geistesgegenwärtig hatte ich das noch hinzugepackt, was mir bei meinen drei Krankenhausaufenthalten, am kostbarsten war. Ohne ihn zu sehen, wusste ich das mich Armani beobachtete und ich zog thriumphierend den silbernen MP3 Player aus der Tasche. Den Kopfhörer kabelte ich ihm dran und in die Schublade legte ich ihm noch die Zusatzbatterien.“Ich glaube, dass wichtigste überhaupt, wenn man keinen Krankenhauskoller bekommen möchte.“ Seine Hände wirkten blass, als er ihn mir abnahm. „Danke, das ist ... nett.“ Ich nickte und strich mir die lästigen Haarsträhnen die mein Gesicht kitzelten wieder zurück.


„Ich werde dann auch wieder gehen.“ Er schaute mich fragend an. „Bist du etwa zu Fuß hier ?“ Ich schüttelte den Kopf, biss mir auf die Unterlippe. „Nein, ich hab mir spontan dein Wagen geliehen.“ Armani fuhr auf. „DU HAST WAS ?“ Ich wich ein paar Zentimeter zurück und schaute ihn an, musterte sein Gesicht, die dunklen Augen und den Halskragensaum des grünen OP Hemdes, der ihm nun wieder über die linke Schulter rutschte und nackte, bloße, braune und muskulöse Haut preis gab. Er folgte meinen Blick und mit einem Schmollmund zog er den Stoff wieder nach oben. „Du, du kannst es ja morgen wieder ausziehen und um deinen Wagen brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich passe auf ihn auf.“


Langsam stand ich von dem Stuhl auf und schob ihn wieder zu seinem Platz. Armani schien jede Bewegung zu beoabachten. „Soll ich den Vorhang vorgezogen lassen ?“ Er nickte nur schwach und ich blinzelte nervös. „Morgen um 9 Uhr ...“ Ich schaute auf, von dem Laken zu seinen Augen. Was wollte er jetzt hören ? Etwa das, was ich dachte er würde es hören wollen ? „Ich werd an dich denken.“ Seine Hand griff nach dem Galgen und er zog sich lächelnd nach oben und dieses Mal, ließ er den Stoff rutschen, noch weiter nach unten. „Grüß mir die Knallköpfe und danke das du da warst und vor allem hab Dank für den Player.“ Ich nickte und schaute ihm ins Gesicht. „Kein Ding .“


Ich klopfte ihm zum Abschied auf den Arm, und verließ dann winkend das Zimmer, eilte durch den sterilen Gang und die Treppen nach unten. Über den vollen Parkplatz, durch hubende Autos hindurch und zurück zu Armanis Auto. Ich ließ meine Finger um den Gummizug des Steuers spielen und schloss seufzend die Augen. Ich zündete den Wagen und warf den Parkschein aus dem Fenster und raste eilig vom Gelände. Bloß, um den Gedanken an Armani in OP Hemd los zu bekommen und die Vorstellung von einer weißen Netzhose, erst gar nicht zu zulassen.

... Call my Name ...



„Ist jemand zuhause ?“ Der Autoschlüssel wurde von mir auf das Schränkchen geworfen, das neben der Eingangstür stand. „Jungs ? Einer da ?“ Keine Antwort. Seufzend betrat ich die Küche, ich war bloß noch nicht richtig durch den Türrahmen verschwunden, als mich zwei Hände an der Taille packten und ich erschrocken herum wirbelte.
Zwei ähnlich braune Augen, wie jene von Armani schauten mich an und ich hatte das Bedürfnis Nico für diesen Schrecken den er mir eingejagt hatte, das Fell über den Kopf zu ziehen.

„Sorry, ich wollt dich ned erschrecken. Du warst dafür das es 'nur' Armani war, aber relativ lange weg.“ Ich streckte ihm die Zunge raus. „Dann kannst du dich ja das nächste Mal davon überzeugen, wie das ist. Stau und keine Parkplätze. Vielleicht weißt du dann was ich meine und warum es eventuell länger gedauert hat. Und apropos, was tust du hier ? Ich dachte du hättest Training ?“
Ich öffnete den Kühlschrank, griff mir einen Joghurtbecher und ließ mich auf die Küchenplatte fallen.

„Ja, war ja auch so gedacht, bloß waren die Bedingungen ned das wahre. Absage. Dafür morgen eine Stunde früher hin und zwei Stunden später wieder Schluss. Echt zum kotzen.“
Nico verfolgte die Bewegungen meines Löffels viel zu auffällig, als das mir entgangen wäre, wie sehr er nach einem Löffel lechzte. Mit leicht rollenden Augen, hielt ich ihm einen vollen Löffel entgegen und grinste dennoch leicht, über sein zufrieden drein blickendes Gesicht.
„Und wie schaut mein Bruderherz aus ?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Eben so wie man aussieht, wenn man sich kranker anstellt als man eigentlich ist.“ Grinsend bettelte Nico nach de nächsten Löffel.

„So war er schon immer unser Zwergengnom.“ Ich grinste ihn an. „Wann habt ihr ihm denn diesen Namen gegeben ?“ Nico zuckte die Schultern. „Hat es dir Axu nie erzählt ?“ Ich schaute ihn fragend an. „Was ?“ Nico zog einen Stuhl heran, ließ sich vor mir nieder und schaute mich an. „Manu, also dein Armani, war immer unser Küken. Er hatte Zwergenwuchs.“ Mein Löffel rutschte in den Becher. Stumm schaute ich ihn an und wusste in diesem Moment, nicht was ich denken oder sagen sollte. Das war ein wichtiges Detail. Ein Detail um zu entschlüsseln, warum Armani so ist, wie er eben ist. „Immer gehabt ?“ Nico nickte. „Wie habt ihr es gemerkt. Ich meine, wann ?“

Nico schaute mich an, legte seine Unterarme auf meine Knie.
„Ich weiß nimmer so genau, lass mich ned lügen. Ich glaub er war 6 oder 7. Weißt du, man denkt sich ja anfangs nix dabei. Aber es war eben auffällig. Du glaubst gar nicht was es für ihn ein Drama war bezüglich des Springens. Irgendwann haben unsere Eltern sich mit ihm für ne Therapie entschieden. Naja, er is ja doch noch ein Prachtkerl geworden. Aber sein Selbstbewusstsein ist eben nicht das, was man sich für nen Skispringer erwartet. Er musste ja auch immer kämpfen.“

Ich schüttelte den Kopf. „Das wusste ich nicht. Axu hat nie etwas erzählt. Tut mir Leid.“ Nico legte die Stirn kraus. „Was tut dir Leid ?“ „Das ich dich indirekt dazu gezwungen habe, mit mir darüber zu reden.“ Nico griff nach meinen Händen und grinste nur. „Unsinn.Wenn ich dir damit helfen konnte meinen Bruder besser zu verstehen, glaub mir, dann hat es sich allemal gelohnt.“
Er stand auf und schob den Stuhl zurück. „Ich bin oben, muss noch was für die Uni machen. Du kannst jederzeit rein kommen, wenn was ist, okay ?“ Ich nickte nur und schaute in den Becher.

Armani ..
Das war also sein großes Problem. Ich drehte den Löffel. Mehrmals um seine eigene Achse.
Zwergenwuchs. Dabei wirkte er jetzt so, ja, beinahe stolz. Ich schloss kurzzeitig die Augen. Der Appetit auf den Joghurt war mir vergangen. Langsam ließ ich mich von der Küchenplatte gleiten und beförderte den Becher in den Mülleimer. Warum nur hatte mir das Axu alles nie erzählt ? Es war ein so wichtiges Puzzleteilchen, um diesen kompliziert wirkenden Kerl zu verstehen und mein vermeintlich bester Freund, ließ mich im Dunkeln tappen.

Ein Läuten schreckte mich auf.
Seufzend verließ ich die Küche und griff das Telefon von seiner Station.
„Kari, be Fettner, hallo ?“
„Ja, hier auch Fettner.“
Ich konnte das Grinsen am anderen Ende der Leitung hören. Ja, ich konnte es hören.
„Möchtest du Nico oder Jule sprechen ?“
„Nein, ich wollte mich einfach melden. Mir war so schrecklich langweilig.“

Ich musste schmunzeln. „Dir ist trotz musikalischer Unterhaltung langweilig ?“
„Ja, das ist eben ned das selbe.“
Ich verließ den Flur, nahm das Telefon die Treppe mit nach oben, und ließ mich in meinemZimmer auf das Bett fallen.
„Was machst du grade ?“
Ich musste schmunzeln. „Ich liege auf meinem Bett.“
„Hast du nix zu tun ?“ Ich konnte mir sein Gesicht bei dieser Frage zu gut vorstellen und musste mir ein lautes Auflachen unterdrücken.
„Nein. Ich hatte mich mit Nico unterhalten.“
Armani schwieg. Ich konnte es hinter seiner Stirn förmlich rattern hören.
„Du hast doch gesagt er sei im Training ?“

Das leise Lachen musste ich mir verkneifen.
„Es war geplant, aber dann wohl doch zu windig.“
Armani seufzte. „Kommt einer von euch morgen früh vorbei ?“ Ich zuckte mit den Schultern, doch gleichzeitig fiel mir ein, dass er das ja gar nicht sehen konnte. „Ich weiß nicht.“ Wieder ein Seufzen. „Würde mich eigentlich freuen.“ „Mhm.“ „Und dann könntet ihr mich auch wieder mit nach Hause nehmen.“ „Mhm.“

„Kari ?“
Ich horchte auf.
„Ja ?“
Es war verdammt ruhig gewordn am anderen Ende der Leitung.
„Ja ?“
„Kommst du morgen ? Ich mein, holst du mich mit meinem Auto ab ?“
Ich schluckte kurz, atmete einmal ruhig ein.
„Wann soll ich da sein ?“
„Am besten gleich um Neun.“

Leicht musste ich grinsen.
„Bist du da nicht im OP Saal ?“
„Schon.“
Wieder musste ich grinsen.
„Hör zu, ich schau was sich machen lässt, okay ?“
Ich hörte Armani grinsen, konnte mir das Bild vorstellen, das seine Iris mir bieten würde, seine Mundwinkel. Wieder schluckte ich schwach.
„Okay, dann .. warte ich ...“
„Okay.“
„Okay.“
„Ja, gut.“

Ich hörte ein prusten und dann brach Armani in lautes Gelächter aus.
„Ich leg jetzt auf. Ich, ähm, ruf heute Abend nochmal an.“
„Schlaf ein bisschen.“
„Mach ich.“
„Bis dahin ...“
„Ciao und .. ähm .. danke nochmal .. Kari.“
„Kein Ding .... Manu .. ciao.“
„Ciao.“

Ein lautes Tuten erfüllte meine Ohrmuschel. Mein Herz raste schnell. Viel zu schnell.
So, als hätte ich einen Waldlauf hinter mir.
Das Telefon ließ ich auf den Nachtkasten gleiten und warf mich seufzend zurück ins Laken.
Mein Kopf hämmerte.

Manu ...
Armani ...
Fetti ....

Leicht musste ich grinsen ...
Ja doch ..
Auch Manu war ein schöner Name ..
Armani desto trotz ...

... say hello again ...



Fluchend schlug ich auf das Lenkrad. So eine verfickte Scheisse.
Manchen gehörte einfach kein Führerschein. Dreimal das Parkgelände umrundet und dann tauchte vor meiner Nase endlich eine Lücke auf.
Und was tat dieser durchs Gebiss sabbernde Opa in seinem verrosteten BMW ?
Fuhr Rückwärts in meine Lücke.
Gott möge ihm bei dem nächsten Gewitter einen Blitz direkt in seinem Faltenarsch jagen.

Mürrisch und entschlossen parkte ich dann auf einem, mit einem Rollstuhl gekennzeichneten Parkplatz. Mir doch egal. Armani würde bei den Gehversuchen sicherlich aussehen wie behindert. Und mit ein bisschen Glück, würde auch gar keiner kontrollieren. Ich leiherte die Scheibe herunter und verfluchte die anderen Autofahrer weiter, als es keiner von diesen Flachhirnen für nötig hielt, mich endlich aussteigen zu lassen. Musste man denn heutzutage immer so fürchterlich präzise werden ?

Wütend schlug ich die Autotür hinter mir zu, war aber kurz davor dieser jungfräulichen Rotznase, den goldenen Mittelfinger zu zeigen. Für ihre unverschämtheit sich mir, wohl gemerkt mir, in den Weg zu stellen, nur damit sie ihren überaus fetten Arsch nur wenige Schritte bis zur Parkuhr bewegen musste. Das Land war ja noch fauler als Deutschland. Nur die Norweger waren einen Tick fetter. Schade, in der Wertung hatten die Ösis geloost.

Ich bevorzugte es auf dem Weg zu Armanis Stadion lieber unter mich zu sehen, als jeden Weisskittel überaus freundlich  zu grüßen. Ich war allergisch gegen diese Heuchler und noch dazu war ich der festen Überzeugung, dass ich manchmal echt mehr Ahnung hatte, als diese Improvesierer. Getreu nach dem Motto. Haben wir kein küntliches Hüftgelenkt mehr für die Hüfte, bekommen sie eben nen künstliches Schultergelenk. So waren sie doch. Trotzdem musste ich innerlich über meine Gedanken lachen. Na ich hatte ja wieder einmal eine geniale Laune.

Armanis Zimmertür stand offen.
Ich hörte ihn reden, mit dieser rothaarigen Hexe von gestern. Seufzend lehnte ich mich gegen die Wand, vergrub meine Hände in den Hosentaschen und schaute hinein, in den weissen, sterilen Raum. Hoffentlich war er nicht einer dieser Konsorten, die wegen einem winzigen Schnitt nun dachten, sie müssten sterben und man müsste als Begleitung den Finger auf der Notrufschelle belassen. Wieder zauberte sich ein Schmunzeln auf meine Lippen. Was zum Teufel war bloß los ?
Ich hatte eine nicht definierbare gute Laune, die ich nicht zuordnen konnte und die mir beinahe schon Angst machte.

Armani drehte sich augenrollend zur Tür und ich erkannte an seinem Gesichtsausdruck, dass er mich genau in diesem Moment erfasst hatte. Leicht grinsend hob ich die Hand. Mit seinem flehenden Blick brachte er mich zu einem leisen Lachen und lässig, stieß ich mich von der gelben Wand ab, schloss die Meter zu ihm auf und reichte ihm die Hand, die er zaghaft ergriff.

„Na, überstanden ?“
Er zuckte mit den Schultern und nickte unauffällig zu dieser Hexe, die immer noch einen Bogen am ausfüllen war. Fragend schaute ich ihn an, zog eine Braue nach oben.
Kurz blickte er in ihre Richtung, vergewisserte sich dass sie beschäftig war und beugte sich zu mir heran.
„Die alte Schachtel stellt nen Transportschein aus. Ich soll ned privat fahren.TU WAS.“

Grinsend suchte ich seine Augen. Blitzte ihn an und wich dann aus, als das Braun mich erneut zu durchbrechen schien.
„Entschuldigen Sie.“
Sofort schnellte ihre Kopf nach oben. Mein Gott, wenn ich an Armanis Stelle hier heute Nacht in OP-Hemd gelegen hätte, während ihren Dienstzeiten, ich hätte befürchtet, sie würde sich nackt auf mich werfen. Total widerlich dieses Etwas, das sich weiblich nannte.

„Ja bitte ?“
„Ich bin hier um Herrn Fettner abzuholen. Ist er denn fertig, oder braucht er noch sonstige Unterlagen ?“
Sie rümpfte affektiert die Nase. Schrieb weiter  
„Nun, das Problem ist, dass Herr Fettner nach dieser ambulanten OP mit einem ambulanten Dienst nach Hause gebracht werden sollte. Dieses Potenzial sehe ich in Ihnen nicht.“
Sie musterte mich selbstsicher.
Ich legte mich ins Zeug, um möglichst gekonnt ihr affektiertes Nase rümpfen zu immitieren.
„Nun, Herr Fettner sieht in mir ganze andere Potenzialien und seit wann brauchen Männer die Bestätigung das Frauen Krankenschwesterfähigkeiten besitzen ? Wussten Sie noch nicht, dass jeder Mann in jeder Frau den weissen Kittel sieht ?“

Schnell warf ich mir seine Tasche über die Schulter und verstaute sein Handy und den MP3 Player in meinen eh schon zu voll gestopften Hosentaschen.
Ihr Blick wich von Überlegenheit zu Entsetzen, während mich Armanis Blick beinahe in schallendes Gelächter ausbrechen ließ. Ungefragt schob ich Armani zur Tür, eben so gut es ging. Wünschte der Schwester noch einen schönen Tag und schoss aus der Tür.

Auf dem Gang begann ich erst los zu prusten. Ich sollte öfter so kreativ sein.
Armani schaute mich fragend an, doch ich schüttelte nur den Kopf und schob ihn bestimmend weiter.
„Boah diese Hexe.“
Wieder musste ich leise lachen und sprang vor ihm die Treppen nach draußen hinunter.
„Sei froh, dass ich dich gerettet hab.“
Ich zwinkerte ihm zu und wartete bis er die Treppen verlassen hatte.
Er tat sich gar nicht so schwer wie ich dachte. Nur müde sah er aus. Blass.

Er hatte eine klassische Out of Bed Frisur und sein Mund verzog sich zu keinen siegessicheren Grimassen, sondern zu angestrengten Ausdrücken, um den Gang mit den Krücken zu meistern.
„Ich schloss das Auto auf und warf seine Tasche auf die Rückbank, ehe ich ihm die Tür aufhielt. Seine braunen Augen schauten mich fragend an, doch ich zwang mich nur zu einem leichten Grinsen. Es gab in eben diesen Minuten keinen Grund unhöflich und ungerecht zu ihm zu sein.

Vorsichtig schob sich ein Lächeln auf seine Lippen und ich wich dem bohrenden Blick seiner Augen dieses eine Mal nicht aus. Mit einem kräftigen Blick erwiderte ich das Funkeln seiner Iris und hielt die Gehhilfen solange fest bis er sicher sass. Das kurz sich vor Schmerz verziehende Gesicht versuchte ich zu ignorieren. Er sollte nicht wissen, dass ich ihn so genau beobachtete.
Nachdem er seine Tür geschlossen hatte, ließ ich mich auch auf meinen Platz fallen und atmete einmal tief ein. Irgendetwas strengte mich an, wann immer ich in seiner Nähe war.
Wahrscheinlich das Gefühl mit ihm auf einem Pulverfass zu sitzen.

Genervt startete ich den Motor und fuhr wenige Zentimeter nach hinten. Nun ging das ja schon wieder los. Ich hasste Österreichische Autofahrer. Als ich mich nach hinten umdrehte, traf mich kurz sein Blick und leicht hektisch schenkte ich ihm ein Lächeln. Musste er mich denn so anstarren? Genervt blies ich mir eine Strähne aus der Stirn und fuhr dann endlich aus meiner Parklücke heraus. Nur, um kurze Sekundenbruchteile später, mit voller Energie in die Bremse zu steigen. Armani hielt sich hektisch fest und mir riss der Geduldsfaden.

Dieser sabbernde Opa schon wieder. Fuhr dieser Knacker doch einfach vor mir aus der Lücke um zu drehen. Hubend fuhr ich an ihm vorbei, was ihn mir doch tatsächlich drohen ließ. Was meinte dieser Sack wer er ist ?
Durch das herunter geleiherte Fenster hielt ich ihm nur meinen Mittelfinger entgegen.
„Geh Ficken man !“
Mit einem forschen Griff startete ich das Radio, stellte auf voll auf und drehte auf 80km/h.

„Kari ?“
Augenrollend schaute ich ihn an. „Was ?“
„Im öffentlichen Verkehr andere Autofahrer so zu beschimpfen, das trägt Konsequenzen.“
Ich seufzte auf.
„Halte mir keinen Vortrag über Gesetzmäßige Paragraphen. Das weiß ich selber. Aber dieser Schrumpelschwanz hat mich das zweite Mal an einem Tag meine kostbaren Nerven gekostet und ich hab ned die Zeit jene erst wieder zu sortieren. Soll er halt Taxi oder Fahrrad fahren. Wichser ey.“
Plötzlich legte sich ein Schmunzeln auf seine Lippen. Es kehrte also Leben in ihn zurück. Also gut, dann sollte ich wohl gedanklich die Ärmel hoch krempeln.
„Bist du genervt Kari ?“
Ich schaute zur Seite, ehe ich an einer Kreuzung rechts abbog.
„Scheint es so ?“

War ich genervt ? Allerhöchstens von der Fahrerei manch Idioten.
Ich biss mir auf die Lippen als mir der Gedanke kam, das Armani womöglich dachte ich sei von ihm genervt.
„Du wirkst so, ja.“
Ich reihte mich in der Schlange, an der Ampel ein und drehte die Lautstärke wieder etwas runter.
„Ja bin ich, aber sei beruhigt, nicht von dir. Sondern diesen Idioten auf vier Rädern.“

Armani neben mir schüttelte den Kopf und lehnte sich entspannt zurück. Hatte er etwa wirklich Angst, ich könnte von ihm genervt sein ? Er überraschte mich immer mehr. Hoffentlich waren das nicht bloß Auswirkungen der Narkose.

Ich musste unterwegs immer wieder schmunzeln, als sich Armani krampfhaft wo versuchte fest zu halten. Mein Fahrstil wurde als alles bezeichnet, zumindest als alles was weniger lobenswert klang. Und dennoch lächelte er mich an, als ich ihm die Autotür ein zweites Mal aufhielt. Nico und Julian standen neugierig wie sie waren am oberstenn Treppenabsatz und Axu kam auf uns zu.
Ich schulterte Armanis Tasche und konnte ihn gerade noch stützen, als er leicht ins straucheln kam.
„Warum denn so eilig ?“
Wieder grinste er schwach, stob sich von mir ab und ging langsam vorraus.

Der Blick von Axu, der mich traf, war irgendwie .. anders.
Ich bekam das Gefühl, dass er mir die Sache mit Kike noch immer nicht verziehen hatte und so plötzlich spürte ich wieder das Gefühl von Einsamkeit.
Axu schlang einen Arm um die schmalen Schultern von Armani und Nico wuschelte seinem älteren Bruder scherzend durch die Haare. Nun schien also alles wieder normal.
Ich konnte mich abbuckeln mit seinen Sachen und er konnte also wieder scherzen.

Ich war kurz davor ihm die Tasche an den Kopf zu werfen. Doch es gab ja noch Julian, der Armani einen Klaps auf den Po verpasste und mir dann die Tasche aus den Händen riss.
„Na Lil' Missy.“
Ich schaute ihn nur kurz an und lief an ihm vorbei. Ein sonderbarer Kloß hatte sich in meinem Hals ausgebreitet. Warum und woher dieser kam wusste ich nicht. Aber er war verdammt nochmal da und machte mir das atmen nicht wirklich leichter.

Sein Handy und den MP3 Player warf ich aufs Sofa und wollte die Treppen nach oben stürmen.
„Hey .. warte ..“
Ich schaute nach unten.
Er hing zwischen den Krücken, schaute mich an.
Seine Iris blitzte und mein Kloß weitete sich ein wenig, stattdessen begann mein Herz im Doppelschlag zu hüpfen. Was war heute bloß los mit mir ?

„Danke fürs fahren.“
Ich nickte. Und dann ..
Ich konnte es nicht aufhalten.
Ein kleines Lächeln sprang auf meine Lippen, erst klein und dann wurde es ehrlich und breit.
„Hab ich gern gemacht .... Manu.“

Sein linker Mundwinkel zuckte nach oben, ehe er wegschaute.
Ich nutzte die Gunst der Stunde und sprintete die letzten Stufen nach oben.

Und selbst hinter verschlossener Tür, sprang mein Herz im Takt, einer mir unbekannten Melodie.

... feeling like a whore ...



Kaum das die Tür hinter mir ins Schloss gefallen war, schlug sie auch schon wieder auf.
Ich hielt inne in meiner Bewegung, die mich eigentlich auf das Bett befördern sollte und schaute leicht irritiert in den Türrahmen.
„Kannst du auch klopfen ?“ Axu schaute mich an und kam einfach herein, ohne das ich ihm das je erlaubt hätte. „Wenn du es nicht merkst, du störst gerade. Ich wollte mich umziehen.“
Ein verächtliches Schnauben stob in meine Richtung und Axu lehnte sich gegen den Fensterrahmen und verschränkte die Arme vor der Brust, ohne den Blick von mir zu wenden.

„Was wird das, wenn es fertig ist ?“ Ich schaute ihn herausfordernd an.
„Vielleicht magst du mir das beantworten.“ Fragend schoss eine meiner Brauen nach oben.
„Wenn du mir sagen würdest, was du meinst, dann gerne.“ Axu schnaubte erneut auf und ballte die Hände kurz zu Fäusten. „Du benimmst dich doch echt wie das Letzte. Kommst erst hier an und ziehst eine Fresse weil ich dich mit nehme. Dann kotzt du nur Fetti an und fickst mit Kike und zum Schluss, wo du merkst das dir die Fälle davon schwimmen, schmeißt du dich wieder an meinem besten Freund ran. Ich möcht gar ned wissen was zwischen dir und Julian geht.“

Ich schaute ihn an. In einem Sekundenbruchteil stellte ich mir die ernsthafte Frage, ob ich lachen oder weinen sollte. Aber letztenlich ließ ich beides. Ich schaute ihn einfach nur an. Ihn, der mir geholfen hatte, nach der schweren Zeit in Deutschland dort oben in Norwegen Fuß zu fassen. Unabbringbar schaute ich ihn an. In seine Augen, über sein Gesicht, zu seinen Lippen. Den Lippen, die eben diese Worte mir vor die Füße geschleudert hatten. Ich schluckte, öffnete kurz den Mund, wollte etwas antworten, doch ich konnte nicht.

„Du brauchst dich gar nicht zu verdeitigen. Es gibt’s nichts was du hättest anders machen können. Du hast es so gemacht und ich glaube es wäre wirklich besser gewesen, ich hätte dich nicht mit genommen. Letztendlich hast du mir bis jetzt, seit ich hier bin nur Ärger gebracht. Hast du eine Ahnung wie genervt Fetti von dir ist ? Er meinte zu mir, er sei froh wenn wir weg sind. Du würdest ihm total auf die Nerven gehen. Weißt du was ich meine ?“

Etwas in mir drinnen zog sich unliebsam zusammen. Armani ? Armani soll das gesagt haben ?
Über mich ? Wo ich die letzten Tage doch ganz tief in mir drinnen verspürt hatte, das wir uns zu verstehen begannen. Ich schluckte wieder, spürte wie ein Kloß in mir aufstieg. Ich hatte mir so Mühen gemacht, ihn, diesen Bastard zu verstehen. Und dann rannte er zu Axu und kotzte ihm das vor die Füße. Mein Geduldsfaden riss.




„Ich glaube du kannst jetzt gehen Axu.“ „Entscheide das nicht ich, wann ich gehe ? Hier bin ich der Gast, nicht du.“  
„VERDAMMT NOCHMAL VERPISS DICH !“ Wütend schrie ich ihn an. „HAU AB !“
Axu hob kurzzeitig die Hände. „Nun hab dich nicht so, kann ja nix dafür, dass du kein Wahrheitsliebender Mensch bist. Du siehst Realitäten einfach nicht ins Gesicht.“
„Du sollst dich verdammt nochmal verpissen du verdammter Wichser.“

„Habt ihr nen Dachschaden oder was ? Wasn hier los ?“ Meine Augen schnellten von Axu zum Türrahmen. Armani stand in den Angeln. Sein Blick glitt fragend von mir zu Axu und wieder zurück. „Unwichtig.“ Axu winkte ab und schob sich an mir vorbei, was Armani nur mit einem hochziehen seiner Brauen quittierte. „Du weißt schon, dass 'unwichtig' ihr keinen Grund gibt, dich als Wichser zu betiteln. Und schon gar nicht in solch einer Lautstärke du Idiot. Also lüg mich nicht an, okay ?“ Axu schaute Armani an und ich hatte das erste Mal seit ich hier war, das Gefühl, dass mich dieser Idiot zu verdeitigen schien.

„Hör zu, das ist eine Sache zwischen mir und Kari. Misch dich da nicht ein, klar ?“ Armani schaute an Axu vorbei, in mein Gesicht, schien in mir lesen zu wollen und blickte dann wieder zurück zu seinem vermeintlich besten Freund. „Klar, du wirst von mir nichts hören. Aber pass auf, dass ich nicht ungemütlich werde. Außerdem ist dein Zimmer unten und ihres und meines nun einmal hier oben. Und glaub mir, wenn sie so aufdreht, hat das einen Grund. Ich weiß wovon ich rede.“
Ich konnte mir mit Mühen das Lächeln verkneifen. Hatte er wirklich gesagt, ich würde ihn nerven ?
Warum sollte er mich dann jetzt verdeitigen. Ich seufzte leise und schaute auf den Rücken von Axu, als er das Zimmer verließ.

Die braunen Augen von Armani fixierten mich fragend. „Alles .. okay ?“ Ich nickte nur und lehnte mich dann gegen die kahle Wand neben dem Schrank und schloss die Augen. In mir drinnen klaffte eine Wunde, wie sie schmerzlicher nicht sein konnte. Ich wusste das ich ihn verloren hatte. Das wurde mir in genau diesem Moment bewusst. Und diese Erkenntnis ließ in mir eine heiße Welle aufsteigen, die Tränen, Wut und Hass mit sich trug. „Sicher ?“
Ich nickte nur und öffnete dann die Augen. Ich musste jetzt so perfekt sein wie früher.
Ihn ansehen, lächeln und ihn so schnell wie möglich wieder los werden.
„Geht schon, wirklich.“
Armani nickte leicht. „Okay, ich ....“
„Ja ?“ Ich schaute ihn an, in seine Augen, die kurz hinter den Wimpern verschwanden, die sich senkten, als ein Blinzeln sie antrieb.

„Ich bin drüben, wenn ... also, wenn was sein sollte.“  Wieder nickt ich nur. Was hätte ich ihm auch sagen sollen. Er schenkte mir ein leichtes Lächeln und verschwand dann.
Als ich seine Zimmertür zu schlagen hörte ließ ich mich auf den Boden sinken.
Ich kam mir hilflos und verraten vor und ich hatte Angst davor, Axu auch nur noch einmal in das Gesicht zu blicken. Was sollten diese Vorwürfe ? Was hatte ich verbrochen ?
Ich seufzte und spürte wie sich eine Träne aus meinem Augenwinkel zu lösen begann.
Vollidiot. Wie konnte er mir solche Vorwürfe machen ? Warum?
Die nächste Träne, die auf meinen Wimpern sass löste sich und tropfte auf meinen Handrücken.
Ich hasste es doch alleine und im Stich gelassen zu werden.

„Kari, hast du Lust mit uns beiden bissl Tretboot fahren zu gehen ?“
Ich hob den Kopf, Nico war so schwungvoll aufgetaucht, das sein Grinsen auch nur langsam erstarb, als er mich sah. Schnell senkte ich den Kopf und wusch mir, wütend über mich selbst, mit dem Handrücken über die nassen Wangen. „Tut mir Leid, ich wollte nicht einfach hereinplatzen. Aber die Tür stand offen und ich dachte .. ach scheisse. Was los Karinchen ?“

Ich hob den Kopf und schaute ihn wieder an.
Hatte er gerade Karinchen gesagt ? Langsam setzte er sich neben mich.
„Hat dich das Trampel von nebenan wieder daran erinnert, dass er sich für Mr. Überlegen hält ?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nicht ? Nun das wundert mich jetzt.“
Plötzlich legte er einen Arm um meine Schultern und es war so lang her das ich Schwäche zugelassen hatte, das ich schon nicht mehr wusste, wie es sich anfühlte gehalten zu werden.
„Axu ...“

Nico schaute mich von der Seite an. Ich spürte es einfach.
„Was hat er gemacht ?“ „Mir Vorwürfe. Angeblich hat dein ach so toller Bruder gesagt ich würde nerven. Und Axu mach ich ja nur Ärger. Würde mit Kike ficken und seinen besten Freund ankotzen.“ Ich hatte nicht gemerkt, wie wieder eine Träne zu rollen begann und schreckte nur kurz zurück, als sie Nico wegstrich. „Das sagt er über Manu ?“
Ich nickte und schaute ihn an. Plötzlich legte sich ein Lächeln auf die Lippen meines Gegenübers.
„Oh welch Idiot. Lass ihn mich in die Finger bekommen. Ich mache ihm so lange einen Knoten in seine Eier, dass er sie lebzeiten nicht mehr spürt.“
Fragend schaute ich Nico an, der nur weiter grinsend den Kopf schüttelte.

„Weißt du was mir Manu schon am Telefon gesagt hat ?“ Ich zuckte nur die Schultern und ließ zu, dass er sich mir entgegen lehnte. „Manu hat zu mir gesagt, dass er es toll findet, dass ihr beiden euch nun endlich richtig kennen lernt. Und so ne olle Schreckschraube wie er dachte, seist du gar nicht. Du wärst richtig nett und dann wärst du auch noch hübsch. Und das Beste meine Liebste, er hat sich vorgenommen sich zu bessern. Ja, der Armani. Er will netter zu dir sein und höflich. Nun, nichts von du würdest ihn nerven.“

Ich schlang stürmisch meine Arme um den Hals von Nico und schluchzte hemmungslos auf. Was auch immer in mich gefahren war, ich brach in Tränen aus. Ich war so glücklich, dass ich nicht wieder ein falsches Bild bekommen hatte und ich war so froh, dass Nico und Julian zwei liebenswerte Menschen waren, die über meine arrogante und zickige Art lachen konnten.
„Mei, wie kann man auch so was liebes wie dich nicht bei sich haben wollen.“
Ich presste mich enger an Nico. Das waren die schönsten Worte in meinen Ohren, die ich seit über 8 Jahren zu hören bekam. Sie erfüllten mich mit so viel Glück, dass ich mich gerade noch bremsen konnte, als etwas in mir drinnen rief ich solle zu Manu stürmen und ihm um den Hals fallen. Gerade noch so ...

Manu ? .. Armani! ...
Seufzend wusch ich mir die Tränen weg und spürte die Lippen von Nico auf meiner Stirn.
Vielleicht sollte ich aufhören mit diesem Armani, einfach um zu zeigen, dass auch ich ihn besser kennen lernen wollte. Okay .. aber heute also Manu ..
Armani war also vergessen ..
Manu ... Manuel .. ich seufzte innerlich auf und spürte eine Grinsen auf meinen Lippen.
Der Name hatte wirklich eine bezaubernde Wirkung ...

... bed of roses ...


Ich hatte Nico zugesagt, ließ ihn aber bewusst voraus gehen. Ich wollte mich erst noch umziehen.
Dennoch, ich verspürte eine schon lang nicht mehr da gewesene Vorfreude, als ich die Zimmertür hinter mir zu zog.
Mit dem Fuß auf der ersten Stufe nach unten hielt ich nochmals kurz inne, als ich ein Fluchen aus dem mir gegenüberliegenden Zimmer vernahm und ein dumpfen Aufprall.
Sollte ich der Sache nun auf den Grund gehen oder sollte ich einfach weiter laufen ?
Seufzend biss ich mir auf die Unterlippe und zog nach längerer Überlegung den Fuß von der Stufe zurück, ehe ich zögernd vor der verschlossenen Zimmertür stand und zaghaft die Hand hob.

Einmal schluckte ich noch, ehe ich vorsichtig anklopfte.
„Ja ?“
Langsam drückte ich die Klinke herunter und schob meinen Kopf durch den geringen Spalt.
„Alles okay ? Ich hab dich Fluchen gehört.“
Ar ..
Ich tadelte mich innerlich ..
Manu schaute mich fragend an. „Ja, geht schon. Mir war nur etwas runter gefallen. Ich war nicht schnell genug.“ Ich grinste verhalten und blieb reglos stehen.
„Von mir aus kannst du gerne herein kommen. Ich find das nie so toll, wenn man Gespräche zwischen Türrahmen und Zimmer führt.“

Zuerst dachte ich wieder einen leichten aggressiven Unterton zu hören, doch das Grinsen auf seinen Lippen, ließ mich nachgeben und so schob ich mich letztendlich doch ins Zimmer.
„Setz dich ruhig aufs Bett. Ich komplettiere nur noch den CD Stapel und deine Panik um mich, löst sich in Luft auf.“ Sein Blick der mich bei den letzten Worten seines Satzes traf ging mir tief unter die Haut. Hatte ich wirklich Panik um ihn gehabt ?
Unsinn. Ich hatte mich einfach gesorgt. Es hätte was passiert sein können. Wusste ich es ?
Konnte ich es durch verschlossene Tür erahnen ?

Vorsichtig setzte ich mich auf das Bett. Die Matratze federte leicht unter mir und ich entspannte mich zaghaft. Manus Rücken hob sich mir entgegen und ich beobachtete wie seine Hände die letzten fünf CDs in das Regal schoben. Danach ließ er sich langsam neben mich auf das Bett fallen.
Sofort schaute ich auf den Fußboden. Irgendwie wusste ich plötzlich nicht mehr, was ich mit ihm reden sollte.
Wie kam ich überhaupt auf die Idee, mich so aufdringlich danach zu erkundigen ob alles okay sei ?
Ich spürte das er sich neben mir bewegte.
„Nun ? Du gehst weg ?“

Ich schaute auf, ihm direkt in das Gesicht.
„Was meinst du ?“  Leicht begann er zu grinsen.
„Jule meinte mir etwas entgegen zu flöten von wegen, dass ihr wohl Tretboot fahren wollt.“
Ich nickte. „Ja, die beiden haben mich gefragt. Naja, eigentlich hat mich Nico gefragt.“
„Bei dem Wetter sicherlich schön.“ Beinah wäre mir die Frage heraus gerutscht, warum er wohl nicht mit komme, aber dann fiel mir der Grund meiner Sorge wieder ein und ich schluckte die Frage so schnell ich konnte, einfach wieder nach unten.

„Kari ?“
Fragend schaute ich auf. Seine Augen glitten flink über mein Gesicht. Von einem Auge zum anderen und dann fixierte er wieder den Fuboden.
„Was war das grad zwischen dir und Axu ?“ Ich zuckte die Schultern. „Eine Ausseinandersetzung.“
„Dafür klang es aber mehr nach Krieg.“

Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.
„Du glaubst wir haben uns gestritten ?“ Manus Augen glitten zweifelnd über mein Gesicht.
„Meinst du diese Frage ernst ?“ Ich schaute auf den Fußboden. Zu seinen Füßen und dann vorsichtig wieder auf in sein Gesicht.
Die Frage war ob ich ihm jetzt in das Gesicht lügen wollte. Langsam schüttelte ich den Kopf.
„Ja, wir haben uns gestritten.“
„Wegen der Kike Sache ?“
Ich hob zweifelnd die Schultern.
Leise vernahm ich Manus Seufzen und wünschte mir auf einmal nichts sehnlicher, als das Zimmer wieder verlassen zu können.

„Ich hab ned hören wollen. Es war Zufall.“
Hatte er sich etwa grade dafür entschuldigt, dass er plötzlich in unseren Disput eingegriffen hat ?
Schnell schaute ich wieder auf.
„Ich habe auch nie etwas anderes behauptet oder gedacht.“
Ein leichtes Grinsen spielte um seine feinen Lippen und ich ließ meinen Blick über seine Mimik gleiten. Zaghaft und darauf bedacht, dass er es nicht mit bekam.
„Weißt du, es war eh nicht zu überhören.“

Mit einer schnellen Drehung seines Kopfes schaute er mich plötzlich wieder an und ich fühlte mich eiskalt ertappt. „War ich laut ?“
Sein Grinsen wurde breiter.
„Nein, ich kann dich beruhigen.“ Ich wollte gerade ausatmen. „Du warst nur hysterisch.“
Ich schlug die Augen auf. „Du, werd ned frech.“ Leise lachte er auf.
„Ich hatte wirklich Angst du würdest an die Decke gehen so warst du drauf.“
„Hättest du alles gehört.“ Ich zog die Beine nach oben und setzte mich in den Schneidersitz.
„Schieß los.“

Seine braunen Augen trafen mich warm und ich zuckte innerlich kurz zusammen, als ich mir der intensiven Wärme bewusst wurde, die mich erfüllte.
„Ich ..keine Ahnung. Ja, es ging um Kike.“ „Nur um Kike ? Ich mein, auch Axu hatte schon One Night Stands.“
Ich biss mir verlegen auf die Unterlippe. Ich wusste plötzlich nicht mehr ob ich darüber reden sollte oder nicht. „Kari, sag es mir. Was hat er dir in meinen vier Wänden an den Kopf geworfen ?“

Ich atmete tief ein.
„Er hat behauptet du seist froh, wenn ich wieder weg wäre. Ich ginge dir wohl nur auf die Nerven und du könntest mich gar nicht leiden und lauter so einen Müll.“
Es war still im Zimmer.
Der regelmäßige Atem von Manu stockte kurz und dann ließ er sich lautstark seufzend nach hinten fallen. Seine Augen waren geschlossen. Nur die kleinen Fältchen auf seiner Stirn zuckten leicht vor Nachdenklichkeit. Die Lider jedoch blieben ruhig. Ich begutachtete ihn mir. Seine Zungenspitze die seine Lippen befeuchtete und die Nasenflügel, die sich leicht blähten.

„Axu kann so ein Arschloch sein.“
„Mhm ..“
Ruckartig setzte er sich wieder auf. „Ja, echt mann. Das waren meine Worte von ganz am Anfang. Warum wirft er dir diese Worte an den Kopf.“
Meine braunen Augen schauten ihn fragend an, ehe ich das sich heranschleichende Grinsen nicht mehr verstecken konnte.
„Deine Worte von früher ?“ Er wich meinem Blick kurz aus, ehe er sich wieder auf die Matratze fallen ließ.

„Ja.“
Ich legte den Kopf schief.
„Und jetzt ?“
Sein Stirn legte sich kurz in Falten ehe er sich auf die Handflächen stützte und mich so offen wie nie zuvor ansah. „Jetzt ist das anders.“
Ich erwidere das leichte Grinsen. „Beruhigend.“ „Ja, jetzt find ich dich sogar nett.“
Ich öffnete den Mund, wollte etwas antworten, doch mein Mund wirkte plötzlich unglaublich trocken und als ich dann dachte die richtigen Worte gefunden zu haben, nickte er nur zur Tür.
„Nico und Jule warten auf dich. Ihr wolltet Tretboot fahren.“

Wie in Trance begann ich zu nicken.
„Ja, dann sollte ich wohl mal gehen.“ Er schlug die Lider kurz nieder, schaute mich kurze Zeit später von unten herauf wieder an. „Solltest du wohl.“
„Und du, was machst du ?“
Er biss sich kurz auf die Unterlippe. „Ich schmeiß den TV an. Lässt sich schon was finden. Ansonsten zock ich eine Runde Wii.“ Ich stieß ihm sanft gegen den Arm. „Aber vergiss dein Fuß nicht.“ Er schaute an sich herunter, ehe das unheimlich sympathisch wirkende Lächeln wieder auftrat. „Nein, vergess ich nicht. Versprochen.“

Ich stand langsam auf und stand unschlüssig vor ihm.
„Okay, dann bis später.“
„Ja, und seit ja pünktlich zum essen wieder da. Kike wird da sein und Roli und .. ach lass dich überraschen.“ Er hob den linken Arm und ich schaute seiner Bewegung unsicher entgegen.
Spätestens als er sich mir aber entgegen streckte, wusste ich, dass es auf eine harmlose Umarmung hinaus lief. Langsam ließ ich mich auf seine Annäherung ein und spürte kurz darauf seinen warmen Oberkörper dicht an meinem.

Ich schloss die Augen, nahm seine Hand wahr, die über meinen Rücken strich und mir stach zum ersten Mal intensiv sein Geruch in die Nase. Ich empfand das erste Mal seine Nähe. Spürte seinen Atem an meinem Hals und hörte das vorsichtige Lächeln.
Noch etwas unsicher strich ich ihm über den Rücken.
Ich war beinahe froh, als wir uns von einander lösten.
Kurz streifte ich seinen Blick, kurz und unschlüssig hob ich dann nochmal die Hand, ehe ich mich ohne noch einmal zurück zu sehen, umdrehte und endlich das Zimmer verließ.

Tief atmend lehnte ich mich gegen das Holz der Tür, gegen das Türposter und schlug dann langsam die Augen wieder auf. Mein Puls raste wieder unnatürlich schnell und dann erschien auf meinen Lippen wie vom Blitz entzündet ein breites Grinsen und ich sprang die Treppen nach unten.
Nico stand unten am Auto gelehnt.
„Wo warst du denn so lang ?“
Ich zuckte nur grinsend mit den Schultern, ehe ich mich schnell ins Auto schob.
„Sag schon.“ Jule der auf der Rückbank sass, schaute mich fragend an.
„Ich hatte einen netten Plausch mit eurem Bruder.“
Nico schnallte sich neben mir an, ehe er die Tür zuschlug.
„So, einen netten Plausch also. Der war aber auch lang.“
„Vielleicht.“
Ich schaute aus dem Fenster und hörte Nico noch gespielt empört schimpfen.
Aber eigentlich war das alles nebensächlich.
Etwas veränderte sich .. aber es tat gut ….

... Sugar Rush ...


„Vorsicht Nico .. pass doch auf.“
Ich klammerte mich so feste ich konnte an den Seiten des Bootes fest, doch vergebens.
Ich hörte ein lautes Krachen und dann spürte ich schon komplette Nässe um mich herum.
Laut prustend tauchte auf auf und suchte wütend nach dem Übeltäter, der lachend auf der anderen Seite, des gekänterten Bootes auftauchte.
„War wohl ein bisschen zu heftig was ?“
„Boah, du Mistkäfer ey.“ Ich schlug los, schwamm mit zwei raschen Zügen zu ihm herüber und versuchte ihn überraschend unter Wasser zu stoßen, doch plötzlich schlangen sich zwei Arme um meine Taille und hielten mich kraftvoll zurück.
„Zwei gegen Eine Prinzesschen. Überlege es dir lieber nochmal.“

Ich drehte mich nach hinten herum, schaute in das schelmische Gesicht von Jule, der es wohl genoss, dass ich so in der Falle sass.
Laut lachte Nico auf. „Weißt Kari, wir sassen eben alle in einem Boot.“
Eigentlich hätte ich ihn am liebsten ertränkt, aber auf der anderen Seite, hatte es Nico mal wieder geschafft meine etwas trübsinnige Laune verschwimmen zu lassen.
Beide, er und Jule, sie wussten beide wirklich wie sie mir ein Strahlen zaubern konnten.
Jule ließ mich langsam los, just in dem Moment, in dem Nico versuchte das Boot herum zu drehen.
„Ich würd mal sagen, für heut haben wir genug nasse Klamotten.“
Jule grinste mich an und ich wusste ganz genau, dass er mich an gewissen Stellen genauer zu betrachten dachte.
„Wag es nicht. Oder ich versohl dir deinen Hintern.“

Jule lachte leise und stapfte Nico hinterher. Kaum vorzustellen, dass diese 3 wirklich Brüder waren. Es war einer unterschiedlicher als der andere und irgendwo musste ich beginnen mir einzugestehen, dass ich doch eigentlichen jeden der Dreien auf seine Art und Weise mochte. Ja, selbst Manu, dem ich noch immer nicht traute. Er strahlte etwas aus, das mich skeptisch machte.
Ich konnte ihm seine heile Welt nicht so abkaufen, wie es mir bei Nico leicht viel.
Ganz zu schweigen von Jule.

„Komm schon du lahme Schnecke. Wir packen uns ins Auto und fahren zurück. Dann verpassen wir wenigstens nicht Kike und die anderen.“ Angewidert schüttelte ich mein linkes Bein, an dem etwas undefinierbares hing, etwas, das mir nicht gefiel und das ich überhaupt nicht gerne, an meinem Bein hängen lassen wollte.
Fragend schaute ich Nico an. „Wer sind die anderen in deiner Beschreibung ?“
Leise lachte er auf, ehe er mich frech in die Seite knuffte. „Ein paar Kollegen von Manu und mir. Ich denke du wirst sie mögen.“ „Ach, haben die etwa auch so ein Schatten wie ihr drei ?“

Gespielt empört, bließ Nico die Wangen auf. „Wart nur, das erzähl ich Manu.“ Ich fischte mir etwas nasses und klebriges aus den Haaren und warf es nach Nico. „Na mach doch, ich erzittere schon vor Angst.“ Etwas durchaus zufriedenes lag in Nicos Augen, als er mich kurz vor dem einsteigen nochmal ansah. „Es freut mich zu hören, dass du dich sogar auf die Auseinandersetzungen mit Manu zu freuen scheinst. Er muss dir ja vorhin etwas durchaus schönes erzählt haben.“
Er zwinkerte kurz und stieg dann ins Auto, ehe ich ihm folgen konnte.
Manu hatte mir nichts schönes erzählt. Er hatte mir nur das erste Mal zu gehört.
War ehrlich zu mir und gestand mir sogar, dass er mich mittlerweile mochte. Eine Tatsache, die
er anfangs nicht tat. Und es fühlte sich gut an, zu wissen, dass man gemocht wurde.
Allen Unruhen desto trotz.


Immer wieder versuchte mich Jule von der Rückbank aus zu necken und als dann Nico auch noch auf voller Lautstärke NOFX anschmiss, war ich mir sicher ohne einen ernsten Schaden davon zu tragen, würde ich diesem Auto nicht entsteigen.
Ich fühlte mich erlöst, als ich endlich die Autotür aufschlagen konnte.
„Prinzesschen unser Besuch ist schon da. Deine Schwäche auch.“ Jule zwinkerte kurz und ich legte die Stirn in viele Falten. „Welche Schwäche ?“ „Kike.“ Leicht rollte ich mit den Augen.
„Kike ist nicht meine Schwäche Julian.“ Nico schob sich zwischen uns und grinste mich breit an.
„Nicht ? Und was war dass dann an jenem Abend ?“ „Das war ..“ „Ja ?“ „Boah Nico, als wenn du noch nie schwach geworden wärest, wenn dir ne heiße Trunze an die Wäsche geht.“
„Doch, aber ich streite nicht ab, dass sie dann meine Schwäche ist.“ „Nicolas ! Ich will nichts von Kike, klar soweit ?“ Wieder lachte er leise auf, ehe er das Schloss zum knacken brachte.
„Eiei, Captain.“

Jule war der Erste der über die Schwelle huschte und lautstark los gröhlte.
„Wir sind wieder da.“ Manu schaute uns drei an, als wären wir dem Urwald entstiegen.
Abgesehen davon, dass Jule von uns allen noch am meisten tropfte und triefte, mussten wir alle drei ein durchaus merkwürdiges Bild abgegeben haben, für die anderen Herrschaften die an dem Tisch sassen.
„Wolltet ihr nicht Tretboot fahren ?“ Manu zog eine Braue hoch. „Ja, waren wir auch.“ Nico zwinkerte mir zu. „Tatsächlich ? Ihr schaut aus, als hättet ihr Perlentaucher gespielt.“
Ich musste mir schnell die Hand vor den Mund schlagen, als ich mir als einziger der Beiden dieser Zweideutigkeit bewusst wurde. Insgeheim wusste ich nicht ob ich Manu dafür böse sein sollte, oder drüber weg sehen konnte.

Manu schaute an Nico vorbei, in mein Gesicht und ich sah das kleine Lächeln das augenblicklich um seine Lippen zu spielen begann, als er erahnte warum ich wohl die Hand vor den Mund presste und dann wurde sein Grinsen so breit, dass seine Zähne blitzten, dass seine Augen strahlten und ich biss mir hinter vorgehaltener Hand auf die Unterlippe. Sein Blick glitt langsam über meinen Körper, von meinem Gesicht über meine Brust, den Bauch und tiefer und als mich das Braun seiner Augen dann wieder traf, seine Iris die meine anstieß, fühlte ich mich von seinem Blick ausgezogen.
In jenem kleinen Moment wusste ich, dass er die Konturen meines Körpers, die sich unter dem nassen und eng an mir liegenden Stoff abgezeichnet hatten, studiert hatte. Sich verinnerlicht hatte und irgendetwas sagte mir, dass das, was er gesehen hatte, ihm durchaus gefiel.

„Kari ?“ Ich fühlte mich ertappt, als er so plötzlich meinen Namen aussprach.
„Kike kennst du ja schon.“ Endlich stand er auf und der Moment, in dem er mich bis zuvor noch gefangen gehalten hatte, verflog rasend schnell. „Und die anderen beiden sind Roli und Balthas.“ Ich grinste breit, freundlich und spürte plötzlich Manus Atem ganz nah an meinem Ohr.
„Vielleicht solltest du dir zuerst etwas anderes anziehen. Ich habe nichts gegen deinen Körper, ganz echt nicht, aber vielleicht möchte ich als Gastgeber nicht, dass andere Gäste das sehen und erahnen können, was du verbirgst.“ Meine Augen wurden größer und ich schaute ihn an.
Wieder diese starke Intensität, seiner Augen. Leicht schluckte ich und nickte dann.
Den dreien schenkte ich noch kurz einen lächelnden Gruß, ehe ich die Treppen nach oben sprintete.

Die Tür schlug laut hinter mir in den Rahmen und ich griff mir trockene Klamotten. Bei dem ersten Blick in das Spiegelbild, wurde mir beinahe schlecht. Ich sah wirklich niveaulos aus. Kein Wunder, dass mich Manu so nicht seinen Kollegen vorstellen wollte. Wer weiß was diese jetzt von mir dachten. Mit einem letzten prüfenden Blick in den Spiegel wollte ich die Tür wieder öffnen, als ich mich just in diesem Moment zu Tode erschreckte, als Manu wohl von außen anklopfen wollte.
„Hast du mich jetzt erschrocken.“ Er grinste wieder. „Ich dachte schon du wärst in deiner Pfütze ertrunken.“ Es war ein Reflex, der mich ausholen ließ und ihn leicht knuffte.

Sein Grinsen erstarb, er fixierte mich und dennoch tauchte auf meinem Gesicht ein Lächeln auf. „So ein schlechter Schwimmer bin ich aber nicht, kein Gund dich um mich zu sorgen, aber schön das wir jetzt quitt sind, bezüglich der Panik um den anderen.“
Ich war schon auf der ersten Stufe, als mich Manus Hand am Handgelenk packte und zurück zog.
Unsanft stieß ich gegen ihn und schaute ihm erstaunt in das Gesicht. „Das wird jetzt was ?“
Seine Lippen kamen meinem Ohr verdächtig nahe und wieder traf mich sein Atem.
„Nichts, ich wollte nur noch mals anmerken, dass mir das was ich gesehen habe, durchaus gefiel.“

Mein Herz schlug prompt schneller und ich drehte meinen Kopf noch näher ihm entgegen.
Jedes Pigment seiner Augen schien direkt vor meiner Iris zu glühen und der Versuch eine Silbe über die Lippen zu bringen, scheiterte. Jedes Wort, dass sich auf meiner Zunge sammelte, um den Absprung zu schaffen, ertrank in dem braun seiner Augen.
Ich befeuchtete mit meiner Zungenspitze meine Lippen, huschte mit meinen Augen zu seinen Lippen, die sich kurz öffneten, wieder schlossen und dann vernahm ich das tiefe einatmen von ihm gefolgt von einem intensiven Blick
„Weniger ist oftmals mehr Kari. Es gibt Moment in denen muss man keine Antworten und Wiederworte geben.“

Ich schluckte kurz und als er sich von mir löste, strichen seine Lippen kurz über meine Wange.
„Du kannst ruhig schon runter gehen, ich bin nur kurz was holen. Falls du dir wieder Sorgen machen solltest.“ Ich schluckte nochmals, suchte vergebens etwas, um meinen Mund zu befeuchten und konnte dann nur noch nicken, ehe ich mehr hinab torkelte, als lief.
Was sollte diese Show ?
Etwas in mir schrie Vorsicht und etwas ganz anderes, schlug und schlug im Takt der Schnelligkeit.

Meine Wange brannte sonderbar heiß und ich wusste genau, dass seine Lippen spuren hinterlassen hatten. Mein Herz brachte das Blut zum rauschen und ich nahm nur verhalten die Hände von Jule war, die nach meinen griffen und mich auf seinen Schoß zogen.
Die Tischdecke war interessanter, als Kike, und meine Gedanken kreisten so rasand schnell, dass ich befürchtete mein Kopf würde die Fassung verlieren.
Wo war der Ekel hin ?
Der Eisklotz ?
Und als ich ihn dann neben mir stehen sah, wurde mir schlagartig bewusst, dass mein Herz immer dann schneller schlug, wenn er in meiner Nähe war.

Welch Zuversicht ..

... Moment of our not known love ...



Die leeren Gläser gaben klirrende Geräusche von sich, als ich sie stumm über die Anrichte schob. Mein Kopf war langsam immer schwerer geworden und irgendwo war dort ein leichter Alkoholpegel in meinem Kopf gewachsen. Ich schloss kurz die Augen und nahm mir dann ein frisches Glas, hielt es unter den Wasserhahn und zapfte mir eiskaltes Wasser, ehe ich mit leicht müden Schritten auf die Terasse stapfte.
Die anderen waren schon längst weg.
Sie waren nett, ohne Zweifel. Aber irgendwie bekam ich immer mehr das Gefühl, dass ich nicht in diese Kreise passte.
Mit Kike verstand ich mich nach wie vor blendend. Er war einfach ungemein lieb. So ganz anders, als die Herren die ich schon kennen lernen durfte.
Die anderen beiden, nunja, sie waren mir ein wenig zu laut.

Ich ließ mich seufzend auf einen der Stühle fallen und zog die Beine an. Legte den Kopf weit in den Nacken und schloss nachdenklich die Augen.
Ich hatte kein einziges Wort mit Axu geredet und so langsam schlich sich der Gedanke ein, dass es wohl wirklich zwischen uns nichts mehr zu retten gab. Er hatte so viel Vertrauen kaputt gemacht, so vieles ausgelöscht, mit seinem egozentrischen Verhalten.
Ich nahm den ersten Schluck. Kalt benetzte er meine Kehle und ich genoss das frische Gefühl, das meinen Kopf ein wenig klären konnte.

Hinter mir hörte ich Schritte und als ich die Augen aufschlug und nach oben schaute, erkannte ich den leicht amüsierten Blick von Manu.
„Darf ich mich zu dir setzen ?“ Ich nickte nur kurz und beobachtete seine schwerfälligen Bewegungen, das leichte verziehen seines Gesichtes, als er sich endlich fallen ließ.
Die blauschimmernde Redbulldose, stellte er auf den kleinen Glastisch vor uns.
„Hats dir gefallen ?“ Er riss mich aus meinen Gedanken und ich schaute ihn fragend an.
„Was ?“ Er grinste leicht. „Der Abend mit den Jungs.“ Leicht zuckte ich mit den Schultern und nahm bevor ich ihm antwortete, einen Schluck meines Wassers.
„Es war ganz nett.“

Seine Hand griff nach dem Redbull und ich schaute ihm aus den Augenwinkeln dabei zu,wie er einen Schluck nahm.
„Magst haben ?“ Was war nur los mit mir, ich war total unkonzentriert.
„Gerne.“ Ich streckte meine Hand aus, um meine Finger um die kühle Dose zu schließen.
Leicht streiften sich unsere dabei und er schaute mich an. Ich grinste. Leicht, aber er konnte es sehen.
Seufzend lehnte er sich dann nach hinten zurück.
„Axu scheint ja wirklich mit dir nicht mehr reden zu wollen.“
„Mhm.“
Der Gummibärensaft, wie ich ihn immer nannte, benetzte kühl meine Kehle.
„Ihr werdet wohl bald wieder abreisen, was ?“

Mit einem lauten Klirren, stellte ich die Dose auf den Tisch, was Manu erschrocken die Augen aufschlagen ließ.
„Wer hat das gesagt ?“
„Axu, er meinte er würde wohl abreisen wollen.“
Ich nickte nur kurz und schaute dann über den Rasen hinweg. Ich wollte zu meinen Kids, klar, das hatte ich die ganze Zeit gesagt, aber irgendwas hielt mich zurück. Gerade fing es an Spass zu machen und Nico und Jule .. ja selbst Manu .. es wäre so verdammt schade.

„An was denkst du gerade ?“
Ich schaute ihn an.
„Daran, das die Zeit manchmal viel zu schnell vergeht.“
Ein leichtes Grinsen ließ seine Mundwinkel zucken, ließ seine Unterlippe beben, etwas  das mir an ihm ungemein gut gefiel.
„Das tut sie. Aber manchmal hat es was Gutes.“
Ich ließ eine Braue von mir nach oben schnellen.
„Magst du mir deine Antwort begründen ?“
Leise lachte er auf und griff nach dem Redbull, nahm einen tiefel Schluck und ließ die Glasplatte dann wieder unter dem Gewicht der Dose klirren.

„Manche Dinge lernt man nur unter Zeitdruck zu schätzen.“
Und dieses Mal musste ich grinsen. Damit hatte er sogar Recht.
Das leise summen der Grillen ließen mich müde und schläfrig werden und ich lehnte meinen Kopf wieder zurück, schloss die Augen und lauschte auf die entspannenden Geräusche.
„Bist du müde ?“
Manu konnte echt nervend sein.
Dennoch nickte ich und wie als Beweis meiner Müdigkeit, begann ich zu gähnen.
Wieder hallte mir sein leises Lachen entgegen.
Er konnte mir wirklich ein dauerhaftes Grinsen auf die Lippen schicken.

„Tut mir aber Leid, wenn wir alle so fürchterlich anstrengend für dich sind.“
Leicht abtuend schnaubte ich auf und ließ mich noch tiefer in den Sitz gleiten.
Nur spürte ich irgendwann eine warme Hand, die sich neben meinem Arm, der auf der Lehne ruhte, platziert hatte.
Langsam öffnete ich die Augen, schaute in Manus, der sich auf meiner Lehne abgestützt hatte und nun thriumphierend und vor allen Dingen grinsend, auf mich herab blickte.
„Ich wollte unbedingt etwas los werden.“
„So ? Na dann schieß mal los.“
„Erst wenn du nicht mehr in dem Stuhl hängst, wie eine ertrinkende.“

Seufzend rutschte ich aufrecht.
Zwar musste ich noch immer leicht nach oben schauen, aber viel mehr war die Tatsache intressant, dass er mir verdammt nahe war.
„Und nun ?“
Er räusperte sich leicht, schaute zur Seite und mich dann wieder an.
„Ich habe mich nie für die vielen Reaktionen von mir, die echt scheisse waren, entschuldigt.“
Meine Augen fixierten die seinen. Ich war verdammt gespannt was das geben sollte.
„Und ich wollte das einfach endlich einmal los werden. Sorry .. ich war ganz oft dir gegenüber echt ein mieses kleines Arschloch.“

Ich schluckte.
Das konnte doch nicht jetzt sein Ernst sein ?
Er entschuldigte sich bei mir ? Wo ich ihn sooft nicht besser behandelt hatte.
Ich schüttelte den Kopf.
„Ich war auch nicht netter zu dir.“ Doch er zuckte nur leicht mit den Schultern.
„Mir war danach. Nimm sie bitte an. Mir liegt echt viel daran.“
Ich nickte. Aber ich muss nicht sehr überzeugend gewirkt haben.
„Nun schau mich nicht so fragend an. Ich mein das ernst.“
Seine Hand legte sich auf meinen Arm und ich musste schmunzeln, als ich feststelle das seine Finger total kalt waren.

„Amüsier dich ja ned. Mir ist nicht kalt. Ich habe immer kalte Hände.“
Ich lachte leise auf, schloss dabei die Augen und blickte ihn dann wieder mit voller Intensivität an.
Um uns herum wurde es zuziehend dunkler und diese wundervollen Pigmente in seiner Iris auszumachen, war nun verdammt schwer und ich schluckte kurz, als ich dem Drang nicht wiederstehen konnte, meinen Blick über die Konturen seiner leicht zuckenden Lippen wandern zu lassen.

„Ich hätt echt nie gedacht, das ich dich mal wirklich symphatisch finden würde.“
Ich schloss kurz die Augen, ließ die Worte auf mich wirken und schaute ihn dann von unten herauf an. „Ich weiß ..“
Das zarte Lächeln auf seinen Lippen wurde größer und seine Augen huschten hastig über mein Gesicht, blieben an meinen Lippen hängen und dann wanderte seine Hand zu der meinen.
Legte sich darauf und selbst in der Dunkelheit hatte ich plötzlich das Gefühl, zu sehen wie seine Pupillen viel dunkler wurden.

Über meinen Rücken huschte etwas, was verdammt einer Gänsehaut glich und in meinem Bauch machte sich etwas zum Abflug bereit, das spürte ich. Als etwas Schwingenähnliches meine Bauchinnenwand strich. Ich schloss die Augen.
Spürte plötzlich seinen Atem ganz nah vor meinem Gesicht. Ich wollte das nicht.
Alles würde danach anders sein. Er konnte mich einfach nicht küssen wollen.
Das würde so viel anderes bedeuten, als all das was ich je von ihm gedacht hatte.
„Kari ...“
Ich schlug die Augen auf, sah ihn ganz nah vor mir.
Ich konnte nichts sagen. Ich befeuchtete mir zaghaft die Lippen, dachte dass die Flügel in mir drinnen verdammt weit ausholten, so sehr schmerzte ihr Reiz.

„Ich hab dich echt lieb gewonnen.“
Und dann musste es in mir aufgebrochen sein.
Mit einem gewaltigen Stoß stieg es in mir empor und das kitzeln der bebenden Schwingen ließ meinen Bauch vibrieren.
Ich sah noch wie er den Kopf senkte, mir näher kam.
Automatisch schloss ich die Augen.
Was sollte ich tun ..
Leicht neigte ich meinen Kopf, spürte wie seine Hand die meine drückte und dann nahm ich seine Nasenspitze wahr, die leicht an meine strich …

„Manu ..“

Wir beide fuhren auseinander und schauten gehetzt zu Nico der im Türrahmen der Terassentür stand.
Er schaute erst seinen Bruder, dann mich an.
Auf seine Lippen schlich sich ein diabolisches Lächeln.
„Kann ich dich kurz sprechen.“
Manu nickte, wollte schon aufstehen, doch ich hob einhaltend die Hand.
„Ist schon okay, ich wollte eh grad gehen. Recht frisch heute Abend.“
„Aber, Kari ...“
Ermahnend schaute ich Manu an. Ging an Nico vorbei und spurtete dann die Treppen hinauf.

Das Etwas in mir, musste bereits wieder gelandet sein.
… aber das Gefühl .. die Erinnerung an seine Berührungen und den Atem ..
.. die brannten glühend heiß auf meiner Seele …

.. TBC ...