Manchmal schreibe ich ein Buch ...
Manchmal überkommt es mich und ich fange an, ein Buch zu schreiben. Meistens verstaubt das Ding dann wieder in unendlichen Weiten meiner Festplatten-Ordner.
Gestern (oder war's vorgestern) habe ich das erste Kapitel eines meiner Bücher zufällig wieder gefunden. Mal lesen? Feedback ist willkommen!
Kurze Zeit später war er wieder bei Ella und brachte tatsächlich eine Kiste. „Na bitte! Wer sagt’s denn?“, präsentierte er stolz das hölzerne Stück und half daraufhin beim Verstauen der Sachen. „Hier, die zwei Tüten sind heil geblieben.“, meinte der Bauarbeiter dann und überreichte Ella jene mit der neuen Handtasche und jene aus der Boutique „Grace“. „Vielen Dank! Das ist wirklich nett von Ihnen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie erleichtert ich bin.“, strahlte Ella und reichte ihm die Hand. Er zog eilig die schmutzigen Arbeitshandschuhe aus und drückte sie kräftig. „Keine Ursache! Warten Sie! Damit sie nicht noch mehr nass werden.“, antwortete er und schlüpfte aus seiner Jacke. „Ist zwar ein bisschen staubig, jedoch trocken. Na ja, innen zumindest noch. Los, ziehen Sie sie an!“ Ella war das Ganze immer noch ziemlich unangenehm und lehnte dankend ab. Doch sie hatte keine Chance. Nach einer kurzen Diskussion nahm sie die Jacke und zog sie an. „Geben Sie sie mir zurück, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Hat keine Eile. Wo Sie mich finden, wissen Sie nun ja. Die Baustelle gibt’s sicher noch ein paar Monate.“ „Ok! Nochmals vielen Dank. Ich habe nicht erwartet, dass Sie dermaßen hilfsbereit sind. Moment mal! Ich weiß ja nicht mal Ihren Namen. Ich heiße Ella.“ „Schöner Name! Meiner ist Alex. Ach ja, sollten Sie mich wegen der Jacke doch nicht hier antreffen, dann fragen Sie ruhig nach mir. Allzu weit kann ich dann ja nicht sein. So, nun muss ich aber los! Also dann, Ella. Machen Sie’s gut und sehen Sie zu, dass sie so bald wie möglich wieder trocken werden. Alleine schon der Männer wegen!“ Alex lächelte schelmisch und Ella fing wieder an rot zu werden. Sie hatte die kleine Anspielung auf ihre durchsichtige Bluse verstanden. „Mach ich! Sie waren sehr nett. Auf Wiedersehen!“
Nachdem sie heiß geduscht und sich abgetrocknet hatte wollte sie zum Trost das neue Kleid gemeinsam mit ihren High Heels nochmals anprobieren. Doch in der Tragetasche aus der Boutique war kein kirschrotes Kleid.
Ella starrte fassungslos auf schwarzen Stoff und traute ihren Augen nicht. Was zum Teufel war das denn? Ein Anzug? Noch dazu einer für Männer! Fassungslos ließ sie sich auf ihre Couch plumpsen und zündete sich eine Zigarette an. Bleib cool, Ella!, dachte sie und versuchte sich zu konzentrieren. Wie konnte das passieren? Nach der zweiten Zigarette wusste sie es auf einmal. Natürlich! So und nicht anders musste es gewesen sein. Jemand hatte sich, während sie mit Alex gesprochen hatte, einen schlechten Scherz erlaubt und ihr Kleid gegen den schwarzen Anzug ausgetauscht. Immerhin waren ihre gesamten Einkäufe ja für einige Minuten lang unbeaufsichtigt auf der Straße gestanden. Ella schüttelte den Kopf. Blöde Idee! Wer würde denn so etwas machen? Ok, so kann es nicht gewesen sein. Aber wie dann? Her mit der nächsten Zigarette. Doch dann dämmerte es Ella. Die einzige Möglichkeit bestand darin, dass der unfreundliche Typ vom Lebensmittelladen anscheinend ebenfalls in der Boutique „Grace“ eingekauft haben musste. Und zwar genau diesen Anzug. Als dann er und Ella beim Zusammenstoß vor dem Zigarettenladen die Taschen fallen ließen, war es zur Vertauschung der beiden identen Boutiquetüten gekommen.
Ella suchte in der Tasche nach einer Rechnung. Vielleicht hatte der Kerl ja mit Kreditkarte bezahlt und auf der Rechnung stand ja dann wohl sein Name. Nur so konnte sie sich hundertprozentig sicher sein. In der Tat. Raymond Burke stand da groß und deutlich drauf. Samt seiner Adresse. Na wunderbar! Anscheinend hatte Ella doch noch nicht den allerletzten Kontakt mit diesem Menschen gehabt. Doch für heute hatte sie genug von dem ganzen Spektakel. Erschöpft knallte sie die eingekauften Lebensmittel in den Kühlschrank, hängte Alex’ tropfende Jacke zum Trocknen auf und ging schlafen. Sie war hundemüde. Das reichte für einen Tag.
Kapitel 2
Die restlichen Tage bis zum Wochenende schleppte sich Ella regelrecht ins Büro. Sie hatte sich bei der Geschichte mit der rollenden Prosecco-Flasche einen ordentlichen Schnupfen und alles was zu einer richtigen Erkältung dazugehört zugezogen. Und weil sie sich beim Sprechen anhörte wie eine alte Kettensäge, hatte sie es bis dato auch abgelehnt, sich bei Raymond Burke zu melden. Seine Telefonnummer hatte sie jedoch schon aus dem Telefonbuch rausgesucht. Da hatte man ja auch wirklich die Qual der Wahl. Zwei Handynummern und ein Hausanschluss. Der Mann musste ja eine Vorliebe für Telefongespräche haben. Trotzdem entschied Ella sich, mit einem Anruf abzuwarten bis sie wieder gesund war und sich ihre Stimme nicht mehr ganz so furchtbar anhörte.
