Büroalltag im Krankenhaus

04.04.2008 um 09:08 Uhr

Ist heute Tag der Irren?

Mein Arbeitstag beginnt um 7:30. Meist bin ich schon knapp nach 7:00 im Büro um mir in Ruhe eine Tasse Kaffe zu machen, und erstmal zu sehen was ansteht und die Prioritäten festzulegen (OP-Berichte, andere Dinge).

Heute herrscht hier akuter Ausnahmezustand… Seit 7:10 läutet permanent das Telefon (ich gestehe, daß meine Kollegin und ich es aber bis 7:30 haben läuten lassen).
Und die Anrufer haben - bitte um Entschuldigung für den Ausdruck - alle einen an der Waffel.

Was hatten wir bis jetzt (und mein Arbeitstag ist gerade mal 1 Stunde alt…):

  • Eine Frau sagt ihren OP-Termin ab, nachdem sie x-mal angerufen hat, weil sie solche Schmerzen hat, war dann in der Ambulanz, wurde aufgrund ihrer Befunde vorgezogen, damit sie nicht mehr warten muß.  Grund der Absage: Ihr hat die neuerliche Untersuchung in der Ambulanz nicht gefallen, daher geht sie lieber in ein anderes Krankenhaus und wartet dort 9 Monate auf ihre OP.
  • Eine andere Frau sagt ihren OP-Termin ab, den sie gestern zugesagt hat. Begründung: Der Brief in dem der Termin steht gefällt ihr nicht, weil er so unpersönlich ist, wie ein Postwurfsendung. (Wir operieren fast 3000 Menschen im Jahr, wenn wir da für jeden Patienten einen persönlichen Brief verfassen müßten, würden wir nichts mehr anderes machen, daher haben wir eine Vorlage in Verwendung, in der nur Name und Datum verändert werden)
  • Ein Brief eines empörten Patienten kommt an, in dem er sich darüber beschwert, daß zu seinen Gunsten niemand andere abgesagt wurde, weil er ja deutlich mehr Schmerzen als alle anderen gehabt hätte - und die Reduktion der Wartezeit vom 8 Monaten auf 12 Wochen (bis eben das nächstmögliche Bett frei war) war ihm viel zu wenig, weswegen er sich nun von unserem Haus distanziert und lieber wo anders hingeht (bitte, des Menschen Wille ist sein Himmelreich).
  • Ein Mann besteht darauf, daß er mit mir telefoniert hat, als er seine urologische OP geplant haben wollte. Nur, ich sitze nicht im urologischen Büro, wir haben hier noch nicht mal eine Urologie, und ich kenne den Mann auch nicht (er war auch noch nie bei uns) - den Hinweis, daß er sicher mit einem anderen KH gesprochen hat, wischt er mit dem Satz weg: “Ich weiß doch wohl wann, ich wo, mit wem telefoniert habe!”

Heute spinnen wirklich alle!!!

29.03.2008 um 10:22 Uhr

Ausreden für alle Lebenslagen

Manche Menschen sind wirklich phantasievoll, wenn es darum geht Ausreden zu erfinden. Nur frage ich mich meist nach dem Sinn.

Man meldet sich ja im Normalfall nicht für eine Operation an, wenn man sie nicht wirklich braucht - ist ja nicht gerade ein Ausflug. Um so mehr erstaunt es mich, mit welchen Begründungen manche Leute ihre Termine kurzfristig (oder auch längerfristig) absagen.
Besonders, wenn ich dann bedenke, daß dies zu 90% jene Leute sind, die das nicht einmal tun, sondern immer wieder...

Hier meine persönliche Hitliste von Ausreden, die meiner Meinung nach dazu führen sollten, nie wieder einen Termin zu bekommen (was aber natürlich so nicht geht).

  • Da kann ich nicht, da muß ich meine Winterklamotten aus dem Keller holen. (Und das geht natürlich nicht am Tag vor der Aufnahme im Krankenhaus).
  • Nein, da ist es schlecht - ich will da nämlich noch Schwammerl suchen gehen. (Wenn ich so arge Schmerzen habe, daß ich nicht mehr gehen kann, krauche ich doch auch nicht im Wald rum, oder?)
  • Oh, das geht leider gar nicht, für die Zeit habe ich einen Urlaub gebucht. (Man wird bei der Anmeldung über die Wartezeit informiert, warum bucht man also genau am Ende dieser Zeit einen Urlaub?)
  • Das geht gerade nicht mein Kind/Partner/die Urstrumpftante ist krank. (Das kann vorkommen, aber bei jedem Termin, den wir anbieten?)
  • Ein lieber Verwandter ist verstorben. (Tragisch, traurig - aber auch hier die Frage, bei jedem vorgeschlagenen Termin?)

Und nun mein absoluter Favorit in Sachen Ausreden:

  • Ich habe den Brief nicht bekommen, in dem der Termin stand. (Und wo haben die Leute dann die genau Telefonnummer her, um abzusagen? Wieso kam der Brief nicht per Post an uns zurück?)

Angst vor einem Eingriff zu haben ist legitim. Auch der Wunsch, sich doch nicht unters Messer zu legen. Aber dann sollte man auch bitte offen sein, und das genau so formulieren. Wir stehen ja eigentlich nicht vor dem Krankenhaus und zerren Leute hinein, die wir dann operieren wollen. Eigentlich melden sich die Leute ja selbstständig an...

28.03.2008 um 12:50 Uhr

Alte verrückte Patientin

Alte Patientin kommt zur Aufnahme mit ihren Lockenwicklern in den Haaren und beginnt sofort zu weinen als sie merkt, daß sie in ein 3-Bettzimmer muß. Um kollektives Weinen zu verhindern, wird Pat. in 2-Bettzimmer verlegt. Schon am nächsten Tag beschliesst sie, daß es in ihrem Bett nicht schön ist und sie läßt den nächsten Weinkrampf los um ins gleich daneben stehende Bett zu kommen. Ob sie alle Betten der Station ausprobieren wird??