eine italienische passion

03.01.2008 um 15:05 Uhr

technisches update 2007

von: sig

ducati supersport i.e. stand 2007

04.10.2005 um 11:51 Uhr

letzte chance

von: sig

manche fragen sich vielleicht, wann die fortsetzung für die tour-de-france-geschichte kommt... keine panik, wenn ich wieder etwas mehr zeit habe (in den kalten, endlosen wintertagen) werde ich wieder einmal an der geschichte basteln. bis dahin bitte noch etwas geduld. schliesslich möchte ich die freien, schönen tage nutzen und noch ein wenig mit der duc fahren. die tage sind gezählt und leider hatte der wettergott bisher nur wenig verständnis für leute wie mich, die wochentags arbeiten und nur am wochenende frei haben. sprich: es hat wieder mal in strömen geschifft. heute - dienstag - knallt die sonne vom himmel, als hätte sie nie etwas anderes getan und ich kann nur mit mühe der versuchung widerstehen, meinen laden einfach dicht zu machen, und abzuhauen.

ausserdem ist mein motorrad wieder frisch von der werkstatt. alles notwendige - und auch noch ein paar dinge mehr, die den geldbeutel wieder zur gänze leeren - wurde gemacht. standard hat, mit ventile einstellen, flüssigkeitswechsel und der ganze pi-pa-po. allerdings stellte sich dann noch fatalerweise heraus, dass der drosselklappenpoti seinen dienst nur widerwillig verrichtet und bei standgas einfach nicht das tut, was er soll - nämlich dem einspritzrechner mitteilen, was nun mit den drosselklappen sache ist. das hatte in der vergangenheit zu beträchtlichen startschwierigkeiten geführt. am vormittag des tages, an dem ich dann meine bella aus der werkstatt holen sollte, leckte der tank, was bei ducatis anscheinend keine seltenheit ist, weil die tankaufnahme mit dem scharnier zum rahmen einfach etwas labil konstruiert ist - also kann es schon durch normale belastungen irgendwann zu haarrissen kommen, die sich dann in inkontinenz auswirken. mein motorrad ist monate davor mal im stand umgefallen, was nicht nur einige unschöne kratzer - sondern auch besagte haarrisse am tankfalz zur folge hatte. nun gut, es hiess also noch eine zusätzliche woche warten, bis das mallheur behoben war.

nun läuft sie wieder, tank ist wieder dicht, poti funktioniert, alle ventile werkeln mit korrektem spiel - nur das wetter spielt, wie so oft eine eigene melodie, die nicht zu der meinen passt.

13.09.2005 um 15:25 Uhr

tour de france - auf dem dach der alpen

von: sig

ein kleiner abstecher ins piemontesische führt uns an der mittelalterlichen festung susa vorbei - einer festungsanlage gigantischen ausmaßes, für unsere heutigen verhältnisse schier unvorstellbar, wie menschen in relativ entlegenen bergtälern mit den damals zur verfügung stehenden mitteln sowas bauen konnten -

bevor wir wieder die grenze nach frankreich queren und weiterfahren in richtung eines pflicht-höhepunkts in den französischen alpen. der cime de la bonette - mit seinen 2802 m die höchste befahrbare erhebung in den alpen ist unser nächstes ziel bis vor einigen jahren musste der la bonette diesen titel noch mit einem spanischen berg teilen, dessen name mir inzwischen entfallen ist, der aber mit etwas über 3000 m die höchste bergstrasse aufwies. leider ist diese strasse inzwischen nur noch für fussgänger und radler befahrbar. der motorisierte verkehr muss bei ca. 2500 m pausieren. der französische la bonette ist eigentlich nur wenige wochen im sommer (von mitte juli bis mitte august) befahrbar - und auch da sollte man das wetter im auge behalten. bekannte von uns waren schon mehrere male dort und fanden den übergang in dichten wolken. das macht dann auch keinen spass.

wir haben glück und die sonne knallt vom himmel. der col du restefond mit 2715 m liegt knapp davor und gehört eigentlich zu einer alten militärstrasse. davon zeugen auch die alten geschützstellungen und eisenbunker, die die strasse säumen. die strecke selbst ist traumhaft und trotz gegenteiliger beschreibungen relativ einfach zu fahren, nur wer angst vor schotter hat, sollte den "kleinen" übergang wählen und nicht noch die ehrenrunde um den gipfel machen, der schon von weitem als dunkle pyramide sichtbar ist. 

wir wählen den rundkurs, der zwar nicht gesichtert ist und mit einer sandigen bis schottrigen piste eher endurofahrer einlädt. allerdings sind die geschätzten 600 - 800 m auch problemlos mit der duc und raptor zu bewältigen. auf der hinteren bergseite ist ein kleiner parkplatz, von der aus ein schmaler fussweg auf den gipfel führt. der ausblick von dort oben ist senationell. auf einem steinrondell, das, einer tischplatte ähnlich mit einer bemalten keramikplatte abschließt, sind sämtliche gipfel im umkreis aufgemalt.

die abfahrt ist, so muss ich das leider sagen, einer ducati unwürdig. (nein, ich sag jetzt nicht, dass ich das falsche motorrad dabeihatte!!!) aber eine schlaglochübersäte piste, die den namen "strasse" nur bedingt verdient ist eine wahre tortur, zumal die gabel an der kleinen 750ssie nicht einstellbar ist, und jedes loch, jede frostbeule im asphalt einen ungefilterten schlag auf die handgelenke bedeutet. wer diese strecke mit einer ducati zurücklegen will, sollte erst seine dämpfer - so vorhanden - so weich wie möglich einstellen, weil sonst die ganzen schläge in eine unnötige hoppelei ausarten. eine multistrada wäre da sicherlich die bessere wahl, als eine vorderradorientierte supersport, 998 oder 999. kurz nach dem pass lädt ein halb verfallenes dorf mit steinhäusern zum anhalten, herumstreunenund fotografieren ein.

die häuser sind alte militärunterkünfte, die in den 2 weltkriegen zur grenzsicherung - wahrscheinlich nach italien hinüber - genutzt wurden. leider ist heute alles verfallen, obwohl man aus den teilweise recht soliden steinbauten einiges machen könnte.

einige pässe, wie den col de izoard oder col de vars habe ich hier nicht erwähnt, obwohl auch sie sicher sehenswert und auf einer tour durch die französischen alpen wichtig sind. aber, wie ich schon eingangs erwähnte, will ich hier keine genaue reisebeschreibung abliefern, sondern meine persönlichen highlights revue passieren lassen.

07.09.2005 um 14:52 Uhr

tour de france - 2. teil - café au lait und rollsplitt

von: sig

wer sich hier eine chronologisch und topografisch exakte beschreibung eines motorradurlaubs erwartet, den muss ich leider enttäuschen. wichtig sind mir, hier meine impressionen zu vermitteln, von einer reise, die inzwischen 3 jahre zurück liegt, wo nur noch erinnerungsfetzen auftauchen. aber gerade diese erinnerungsfetzen sind die "essenz" dieser reise, das was über die jahre hinweg im gedächtnis bewahrt wird und auch gerne (so wie hier) weiter erzählt wird. natürlich versuche ich halbwegs der reihe nach vorzugehen, aber ich lasse mir nicht nehmen, je nach meiner erinnerung mal vor, mal zurück zu springen

um meiner eigenen erinnerung ein wenig nachzuhelfen, und die leserInnen nicht ganz zu verwirren, gibt es hier die route des grandes alpes im überblick (leider nur in französisch - aber die karten sprechen für sich). andere seiten, die über die route informieren, sind z.b. diese oder auch hier, wo es wunderschöne fotos gibt.

die erste nacht verbringen wir in einem kleinen gasthaus in bourg st. maurice, am fuss des col de l'iseran. dieser pass ist der erste, den wir auf dieser route unter die räder nehmen. zuvor aber genehmigen wir uns in der verrauchten gaststube unserer unterkunft ein typisch französischen frühstück: eine grosse tasse café au lait, weissbrot, ein wenig butter und marmelade. orangensaft? müsli? schinken? fehlanzeige! die franzosen frühstücken puristisch, dafür ist der rest des tages, auch bei kleinen zwischendurch-mahlzeiten vom feinsten. nachdem wir die raptor und die supersport aus ihrem nachtquartier, einem grossen, hölzernen geräteschuppen, einem grossen stall nicht unähnlich, befreit haben, geht es richtung col de l'iseran, einem beeindruckenden alpenpass, der uns durch val d'isere, einem bekannten wintersportort, der im sommer ähnlichkeiten mit einer satelitenstadt hat, auf 2770 m bringt. dank benzineinspritzung haben die beiden maschinen auf dieser höhe keinerlei probleme. der ausblick von der nordseite des passes auf das zurückliegende tal ist traumhaft. der talkessel umsäumt von etlichen 3000ern. für jemanden, der sich mit fremdkraftbetriebenen fahrzeugen hier herauf bewegt, fast unvorstellbar, dass radfahrer diese steigungen bei der tour-de-france überwinden.

im allgemeinen sind die pässe in den französischen alpen denen in österreich oder der schweiz oder den dolomiten nicht unähnlich. der grösste unterschied ist die weite und einsamkeit der landschaft. auch im hochsommer (ende august), als wir diese strecken abfahren, kommt nicht ein einziges mal das gefühl auf, dass viel verkehr herrscht. im gegenteil: manchmal begegnet uns kilometerweit kein fahrzeug, ein paar motorradfahrer, wenige autos - am meisten fahrradfahrer, die sich die passstrecken hochquälen um dann bergab mit halsbrecherischen geschwindigkeiten (über 80 km/h) sogar motorradfahrer zu überholen.

auf der südrampe des col de l'iseran erleben machen wir die erste unangenehme erfahrung mit französischer strassenbauweise. dazu muss gesagt werden, dass die franzosen bei weitem nicht soviel geld in das strassennetz stecken, wie z.b. die peniblen schweizer oder automobilvernarrten norditaliener. man merkt sofort am strassenzustand, in welchem land man sich befindet. ein und dieselbe strasse kann auf der italienischen seite beinahe dreispurig ausgebaut, mit feinstem griffigen belag versehen - auf der französischen seite in eine fahrwerksmordende piste mit frostaufbrüchen und üblen schlaglöchern mutieren. mit den wartungsarbeiten der französischen strassenbauer noch nicht vertraut, biegt man in halbwegs zügigem tempo um eine kurve und sieht mit schreckgeweiteten augen auf voller fahrbahnbreite feinsten rollsplit verteilt. ein bremsmanöver ist zwecklos, ich versuche wenigstens hinten ein wenig zu verzögern (was bei einer ducati gleich null geht) während ich mit gezogener kupplung und angehaltenem atem über den kies eiere. aus den augenwinkeln sehe ich, wie auf der linken seite mehrere motorradfahrer ihre offenbar gestürzten maschinen begutachten. wir kommen mit dem schreck davon, und schwören uns nach einer zigarettenpause, nie wieder ein schild mit einem kleinen arbeiter darauf zu ignorieren.

die strassen werden folgendermassen "geflickt": zuerst wird die stelle mit bitumen ausgegossen und danach grosszügig mit rollsplit abgedeckt. der split bindet mit dem bitumen und gibt nach trocknung wieder eine gut griffige oberfläche. diese arbeitsweise würde sich auch für viele strassen in anderen ländern empfehlen, wo man sich aber (aus bequemlichkeit?) damit begnügt, sägemehl, oder gar nix zum aufstreuen zu verwenden. das hat zur folge, dass sich diese bitumenschmierereien in eine extrem rutschige falle für alle zweiräder verwandelt, sobald es etwas wärmer oder nass ist. jeder motorradfahrer, oder auch radfahrer, der auf so einer bitumenspur schonmal gerutscht ist, weiss, wie unangenehm das ist - viele sind darauf schon schwer gestürzt.

darum folge meinem ersten schreck nach der "rollsplitaktion" die erleichterung, dass die strassen hier wenigstens zweiradsicher repariert werden. was auch nicht verwundert, ist frankreich ja das mekka der rennradfahrer.

02.09.2005 um 11:18 Uhr

tour de france - 1. teil - mit william turner am beginn einer reise

von: sig

eine ducati-superport ist nicht gerade das motorrad, das für die grosse tour geeignet erscheint. weder kofferset- noch topcasetauglich, mit recht extremer sitzposition und vergleichsweise geringem windschutz auf autobahnen wären st oder multistrada aus demselben haus besser geeignet. trotzdem kann man, wenn man sich mit dem notwendigsten begnügt, im urlaub mit einer supersport glücklich werden. ein tankrucksack voll für 7 tage muss genügen. 1 leichte jeans, 1 t-shirt für alle 2 tage, 1 paar socken für jeden tag, ebensoviele unterhosen, ein leichtes paar stoffschuhe, camera, ersatzakkus und ladegerät, strassenkarten, zigaretten, fertig. im überraschend grosszügig dimensionierten sitzbankfach und in den ausbuchtungen der seitenverkleidung hat noch die regenkombi und das werkzeug platz. ein kurzes stossgebet an den wettergott für schönes wetter und es kann losgehen.

die fahrt von westösterreich durch die schweiz bringen wir recht zügig auf der autobahn hinter uns. kurz vor basel beginnt es zu nieseln, kurz darauf zu regnen. wir flüchten auf einen rastplatz und zwängen uns in die regenkombi. lausanne und martigny passieren wir im sprühnebel der autos, aber danach geht's auf die landstrasse richtung grosser st. bernhard. die auffahrt ist trotz nasser strasse ein genuß, bis wir auf der passhöhe in dichtestem nebel versinken. wanderer kommen uns auf der strasse als schemenhafte gestalten entgegen, wie geister aus dem erlkönig. brille und helmvisier sind in kürzester zeit mit feinsten tröpfchen beschlagen und ich bereue es, dass ich nicht noch vor der abfahrt ein antibeschlagmittel aufgetragen hatte. so passieren wir auf unseren 2 italienerinnen (ducati und cagiva) den pass ohne stehenzubleiben. das hätte auch wenig sinn gemacht in der nebelsuppe. kurz nach der passhöhe reissen die wolken auf und lassen die ersten sonnenstrahlen dieses tages durch. langsam wird der blick frei auf das aostatal, das in meiner vorstellung schon lange als das "glückliche tal" herumgeisterte weil ich die bilder von dem grossartigen landschaftsmaler william turner im kopf habe, der vor 200 jahren etliche aquarelle und ölgemälde auf seiner europa-reise anfertigte.

leider hält der die realität des 21. jhdts. nicht, was die impression des william turner verspricht. das aostatal ist ein heute ein wichtiger verkehrsknotenpunkt, der die schweizer, italienischen und französischen alpen verbindet und von blechlawinen überrollt wird.