Heidis Gedankensplitter

23.04.2018 um 13:53 Uhr

Tim Bergling

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Ein kleiner blonder Junge erblickte 1989 in Schweden das Licht der Welt, und wieder war dem Land der musikalischen Wunderkinder ein Genius entsprungen, ein Virtuose der elektronischen Musik, wie sich später herausstellen sollte.

Hochbegabt als Künstler und dann auch als Produzent rissen sich internationale Stars um die Zusammenarbeit mit ihm. Schon in seinen frühen Anfängen als DJ gelang es ihm, ein Plagiat zu enttarnen und erwirkte, dass sein Name auf der Single einer damals schon angesehenen Sängerin erschien.
2011 dann der internationale Durchbruch, "Levels" war in den skandinavischen Ländern, sowie in Deutschland, Großbritannien und Österreich an der Spitze der Charts. Der Pfeil zeigte weiter rasant nach oben, sein Debütalbum 2013 lieferte einen Hit nach dem anderen, die Männer von ABBA arbeiteten eng mit ihm zusammen, und die beiden erkennen Talente.
Danach ging es Schlag auf Schlag, er komponierte und produzierte ua für Coldplay, Robbie Williams, Wyclef Jean, Carlos Santana, Madonna usw. Überall lobte man sein außerordentliches Talent für Musik, aber im gleichen Atemzug auch seine Sensibilität und seinen Charakter als Mensch. Etwas, das man selten über seine Kollegen, die ebenfalls als DJ´s Karriere gemacht haben, gehört hat. Ihm haftete nie die Attitüde des banalen Partymusik - Machens auf Ibiza  an. Seine Begabung hat man erkannt, so man ein Gespür dafür hat. Mousse T sagte über ihn, dass er ein wahnsinnig symapthischer wie hochtalentierter Mensch sei, im Gesamten aber sehr zerbrechlich wirkte.

War er wirklich geschaffen für diesen Rummel? Sein Künstlername war anscheinend Programm, er stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet eine Ebene der buddhistischen Unterwelt. Mich hat sein Name Tim Bergling immer mehr fasziniert, klingt er doch wie aus Herr der Ringe. Eine verzauberte Gestalt. Schon 2016, als er im Alter von gerade einmal 26 Jahren seinen Rücktritt von der Bühne erklärte, "weil er sich Sorgen um seine sowieso angeschlagene Gesundheit mache und noch viel Zeit für sovieles in seinem Leben haben wollte", hat mich die Reife und Reflektiertheit in einem so jungen Alter sehr positiv überrascht, das am Höhepunkt seiner Karriere!  Der Musik, seiner großen Liebe, wollte er jedoch immer treu bleiben, weiterhin großartige Lieder erschaffen.

Es war ihm nicht mehr lange gegönnt. Irgendwer hat sein irdisches Licht ausgemacht. Menschen nicht, er selbst hoffentlich auch nicht. War es Schicksal, Gott? Fast kann man ihn verstehen, angeblich holt er ja die Besonderen besonders früh.
Der Welt wird er trotzdem nicht verloren gehen, seine Begabung und sein musikalisches Erbe wird weiterleuchten, denn er hat Fußspuren hinterlassen.
Seine Lieder kennt jeder, selbst wenn man noch nie sein Gesicht gesehen hat.

Hat die knallharte Branche wieder einmal ein (hoch?)sensibles Talent verheizt? Er sprach oft von seiner Zerrissenheit zwischen Tim und der Kunstfigur, seiner Introvertiertheit und dem großen Bedürfnis nach Ruhe und andererseits dem Rausch, auf der Bühne umjubelt zu sein, dem man sich so schwer entziehen kann. Wieviele Künstler sind dem schon zum Opfer gefallen, dass die Seele dem Ruhm nicht hinterherkam.
Diese begabten Zartbesaiteten bräuchten keine Manager, die sie noch höher pushen, sondern welche, die auf ihre Herzen und ihren Geist aufpassen und im richtigen Moment bremsen.
Tim war nicht gesund, er hatte immer wieder zu kämpfen, in vielen verschiedenen Krankenhäusern der Welt.
In den legendären "Club 27" hat er es nicht geschafft, um ein Jahr. Aber einreihen unter diese jungen Ausnahmetalente kann er sich allemal. Janis, Jimi, Jim, Kurt, Amy...Tim.
Er wollte ja bremsen. Und doch hat das Leben ihn am Ende eingeholt.

Flieg in Frieden, Avicii!


01.04.2018 um 10:57 Uhr

Brief an mein junges Ich

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Könnte ich heute meinem jungen ICH ein paar Dinge sagen, sie würden wie  folgt lauten:

1) Lauf keinem Trend hinterher, auch wenn die Frisur in der Zeitschrift heiß aussieht, DIR passt sie nicht! Dein Haar ist wundervoll, so wie es ist.

2) Noch weniger lauf um Gottes Willen den anderen Youngsters hinterher - sie haben gar keine Ahnung! (und auch später begegne der breiten Masse immer kritisch, da haben die Youngsters noch mehr Ahnung)

3) die, die du für cool hältst, über die wirst du mal denken: danke Gott, dass du mich vor Fehlern bewahrt hast!

4) aber es gibt auch welche, die berühren dich schon jetzt, und im Erwachsenenalter sind sies ebenfalls noch wert - riskier also lieber noch einen zweiten Blick! Das könnten die ganz großen Begegnungen und Lieben werden!

5) Ja, zieh das bunte Teil an, mixe Blümchen mit Streifen, Mode macht Spaß!

6) Mache Fehler und sei nicht streng mit dir! Die du jetzt machst, ersparst du dir später. Erst im Nachhinein wirst du sehen, es gab nie Gegner - es gab nur Lehrer.

7) Sei nicht genervt von deinen Eltern- sie versuchen ihr Bestes und sind bloß erwachsen gewordene Teenager, die auch manches noch nicht gelöst haben - wie du. Im Grunde ihres Herzens lieben sie dich abgöttisch.

8) Die allerbesten Freunde kommen erst noch. Kränk dich nicht, dass sie dich nicht in ihrer Clique haben wollen. Du wirst sie nicht ein einziges Mal später vermissen. Dafür kriegst du Menschen, die für dich durchs Feuer gehen.

8) Man darf Seifenopern anschauen. Oja. Es ist nicht uncool.

9) Musicals sind ebenfalls nicht uncool.

10) Wenn du an diesem Samstag Abend nicht in die Dicso willst, obwohl alle hingehen und du lieber zuhause lesen oder Filme schauen willst, relax! Du versäumst absolut nichts.

11) Es ist okay, Spaziergänge in der Natur nicht besonders berauschend zu finden. Tiere sind auch Natur.

12) Lieb dich auf jeden Fall selbst! Lieb dich am allermeisten. Genauo so bist du gemeint. Du musst nichts daran ändern. Die richtigen Menschen, die dann nicht nur Lehrer, sondern wahre Gefährten sind, die werden dich so sehen, wie du gesehen werden willst.

13) Das Leben ist ein Theaterstück, und du bist die Hauptrolle. Du bist der Regisseur, du bist der Drehbuchautor, du hast alles in der Hand. Und solltest du mal den Text vergessen - es gibt immer jemanden, und sei es deine innere Stimme - der dir einflüstert, wies weitergeht...


04.02.2018 um 11:08 Uhr

Empfindungen

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

"Wer nicht zuweilen zu viel empfindet, der empfindet immer zu wenig." (Jean Paul)

Stimmt doch auch, oder?
Wir emotional - sagen wir mal: fluffiger gestrickten Menschen - beneiden oft die, die scheinbar bei Buddha in der Lehre waren und nun mit stoischer Ruhe durchs Leben lustwandeln, fern von Drama und Gefühlseskalation.
Was muss das für ein zufriedenes und gelassenes Leben sein. Vor allem in Zeiten, wo bei uns die Skala auf Tsunami steht und die Wogen nur so über uns zusammenschlagen, schielen wir neidisch auf die ewig Gelassenen und fragen sich zum schier hundertsten Mal: wie machen die das bloß?

Die machen das nicht, genaus so wenig, wie wir das machen. Das IST einfach so. Ich denke schon, dass man sich ein gewisses Maß an Gelassenheit antrainieren kann, seine Veranlagung jedoch kann man nicht neu codieren. Und was IST, das sollte man akzeptieren und eben mit seinem Werkzeug arbeiten.

Wenn ich mir das Zitat am Beginn ansehe, dann kann ich der hohen Emotionalität durchaus viel abgewinnen. Denn stimmt, in Krisenzeiten will man nur mehr flüchten, aber dann, wenn Glücksmomente anklopfen, wenn wir Kunst bestaunen, ein Tierkind uns entzückt oder wir in die Augen des geliebten Menschen blicken, dann - da bin ich mir sicher - möchte keiner zu wenig empfinden. Dann gucken wir nicht mehr neidisch auf die Ungerührten, die mit Fragezeichen über dem Kopf vor einem Gemälde stehen oder während eines Konzertes mit dem Smartphone spielen und gähnen.

Man bekommt eben nur beides im Doppelpack, Medaille, Kehrseite. Daran gibts nichts zu rütteln. Lieber einmal mehr empfunden als wahrnehmungslethargisch zu sein.

In jeder noch so unangenehmen Situation hilft es vielleicht ein wenig, sich daran zu erinnern, wie weit wir auch über die andere Ziellinie springen können...


09.12.2017 um 08:01 Uhr

"Süße" Rache?!

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

"Auge um Auge, Zahn um Zahn." "Wie du mir, so ich dir." Ich habe vor kurzem zwei Filme gesehen, die dieses Thema aufgriffen, in unterschiedlichen Herangehensweisen der Protagonisten.

Im ersten ging es um den persönlichen Rachefeldzug gegen einen anderen Menschen, der einem laut eigener Wahrnehmung schlimmes Leid zugefügt hat. Hat er? Nun ja, das ist ein schmaler Grat. Manchmal mag unser kleingeistiges und verängstigtes Ego uns das glauben lassen. In diesem Film erfährt der Vater nach 17 Jahren, dass er nicht der Erzeuger seines Sohnes ist. Natürlich mag man ihn verstehen. Er schlägt aus verletzter Eitelkeit wie wild um sich, zerstört alles und jeden um sich herum, hat keinen Blick mehr dafür, was alles schön und wundervoll in diesen Jahren war. Erst als fast alle am Boden liegen und die Familie vorm finanziellen Ruin steht – und es tut als Zuschauer weh, ihm dabei zuzusehen, weil man fühlt, wie falsch er handelt! - erkennt er, dass die Mutter aus einer Schocksituation heraus handelte, dem Jungen den bestmöglichen Vater bieten wollte, ihm dabei zusah und er dadurch die Liebe ihres Lebens wurde. Hat er wirklich einen schlechten Deal vom Leben erhalten? Bei näherer Reflexion: nein. Aber es braucht Zeit, um das zu erkennen. Deshalb sollte man wichtige Lebensentscheidungen nie aus der Wut heraus treffen, denn die verraucht irgendwann, aber dann steht man vor der Asche seines persönlichen Kleinkrieges und einer Handvoll NICHTS. Ist das der eigene Stolz wert?

Im ersten Augenblick neigen wir Menschen aus verletzter Eitelkeit dazu, um uns zu schlagen, wir halten den Schmerz des Moments nicht aus, wollen, dass auch der andere was davon abkriegt, ihn leiden sehen und erhoffen uns dadurch Linderung. Das Gegenteil tritt aber zumeist ein. Hat man je einen Rächer gesehen, der inneren Frieden fand? Möglicherweise für eine Sekunde. Dann leidet er oft mehr als der usprüngliche "Täter", weil der aus anderen Motiven gehandelt hat.

Rachegedanken, Wut und Stolz sind ganz schlechte Ratgeber. Sie führen in Sackgassen, in die Destruktion, die ausnahmslos immer am Ende einen selber trifft.

Im zweiten Film hätte man den Rächer sogar verstehen können, hat ihm der Bruder wahrlich Schlimmes angetan, an Leib und Seele. Dann jedoch verunglückt der Täter, wird zum Pflegefall, kann nicht reden oder sich bewegen, aber er kann mit seinen Augen kommunizieren, und die zeigen tiefe Reue. Nun würde man annehmen, dass der geschädigte Bruder ihn seinem Schicksal überlässt, sich denkt: "Wie gerecht." Tut er aber nicht. Er spürt eine Regung in sich, und die nennt sich Mitleid, Mitgefühl. Alles in ihm sträubt sich erst, das zuzulassen, kommt es ihm doch so absurd vor. Jedoch dann überlasst er sich dem Gefühl, wird zum Ansprechpartner für die Ärzte, kümmert sich um seinen hilflosen Bruder, der einst ein Monster war, und als Zuschauer atmet man auf und will rufen: "Du tust das Richtige!" Sein innerer Frieden schwappt aus dem Bildschirm heraus auf einen selbst.

Mir fällt deutlich auf – denn nicht nur Filme greifen diesen roten Faden auf – dass wahre Opfer, denen wirklich Leid widerfahren ist, viel weniger rachsüchtig sind und auch tiefer daraufhin im Glauben und im Vertrauen in das Leben verwurzelt. Die Menschen mit einem sehr kleinen Selbstbewusstsein, dafür umso größerem Ego, denen nicht wirklich was geschehen ist, hadern weit mehr, sind viel aggressiver und unversöhnlicher.

Rache ist süß? Wohl eher nicht. Innere Verhärtung und Unversöhnlichkeit sind Eigenschaften, die einen Menschen verbittern und innerlich erstarren lassen zu einem Gipsabdruck seiner selbst. Nie sollte man Befriedigung oder Machtausübung darin suchen, einen anderen Menschen leiden zu lassen, und sei es noch so kurz. Egal, wie gerechtfertigt es einem erscheinen mag.

Liebe ist Vergebung. Ja, manchmal ist sie ein inszeniertes Candlelight Dinner am Strand oder ein Kniefall mit Ring. Aber in erster Linie ist ihr Wesen das zu vergeben und zu verzeihen. Was nicht bedeutet, dass man gut heißen muss, was der andere getan hat. Aber man kann es loslassen, um die Gerechtigkeit wird sich eine andere Instanz kümmern, wir müssen nicht den Richter spielen.

Wir sind einzig und allein für unseren eigenen inneren Frieden verantwortlich. Würden wir den finden, dann würd vielleicht der Frieden im Außen auch besser funktionieren. Denn fast alle Zwistigkeiten nehmen ihren Anfang in der Rache...

Habt eine friedvolle Adventzeit!



04.11.2017 um 12:37 Uhr

DANKESCHÖN...

... meine lieben Splitterleser für 10.000 Klicks, durch die mein erster Blog atmet und lebt und dafür, dass Ihr immer wieder vorbeischaut!

Ich hoffe, Ihr tut das auch weiterhin, und ich werde mich bemühen, Euch die eine oder andere "philosophisch - vergnügliche" Minute zu bescheren!

Danke, Eure Heidi! Fröhlich