Heidis Gedankensplitter

09.08.2017 um 10:16 Uhr

Dualseele

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Einmal hast du mir gesagt: "Lass dich einfach gehen, und du wirst sehen, wie wunderschön zwei Stimmen klingen, wenn auch ihre Seelen miteinander singen."

Wer traute sich schon gegen deine Stimme antreten, die einem so samtig über die Haut fließt?

Aber du hattest recht. Meine Stimme wurde durch deine auf einmal kräftig, wahrscheinlich, weil deine Liebe mir Nahrung gab.
Unser Duett klang herzberührend.
Wir ließen den Gesang in einen Tanz weiterfließen, die Stimme wurde durch die Beine, Arme und Hände abgelöst.
Musik hüllte uns nach wie vor ein, in diesen Situationen wird jedes Wort überflüssig. Wir bewegten uns leichtfüßig durch unsere Seelen und das Universum. Alles war möglich und nichts musste.

Seelenverwandtschaft ist nicht einfach.
Aber prächtig schön.


06.07.2017 um 08:52 Uhr

Was muss ich alles im Sommer?

Dem nächsten, der mich fragt, wohin es denn gehe im Urlaub, antworte ich mit: "Nach Usbekistan." Oder besser: "Zum Mars."
Diese Frage fordert mich richtig heraus, was ganz Unsinniges darauf zu antworten.

Vielleicht habe ich ein Gesetz verpasst, dass man im Urlaub wohin fahren muss? Oder ich riskiere, einer gesellschaftlichen Randgruppe beizutreten, deren Berechtigung fragwürdig ist.

Jeder, der gerne wegfährt, von mir aus ans andere Ende der Welt, gerne auch zu Onkel Donald -  sofern er einreisen darf! - soll es bitte tun, mit Freude, vom Herzen, mit all dem Stress von An - und Abfahrt. Ich will jenen Menschen nichts absprechen, die Reisen sehr reflektiert und mit sehr schönen persönlichen Zielen unternehmen und darauf eingestellt sind, was sie erwartet, ich rede hier von denen, die auf Urlaub fahren, weil man halt auf Urlaub fährt und dies auch voraussetzen.

Ich kenne die Argumente: zuhause kann man sich nicht erholen, man will was von der Welt sehen, man braucht Tapetenwechsel, das Wetter hier ist ja so unverlässlich etc etc.

Ich bitte aber darum, auch die Gegenargumente gelten zu lassen:
vielleicht gibt es zu Hause einen Menschen oder ein Tier, das man ungern alleine lässt, vielleicht ist einem das Geld zu schade, das in zwei Wochen auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist und man es lieber in etwas investiert, wovon man länger was hat, eventuell sogar Jahre? Möglicherweise weiß man um den körperlichen Stress, den so eine Fernreise auslöst und der der gewünschten Erholung schadet, ganz zu schweigen vom Ärger über den Nichtkomfort am Zielort?
Aber jetzt kommt der rebellischste Grund überhaupt: was, wenn man es am schönsten daheim findet? Einmal sein Zuhause ohne Arbeit genießt, sichs im Garten heimelig macht und einem nichts fehlt? Wenn bereits alles da ist und man selbst nicht auf der Suche?
Wenn einem äußeres Wetter schnurzegal ist, weil das innere passt?
Man keinen Reiz von außen braucht, um innerlich erfüllt zu sein und ein Buch das glücklichste Ziel des Tages ist.

Und was, wenn ich überhaupt nicht rausgehen mag bei schönem Wetter? Diese Vorliebe trau ich mich gar nicht laut auszusprechen, wer weiß, was ich da riskiere. Womöglich werde ich als lichtscheues und als gefährlich einzustufendes Wesen weggesperrt. Das noch nichtmal Eisessen mag, weil das so kalt im Magen ist. Fröhlich

Ok, genug davon, lasst euch ein wenig hochnehmen...ich wünsche jedem von euch, der wegfliegt, -fährt, -gondelt, einen wunderbaren Urlaub und all jenen, dies nicht tun, ebenso!

Bleibt bei euch, das ist das Wichtigste, und lasst vor allem IN euch die Sonne scheinen. Fröhlich

Und ich google jetzt mal das Wetter in Usbekistan...


10.06.2017 um 20:55 Uhr

Das Leben als Hochsensible

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Wenn ein Kind nicht in Cliquen spielen will, wenn es lieber einen einzigen Freund hat und sich auf den ganz tief einlassen kann, wenn es sich Sportwettkämpfen und dem damit verbundenen Konkurrenzdenken nicht aussetzen mag, wenn es sich gerne in sein Zimmer zurückzieht, um Bücher zu lesen, sich seiner Fantasie zu überlassen und einfach bei sich sein will – dann ist es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hochsensibel. Falls seine Eltern dies als Gabe und nicht als Makel sehen, dann hat es Glück. Dann kann es seine spezielle Begabung kultivieren und sie später in sein Leben integrieren.

Ich durfte das. Man hat mich Gott sei Dank nie gezwungen, rauszugehen mit den anderen Kindern, bloß weil die Sonne schien und man da schwimmen geht. Meine Eltern haben akzeptiert, dass ich mich oft in meiner eigenen Welt aufhalten musste, um mich wohlzufühlen.

Heute gibt es zahlreiche Bücher zum Thema Hochsensibilität (man geht davon aus, dass es circa 15% der Bevölkerung betrifft). Gut so, es ist befreiend zu erfahren, dass man sich nicht bloß "anstellt", empfindlich ist, als zickig abgestempelt wird. Mehr noch, man darf sich einer Gabe erfreuen, ein hochsensibler Mensch riecht anders, er empfindet tiefer, er nimmt die Schwingungen in einem Raum auf, fühlt sich in andere Menschen ein, kann ihnen Gedanken nahezu von der Stirn ablesen, weil er zwischen den Zeilen fühlen kann. Er verfügt über den sogenannten sechsten Sinn.

Es ist natürlich gleichermaßen Fluch und Segen, denn die Abgrenzung zur Außenwelt ist großes Thema. Bei all der Reizüberflutung nicht überfordert zu sein, bei sich zu bleiben, sich wieder zu "entleeren", das fordert dem Hochsensiblen schon ein ganzes Stück Arbeit ab. Dazu muss er allein sein, Zeit für sich haben, sich erden, wie – da findet jeder eine Methode, die er mag und ihm entspricht. Das kann Yoga sein, Kunst, schlafen, sich kreativ austoben, kochen oder im Garten arbeiten.

Menschenmassen, laute Partys, raue Umgangsformen, Teamsportarten, wo Kräfte gemessen werden – da wird man sie selten finden, diese zarten Pflanzen. Glück finden sie im Tiefgang, sie hinterfragen die Welt philosophisch und die hohe Fähigkeit zur Empathie lässt sie einen sehr speziellen Zugang zu Menschen haben, aber wenn möglich, dann nur zu einem auf einmal.

Ästhetik, Kreativität, Ausdruck und die leisen Töne – hier sind Hochsensible daheim.

Dennoch müssen sie aufpassen, nicht zu vereinsamen und sich komplett von der Welt abzukapseln. Ihre Aufgabe ist es, wenn auch nicht allzu viele, aber doch gesunde soziale Kontakte zu pflegen, offen durch die Welt zu gehen, jedoch ihre natürlichen Grenzen zu wahren und auf sich aufzupassen.

Man sollte sich niemals dem Irrglauben hingeben, dass Hochsensible schwache Menschen sind, die sich nicht wehren können. Bei aller Anpassung an die Außenwelt, um die Ecken und Kanten zu ertragen: wenn sie mit dem Rücken an der Wand stehen, kann niemand unsensibler sein und ein wahrer Aggressionstsunami als ein noch vor einer Sekunde zart – sensibler Mensch. Das lässt sein Umfeld nicht selten staunenden Auges dastehen.

Ich weiß, wie man darunter leiden kann, und ich weiß, wie reich und tief es das Leben macht, wie intensiv man Situationen "erleben" kann, wie Augenblicke Zellen nahezu sprengen können, ob Leid oder Freud.

Es kann dauern, bis man erkennt, wer oder was man ist. Schließlich fällt einem das erste Buch darüber in die Hände, man liest sich ein, erkennt sich in jedem Wort wieder, und plötzlich atmet man auf.
Man stimmt schon so, wie man ist. Alles ist gut, und alles darf. Weder ist man seltsam, noch eine Mimose, man ist einfach ein wenig anders.

Und wie schön dieses "Anders" sein kann, das hat Renate Göckel in ihrem Buch "Was Hochsensible glücklich macht" in einem wunderbaren Satz zusammengefasst:


"Sie sind die Aristokraten des Herzens."

Seid stolz auf eure Gabe!



07.05.2017 um 08:16 Uhr

Lustig seltsamer Mensch

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Der Mensch stellt sich einen Pool auf, spannt aber einen Regenschirm über sich, wenn es fein zu nieseln beginnt.

Schneeschaufeln beklagen wir, beten trotzdem ganzen Advent um weiße Weihnachten. Noch sehnsüchtiger wird die Sonne erwartet nach der ungeliebten dunklen Jahreszeit, um dann vier Sommermonate bei heruntergelassenen Rollos im Dunklen (!) zu leben, damit es drinnen nicht zu heiß wird. Noch interessanter: nachdem es endlich heiß ist, fahren wir dann gerne in Länder, in denen es heiß ist.

Wir bauen riesengroße Häuser, um im Alter darüber zu jammern, wer das alles in Stand halten soll und wer das alles bitteschön braucht. Weiß irgendwer nicht, dass er altert?

Als nächstes beginnen wir Flächen zu begrünen, setzen Pflanzen rund um unseren neuen Swimmingpool, kaufen teure Teakholzmöbel und spannen Segeltücher, der Griller steht parat und alles ist wunderschön – und dann buchen wir eine Fernreise, um auf anderen Liegestühlen vor einem fremden Pool Urlaub zu machen. Land und Leute interessieren ja eher wenig.

Soviel Stress im Alltag, der Job, die Familie, alles unter einen Hut bringen, doch kaum ein Wirtschaftszweig boomt mehr als die Unterhaltungsindustrie, denn was bloß würden wir mit dem Rest freier Zeit anfangen, wenn wir nicht auf Feste und Veranstaltungen gehen, wo uns Menschenmassen erdrücken und man uns die Ohren zudröhnt? Da kann man schon mal so richtig die Seele baumeln lassen, gerne auch in Raftingbooten und auf Extremmountainbiketouren.

Kaum etwas beschäftigt den Menschen mehr als der Erhalt seiner Gesundheit und tut doch mit großem Einsatz vieles dafür, um krank zu werden.

Für ein Autoservice legen wir mal locker einige hundert Euro ab, ist es doch unser allerliebstes Haustier, doch bei einer Behandlung für unseren Körper fragen wir sicherheitshalber: geht das auf Krankenkasse? Da wird schon reflektiert, ob sich das fürs Eigenwohl auszahlt.

Wir sind alle furchtbar in Eile, aber soviel Zeit muss sein, die Nachbarn und unsere Mitmenschen zu beobachten, über sie zu reden und zu verurteilen.

Für die begehrte Handtasche machen wir unsere Sparbücher locker, Fleisch im Supermarkt sollte dafür billig sein. Ist doch nur für unseren Magen und zum Wohl der Tiere.

Sehr beliebt auch diverse Sportgeräte. Nordic Walking Stöcke sind schick, gehen ist ja so gesund, aber Schatz, lass doch bitte das Auto hier, ich muss noch schnell Milch holen. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Heranwachsenden Bewegung unglaublich gut tut, doch hege ich die Vermutung, dass irgendwelche Gefahren auf dem Schulweg lauern müssen, wird der Nachwuchs doch jeweils einzeln bis vor die Tür chauffiert. Wir wollen keinen Schritt zu viel machen und haben Haushaltsgeräte erfunden, schreiben uns dann lieber in Fitnesstempeln ein, um mobil und kräftig zu bleiben, meistens als unterstützende Zahler für den Erhalt der Firma. 

Die Liste könnte man endlos fortführen, es ist so erstaunlich, wie viele unsinnige und paradoxe Dinge der Mensch macht, Dinge, die sich widersprechen und in sich wieder aufheben. Warum wir das wohl tun, erfüllt das einen tieferen Sinn? Es muss uns ja irgendwohin bringen? 

Egal, auf jeden Fall mal in den Flieger für den nächsten Sommerurlaub, während es sich die Nachbarskatzen auf unseren Sonnenliegen bequem machen können, weil frei...



21.04.2017 um 21:02 Uhr

Wetterberichte

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Schneechaos im Fühling, Stürme, die die Innenwelt fast nach außen kippen.

Alle waren aufgebracht, irritiert, böse auf Petrus, Frau Holle oder einfach nur den Wettermoderator, aufgescheuchtes Volk rund um mich.

Eigentlich auch ein recht zartbesaitetes Pflänzchen, war ich an dem Tag die Ruhe weg. Habe versucht, mich zu empören über das unwirtliche Treiben vor der Tür, es ganz schrecklich zu finden, aber es wollte einfach nicht gelingen.

Zu schön das Wetter in mir drin. Das Leben hat beschlossen, sein Ballkleid anzuziehen und zu tanzen, und da musste ich anstatt der Daunenjacke einfach die Federboa umlegen. Dazu Vanessa Paradis, die mir ein französisches Chanson entgegenhauchte, sah ich mich an der Seine spazierengehen. Meine Hand in einer anderen Hand. Und plötzlich war der Frühling ganz nah. Ohne sonnendurchfluteten Soundtrack dazu.

Gut, also wie war das noch einmal mit dem unfreundlichen Wetter? Keine Chance, mich darüber aufzuregen.

Tagträume, Inner Smile, mein Auto wurde zur Raumkapsel, die mich auf einen Stern katapultierte, den normalerweise der kleine Prinz bewohnt. Ich konnte die Rose sehen, den Fuchs und war berührt.  

Es schneit ja immer noch, mitten im Frühling. Welch eine Metapher. Die Natur ist poetisch. Wie blind wir manchmal dafür sind.

Das Buch "Anna schreibt an Mister Gott" (bezaubernd!) kam mir in den Sinn, wo die Kleine sinngemäß die Frage stellt, warum Menschen (vor allem gerne auch die, deren Existenz nicht zwingend davon abhängig ist) so angestrengt das Wetter beobachten , vor allem das äußere, wo doch das wesentlich wichtigere das in einem drin ist. Wunderbare Anna, du bist meine Heldin.

Ich sehe schon, heute wird es wohl nicht mehr aufhören.

Nicht hadern. Einigeln in die vier Wände, dankbar sein, wenn das Heim warm ist.

Und das Herz mit dazu.