Heidis Gedankensplitter

08.10.2017 um 13:59 Uhr

Hommage

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Warnung: dies wird keine philosophische Kolumne...oder doch?

Ich möchte eine Hommage an Kleidung schreiben, ich bin sehr modeaffin. Stoffe und Schnitte gehören für mich zu den schönsten Dingen, für die es sich Geld auszugeben lohnt. Ich gebs zu, es ist eine Schwäche. Aber eine ästhetische.

Wie ich darauf komme? Es ist Herbst. Und nicht nur der trägt sein schönstes Gewand, Stichwort: goldgelbrote Farbenexplosion, sondern auch die Menschen - wieder.  Die Sommerzeit ist eine modische Grauzone, ein Schattenbereich, den ich kaum wahrnehme, Leute sind gekleidet, als wollten sie zum Strand gehen. Aber nicht, um echte Gewandung auszuführen. Bequemlichkeitsfaktor lass ich nicht gelten, wer mir erzählt, das Schönste, das er sich vorstellen kann, seien bloß Shorts und Flip Flops anzuziehen, mit dem habe ich einfach kein Gesprächsthema. Mit Verlaub, das ist einzig eine gültige Alternative, um nicht nackt auf die Straße zu gehen, aber mehr schon nicht. Das einzige Sommerkleidungsstück, das echte Attitude hat, ist der Jumpsuit, früher einfach Overall genannt. Man schlüpft rein, sonst keine Ergänzung notwendig, Schultern frei, Beine luftig umhüllt, wunderbar.

Jetzt, wo die Tage kühler werden, packen sich Menschen vom Hemd bis zu den Schuhen wieder in vorzeigbare und edle Schnitte. Ok, nicht alle.
Den Unterschied zwischen Stil und Style zu kennen, wäre mal grundsätzlich kein Fehler. Style ist eine Momentaufnahme, ja oft sogar eine Verkleidung, Stil ist was Haltbares, ein Statement, die Unterstreichung einer Persönlichkeit. Vielleicht liegt aber auch darin das Problem, wie in sovielen Dingen, dass Menschen sich selbst gar nicht kennen und deshalb auch nicht wissen, was ihnen steht oder was man wohin tragen kann. Es verleiht eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, wenn man merkt, dass man dem Anlass entsprechend perfekt angezogen ist, und Komplimente machen Freude.

Man sollte sich zu jeder Zeit entscheiden, will man selber wahrgenommen werden, oder soll das Outfit im Vordergrund stehen? Ein Kleid sollte eine Frau maximal umrahmen, ihr aber niemals die Show stehlen.
Coco Chanel war es, die Mode von jedem unnötigen Schnickschnack befreit hat. Um ein Kostüm abzurunden, hat sie nie etwas dazu gegeben, sondern immer etwas weggenommen. Absolut zeitlos und heute gültig wie eh und je, lieber zurücknehmen, als mit einem Outfit zu lärmen. Es sei denn, man arbeitet in einem Zirkus oder sonstwo.

Wo ich wieder die liebe Gabrielle (Cocos richtiger Name) zitieren will, die da meinte: "Erotik soll mit dem Teelöffel und nicht mit der Schöpfkelle serviert werden." Danke, Coco. Möge man dies bitte den Stars und Sternchen der heutigen Zeit ausrichten, die anscheinend nur ihre Brüste haben, um wahrgenommen zu werden? Der absolute Stilcode: ENTWEDER Dekolleté ODER Beine scheint an ihnen ungehört vorbeizuwehen.
Umhüllte Körper finde ich persönlich weit erotischer als nackte. Ein mit Stil gekleideter Mensch, der seine Persönlichkeit unterstreicht und eine Botschaft transportiert, reizt Interesse weit mehr, als man wird mit zuvielen nackten Tatsachen konfrontiert.

Yves Saint Laurent, ein wahres Genie seines Faches, er hat die Coolness in die Frauenmode gebracht. Er hat sie in Hosenanzüge gehüllt, wie mondän!
Apropos cool: nein, die (Nicht-)Farbe Schwarz ist weder düster noch traurig, schwarz ist und wird immer elegant, aufregend und geheimnisvoll bleiben. Ebenso wie seine kleine Schwester Grau, denn - und nun zitiere ich mich selber aus einem älteren Blogeintrag: Grau ist bloß mattes Silber. Also Glamour pur.
Sehr wichtig ist auch der Wohlfühlfaktor. Nicht fragen, was darf man, was darf man nicht. Auch wenn sie tönen, kleine Frauen sollen keine flachen Schuhe tragen, trag sie mit Stolz, strahle dein Wohlbefinden darüber aus - und du wirst wunderbar aussehen!

In Sachen Lebensmittel tuns ja schon viele, wir sollten auch in unseren Kleiderschränken auf regionale Manufakturen achten, auf die Art der Wolle, auf Nachhaltigkeit. Lieber ein paar teurere Klassiker und gute Basics, als einen Haufen schlecht nach Chemie riechender Billigfähnchen. Früher bin ich auch jedem gerade modernen Stück, gerne auch günstigem, nachgelaufen, war auch ebenso schnell wieder aussortiert. Und wenn ihr wirklich einen Fehlkauf begangen habt, passiert mir auch trotz guter Vorsätze noch manchmal: macht Flohmärkte und Tauschbörsen mit Freundinnen und Kolleginnen, auch da habe ich schon wahre Schätze erstanden. Oder spendet es.

Mein Kasten jetzt, der hat Wert, das sind Lieblingsstücke, die mistet man nicht nach einer Saison wieder aus. Die haben Charakter.

Und Stil. Meinen nämlich.










13.09.2017 um 11:49 Uhr

Vom Ende der Geduld?

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Nun kann es sein, dass ich mich mit diesem Thema ein wenig weit aus dem Fenster lehne, die Leser empört aufschreien - aber es beschäftigt mich, nebst all meinem Mitgefühl für jedes einzelne Opfer. Es beschäftigt mich philosophisch.

Jeder von uns verfolgt aktuell die Hurricans und Tornados in Florida, Mexiko, der Karibik - den schönsten Paradiesen der Welt, vieles davon der Traum aller Lottomillionäre und Aussteiger.
Die Spur der Verwüstung lässt niemanden kalt, und man empfindet tiefste Betroffenheit, wenn Menschen ihr Heim verlieren, wenn alles im wortwörtlichen Sinn den Bach runtergeht. Man kann nur dasitzen und ist machtlos.

Warum aber sind wir nur starr vor Entsetzen, wenn es uns, die Menschheit, trifft?
Warum sind wir es nie, wenn es die Erde trifft? Wenn sie wieder angebohrt, abgeholzt, ausgebeutet und niedergetrampelt wird, mit Plastik und Schmutz zugemüllt? Eventuell sind wir es noch, wenn Tiere abgeknallt werden, aber auch nicht alle.

Wir haben ja gute Ausreden, schließlich wollen wir alle essen und trinken. Nur leider will der Mensch noch mehr und mehr und mehr und mehr, er will auch Macht und Geld, wer wird sich denn da viel antun, wenn ein bisschen Öl in die Ozeane fließt?

Glaubt ihr nicht auch, dass die Erde sich ein wenig gereizt schüttelt? Ich würde mich auch nicht über uns freuen. Oder zumindest schimpfen wollen.Wir alle würden uns wehren und mal einen Alarmschuss abgeben.

Das Ungleichgewicht ist schließlich so tragend. Abermillionen von Jahren duldet sie uns schon still, läßt schreckliche Dinge mit sich anstellen, ernährt uns aber immer noch, erfreut uns immer noch mit den schönsten Panoramen. Haben wir es ihr je gedankt, unserer Mutter?

Warum bloß vergessen wir immer wieder, dass wir SIE brauchen, es aber niemals umgekehrt ist? Sie braucht uns nämlich für überhaupt GAR NICHTS. Es ist eine Gnade, dass wir hier leben dürfen.
Ziemlich demütig sollten wir die Schöpfung betrachten und sie inniger lieben als uns selbst.
Ewig lange sieht sie uns schon beim Unfug treiben zu. Langsam beginnt sie sich zu bewegen, ihre scheinbar endlose Geduld wirkt ein wenig strapaziert.

Es ist großartig, wenn Menschen jetzt spenden, zusammenrücken, einander helfen.

Lasst uns nie vergessen: Mitgefühl für Mutter Erde schließt automatisch Nächstenliebe mit ein - vielleicht bräuchten dann weniger Menschen vor den buchstäblichen Trümmern stehen, und die nach uns könnten mit Wohlwollen auf uns zurückblicken...



09.08.2017 um 10:16 Uhr

Dualseele

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Einmal hast du mir gesagt: "Lass dich einfach gehen, und du wirst sehen, wie wunderschön zwei Stimmen klingen, wenn auch ihre Seelen miteinander singen."

Wer traute sich schon gegen deine Stimme antreten, die einem so samtig über die Haut fließt?

Aber du hattest recht. Meine Stimme wurde durch deine auf einmal kräftig, wahrscheinlich, weil deine Liebe mir Nahrung gab.
Unser Duett klang herzberührend.
Wir ließen den Gesang in einen Tanz weiterfließen, die Stimme wurde durch die Beine, Arme und Hände abgelöst.
Musik hüllte uns nach wie vor ein, in diesen Situationen wird jedes Wort überflüssig. Wir bewegten uns leichtfüßig durch unsere Seelen und das Universum. Alles war möglich und nichts musste.

Seelenverwandtschaft ist nicht einfach.
Aber prächtig schön.


06.07.2017 um 08:52 Uhr

Was muss ich alles im Sommer?

Dem nächsten, der mich fragt, wohin es denn gehe im Urlaub, antworte ich mit: "Nach Usbekistan." Oder besser: "Zum Mars."
Diese Frage fordert mich richtig heraus, was ganz Unsinniges darauf zu antworten.

Vielleicht habe ich ein Gesetz verpasst, dass man im Urlaub wohin fahren muss? Oder ich riskiere, einer gesellschaftlichen Randgruppe beizutreten, deren Berechtigung fragwürdig ist.

Jeder, der gerne wegfährt, von mir aus ans andere Ende der Welt, gerne auch zu Onkel Donald -  sofern er einreisen darf! - soll es bitte tun, mit Freude, vom Herzen, mit all dem Stress von An - und Abfahrt. Ich will jenen Menschen nichts absprechen, die Reisen sehr reflektiert und mit sehr schönen persönlichen Zielen unternehmen und darauf eingestellt sind, was sie erwartet, ich rede hier von denen, die auf Urlaub fahren, weil man halt auf Urlaub fährt und dies auch voraussetzen.

Ich kenne die Argumente: zuhause kann man sich nicht erholen, man will was von der Welt sehen, man braucht Tapetenwechsel, das Wetter hier ist ja so unverlässlich etc etc.

Ich bitte aber darum, auch die Gegenargumente gelten zu lassen:
vielleicht gibt es zu Hause einen Menschen oder ein Tier, das man ungern alleine lässt, vielleicht ist einem das Geld zu schade, das in zwei Wochen auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist und man es lieber in etwas investiert, wovon man länger was hat, eventuell sogar Jahre? Möglicherweise weiß man um den körperlichen Stress, den so eine Fernreise auslöst und der der gewünschten Erholung schadet, ganz zu schweigen vom Ärger über den Nichtkomfort am Zielort?
Aber jetzt kommt der rebellischste Grund überhaupt: was, wenn man es am schönsten daheim findet? Einmal sein Zuhause ohne Arbeit genießt, sichs im Garten heimelig macht und einem nichts fehlt? Wenn bereits alles da ist und man selbst nicht auf der Suche?
Wenn einem äußeres Wetter schnurzegal ist, weil das innere passt?
Man keinen Reiz von außen braucht, um innerlich erfüllt zu sein und ein Buch das glücklichste Ziel des Tages ist.

Und was, wenn ich überhaupt nicht rausgehen mag bei schönem Wetter? Diese Vorliebe trau ich mich gar nicht laut auszusprechen, wer weiß, was ich da riskiere. Womöglich werde ich als lichtscheues und als gefährlich einzustufendes Wesen weggesperrt. Das noch nichtmal Eisessen mag, weil das so kalt im Magen ist. Fröhlich

Ok, genug davon, lasst euch ein wenig hochnehmen...ich wünsche jedem von euch, der wegfliegt, -fährt, -gondelt, einen wunderbaren Urlaub und all jenen, dies nicht tun, ebenso!

Bleibt bei euch, das ist das Wichtigste, und lasst vor allem IN euch die Sonne scheinen. Fröhlich

Und ich google jetzt mal das Wetter in Usbekistan...


10.06.2017 um 20:55 Uhr

Das Leben als Hochsensible

von: Heidemaria   Kategorie: Gedankensplitter

Wenn ein Kind nicht in Cliquen spielen will, wenn es lieber einen einzigen Freund hat und sich auf den ganz tief einlassen kann, wenn es sich Sportwettkämpfen und dem damit verbundenen Konkurrenzdenken nicht aussetzen mag, wenn es sich gerne in sein Zimmer zurückzieht, um Bücher zu lesen, sich seiner Fantasie zu überlassen und einfach bei sich sein will – dann ist es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hochsensibel. Falls seine Eltern dies als Gabe und nicht als Makel sehen, dann hat es Glück. Dann kann es seine spezielle Begabung kultivieren und sie später in sein Leben integrieren.

Ich durfte das. Man hat mich Gott sei Dank nie gezwungen, rauszugehen mit den anderen Kindern, bloß weil die Sonne schien und man da schwimmen geht. Meine Eltern haben akzeptiert, dass ich mich oft in meiner eigenen Welt aufhalten musste, um mich wohlzufühlen.

Heute gibt es zahlreiche Bücher zum Thema Hochsensibilität (man geht davon aus, dass es circa 15% der Bevölkerung betrifft). Gut so, es ist befreiend zu erfahren, dass man sich nicht bloß "anstellt", empfindlich ist, als zickig abgestempelt wird. Mehr noch, man darf sich einer Gabe erfreuen, ein hochsensibler Mensch riecht anders, er empfindet tiefer, er nimmt die Schwingungen in einem Raum auf, fühlt sich in andere Menschen ein, kann ihnen Gedanken nahezu von der Stirn ablesen, weil er zwischen den Zeilen fühlen kann. Er verfügt über den sogenannten sechsten Sinn.

Es ist natürlich gleichermaßen Fluch und Segen, denn die Abgrenzung zur Außenwelt ist großes Thema. Bei all der Reizüberflutung nicht überfordert zu sein, bei sich zu bleiben, sich wieder zu "entleeren", das fordert dem Hochsensiblen schon ein ganzes Stück Arbeit ab. Dazu muss er allein sein, Zeit für sich haben, sich erden, wie – da findet jeder eine Methode, die er mag und ihm entspricht. Das kann Yoga sein, Kunst, schlafen, sich kreativ austoben, kochen oder im Garten arbeiten.

Menschenmassen, laute Partys, raue Umgangsformen, Teamsportarten, wo Kräfte gemessen werden – da wird man sie selten finden, diese zarten Pflanzen. Glück finden sie im Tiefgang, sie hinterfragen die Welt philosophisch und die hohe Fähigkeit zur Empathie lässt sie einen sehr speziellen Zugang zu Menschen haben, aber wenn möglich, dann nur zu einem auf einmal.

Ästhetik, Kreativität, Ausdruck und die leisen Töne – hier sind Hochsensible daheim.

Dennoch müssen sie aufpassen, nicht zu vereinsamen und sich komplett von der Welt abzukapseln. Ihre Aufgabe ist es, wenn auch nicht allzu viele, aber doch gesunde soziale Kontakte zu pflegen, offen durch die Welt zu gehen, jedoch ihre natürlichen Grenzen zu wahren und auf sich aufzupassen.

Man sollte sich niemals dem Irrglauben hingeben, dass Hochsensible schwache Menschen sind, die sich nicht wehren können. Bei aller Anpassung an die Außenwelt, um die Ecken und Kanten zu ertragen: wenn sie mit dem Rücken an der Wand stehen, kann niemand unsensibler sein und ein wahrer Aggressionstsunami als ein noch vor einer Sekunde zart – sensibler Mensch. Das lässt sein Umfeld nicht selten staunenden Auges dastehen.

Ich weiß, wie man darunter leiden kann, und ich weiß, wie reich und tief es das Leben macht, wie intensiv man Situationen "erleben" kann, wie Augenblicke Zellen nahezu sprengen können, ob Leid oder Freud.

Es kann dauern, bis man erkennt, wer oder was man ist. Schließlich fällt einem das erste Buch darüber in die Hände, man liest sich ein, erkennt sich in jedem Wort wieder, und plötzlich atmet man auf.
Man stimmt schon so, wie man ist. Alles ist gut, und alles darf. Weder ist man seltsam, noch eine Mimose, man ist einfach ein wenig anders.

Und wie schön dieses "Anders" sein kann, das hat Renate Göckel in ihrem Buch "Was Hochsensible glücklich macht" in einem wunderbaren Satz zusammengefasst:


"Sie sind die Aristokraten des Herzens."

Seid stolz auf eure Gabe!