glasklar und verworren
Turbulente Zeiten, beruflich wie privat. So turbulent, dass ich keine Zeit fand, alle Ereignisse und vor allem meine Gedanken dazu, festzuhalten. Ausgesprochen schade, denn jetzt sitz ich da, und muss mich echt abplagen mir alles in Erinnerung zu rufen. Bringe dabei möglicherweise die Chronologie ein wenig durcheinander, aber das ich nicht so wichtig. Der Zeitfaktor spielt hier ausnahmsweise mal für mich keine Rolle, wichtig ist, das WAS passiert ist.
SA ist nun ganz offiziell in die Firmenleitung eingetreten. Ha - was heißt hir eingetreten, hat das Ruder an sich gerissen, müßte es heißen! Einerseits bin ich sprachlos über die Brutalität die er an den Tag gelegt hat. Nicht, dass ich in meiner beruflichen Karriere nicht schon einiges erlebt hätte, aber seine eiskalte Vorgehensweise, scheinbar von langer Hand geplant und nun in Sekundenschnelle umgesetzt, ist mir in dieser Form erst das erste Mal begegnet. Ich denke so etwas nennt man Überraschungsangriff und damit ist es ihm - noch dazu mit einem immerwährenden Lächeln im Gesicht, gepaart mit Charme und Freunlichkeit - vollends gelungen, die beiden anderen Vorstände komplett ins Out zu drängen. Die Angst der beiden ist spürbar. ZA hat - so denke ich - schon lange mit dieser Geschichte abgeschlossen. Aus unseren privaten Gesprächen weiß ich, dass er dabei ist, sich anderweitig zu orientieren. MF hingegen ist ziemlich fassungslos. Möglicherweise deswegen, weil SAs Vorgangsweise seinem seinerzeitigen Verhalten sehr nahe kommt, SA ist lediglich um Längen besser! Tja - ein Profi im Machtspiel quasi, da wird sich auch MF warm anziehen müssen oder eben, wie alle, die SA bei seiner Antrittsrede direkt "angeschossen" hat.
Zu diesen zählte auch ich. Was heißt hier zählte, ich war die Erste, und ich nehme einmal an, selbst die Reihenfolge war bewußt gewählt, denn SA wirkt auf mich wie jemand, der nichts dem Zufall überläßt. "Ich bin seit wenigen Tagen hier Vorstand, auch wenn es IHNEN (mit einer Handbewegung auf mich) nicht gefällt...." waren seine Worte, die mir erst durch Mark und Bein gefahren sind, aber in der nächsten Sekunden ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben, weil er die Sache blitzschnell erkannt und vorallem auf den Punkt gebracht hat. Selbst wenn's dabei mich erwischt, solche Menschen mag ich. Auch ZA mußte Federn lassen. SA hat es nicht der Mühe wert gefunden, ihn mit seinem Namen anzusprechen. Während seiner ganzen Rede hat er - das ganze charmant verpackt um es nach einem Fehler aussehen zu lassen - ZA mit dem Namen des bereits ausgeschiedenen Vorstandskollegen ML angesprochen. Ganz bewußt in meinen Augen. MF, der während SAs Antrittsrede nur mal kurz an der Steuerung der Klimaanlage gedreht hatte (zum Wohle aller), hat er just in diesem Moment wie einen unaufmerksamen Schuljungen abgeschossen und MB (MFs Günstling) hat er vor versammelter Mannschaft gebeten, die Beine einzuziehen und somit eine ordentliche Sitzhaltung einzunehmen....
Tja - man weiß nicht, wie hellhörig der Rest der Belegschaft ist, aber mit ein bißchen Grips in der Birne sollte nun doch jeder wissen, mit WEM man es hier zu tun hat. Beim anschließenden Sommerfest hatte ich ein wenig Gelegenheit mit SA zu plaudern und konnte hier meinen ersten Eindruck nur bestätigen. Blitzschnell, schlau, brandgefährlich - aber nicht so uninteressant. Selbst die Aussagen in dieser Unterhaltung würde ich für mich mit "Du bist gut. Du kannst Dinge sofort erkennen und so umsetzten, wie ich sie haben möchte. Mit dir könnte ich gut arbeiten, wir könnten sehr erfolgreich sein. Du hast die Wahl. Entweder du entscheidest dich für mich oder dir ergeht's wie jenen, auf deren Seite du augenblicklich noch stehst...."
Seltsam - aber mit diesem Wissen/Gefühl im Hinterkopf, habe ich keine Angst vor dem, was auf mich zukommt. Ich kann bloß in der Sekunde keine Entscheidung treffen, aber augenblicklich muß das ja auch noch nicht sein.
Ich bin nur schwer erstaunt über die Tatsache, dass Malas Tarot-Karten wenige Tage vorher exakt diese Situation widergespiegelt haben. Mala und ich haben zu diesem Zeitpuntk noch fürchterlich darüber gefeixt und können's nun gleich gar nicht fassen. Wenn ich mir diese berufliche Konstellation jetzt ansehe und auf das Kartenbild zurückkomme, dann noch die Aussage zu meiner privaten Situation betrachte, beginne ich leicht zu grübeln. Jetzt, wo ich mich mit meinem Singledasein immer mehr anfreunde rückt gemäß Karten eine Partnerschaft in greifbare Nähe. Wer immer dieser "Märchenprinz" auch sein mag, das konnten wir so genau nicht erörtern, wird etwas Beständiges sein. Und just in dieser Zeit taucht W. nicht nur wieder vermehrt auf, sondern bringt in den letzten Tagen, aber gestern ganz gezielt, immer wieder meine Einstellung zu einer Beziehung aufs Tablett. Irritiert mich irgendwie. Ich habe ihm gestern erklärt, dass ich mit dem Thema Partnerschaft abgeschlossen habe, weil ich der Ansicht bin, dass es für mich keinen passenden Mann gibt und weil ich mich mit Halbherzigkeiten nicht abgeben mag. Es folgte eine Diskussion, in der er mir nicht nur erklärte, dass er mit meinen Launen nicht umgehen kann. Die Kluft zwischen "himmelhochjauchzend" und "zutodebetrübt" sein ihm zu groß, mit einem Wort, das Wellental meiner Gefühle zu hoch und auch die Geschwindigkeit, mit der ich diese lebe zu extrem.
Verwundert mich noch mehr, denn niemand hat ihm jemals gesagt, dass er diese leben müsse. Es ist seine eigene Entscheidung, ob er sich das nehmen mag - ich werde es nicht ändern. Ein Kompromiss in dieser Richtung käme für mich einem Verstellen gleich, einer Lüge, die ich nicht leben mag und die für mich auch keine Basis für eine Partnerschaft ist. Ich bin wie ich bin, für viele nun mal schwer zu handhaben, aber für wenige eine Herausforderung und möglicherweise für einen, wo immer der jetzt sein mag, das wonach er sein Leben lang gesucht hat. W. hatte gemeint, ich müsse bei meinem Traummann Abstriche machen. 100% gibt's nie, aber 85% wären erreichbar. Ich muß zugeben, dass ich das Thema soweit abgeschlossen habe, dass ich weder nach 100% noch nach 85% Ausschau halte. Unter diese Sache ist einfach ein Hakerl, ein "erledigt" gesetzt, aktuell beschäftige ich mich nicht weiter damit. Das einzige, was mich irritiert ist, dass er die Sache aufgreift. Als ob es ihm was anginge, ob ich jetzt alleine oder in einer Partnerschaft lebe, ob ich jetzt glücklich oder unglücklich bin, ob ich jetzt jemanden habe mit dem ich - so wie er es formulierte - Schönes teilen kann oder nicht. Ich habe weder um seine Ansicht gebeten und auch keinerlei Gedankenaustausch zu diesem Thema angestrebt. Frage mich, warum er das tut und weiß gleichzeitig, dass es unnötig ist, er wird mirs nicht sagen....
