fiktive tagebücher: von lilith

31.10.2007 um 22:24 Uhr

Überschlag

von: lilith

Bein Bauch Bogen

Ganz gut gewesen

Federt gefüttert

Würden wieder werden wollte

Körper klein

Sport spröd

 

 

16.05.2007 um 01:53 Uhr

jeans

von: lilith

U-Bahn

Er: Sie geht mir nicht aus dem Kopf.

Sie: So wirklich schön ist sie aber nicht.

Er: Oja.

Sie: Wurscht. Red ma von was anderem.

Er: Die Jean hab ich jetzt schon 6mal geflickt. Erst ist sie da aufgerissen. Dannn da. Dann da. Dann da. Und jetzt da.

Sie: Schiarch ist sie trotzdem.

Er: Weiß ich eh, dass du das nicht magst. Du bist nicht der Typ dafür.

Sie: Wenn`s von D&G wär, würd ich sie vielleicht cool finden.

Er: Eh klar. Die Farben.

Sie: Die Farben gehn nicht raus?

Er: Bingo. Hast meine Lederhose gecheckt?

Sie: Leder? Die armen Tiere? Die armen Tiere!!! Du gehörst einer Mördermafia an!!! Heul!!!

(Ich grinse sie an, steh auf und geh zum Ausgang.)

Sie (laut, zu mir): Das war ein Witz! Das war ein Witz!

 

 

13.05.2007 um 02:31 Uhr

naj

von: lilith

Wieder zurück.

Hat eine Weile gedauert. Kinder, Krankheiten,

Kursadminstration, Chaos.

Aber jetzt.

 

Joi,

LIL

 

02.08.2006 um 23:01 Uhr

lipogramm

von: lilith

die regel

 

die regel gebiert einsicht weisheit freiheit

 

erweitert engsicht zwischen nischen

 

die regel generiert

wieder wieder

kinder kindeskinder

 

erschreitet grenzen spielerisch gebieterisch

 

widersetzt sich der einsicht

sich selbst

widerlegt sich

wird weitschweifig

widerlegt sich verliert sich wird wild siegt liegt nieder leidet erhebt sich widersteht bricht sich

schließlich

 

 

die regel erzwingt den zweifel

verneint die endlichkeit

gebietet eigensinn

 

22.05.2006 um 03:12 Uhr

wegwerfen

von: lilith

den kleinen gartenzwerg

den 2. von links

endlich

aber er hinterlässt einen hässlichen gelben

fleck

auf dem rasen

07.04.2006 um 01:28 Uhr

neue homepage!

von: lilith

hier!

 

liebe grüße, lil

19.03.2006 um 02:24 Uhr

konservativismus

von: lilith

Vieh

Züchter

Ziehen

 

zur Vermehrung

 

eines Königtums

 

Blutschande und Hexerei

28.02.2006 um 03:34 Uhr

patriotismus

von: lilith

 

herz zieht alte socken an

 

alltäglicher hass im geschirr

häuslich verrucht

28.02.2006 um 01:18 Uhr

schlagseite

von: lilith

 

Blökend gehen,

dabei

Schlagseite.

 

Schon alt oder doch noch nicht,

immer an Balkonen lehnen,

runterschauen,

Leute ausrichten.

Geplapper, Geraune,

Gekicher.

 

Graue Weiber und alte Männer

mit Hautfalten

überall.

28.02.2006 um 01:15 Uhr

jeder tag

von: lilith

 

Zwei Beine immer eins vors andere.

 

Zwieleine schlimmer seins mors mandere.

 

28.02.2006 um 01:14 Uhr

eintrag

von: lilith

 

So ein Tag wos nicht Tag wird.

No wein Wag nos wicht Wag schirrt.

Mogein Hag kosnich Hag sirrt.

Bobein Mag moos nicht Hag schwirrt.

16.12.2005 um 09:45 Uhr

Die Zeit im Text

von: lilith

James Joyce schrieb zu Beginn des letzten Jahrhunderts seine berühmte Nachdichtung (Trivialisierung) der Odyssee - den Ulysses. Die Odyssee wird einem legendären "blinden Sänger" namens Homer zugeschrieben, der im 7. od. 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Klein­asien gelebt haben soll. Sie erzählt uns von den Erlebnissen eines mythischen Helden, die im 13. vorchristlichen Jahrhundert stattgefunden haben könnten.

Was lesen wir, wenn wir heute Homer oder Joyce lesen?

 

Wenn man versucht, dem Problem der Zeit in einem Text auf die Spur zu kommen, so entdeckt man, dass es mehrere "Zeiten" sind, mit denen man sich auseinandersetzen muss: die grammatikalische Zeitform, die Zeit der Handlung, die Zeit des narrativen Diskurses, die Zeit der Entstehung des Textes, schließlich die Zeit der Lektüre des Textes.

 

Stellen wir uns einen (heute von mir geschriebenen) Roman vor, worin ein Erzähler um 1900 (fiktive Erzählzeit) von seiner Jugend berichtet, einem Zeitraum von 1850 - 1855. Er war damals 12 - 17 Jahre alt, heute (1900) ist er über 60. Er weiß, was auf den erzählten Zeitraum folgen wird. Er hat Erin­nerungen an die Zeit vor diesen 5 Jahren. Er kennt auch seine Gegenwart, die ihn - aus irgend­einem Grund - veranlasst hat, die Geschichte dieser 5 Jahre zu erzählen. Das Davor, das Danach und das Heute werden folglich die erzählte Handlung beeinflussen, z.B. wird ein Ereignis wie ein Streit auf dem Schulhof bedeutsamer, wenn man weiß, dass das Mädchen, mit dem er damals ge­stritten hat, heute seine Ehefrau ist, mit der er sich seit Jahrzehnten im Kriegszustand befindet. Ohne diesen "mythischen" Charakter wäre die Szene weit weniger erzählenswert, würde vermut­lich auch gar nicht erinnert werden (es kann sogar sein, dass sie so gar nicht wirklich stattgefun­den hat, sondern aus anderen Erlebnissen zusammengeklittert und in der Erinnerung als "Urszene seiner Ehe" aufgenommen wurde ...). Alles das wird nun heute (2005, Zeit der Entstehung des Textes, reale Erzählzeit) geschrieben, und zwar von mir, die ich - sagen wir - die Geschichte mei­nes Ururgroßvaters erzählen möchte ...

09.12.2005 um 03:14 Uhr

Werdung

von: lilith

Die Geburt wird gebaut, sie wird gebaut und gehauen in Stein, ein Berg.

Eine Werdung wird, wird gefunden im Licht der Nacht und wahllos.

02.09.2005 um 03:00 Uhr

urlaub

von: lilith

 

 

um diese seelendinger

im gleichgewicht zu halten

 

 

02.09.2005 um 02:01 Uhr

sozusagen

von: lilith

 

Der Kommentar isoliert

den Traum und sperrt ihn

in den Kühlschrank.

 

02.09.2005 um 01:58 Uhr

bitte schön, mein herr

von: lilith

unterbrechen Sie mich

nicht weil ich


Sie sonst

vom Teller schubsen muss

 

und rücksichtslos

abstechen mit dem

messer

23.07.2005 um 03:20 Uhr

drakonische strafen

von: lilith

 

kurz darauf wollte meine mutter mit uns ein agreement aushandeln: keine prügel mehr. angemessene strafen. der versuch, einen rechtsstaat einzuführen.

 

wir waren begeistert und erfanden die aberteuerlichsten grausamkeiten. einzelhaft, nackt durch den hammerpark laufen, auf holzscheitern knien.

als mein vater heimkam, war meine mutter schon abgekommen von ihrer pädagogischen idee.

er musste nur mehr grinsend abwinken.

er blieb bei seiner blutstrafe. meine mutter machte uns anschließend kühlende umschläge.

 

23.07.2005 um 02:56 Uhr

messer

von: lilith

 

ich war sechs, meine schwester war fünf, mein bruder vier jahre alt. ich erinnere mich an seinen geschwollenen hintern. rot und blau und striemig. er hatte sich mit einem messer gegen unsere schwesterliche vorherrschaft verteidigen wollen. ein hilfloser versuch. wir kreischten dramatisch, verwiesen auf das messer und warteten die reaktionen der erwachsenen ab. als mein vater dann in aktion trat, wollten wir ihn eh schon wieder schützen, aber es war zu spät. er verprügelte ihn mit einem kochlöffel und ich hörte ihn schreien. ich wollte zu ihnen vordringen und die strafaktion verhindern. notfalls hätte ich mich selber schlagen lassen. - meine mutter hielt mich zurück.

später spielen wir karten. wir waren wieder eine glückliche familie. mein bruder stand auf der bank und mein vater zog ihm das hemd hoch und die hose runter und zeigte meiner mutter die spuren seiner züchtigung.

 

 

19.06.2005 um 00:56 Uhr

kreative pause

von: lilith

 

bis in drei wochen.

 

danke fürs lesen, lil

13.06.2005 um 02:22 Uhr

rem

von: lilith

 

Die Ameisenkönigin hat heute noch keine Eier gelegt.

Die Ameisenkönigin:

Sie trägt eine Stola aus rotem Samt und ein Glitzertrikot drunter.

Und goldene Stöckelschuhe.

Sie schlägt die Trommel. Ihr Stachel ist aus Platin Smaragd Rubin.

Sie vögelt rumänische Bahnhofskinder. Killerqueen. Ein Prachtweib, sagt der Onkel mit dem Dicken.

 

Möchte in eine Dame verwandelt werden.

Der Preßlufthammer in meinem Kopf.

Eine Rockoper? REM. RAM. ROM.

Remem­ber Memory Read.

 

Ich sitze hier fest, denkt der Prophet. Die Sektenanhänger sind verbrannt.

Die Polizei hat nicht nur Tränengas eingesetzt.

 

Da liegt eine Träne. Wer hat sie verloren?

 

AC/DC Gleichstrom Wechselstrom. Prophetsong.

Who killed Queen.

 

Die Londoner Philharmoniker spielen Queen am Bukarester Bahnhof.

 

Another One Bites The Dust.

Pippi Langstrumpf in Strapsen.

Einen Schwulen aus der Taufe heben.

Mercury fliegt von Mittwoch nach Donnerstag, wo Jupiter haust mit Blitz und Donner. RAP RAP Bibelsprüche werden zu zornigen Metaphern,

Plastikblitze, pflaumenblau, zuc­ken über den Himmel.

Sexy Pippi schmeißt ihr Pferd zum Fenster hinaus, es trägt Doc Martins und eine Baseball­mütze, ein Anarchistenzeichen am Rücken der Bomberjacke. Das Pferd breitet die Flü­gel und hebt ab.

 

Ach Mio. Der blonde Knabe hat einen Auftrag zu erfüllen: Töte ihn. Vernichte das Böse. Ritter Kato aber löffelt Erdbeereis mit seiner eisernen Klaue. Und die Schuh­plattler verlieren ihre Krachledernen einer nach dem anderen.

Nicht abstürzen, Pegasus, rapid, rapid eye movement. Nicht schauen. Nicht genau hinschauen. Zumachen. Abgewöhnen.

Die Ameisen zwischen den Beinen tanzen einen Tango. Infernalisch, das Gedröhn.

Die blaue Stunde hat ein paar Hengste geboren, rote Pferde mit dicken Ärschen.

 

Der Hermaphrodit verteilt Schokoriegel an schlimme Kinder,

Ecke Grenzgasse / Trost­straße.

 

Drei kleine Buben und ein kleines Mädchen reißen Palmersplakate von der Bretterwand. Dann knacken sie einen Kaugummiautomaten. Dann prügeln sie sich. Ret­tet die Gummibärli. Der ro­sarote Panther reitet wieder.

Lachsbrötchenschläger

Schaumspender

der rote Schal ums Kniegelenk leckt Wunden

Salz drauf Salz drauf noch ein Pfeffersong ein Hafersack

der hängt so hoch so hoch und die Butter Butter Butter

Blumen Kupfer Silber Blei

Weihnachtssterne