fiktive tagebücher: von lilith

27.01.2005 um 03:51 Uhr

mausoleum

von: lilith

 

Das Kloster roch wie der Herbst, heimatlich, fragwürdig warm, Schülerlachen erfüllte die Räume wieder, blieb vibrierend stehen in der Luft, einen kaum hörbaren schmerzlichen Nachhall hinterlassend.

Die Brüder hatten einen kleinen Kachelofen eingebaut für sie, zwischen Tür und Bett, der Sommer war lang und heiß gewesen, der Winter würde streng werden. Hildegard hatte neue Bücher mitgebracht, zwei Koffer voll, sie war vorbereitet auf die langen dunklen Nächte.

Wie immer begann das neue Schuljahr mit der Kartoffelernte, schon der Weg zu den Feldern erfolgte nach den Regeln einer langjährigen Tradition, sie zogen in langen Zweierreihen hin­aus, marschierten über die Wiesen, die violett waren von Herbstzeitlosen, den Bach entlang.  Trauerweidenzweige hingen ins Wasser, gelb und rot die vliesförmigen Blätter. Der Traktor war schon seit dem Vormittag im Einsatz, er hatte die kleinen Anhänger hinausgebracht, die rund um die Felder aufgestellt wurden. Nun pflügte er lange Striemen in die Erde, wirbelte die verkrusteten Knollen hoch, verteilte sie gleichmäßig. Gebückt arbeiteten sich die Schüler voran, sie mußten die Kartoffeln einsammeln, vollständig, bevor der Traktor wieder zurück­kam. Jeder von ihnen deckte eine Breite von drei Metern ab, ein älterer Schüler folgte in eini­gem Abstand den Gruppen, kontrollierend, ob nichts in der Erde zurückgeblieben war, wäh­rend die erwachsenen Aufsichtsorgane an den Feldrainen den Überblick bewahrten und die Einteilungen vornahmen.

Hildegard kam ihrer Aufsichtspflicht nach, langsam wanderte sie um das Feld herum, griff helfend ein, die Kinder arbeiteten stetig, lachten und schrien, hier im Freien durfte gespro­chen werden, wenn gesprochen werden durfte, wurde gebrüllt. Eine klare durchlässige Okto­berluft trug die Schreie weiter als sonst, überall der Geruch von Kartoffelkraut, der Himmel war gemalt wie das Blau der Glasfenster.

Gegen Abend lösten sich die Formationen allmählich auf, jeder einzelne hatte sein Pensum erledigt, schmutzige Fingernägel und Arbeitshosen zeugten von Fleiß und Arbeitseifer. Jetzt wurden die Zügel schleifend gehalten, der Heimweg wurde nicht geordnet angetreten, ein bißchen Austoben hatten sie alle verdient. Manche spielten Fangen zwischen den Ackerfur­chen. Der dicke Richard kämpfte gegen eine Horde Erstklassler. Artur und Engelbrecht saßen am Bachrand, ohne Bedenken, sie waren größer geworden und breiter, selbst Engelbrecht, und er hatte Pickel bekommen auf der Nase. Sie warfen flache Steine ins Wasser und lachten leise über die Feriengeschichten, die Artur erzählte.

Einige knieten und hockten im Kreis in der feuchten Erde, gestikulierend, ein aufgeregter Dunst umgab sie, eine Art Gelächter ging von ihnen aus, Gelächter, das Angst verriet und machte. Erstarrt gespannt grinsend verfolgten sie ein Schauspiel, es ging um Leben und Tod; es waren die Mäuse, die von den Pflugscharen aufgeworfen worden waren, die Kinder hatten sie gefangen und in einen mit Wasser gefüllten Erdtrichter gesetzt, Mausoleum, sagte Erwin L. aus der Vierten, als Hildegard hinzutrat, keine kommt durch. Hatte eine Maus schwimmend und kletternd den Rand des Trichters erreicht, wurde sie wieder zurückgestoßen, solange, bis sie vor Erschöpfung aufgab und ertrank.

Es war ein Gewinnspiel, jeder be­hielt seine eigene Maus im Auge, welche hält am längsten durch. Eine Frage ans Schicksal, ein Orakelspiel, aber keine kommt durch. Hört auf damit, sagte Hildegard, ihre Stimme kippte zwischen Ekel und Faszination, sie wollte schreien; schütteln, schlagen wollte sie die Kinder, Folterknechte, sagte sie, warum quält ihr die Tiere, macht euch das Spaß, ja. Sie be­kamen rote Köpfe, fühlten sich pflichtbewußt schuldig, aber betrogen. Das machen wir jedes Jahr, sagte Erwin L., beim Kartoffelernten, das gehört dazu, das haben die Schüler von Kir­chenbrunn schon immer gemacht, ich habe einen Bruder, der war auch hier, der ist zehn Jahre älter als ich, der hat das auch schon gemacht.

Sie konnten sich auf die Tradition berufen, die Tradition war auf ihrer Seite, Mausoleum, das war ein Trichter, der struppige schwarze Mäuse in die Tiefe zog, Jahr für Jahr.

Es waren große langhaarige Feldmäuse, vier Stück, Erwin, Kurt, Reinhart und Martin, die nassen Fellhaare von Erde verklebt; eine von ihnen zuckte nur noch ein bisschen, mit dem Bauch nach oben, schlug graubraune Blasentrauben ins schlammige Wasser; aber Erwin hatte es wieder geschafft und den Rand erklommen, zwischen seinen Vorderbeinen klumpte der Dreck. Lasst sie laufen, sagte Hildegard, aber das wäre nicht fair. Wenn er gewinnt, muss ich drei Tage lang mein Bett nicht machen, und er wird gewinnen, er ist der Stärkste. Martin schubste die Maus, mit dem Zweig einer Kartoffelstaude drückte er zwischen ihre Augen, bis sie das Gleichgewicht verlor und rücklings zurück in den Trichter stürzte, quietschend, das gilt nicht, schrie Erwin, du darfst sie nicht verletzen.

Mausoleum - ja, das ist eine Tradition, sagte Pater Michael, ein ganz altes Spiel ist das, wie das Kopfabbeißen, haben Sie das nicht gesehen, sie beißen den Mäusen die Köpfe ab, damit verdienen sie sich Süßigkeiten aus den Paketen ihrer Kameraden. Es gibt richtige Routiniers unter ihnen, die kommen während der Ernte auf zehn, zwölf Mäuseköpfe, dann haben sie ausgesorgt bis Weihnachten, was wollen Sie denn, Kinder sind eben grausam, und manche von ihnen bekommen überhaupt keine Pakete von zuhause.

 

 

24.01.2005 um 03:06 Uhr

Spiel

von: lilith

 

Ich spiele Poker mit Paulus, Hil und dem Physiker.

Ich bin scharf. Ich bin scharf auf Hil auf eine neue, verzweifelte Art.

Graugrünes Gestrüpp, ein vergilbter Unterrock weht zerfetzt von einem Trauerweidenzweig, obwohl es sonst windstill ist. In der Ferne ragen ein paar verkommene Schlote in einen her­renlosen Himmel.

Hil tauscht alle Karten.

Paulus sticht eine Lanze in ihre Brust.

Au, sagt Hil.

Der Physiker paßt.

Ich gehe mit. Paulus auch, der alte Hund. Er schmunzelt vor sich hin. Ich bin scharf auf Hil und trau dem Alten nicht. Ich gehe mit, mit schweißnassen Händen. In einer Art Wahnsinn verspiele ich einen lauen Frühlingsabend.

Haydn, Schumann und Mozart. Schöne Frauen winken mit Taschentüchern. Hil trägt weiße Seide vor der Brust, einen Hauch von Nichts und rote Stiefletten. Nackte Kinder werden hochgeworfen und wieder aufgefangen. Ein junger Offizier in vollem Wichs zieht seinen blit­zenden Säbel pfeifend durch die Kaiser Franz Josef - Straße. Luftballons mit der Aufschrift "Es lebe die Freiheit" steigen in den Himmel.

Würstelbuden.

Zuckerwatte.

Dampfender Asphalt. Autodrom.

Gebratene Hendlhaxn, Salzgurkenfässer und fliegende Röcke am Karussel.

Weitwinkel.

Einige Leute fallen links oder rechts aus dem Rahmen.

Hoch oben im Schnittpunkt des perspektiven Blicks endet jäh das Treiben. Ein Gürtel aus Schilf und Stroh zerschneidet die Sicht in feine wässrige Streifen.

 

24.01.2005 um 02:54 Uhr

Mutantenmonster, jede Schweißperle messerscharf focusiert.

von: lilith

 

Unter der Dusche memoriert der Kardinal die Etikette des sonntäglichen Hochamts.

Die Haut des Kardinals ist zartviolett. Feine Wassertröpfchen rinnen über die Plastikoberflä­che des Duschvorhangs, der schamhaft seine Blöße verdeckt. Überall Wasserdampf und pur­purrote Ka­cheln an den Wänden. Vom Kronleuchter hängt triefend der Talar. Choräle, guttu­ral und latei­nisch, singt der Kardinal unter der Dusche. Sacra Mater.

Mager ist er, der Kardinal, und er fröstelt trotz all der Hitze.

Transformationen, Reproduktionen, Retuschen.

Eiserne Männer zwischen Salatköpfen, Stachelbeersträuchern und Suppenkräutern.

Tote Hühner und lebende Katzen.

 

 

24.01.2005 um 02:51 Uhr

blues

von: lilith

 

X-Large mit Gitarre singt und spielt, während Rachel und Anna Geschirr abwaschen. Rachel wäscht, Anna trocknet. Anna balanciert Teller und Tassen auf der Handfläche, fächelt mit dem Geschirrtuch darüber, leicht und flüchtig.
X-Large zupft die Saiten.
That´s the Dishwashing-Blues.
Rachel, die Hände im schlierigen Wasser, bläst eine Haarsträhne aus der Stirn.
X-Large lehnt im Türrahmen, ein Bein hoch gegen den Pfosten, Anna schlüpft vorbei und zurück mit Gläsern und Tassen. Rachel schluckt, spürt die Stimme heiser werden, im Hals.
X-Large singt und reißt die Augen auf.
Rachel zieht den Stöpsel raus und wischt mit dem Wettex den kreisenden Wassern hinterher.
Anna umtänzelt X-Large mit klirrenden Gläsern, drei und drei in jeder Hand, X-Large verbeugt sich leicht über seiner Gitarre. Rachel, um was beizutragen, applaudiert mit nassen Händen und summt den letzten Tönen nach, scheinbar beschwingt.

Draußen faßt X-Large nach Annas Hand und zieht sie in seine Manteltasche.
Rachel zieht ihre Pulloverärmel bis zu den Fingerspitzen. Die Lichtgirlanden blenden im Nebel. Wenig Autos, gedämpft.
Anna sagt nichts.

Bei der Kreuzung bleiben sie stehen.
Steigst du hier aus? fragt X-Large.
Rachel nickt und wendet sich nach links.
Keine Lichtgirlanden in der Seitengasse, der Nebel versteckt die verdreckten Straßenlaternen, drückt auf Rachel.

Rachel summt den Dishwashing-Blues.

 

17.01.2005 um 02:36 Uhr

Cuba Coba Cuxi

von: lilith

 

Bin Andy Warhol.

Stehe vor der Dose.

An der Lasche ziehen wäre geil (FLASH!)

Mit dem Stiefel treten macht frei (PLOPP!)

Trete also.

330 Milliliter Freiheit (WOW!)

Zischendes Atlantis.

Westwind im Haar.

 

Cuba Coba Cuxi

 

17.01.2005 um 02:28 Uhr

Wer ist der Mann

von: lilith

 

fragte sie sich.

Er lag in der Sonne, blinzelte mit den Augen, he du, sagte sie, wer bist du, was machst du, fragte sie, grenzenlose Freiheit spinnen.

Zog die Schuhe aus, wackelte mit den Zehen.

Achso, sagte sie.

Da war er eingeschlafen, ohne es zu merken.

Sie vergrub sich im Strandkorb, las Zeitungen von der vorigen Woche, der lauwarme Rot­wein.

Er schnarchte genussvoll, obwohl es laut war am Strand, überfüllt und laut, wälzte sich schnarchend im Sand, als wollte er aus der Haut fahren vor Vergnügen. Sie schwitzte. Der Sonnenbrand schlug Blasen an den Rändern der Bikinihose, das juckte, brannte, wenn sie kratzte. Auch die Algen schlugen Blasen am Wasser, grünlich trübe, es grauste ihr, sie duschte lieber hin und wieder.

Die Zeitungen: Im Weißen Haus gab es wieder einen Sex-Skandal, das Sexualleben ihrer Politiker scheint ein Lieblingsthema der Amerikaner zu sein, ein Volk von hoher Moral, die Amerikaner, der Kennedyclan muß geschützt werden wie der Emir von Kuwait, nicht jeder darf ein Land besetzen oder eine Frau, es gibt strenge Bedingungen - aber hier gab es keine Amerikaner, nur Deutsche.

Sie hatte Hunger.

Er schlief immer noch.

Nächstes Jahr fahre ich nach Norwegen, dachte sie, wenn nötig allein.

Kroch aus dem Strandkorb.

Die Weißwurstbude war ganz in der Nähe. Es schmeckte nicht schlecht. Aber auch nicht gut. Der Senf war picksüß.

Er hatte die Augen offen, als sie zurückkam.

Da hofft man, es möge immer so bleiben, sagte er.

 

17.01.2005 um 01:06 Uhr

Die alte Dame:

von: lilith

 

Mögen sie fressen, in Gottes Namen. Mein ganzes Leben lang habe ich mich nicht um die Ratten gekümmert. Ich habe gearbeitet. Habe meine Kinder großgezogen. Dann noch die Enkelkinder. Susi. Marie. Dann Klara, das arme Kleine. Geputzt habe ich. Schmutzige Hintern. Schmutzige Waschbecken. Schmutzige Treppenhäuser. Habe gekocht. Wäsche gewaschen. Kuchen gebacken. Genäht. Für die Ratten hatte ich keine Zeit.

Habe ich keine Zeit. Ich muß Maries Hochzeitskleid nähen. Maries Hochzeitskleid.

Ich bin eine alte Frau.

 

17.01.2005 um 01:04 Uhr

Die Ratten

von: lilith

 

Wir laufen zwischen den Tüchern kreuz und quer herum. Wir zerren am Stoff. Wir beißen große Löcher hinein. Wir fressen uns fest.

Wir sind die Ratten. Wir sind nicht auszurotten. Wir werden immer mehr. Die alte Dame be­achtet uns nicht. Sie näht Tücher zusammen. Wir nagen an den Tüchern, beißen sie auseinan­der, wo die alte Dame sie zusammengenäht hat, mit der Hand, Stich für Stich. Wir fressen uns fest. Marie sieht durch die Glasscheibe, ein Hochzeitskleid, flüstert Marie, ein Hoch­zeitskleid. Wir leisten ganze Arbeit. Die Tücher sind ausgefranst, gezackt an den Rändern, wir haben unsere Zähne in den Stoff geschlagen, haben große Löcher gefressen, ausgezahnte Löcher. Fett schwarz glänzend laufen wir kreuz und quer. Komm Mariechen komm. Wir lau­fen kreuz und quer. Der Läufer ist innen hohl, hohl gefressen haben wir den Läufer, komm Mariechen komm. Wir fressen uns fest.

 

17.01.2005 um 01:02 Uhr

Die alte Dame näht Tücher zusammen

von: lilith

 

Ein Hochzeitskleid nähe ich, vielleicht, nähe ein Hochzeitskleid für Marie, für Klara, für Ma­rie, für mich selbst ein Hochzeitskleid, ganz in Weiß, Weiß in Weiß, im Schaufenster, ich bin die alte Dame, ich sitze im Schaufenster. Das Schaufenster: draußen ist es dunkel, ich kann nicht hinaussehen, aber von draußen kann man hereinsehen.

Steht Marie vor dem Fenster, den schwarzen Läufer am Arm? Marie drückt ihre Nase platt am glatten Glas, beschlägt die Scheibe mit ihrem Atem, ein Hochzeitskleid, flüstert Marie, ein Hochzeitskleid. Ich lächle, nähe beschwingt, kein Leichenhemd, ein Hochzeitskleid, für Marie.

 

17.01.2005 um 00:56 Uhr

Susi fährt allein im Paternoster

von: lilith

 

Ich bin Susi, sitze im Paternoster auf dem Fußboden und fahre im Kreis. Rund um mich liegen leere Chips-Sackerln, Joghurtbecher, Zigarettenpackungen, Bier- und Coladosen. Ich bin Susi, halte die Hand vor die Augen. Eine dicke Spinne krabbelt auf dem Abfall herum.

Immer wenn der Paternoster im Keller angelangt ist, sehe ich ein Schild mit dem Hinweis: Bewahren Sie die Ruhe und fahren Sie weiter! Keine Gefahr! Ich glaube es immer noch nicht, tausendmal bin ich jetzt schon im Kreis gefahren. -

Der Abfall, ist er von mir? Oder ist er schon dagewesen, als ich eingestiegen bin? Ich weiß es nicht mehr. Wenn die Spinne sprechen könnte, könnte ich sie fragen.

 

 

14.01.2005 um 13:10 Uhr

flieg

von: lilith

 

Die Comtessa hängt die Wäsche auf die Leine. Unterwäsche Oberwäsche Bettwäsche, alles weiß vor verschlossenem Grün.

Wolfslicht am Nachmittag.

Im Zitronenglas schimmert ein Augenfleck, morsche Kristalle, verblassender Schnee im Glas­auge.

Noch ein Campari-Soda.

Der Wind klatscht die Wäsche auf.

Eine Botschaft?

Tränenpfeile und Lichtpawlatschen.

Der gelbe Vogel ist heute morgen steif vor der Gartentür gelegen. Die Comtessa, im schwar­zen Cocktailkleid, hat ihn in die hohle Hand genommen.

Leichtgewicht.

Schlüsselbein zu Schlüsselbein.

Eine durchlöcherte Münze werfen, Kopf oder Adler.

Verschlossenes Grabwurzelgrün.

Die Comtessa schluckt den Campari. Viermal vier rote Pfeile werfen ein zackiges Rosenlicht über den Himmel.

Regenkristalle trommeln die Wäsche.

Flieg gelber Vogel, sagt die Comtessa.

10.01.2005 um 08:12 Uhr

guten morgen

von: lilith

 

bitte nachzählen

der kaffee ist fertig

hautfalten lustdurchlässig

10.01.2005 um 03:56 Uhr

das triviale

von: lilith

 

die kristalline landschaft

kryptomanische kryptographie

tausend heiße sommer lang

 

10.01.2005 um 03:52 Uhr

kein gedicht

von: lilith

 

der domino hatte

ein krebszerfressenes gesicht

joe-anna war ihm schon einmal

begegnet

in der

karibik

auf seite 7

nahm er die larve ab

der weiße domino tanzte

mit dem schwarzen

 

10.01.2005 um 03:51 Uhr

programm

von: lilith

 

Außer Werbung Zigaretten Winkeln Soll Schritt Weise Zu Hohem Gehalt Gesundheits Mini­ster Be­kannt Sich Haben Ein Zu Dämmen Verbieten Und Suksessive Bis 2006 Außer Sich Win­kel Und Schlund Könnte Das Leben Ihrer Mit Menschen Zum Teufel Win­keln

10.01.2005 um 03:48 Uhr

spielen wir weiter?

von: lilith

 

Eine Webpelzjacke mit Leopardenmuster.

Klamottenfetischismus.

Nicht so grell, Pianissimo, Tremolo oder Trillern, stell dir vor, es ist Frühling, die Kiesel unter Wasser, wie sie gerollt werden ...

die Nacht verändert alles

 

09.01.2005 um 02:46 Uhr

transit

von: lilith

 

Ein roter Schal hängt an der Wäscheleine. Rote Hemden. Rote Pullover, Sweatshirts.

Sia ist ein Hahn (Chinesisches Horoskop). Die Farbe des Hahnes ist rot. Mirjam ist eine Schlange. Die Farbe der Schlange kennt Mirjam nicht, Sia hat sie ihr nicht verraten.

Sias Lippen sind rot. Knallrot.

Sia hängt den roten Dufflecoat auf einen Haken, 1398,- sagt sie, beim Ostermann. Nicht teuer, sagt Mirjam. Nein.

In einer Woche sitze ich schon im Flugzeug, sagt Sia.

Merkurs Transit über den Saturn. Immer diese Versuchungen.

Mirjam spielt ein Spiel mit Sia: Ich seh ich seh was du nicht siehst und das ist rot.

Es tut mir leid, sagt Sia, ich habe deinen Text nicht gelesen.

Natürlich nicht. Warum möchte Mirjam auf einmal weinen?

Stell dir vor, sagt Sia, die Frau vom Gerhard öffnet seine Briefe. - Weiß sie von dir, fragt Mir­jam, nein, sagt Sia, der Gerhard sagt, sie würde die halbe Wohnung zerschlagen und mich un­unterbrochen anrufen, wenn sie es wüßte.

Mirjam stellt sich vor, wie Evelyne, Gerhards Frau, die halbe Wohnung zerschlägt: Zuerst zer­schlägt Evelyn ein paar Teller, die noch auf dem Eßtisch stehen. Sie haben soeben geges­sen: sie, Gerhard und die beiden Kinder. Es sind noch Reste von Spaghetti in den Tellern, Evelyn hat Spaghetti in roter Thunfischsoße gekocht, Evelyn nimmt Gerhards Teller und wirft ihn ge­gen die Wand. Sie geht mit System vor: vier Wände hat das Eßzimmer, weiße Wände, Evelyne wirft an jede Wand einen Teller. Dann geht sie zum Telefon, während Ger­hard noch nach Luft schnappt: Hallo Sia, hier ist Evelyne. Ich bin gerade beim Teller-an-die-Wand-Werfen. Kommst du vorbei und hilfst mir?

Soweit geht meine Solidarität nicht, sagt Sia, zu Mirjam, sie steht vor dem Spiegel und malt sich die Lippen nach. Soll ich auf ihn verzichten, weil seine eifersüchtige Ehefrau sich zwei Kinder von ihm hat machen lassen? Nein, nein, beruhigt Mirjam sie. Evelyn wirft inzwischen die Blumentöpfe durch die geschlossenen Fenster. - Du solltest ihm schreiben, sagt Mirjam. - Wenn sie doch seine Briefe aufmacht, sagt Sia. - Eben darum, sagt Mirjam. - Dann ruft sie mich ununterbrochen an, sagt Sia. - Das ist seine Behauptung, sagt Mirjam.

Evelyne: Hallo Sia. Die Blumentöpfe sind alle hinüber. Was soll ich als nächstes zertrüm­mern? 

Ich würde nie einen fremden Brief öffnen, sagt Sia.

Natürlich nicht, sagt Mirjam, das tun nur Ehefrauen.

So ist es, sagt Sia, da hört meine Toleranz auf.

Und deine Solidarität. -

Du sagst es. -

Warum bist du plötzlich so aggressiv, fragt Sia. Weil ich einer braven Ehefrau den Mann weg­nehme? -

Nein nein, sagt Mirjam.

Das auch, sagt sie, vielleicht.

Aber weil ich außerdem glaube, daß es gerade darauf ankommt. Um Evelyne geht es, sagt sie, nicht um Gerhard. Seit du selbst keine Tassen mehr zerschlägst, sagt Mirjam, läßt du das an­de­re für dich besorgen. -

Hallo Sia (wieder Evelyn am Telefon), das Service von meiner Oma, das mit dem Blumen­mu­ster, ich habe es in die Badewanne geschmissen!

Ich muß mir ein paar neue rote Sachen kaufen, sagt Sia. Tu das, sagt Mirjam, und ein neues Service für Evelyn. - O Gott. Was ist bloß los mit dir heute. Du hast wohl wieder einen klei­nen Abstecher nötig. - Bloß nicht, sagt Mirjam. Merkurs Transit über den Saturn - dann brech ich mir wieder das Schlüsselbein. - Du hast's gut, sagt Mirjam zu Sia, du bist ein Hahn, du hast leicht krähen. Wir Schlangen sind aus der Mode gekommen seit dem Sündenfall. Aus der Mo­de gekommen und verflucht. Zum im-Staub-Kriechen.

Und zum Kindergebären, sagt Sia.

Unter Schmerzen, sagt Mirjam.

Mein Gott bist du arm, sagt Sia.

So weit geht deine Soldarität nicht, sagt Mirjam.

Nein, sagt Sia.

 

09.01.2005 um 02:06 Uhr

metatext

von: lilith

 

Joe-Anna, die Bienenkönigin haust in ihrem Stock, wo es dröhnt und summt. Jeden Montag abend ist Jour fixe. La Lune. Drohnen werden nicht zugelassen. Die Alte aus dem Pflegeheim thront im Rollstuhl. Heute nicht im Kittelkleid, sondern im Smoking.

Was strebt ihr an?

Kontakt mit anderen Welten.

Weltraumflug ins Anti-Ich.

Kein Engel. Ein Engel würde explodieren beim Hinauffliegen. Mercury, im Raumfahrtanzug ein fahrradsattelähnlicher Sitz. AX5 mit Heckeinstieg, Hartschalenanzug, kann in großen Men­gen am Fließband hergestellt werden.

Ergebnis ist ein stahlharter Mann, der in der Schwerelosigkeit erstaun­lich gelenkig ist, wie man in diesem Versuchsbecken sieht.

Weder die harte noch die weiche Weltraumtechnik hat das Problem der Handschuhe gelöst. Man muß Miniaturgelenke einbauen ... harte Glieder erleichtern zwar die Bewegungsabläufe, aber umso mehr Metall man verwendet, desto plumper ist das Produkt.

Meta Meta

EE

der geist ist kein leerer kübel

tabula rasa des gehirns

soll-sätze oder

Sein - Sätze

09.01.2005 um 01:58 Uhr

ich möchte

von: lilith

 

mich zurückverwandeln

in einen adler einen fisch einen stern

astarte ein stern am himmel möcht ich sein

 

09.01.2005 um 01:56 Uhr

lürick

von: lilith

 

Eins.

Strahlenkrone. Ein zitronengelber Bauch, zwei grüne Halbmonde und saure Lust am Schwefelhimmel.

Ich gehe durchs Schwert.