fiktive tagebücher: von lilith

29.04.2005 um 03:52 Uhr

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von: lilith

 

Alltag, Albtraum, anders,

Apfel, aus, ach, aber, Alkohol, Auto

 

29.04.2005 um 03:51 Uhr

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von: lilith

 

Bild, banal, boxen, Bewegung,

brechen, Basis, Banane, Blüte

 

 

29.04.2005 um 03:49 Uhr

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von: lilith

 

christa, clemens, claudia, chemie

 

 

29.04.2005 um 01:36 Uhr

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von: lilith

 

dabei, Drogen, Draufgänger, dubios,

Dach, Deich, Dose, Düse

28.04.2005 um 02:21 Uhr

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von: lilith

 

Erde, Eigenes, Endlichkeit, eitel,

Epidemie, edel, Erbse, Ecke

 

28.04.2005 um 02:19 Uhr

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von: lilith

 

Fliegen, Flucht, fremd, Fund, Fanatismus, fett, Frucht, fasten

 

 

27.04.2005 um 05:23 Uhr

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von: lilith

 

Glück, Grobheit, Gelegenheit, Gold, Geld, Gehalt, gemein, Gewinn, global, Gefängnis

 

 

27.04.2005 um 05:18 Uhr

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von: lilith

 

Hund, Herd, Hausarbeit, haben, Hast, heilig, Hilfe, Harfe, Herz

 

 

27.04.2005 um 05:09 Uhr

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von: lilith

 

igel, idee, indianer, ingwer

irreal, Imperium, immer

 

 

27.04.2005 um 04:55 Uhr

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von: lilith

 

Jause, jagen, Jodeln, Jacken, Joppen, Japaner, jemand

 

 

27.04.2005 um 04:37 Uhr

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von: lilith

 

Kirschen, Kinder, Körper, Katzen, Kotzen, Kuscheln, Kalender, Krawatten, Kuba, Kardinal, Knaben

 

 

27.04.2005 um 04:21 Uhr

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von: lilith

 

Liebe, Lust, Lachen, Launen, Langeweile, Langlaufen, Leine, Leben, links

 

 

27.04.2005 um 03:54 Uhr

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von: lilith

 

Muttertag, Mut, Mangel, Mahnung, Macht, Mandarinen, Mäuse, Männer, Menschen, Mandeln, Mehrheit, Minderheit, Meinung, Manufaktur, Maniküre, Moment, Manifest, Mond, Mund, malen, malochen, morgen, mager, möglich, Motorrad

 

1 muttertag

Wie es war? Toll. Eine Orgie.

Frühstück im blauen Castello: Prosciutto mit Honigmelone und Sekt. Hephaistos schenkt mir rote Rosen, sieben und siebzig Stück, voll, offen und prall (die mit den Knöspchen mag ich nicht - die gehen ja doch nie auf). Chanel 19 von Hermes (gestohlen wahrschein­lich) und Lie­besgedichte von Adonis. Fensterbilder, Blumenstöckln und Computerzeich­nungen fürs Bou­doir. Und drei kleine Katzen. Sie haben sich alle ange­strengt.

Danach Peking-Ente und ein paar Flaschen Rose im Garten der Hesperiden. Die Robi­nien ver­schwenden Duft und Pollen. Wir verzichten auf Messer und Gabel, liegen nackt in der Sonne, essen mit den Fingern und lassen uns das Fett auf die Bäuche tropfen. Herma­phroditos verliert zwei Zähnchen und will partout die Kellnerin bumsen. Priapos, der Lackl, ist auch ständig am Werk: bei ihm ist nicht nur die Nase zu lang (ein ge­schnitzter Serviettenständer von Priapos...) - meine Söhne sind alle ein wenig extrem. Cupido wirft seine Pfeile auf die goldenen Äpfel, bis die Hesperiden ihm den Hintern versohlen. Er jammert und quietscht. Harmonia und Phöbus rasen mit dem Moped um­her und jubeln.

Dazu: die Jupiter-Symphonie.

Der Alte läßt sich nicht blicken. Aber bei ihm kann man nie wissen. Du treibst es harmlos mit einem Goldregenzweig, und plötzlich blitzt und donnert's und du mußt froh sein, wenn du dein nacktes Leben rettest. Er soll übrigens mein Vater sein, dem Ge­rücht nach. Aber es gibt noch eine andere Version.

Was weiter?

Am Nachmittag erwischt mich Hephaistos mit Ares im Böhmischen Prater. Casino Monte Laa. Wir brauchen immer ein wenig Öffentlichkeit, Ares und ich. Ich lockere soeben den Gürtel, da fällt es plötzlich von der Decke: ein Fangnetz aus Bronze, fein wie Spinnweb, doch unzerreiß­bar. Wir zappeln im Sack, geblendet vom Flimmern der bunten Lichter. Der Spielautomat schluckt inzwischen fünfhundert Schilling (automatic start). Homerisches Gelächter allenthal­ben.

Am lautesten lacht Hephaistos. Sein Geschenk für die Mutter seiner Kinder. Er kennt mei­nen GeschmacK. Er wirft Ares aus dem Netz und schleppt mich in seine Bude. Er ist im­mer noch der beste Liebhaber. Ein Künstler eben. Man sieht's ihm aber nicht an - dem Jupiter sei DanK.

Die Abendröte sieht die Familie wieder traut vereint. Kein schlechtes Gewissen. Wir trin­ken und blödeln, tunken Spargelspitzen in Sauce Vinaigrette, der Alte schickt einen lauen Sommer­regen. Harmonia singt Gstanzln zur Leier und alle sind glücklich und zu­frieden.

 

2 motorrad

 

Sie heißt Honda und ist ein Mädchen. Sie ist schwarz mit Spuren von Ro­sa und Silber in der Sonne.

Ein Mann muß Geld verdienen, muss ein Haus bauen, ein Kind zeugen. Eines Tages fährt er in die Stadt und kommt mit Honda zurück.

Seine Frau sagt: Liebst du sie? - Nur an schönen Tagen.

Seine Frau ist nicht gänzlich zufrieden mit dieser Antwort.

Sie zieht Shorts und T-Shirt aus und kauft einen Helm, schwarz wie Honda, mit Spuren von Rosa und Silber in der Sonne. Sie kauft anliegen­des Lederzeug und feingearbeitete Stiefel. Sie kauft Handschuhe, weich aber fest. Sie geht zum Frisör und kauft einen helmgeeigneten Haar­schnitt. Nun ist sie schön, schön wie Honda, aber etwas fehlt, und sie weiß es.

Es sind die Sachen, die zu beachten sind, die beachtlich sind, es ist die tierische Kraft, die sie, die Frau, nicht hat und nirgendwo kaufen kann.

 

Machst du mit, fragt er, seine Frau liegt in der Sonne und liest.

Zu heiß, sagt seine Frau, vielleicht am Abend.

Kommst du mit, fragt er, seine Frau sitzt vor dem Fernsehapparat.

Sieht nach Gewitter aus, sagt seine Frau.

Nun komm schon. Es wird dir gefallen.

 

Es gefällt ihr nicht, seiner Frau, aber sie wagt es nicht zu sagen. Seit er Honda liebt an schönen Tagen, ist er so empfindlich. Ein Anflug von Hö­rigkeit, denkt seine Frau. Als ob Honda seine Gedanken und Gefühle ken­nen würde, die, welche ihn nachts zu überkommen pflegen, fallweise auch am Tage, Gedanken und Gefühle, die er nicht zu zeigen wagt, als könnten sie sie, Honda, verächtlich überlegen rachsüchtig machen. Seine Frau hat noch nicht entschieden, ob Honda ihn wiederliebt. Manchmal zeigt Honda sich bockig und eigenwillig. Manchmal gehorcht sie wider­standslos. Seit er Honda liebt, ihr Mann, steht er vor dem Spiegel und be­trachtet sein Profil ober- und unterhalb des Nabels. Im Jahr ist er eine halbe Million wert, manchmal mehr, und er weiß das, aber achzig Kilo?

 

Honda hat Macht über ihn, aber er, er hat Macht über sie, seine Frau. Wenn sie mit Honda zusammen sind, fühlt sie, trotz all dem Leder, Hilflo­sigkeit und Unbedeutung. Sie umklammert ihren Mann, umklammert Hondas Leib und überläßt sich den beiden, willenlos, schließt manchmal die Augen, spürt, ohne zu sehen, die kleinen oder heftigen Rucke und Stöße, vorwärts, wenn Honda bremst, rückwärts, wenn Honda beschleu­nigt. Klack, macht ihr Helm, wenn er mit dem ihres Mannes zusammen­stößt, Klack, aber dieses "Klack" ist ein gänzlich vernachlässigbares Ge­räusch, angesichts der Geräusche, die sich Honda erlaubt, wenn sie bremst, wenn sie beschleunigt. Honda legt sich schwingend in die Kurve, links rechts, rechts links, wiegt sich, der Mann führt, er führt gut, be­schleunigt, um Honda nach dem Wiegeschwung wieder aufzurichten, die Frau weiß, was zu tun ist. Einfach mit hinein, mit hinaus, nicht dagegen, sondern mit. Wogegen die Durchführung nicht immer gelingt, die Frau ist klein, sieht nicht über ihren Mann hinweg, linst durchs Vollvisier an ihm vorbei, meistens links vorbei, um die Gegenspur im Auge zu behalten, und die Rechtskurven kommen unvermutet daher, ihr Verlauf ist nicht zu anti­zipieren.

 

Der Mann hat sich einen Wunsch erfüllt, einen langgehegten Wunsch, wie die Frau weiß, einen jahrzehntelang gehegten. Manchmal ertappt sich die Frau bei mißgünstigen Gedanken angesichts dieser Erfüllung, und was ist mit mir? Hege ich selbst langjährig Wünsche und wenn ja, welche? Und deren Erfüllung? Wie langweilig, ach.

Vielleicht sollte die Frau einem Selbsterfahrungsworkshop beiwohnen, um eine eigene Mitte zu erfahren, oder Wünsche, die langgehegt, oder um Sinn und Ziel zu erkennen, oder um nach dem Vehikel zu fahnden, das, wie Honda zwischen die Beine geklemmt, GRUMMMMönönnönnönn Sinn und Ziel überflüssig macht angesichts der Art und Weise der Bewe­gung... wie langweilig.

 

Die Frau des Mannes spürt einen sachten Schwindel. Sie säuft ein biß­chen, seit Honda und überhaupt. Vorwiegend hat sie Angst vor stärkeren Drogen, wie Honda. Und Wein hat so etwas Kultiviertes. Um vom wahren Grund des Konsums abzulenken, kocht sie gern und gut. Hors d´euvres, Fisch, Geflügel, Schweinefleisch (chinesisch), Roastbeef, Käse, Obst; je­der Gang braucht seinen eigenen Wein.

Zwei Gläser Frascati und ein Stamperl Haselnußschnaps, ein paar schmalspurige Tränen und dann plötzlich ein Schwarm Gelsen, aggressiv, die durch Hosen und Pullover stechen und Juckreiz hinterlassen und Lachreiz heraufsteigen lassen aus Bauchregionen, wie auch immer. Dazu Pilze, Eierschwammerl, geröstet, schmale Streifen von überbackenen Serviettenknödeln, goldbraun tröstlich, und ein Hauch von Speck, dazwi­schen hellgrün junger Zwiebel. Und noch ein Gläschen vom nussigen Klaren.

 

Die Frau steht auf und streichelt den Helm, sehnt sich nach Hondas glatter Lederhaut, hält den rechten Handschuh in der schon bekleideten Linken, klatscht damit leicht auf den Schenkel.

So fällt es leicht, Befehlen zu gehorchen, Linksschwung, Rechtsschwung, die Panik ist ins Vergessen getaucht, oder doch zum Teil, weht verwässert hinterher und wartet, bis der Rausch (wie langweilig...) verflogen sein wird.

 

Der Mann liebt seine Frau. Seit Honda hat der Mann kleine Schuldgefühle. Manchmal wirft er seiner Frau Mißgunst vor und Eifersucht. Dann fühlt er sich ein wenig besser. Aber meistens kann er sie vergessen, die kleinen Schuldgefühle.

Das ist ein guter Grund, warum er seine Frau liebt.

 

Seit Honda trinkt der Mann nur noch Fruchtsaft.

Gott sei Dank.

Ich muss ihm das Vergnügen gönnen, denkt die Frau.

Ich muss Honda liebhaben und ihn.

Ich darf keine Angst haben.

Ich muss ganz glücklich sein.

Ich muss mich ganz entspannen.

Ich muss ganz weich sein, mit ihm verschmelzen und mit Honda.

Wir werden durch die Landschaft fliegen, alle drei. -

Es liegt an mir.

 

Oder sollte ich mir, denkt die Frau, einen Liebhaber nehmen, einen dun­kelhäutigen, mit dichtweichem Haar, so wie der Typ da sie hat, der zwei Straßenbahnreihen weiter vorne sitzt, mit leptosomen Schultern und lan­gem, leicht gebeugtem Oberleib im Hemd, einen Liebhaber, der so ganz anders aussähe als mein Mann.

Seit Honda ist die Frau so empfindlich geworden. Als könnten die Gefühle und Gedanken, die sie, meistens nachts, immer öfter aber auch tagsüber, befallen, ihren Mann verächtlich, überlegen rachsüchtig machen.

Häufig steht die Frau vor dem Spiegel und drückt unzeitgemäße Pickel aus. Wenn ich mir einen Hund kaufe, denkt die Frau, dann müßte es ein großer sein, ein ganz großer. Aber lieb. Ein Rüde mit lächelnden Lefzen und nußfarbenen Augen.

Nußfarbene Augen! Wie langweilig. Die Frau zieht sich eine Grimasse. Das Bild im Spiegel ist nicht schmeichelhaft. Sie putzt ihm trotzdem die Zähne.

 

Dabei mag die Frau Hunde gar nicht. Sie fürchtet sich vor Hunden. Auch vor den ganz lieben.

 

2

so ein motorrad ist doch noch kein zureichender grund, man könnte noch ein paar nebenfiguren einführen, der potentielle liebhaber war ja schon ganz brauchbar oder der hund. vielleicht auch ein zweites motorrad, eine bmw, die ein junge ist, ein altes kind aus vergangenen ta­gen, der mann und seine frau suchen in der schuhschachtel, worin sie die fotos aufbewahren, nach dem foto, das den mann auf dieser bmw zeigt, vor genau dreißig jahren, in einem sommer wie diesem, das foto muß doch noch wo sein, schwarzweiß, mit gezacktem rand.

warum sie das nun wieder klein schreibt.

wenigstens macht sie satzzeichen, immerhin satzzeichen, also jetzt kommt nämlich ein einschub politischer art aus den achtundsechzigern, was ein zureichender grund ist für die kleinschreibung, immerhin geht es hier um dinge von gesellschaftlicher relevanz.

andere schreiben auch klein, h.c. z.B oder julian, um nur wenige zu nen­nen, man liest es nicht so locker, das ist der grund, mitarbeiten muß man, ob man will oder nicht, wer nicht will, überschlägt dies vorerst und wartet auf die lesung, da merkt man´s nicht so, allenfalls am stammeln des au­tors, der autorin.

die achtundsechziger also, es gibt ein zweites foto von dem mann aus dieser zeit, da hält er eine gitarre auf dem schoß, hält sie zärtlich und blickt verträumt, das war das andere ego aus dieser epoche, neben der bmw. bmw sollte man nicht kleinschreiben, das sieht doch nach gar nichts aus, allenfalls nach kleinschreibung sieht das aus. der mann trägt eine pilzkopffrisur auf dem gitarrenfoto, auf dem bmw-foto trägt er einen wei­ßen helm ohne hals und vollvisier, das kam erst später. auf dem gitarren­foto sieht der mann aus wie ein früher beatle, ein beatle aus jener zeit, als die beatles noch wie brave buben ausgesehen haben. der mann kann nicht gitarre spielen, aber das sieht man nicht, weil er die gitarre so hält, wie eine gitarre gehalten werden muß, wenn man sie spielen will.

heute gibt es die verschiedensten achtundsechziger:

solche, die desillusioniert sind und abteilungsleiter,

solche, die genug haben vom ficken und der politik und religiös geworden sind,

solche, die nicht genug haben vom ficken und  der politik und religiös geworden sind,

solche, die achtundsechzig gar keine achtundsechziger gewesen sind und immer noch welche werden wollen, um nur einige zu nennen.

was die frau betrifft, so hat auch sie ihre achtundsechzigervergangenheit, aber dafür gibt es keine fotografischen dokumente, sieht man einem nacktfoto ab, das die frau, sie scheint gerade vom frisör gekommen zu sein, vor einem goldgerahmten spiegel zeigt, sie hält die arme vor die brüste und lächelt geheimnisvoll

 

 

3

Motorrad sein ein Glänzend ein Mächtig ein Mittag.

Mottorrad sein ein Schwarz mit Rosa und Silber in Sonne.

Motorrad haben ein Freiheit.

Motorrad brauchen gut Heim.

Motorrad lieben lang Beine in Leder um Leib.

Motorrad sein nicht wendig, entgegen von Annahme.

Motorrad haben kurz Bremsweg, entgegen von Annahme.

Motorrad sein hoch tourig und mütig, sein anders als Auto.

Motorrad liegen gutweich in der Kurve.

Motorrad brauchen gut Saft nach gutweicher Kurve zum Aufstehn.

Motorrad singen lautmonotonisch.

Motorrad mögen nicht Kieselstein.

Motorrad mögen nicht Wasser und Öl.

Motorrad mögen Tage im Mai sonnig und trocken.

Motorrad riechen nach Sperma und Blut.

Motorrad mögen Geruch.

 

 

27.04.2005 um 03:45 Uhr

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von: lilith

 

Neandertaler, Nager, niemand, Nacht, nie, nirgendwo, Nilpferd

 

 

27.04.2005 um 03:19 Uhr

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von: lilith

 

Oliven, Ordnung, Orgie, Ohr, ohne, Ohnmacht, oben

 

 

27.04.2005 um 03:18 Uhr

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von: lilith

 

Packen, Preis, Pacht, Pandabär

27.04.2005 um 03:06 Uhr

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von: lilith

 

Quelle, Qualle, Querelen

 

 

27.04.2005 um 02:49 Uhr

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von: lilith

 

Ruhe, Rabe, Rasse, Reise, Rache, Rübe, rechts

27.04.2005 um 02:47 Uhr

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von: lilith

 

Schwarz, Stadt, Schwein, Suppe, Sahne, Sarg, Sense, Salat, sein, Staub, Schönheit, Schreiben, Sport, Sinn, Saft, Sauerkraut, Stein, Stange

 

Ich bin ein Stein, ein hakenförmiger Stein, der in einen Trichter fällt, ein unwiderstehlicher Sog zieht mich hinunter, passt mich ein zwischen die anderen Steine am Grund des Trichters, haarscharf, Kante an Kante, kein Hohlraum darf offenbleiben.

Wenn eine Lage voll ist, wird die nächste gebaut, wie eine Mauer, jeder Stein hat eine andere Form, aber sie müssen genau ineinander gepaßt werden werden.

Ich werde eingemauert, die Steine fallen von oben auf mich, einer nach dem anderen, jetzt ist auch mein Gesicht schon zugemauert.

 

 

Eine Stange? Eine Stange. Standard, Kurier, Krone. Bittesehr. Die Lose grün, blau, rot, gelb, unter ihrer Plexiglashaube. Leos Blick fällt auf einen hübschen Hintern, von weißen Spitzenstrumpfbändern begrenzt. Oberhalb der Teilungskluft zwei dunkle Grübchen. Linksrechts. Leo klappt die Brieftasche auf. Die Trafikantin sagt immer Herr Reiser zu ihm. Leo hat keine Lust, das Mißverständnis aufzuklären. Alles, Herr Reiser? Leo zögert, mit Blick auf die Lose. Ein grünes, ein gelbes, ein rotes, für Mel, das wär ein Angebot zu Versöhnung und Schmusen, lieber nicht, sonst glaubt sie sich entschuldigt, und im Recht, und will gleich mehr Casino und Spielen und Geld hinaus zum Fenster, und Versprechungen und Liebe oder was sie denkt, daß Liebe. Nein danke. Ich heiß nicht Reiser, der Reiser ist mein Kollege, wir haben den Standard gemeinsam, auf seinen Namen, mein Name ist. Na also, jetzt bin ich nicht mehr der Reiser, schade, irgendwie, Inkognito gelüftet. Die soll sich mal zusammenreißen, Kleinmelchen im Kindergarten, und immer so so so gleich in der Höhe und aufgebracht und emotional und alles auf einmal und reden und schreien und das Zigarettenpackl durchs Zimmer werfen und schlechte Manieren. Und Sexerpressen und Emotionalerpressen. Und den Playboy noch, bitte, unter richtigem Namen diesmal, und Beleidigtspielen und Abweisen und bös schauen und Rotz und Wasser, und das Fernsehen hass ich und das Kabel schneid ich dir noch mal ab, wenn nicht was anderes noch dazu. Und Sexy und Wochenend und die Praline, der Reiser hat heut Geburtstag, sagt Leo, der kriegt die Junggesellenpackung, Computerspiele für Junggesellen, Videoclips für Junggesellen, Zeitschriften für Junggesellen. Na dann alles Gute, Herr Reiser, pardon, Herr. Alles Gute unbekannterweise und viel Spaß. Leo packt die Zeitschriften in die Aktentasche, die sind nicht für Junggesellen, die haben ohnehin ihren Spaß, und unsereins nichts als Heulen und Zähneknirschen.

 

27.04.2005 um 02:43 Uhr

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von: lilith

 

Trost, Tod, Tag, Trog, Traum, Tomaten, Tat, tun

 

traum?

 

Der Traum verzog das Gesicht und grinste schief.

Auf den Hügeln lag es, das Haus, umgeben von königlichen Erlen. Doch rundherum bröc­kelte der Putz. Mauersalpeter hing in den Räumen, die Gänge waren feucht und ver­schimmelt, die Türen hin­gen windschief in den Angeln. Ein kleine Treppe führte hinunter zum Kanal. Ich stieg die Stufen langsam abwärts, als der Traum platzte.

Ich schneide Karotten, Kartoffel und Zwiebel in kleine Stückchen, hacke Petersilie, Kerbel und Knoblauch. Ich würze die Suppe mit Kümmel und Majoran. Die Katze läßt ihre Milch stehen, die Suppe kocht über. Aus allen Türen tönt Musik.

Das Lachen und Weinen der Hunde im Kellerlokal. Glenn Miller. Ein paar Geschoße flo­gen durch die Luft und pfiffen. Die Tür knallte. Ein Metallbolzen drang durchs Auge ins Hirn und trat durch den Hin­terkopf wieder aus. Kellergeschoße spieen Feuer und Rauch, Stockwerke wankten. Der Traum wurde aufgeblasen und platzte erneut.

Der Dachbodenausbau wird subventioniert. Die Tauben turteln tuberkolös. Durch alle Rit­zen und Lu­ken dringt Schwefelgeruch. Ich wate mit bloßen Füßen, atme Ziegelstaub und Cholera. Die Luft singt ein Rascheln ins Ohr. Computermäuse formieren sich, die Tür klemmt. Ich reiße sie aus den Angeln. Die Baustelle wird von Eltern und Kindern bewacht, die Kinder sind mit Schild und Speer bewaffnet und umkreisen die Schächte. Eine ein­same Tür klappert mit ihrer Schnalle. Es liegt ein Schloß in Por­tugal. Ich hab das Schloß zu meinem Schlüssel verloren. Glastüren am Ende des Lebens. Schwere Gänge mit schweren Stiefeln. Der Himmel pinkelt ein Weizenfeld. Durch die maisgelbe Tür dringt kein Laut ins Freie.

Ein einsamer kleiner Hund fraß Zwiebeln mit Speck. Als die Eisentür zufiel, verschluckte er den Napf. Das Kind baute Häuserblöcke, setzte den Hund dazwischen und sagte: Dein Keu­chen gefällt mir nicht. Da ging die Eingangstür, zum wiederholten Mal. Ich hab die Tür­schnalle in meinem Herzen.

Noch eine Runde. Noch eine Runde.

Der Traum schlägt mir seine Faust unter die Gürtellinie. Der Hund kichert. Das Nacht­hemd stammt von der Großmutter, hat ajourgestickte Bordüren und einen Spitzenkragen. Der Hund läuft im Nacht­hemd auf die Straße, umkreist das Haus, den Park, den Wald. Der Wald schreit. Der Mann erscheint am Horizont, bevor er sich langsam in Luft auflöst. Der Wald will eine Schaukel haben. Er reißt sich ein paar Bäume aus und wirft sie in die Sandkiste. Über allen Dächern ist Ruh.

Ich hab die Tür zu meinem Schlüssel verloren.

Einzig das Küchenfenster ist übriggeblieben.