fiktive tagebücher: von lilith

19.06.2005 um 00:56 Uhr

kreative pause

von: lilith

 

bis in drei wochen.

 

danke fürs lesen, lil

13.06.2005 um 02:22 Uhr

rem

von: lilith

 

Die Ameisenkönigin hat heute noch keine Eier gelegt.

Die Ameisenkönigin:

Sie trägt eine Stola aus rotem Samt und ein Glitzertrikot drunter.

Und goldene Stöckelschuhe.

Sie schlägt die Trommel. Ihr Stachel ist aus Platin Smaragd Rubin.

Sie vögelt rumänische Bahnhofskinder. Killerqueen. Ein Prachtweib, sagt der Onkel mit dem Dicken.

 

Möchte in eine Dame verwandelt werden.

Der Preßlufthammer in meinem Kopf.

Eine Rockoper? REM. RAM. ROM.

Remem­ber Memory Read.

 

Ich sitze hier fest, denkt der Prophet. Die Sektenanhänger sind verbrannt.

Die Polizei hat nicht nur Tränengas eingesetzt.

 

Da liegt eine Träne. Wer hat sie verloren?

 

AC/DC Gleichstrom Wechselstrom. Prophetsong.

Who killed Queen.

 

Die Londoner Philharmoniker spielen Queen am Bukarester Bahnhof.

 

Another One Bites The Dust.

Pippi Langstrumpf in Strapsen.

Einen Schwulen aus der Taufe heben.

Mercury fliegt von Mittwoch nach Donnerstag, wo Jupiter haust mit Blitz und Donner. RAP RAP Bibelsprüche werden zu zornigen Metaphern,

Plastikblitze, pflaumenblau, zuc­ken über den Himmel.

Sexy Pippi schmeißt ihr Pferd zum Fenster hinaus, es trägt Doc Martins und eine Baseball­mütze, ein Anarchistenzeichen am Rücken der Bomberjacke. Das Pferd breitet die Flü­gel und hebt ab.

 

Ach Mio. Der blonde Knabe hat einen Auftrag zu erfüllen: Töte ihn. Vernichte das Böse. Ritter Kato aber löffelt Erdbeereis mit seiner eisernen Klaue. Und die Schuh­plattler verlieren ihre Krachledernen einer nach dem anderen.

Nicht abstürzen, Pegasus, rapid, rapid eye movement. Nicht schauen. Nicht genau hinschauen. Zumachen. Abgewöhnen.

Die Ameisen zwischen den Beinen tanzen einen Tango. Infernalisch, das Gedröhn.

Die blaue Stunde hat ein paar Hengste geboren, rote Pferde mit dicken Ärschen.

 

Der Hermaphrodit verteilt Schokoriegel an schlimme Kinder,

Ecke Grenzgasse / Trost­straße.

 

Drei kleine Buben und ein kleines Mädchen reißen Palmersplakate von der Bretterwand. Dann knacken sie einen Kaugummiautomaten. Dann prügeln sie sich. Ret­tet die Gummibärli. Der ro­sarote Panther reitet wieder.

Lachsbrötchenschläger

Schaumspender

der rote Schal ums Kniegelenk leckt Wunden

Salz drauf Salz drauf noch ein Pfeffersong ein Hafersack

der hängt so hoch so hoch und die Butter Butter Butter

Blumen Kupfer Silber Blei

Weihnachtssterne

 

 

 

04.06.2005 um 02:06 Uhr

spuckestreifen

von: lilith

 

kondenzmilchig zerfließt
ein bisschen weiß am himmel

könnte doch einen augenschlag lang
bewegung dauern

 

04.06.2005 um 02:06 Uhr

Text

von: lilith

Jedes Wort ist ein Symbol, jeder Text ist ein Symbol, insofern als das Wort, der Text etwas an­de­res - das Symbolisierte - beschreibt.

Jedes Wort und jeder Text steht aber auch für sich selbst, ist etwas Eigenes.

Schreiben kann bedeuten, "über etwas" zu berichten.

Es kann aber auch bedeuten, etwas völlig Neues entstehen zu lassen, das zunächst noch kei­nem außertextlichen Geschehen verpflichtet ist. Schreiben kann bedeuten, in neue sym­bolische Räume vorzudringen. Beim (literarischen) Schreiben habe ich die Freiheit, zu­nächst alles zu pro­bieren, ich brauche mich an kein Naturgesetz zu halten und auch an kein Gesetz der Grammatik oder Poetik.

 

Das Wort ROT steht für eine bestimmte Farbe. Darüberhinaus gibt Konventionen, die dem Wort noch weitere (metaphorische) Bedeutungen zuordnet, je nachdem, in welchem Zusammenhang es steht.

Schauen wir uns den Symbolgehalt von ROT in verschiedenen Kontexten an: eine rote Ampel bedeutet "Stop" - eine rote Rose (ein rotes Herz) bedeutet Liebe - ein roter Kopf be­deutet Zorn - rotes Blut für Leben, aber auch für Tod und Gewalt ... - rotes Kleid, rote Schuhe, rote Fingernä­gel, rote Lippen (Erotik) ...

Alle diese Bedeutungen des Wortes sind bekannt, sie lösen in den LeserInnen mehr oder weni­ger gleiche Vorstellungen aus.

Was aber ist mit:

roter Kaffee - rote Wiese - bescheidenes Rot - rote Musik?

Hier werden die Vorstellungen, die die Kombinationen hervorrufen, vermutlich vielfältiger sein: Bei "roter Kaffee" könnte man an Rohkaffee denken, aber auch an blutige Unruhen in kaffeeprodu­zierenden Kolonien, zu "rote Wiese" fällt mir Klatschmohn ein, der auf der Wiese in Mengen wächst oder ein Bild, das ein farbenblindes oder originelles Kind gemalt hat, oder ein roter Scheinwerfer, der die Wiese nachts färbt ...

noch ein Schritt weiter:

rotes Laufen - rotspringende Felder - rotsingendes Reh - rotes Atmen ....

Hier taucht das Wort in einem völlig unerwarteten Zusammenhang auf und kann nicht ein­deutig interpretiert werden. Trotzdem versucht die Vorstellung diesem Symbol (Text) ein Symbolisiertes (Wirklichkeit) zuzuordnen. Was könnte ein rotes Laufen sein? Eine Partei­sportveranstaltung viel­leicht? und rotes Atmen? der letzte Seufer des Genossen Stalin? Liebesgestöhn?

Wie man sieht, verläuft hier der Vorgang in der umgekehrten Richtung: Ich schreibe nicht, um ei­ne außersprachliche Realität nachzustellen, sondern ich schaffe eine sprachliche Realität, der die Phantasie eine außersprachliche Wirklichkeit hinzufügen muss.

 

04.06.2005 um 01:35 Uhr

netz

von: lilith

 

der arm

hält das seil
der schaukel
im netz

das kind balanciert
das kind dreht sich
im gitter

sein körper ist gelb

 

04.06.2005 um 01:12 Uhr

lorelei (letzte version)

von: lilith

 

o lei lor mich
so einerlei
lei mir ein or o lor

ein stein so weiß
und ein haar und ein ans
ein haus ist ein haus

kein ort ist weich
täglich harre ich sein
härte und häute mich

flügellos im gewölk
bin ein wortloser sang
und ein morgen so kalt

ein stein ist ein stein
lei mir dein or o lor
o lei lor mich so einerlei