"Eine persönliche Altersvorsorge mit Kindern ist lange passé. Heute hat diese der Staat übernommen. Dazu kommt mein persönlich angespartes Kapital in Pensionsfonds und mein persönlicher Besitz.
Kinder kosten Zeit und Geld, das mir im Alter abgeht. Mir reicht die Steuerlast, die für die Finanzierung von Schulen, Kinderbeihilfen und das Kindergeld aufgebracht werden muss. Ich habe meinen Beitrag geleistet, damit die nächste Generation meine staatliche Pension und einen großen Ertrag für mein Kapital erwirtschaften kann.
Dass die staatliche Pension nach dem Umlageprinzip nun in Schwierigkeiten ist, weil der Generationenvertrag für ausreichenden Nachwuchs nicht eingehalten wurde, ist allerdings unangenehm. Die Frage, ob diese kleinere Generation auch für das ganze vorhandene Kapital eine ausreichende Rendite erwirtschaften kann, wird sich wohl zum Teil durch Transfer ins Ausland lösen lassen. Dort gibt es noch genug Arbeitskräfte. Aber wer wird noch für Nachwuchs sorgen wollen, wenn die Regierung ihre Reformpläne tatsächlich verwirklicht?
Die rapide Erhöhung des Pensionsantrittsalters wird bei der jungen Generation eine hohe Arbeitslosigkeit verursachen. Bei dieser wirtschaftlichen Unsicherheit werden noch weniger Jungfamilien den Mut haben, Kinder zu bekommen. Dazu kommen noch die gewaltigen Pensionseinbußen der Mütter durch die höheren Durchrechnungszeiten: Eltern (und die, die es werden wollen) könnten zum Rechenstift greifen: „Wir haben nicht nur Steuern bezahlt, sondern zusätzlich Zeit und Geld in unsere Kinder investiert. Diese Generation ist lebendes Kapital. Wir wollen auch am Ertrag unseren zusätzlichen Anteil in der Pension - umgelegt nach Beitragsjahren oder Kinderbeihilfenjahren, also nach Anzahl unserer Kinder und Dauer der Ausbildung.“
Mein Pensionsbeitrag, den ich für die Pension meiner Eltern bezahle, würde diesem Argument nicht standhalten. Nicht auszumalen, meine Einbußen bei einer Umlage der staatlichen Pensionsbeiträge der nächsten Generation auf Gesellschafts- und Elternpension entsprechend dem Beitrag am „lebenden Kapital“. Es steht zu befürchten, dass solche unsozialen Vorstellungen weitergedacht werden. Witwenpensionen für kinderlose Paare würden wohl als erstes neu geregelt werden. Man sollte hier rechtzeitig gegensteuern. Alle Pensionisten sind gleich, das steht hoffentlich in der Verfassung. Kinder kosten eben Opfer. Sie als Kapital zu betrachten, finde ich unmoralisch."