Stimmung: genervt...einfach so
Musik: Wir sind Helden
Ich frage mich, ob mich zuerst die Hitze in diesem Zimmer umbringt, die ich nicht rauslassen kann, weil vor dem Fenster eine große, gemeine Spinne sitzt, oder die Fliegen, die rasend schnell mehr werden.
Ich war beim Friseur und liebe die Haare, wie sie jetzt sind, die bezaubernde Friseurin hat am Fenster ihres Mini Coopers ein "Achtung Elch!"-Zeichen und das Mädchen, das mir die Haare gewaschen hat, hat das Wasser über meine Stirn, Augen und Nase in den Ausschnitt und durch das T-Shirt bist zum Hosenbund gespritzt.
Gutgut.  Also, ich habe mir "Quifezit oder eine Reise im Geigenkoffer" von Gion Mathias Cavelty in Wien gekauft. Es war wieder eins dieser 1,50Euro-Bücher, das hier hab ich wegen dem Text hinten drauf gekauft: "Literatur? Ich habe kürzlich eine Molière-Gesamtausgabe zum Preis von 9 Franken gekauft und danach für 17 Franken eine Pizza gegessen. Für den Preis von 90 Pizzas hätte ich also 170 Molière-Gesamtausgaben kaufen können, aber wohin damit?"
Diese Geschichte ist völlig sinnlos, etwa in der Mitte gefällt mir besonders "Die Wissenschaft regiert die Welt. Alles ist erklär- und berechenbar. Etwaige Ausnahmen werden eliminiert." Ausgesprochen wird das von einem Physik-Lehrer, der, unterstützt von einer Horde fliegender Schreibmaschinen, eben versucht, alles Übersinnliche, Seltsame, auszurotten. In dem Moment ist er beinahe fertig, kurz davor, eine "Insel", die eigentlich eine Frau ist, zu vernichten, wird aber von einem sprechenden Pudel, der den Teufel darstellt (haha), namens Dante, aufgehalten.
Das Buch ist absurd, es passiert viel, allerdings ohne Ziel, ohne roten Faden (außer die Verwandlung der riesigen Stachelbeere in ein Sperium, sie hat das Ziel, etwas Leben spendendes zu werden). Dinge passieren, ohne sich auszuwirken, scheinbar wichtige Dinge, die dann einfach nicht mehr erwähnt werden.
Die beiden Bewertungen bei Amazon zu diesem Buch (ich habs ja verlinkt) sind, wie ich finde, ziemlich gelungen, würd also empfehlen, sie auch zu lesen.
Der letzte Satz lautet "Ein außerordentliches Buch. Ich hätte große Lust, es zu schreiben." und ich kann das problemlos erzählen, weil ... es wird in der Story keine Spannung aufgebaut, die man dadurch zerstören kann. Und trotzdem hab ich's genossen, es zu lesen.
Und nun noch was zum Autor, völlig unsachlich, völlig subjektiv. Quifezit erschien 1997, Cavelty war zu dem Zeitpunkt 23. Im Buch ist ein Bild von ihm, auf dem er aussieht wie hier: Foto, viel zu brav für so einen Roman. Aber sind nur Äußerlichkeiten, ich weiß.Â
Seine Homepage, überhaupt alles, wofür er zu stehen scheint, ist hochgradig sinnlos und seltsam. Und das liebe ich. Sein neuestes Buch will die Menschen völlig vom Lesen abbringen, auf der Homepage listet er 80 Metal-Platten aus seiner Sammlung auf. Wunderbarer Mensch.
Ich nehme mir ganz fest vor, mehr von ihm zu lesen.
(Ich hab es vor einigen Monaten gekauft, ich denke, noch im letzten Jahr und nun habe ich es gelesen, was ich deshalb so interessant finde, weil dann erwähnt wird, dass gerade Pfingsten ist (es wird von einem Professor erwähnt, der vom Weltuntergang spricht und der Hauptperson befiehlt, so viel Wissen in sich aufzunehmen, wie möglich, weil nur sie beide gerettet werden sollen...und mit den Worten beginnt er, ein Buch zu
essen). Jaja, weder spannend noch informativ, dieses Detail.)Â
Ich gebe zu, ich würde mir wünschen, ich könnte diese "Rezension" Schwärmerei literarisch wertvoller verfassen, aber kann ich anscheinend nicht. Und wieso sollte der Blogeintrag über ein völlig unsinniges Buch auch innere Ordnung, Höhepunkt oder Ziel haben?
Zum Ende noch ein Helden-Zitat: Vielleicht wärst du Seetang, ich wäre Krill. Wir wären der Seegang und dann wären wir still. Aus "Lass uns verschwinden"Â