Weihnachten also.
So sehr ich asiatisch einfache Schlafzimmer mag, Weihnachten darf kitschig sein. Ich spreche nicht von bunt blinkenden Lichterketten, aber ich spreche sehr wohl von Barockengelchen.
Und deshalb ist der kleine Jesus in der folgenden Geschichte ein lockiges, glucksendes Baby. Jedenfalls in meiner Vorstellung.
Ich wünsche euch allen ein warmes, goldenes, strahlendes Weihnachten oder was auch immer ihr feiern wollt oder den schönsten völlig gewöhnlichen Wochenbeginn des Jahres!
Warum das Christkind lächeln mußte
Als Josef und Maria von Nazareth her unterwegs waren, um in Betlehem anzugeben, daß er von
David abstamme, was die Obrigkeit so gut wie unsereins hätte wissen können, weil es ja
längst geschrieben stand, - um jene Zeit also kam der Engel Gabriel heimlich noch
einmal vom Himmel herab, um im Stalle nach dem Rechten zu sehen. Es war ja sogar für einen
Erzengel in seiner Erleuchtung schwer zu begreifen, warum es nun der allererbärmlichste Stall sein
mußte, in dem der Herr zur Welt kommen sollte, und seine Wiege nichts weiter als eine Futterkrippe. Aber Gabriel wollte wenigstens noch den Winden gebieten, daß sie nicht gar zu grob
durch die Ritzen pfiffen, und die Wolken am Himmel sollten nicht gleich wieder in Rührung zerfließen und das Kind mit ihren Tränen überschütten, und was das Licht in der Laterne betraf, so mußte man ihm noch einmal einschärfen, nur bescheiden zu leuchten und nicht etwa zu blenden und zu glänzen wie der Weihnachtsstern.
Der Erzengel stöberte auch alles kleine Getier aus dem Stall, die Ameisen und
Spinnen und die Mäuse, es war nicht auszudenken, was geschehen konnte,
wenn sich die Mutter Maria vielleicht vorzeitig über eine Maus entsetzte! Nur Esel und Ochs durften bleiben, der Esel, weil man ihn später ohnehin für die Flucht nach Ägypten zur Hand haben mußte,und der Ochs, weil er
so riesengroß und so faul war, daß ihn alle Heerscharen des Himmels nicht hätten von der Stelle bringen können.
Zuletzt verteilte Gabriel noch eine Schar Engelchen im Stall herum um den Dachsparren, es waren solche von der kleinen Art, die fast nur aus dem Kopf und Flügeln bestehen. Sie sollten ja auch bloß still sitzen und achthaben und sogleich Bescheid geben, wenn dem Kinde in seiner nackten Armut etwas Böses drohte. Noch ein Blick in die Runde, dann hob der Mächtige seine Schwingen und rauschte davon.
Gut so. Aber nicht ganz gut, denn es saß noch ein Floh auf dem Boden der Krippe in der Streu und schlief. Dieses winzige Scheusal war dem Engel Gabriel entgangen, versteht sich, wann hatte auch ein Erzengel je mit Flöhen zu tun!
Als nun das Wunder geschehen war, und das Kind lag leibhaftig auf dem Stroh, so voller Liebreiz und so rührend arm, da hielten es die Engel unterm Dach nicht mehr aus vor Entzücken, sie umschwirrten die Krippe wie ein Flug Tauben. Etliche fächelten dem Knaben balsamische Düfte zu und die anderen zupften und zogen das Stroh zurecht, damit ihn ja kein Hälmchen drücken oder zwicken möchte.
Bei diesem Geraschel erwachte aber der Floh in der Streu. Es wurde ihm gleich himmelangst, weil er dachte, es sei jemand hinter ihm her, wie gewöhnlich. Er fuhr in der Krippe herum und versuchte, alle seine Künste und schließlich, in der äußersten Not, schlüpfte er dem göttlichen Kinde ins Ohr.
"Vergib mir!" flüsterte der atemlose Floh, "aber ich kann nicht anders, sie bringen mich um, wenn sie mich erwischen. Ich verschwinde gleich wieder, göttliche Gnaden, laß mich nur sehen, wie!"
Er äugte also umher und hatte auch gleich seinen Plan. "Höre zu", sagte er, "wenn ich alle Kraft zusammennehme, und wenn du still hältst, dann könnte ich vielleicht die Glatze des Heiligen Josef erreichen, und von dort weg kriege ich das Fensterkreuz und die Tür..."
"Spring nur!" sagte das Jesuskind unhörbar, "ich halte stille!"
Und da sprang der Floh. Aber es ließ sich nicht vermeiden, daß er das Kind ein wenig kitzelte, als er sich zurechtrückte und die Beine unter den Bauch zog.
In diesem Augenblick rüttelte die Mutter ihren Gemahl aus dem Schlaf.
"Ach, sieh doch!" sagte Maria selig, "es lächelt schon!"
Diese Geschichte ist von Karl Heinrich Waggerl aus dem Buch "Und es begab sich...", das es in der mittlerweile vermutlich 50. Auflage immer noch gibt, wie ich vorgestern gesehen habe.
Meine Mutter hat mir diese Geschichte vorgelesen, mehr als einmal. Ich weiß nicht, aber besonders gefällt sie mir nicht mehr. Aber der Ochse imponiert mir.
Und für die, die Zeit zum Radiohören haben - ich werd sie mir nehmen ^^ -hier das Feiertagsprogramm von FM4. Da gibt es Weihnachten ohne oder mit nur einem Freund und am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Best Of der Akustik Sessions. Schönschön.