Nicht schön, aber selten

16.05.2007 um 00:45 Uhr

Denke dir einfach, dass du tot bist - die Troerinnen

Die Troerinnen 
(Im Hintergrund die Pansori-Sängerin, ein Schamanisches Ritual im Vordergrund. Der Stoff war in drei Streifen durch den ganzen Raum gespannt , eine Frau verflocht sich selber im Takt der Trommeln)

Die Troerinnen 

Ich wusste nicht wirklich, was auf mich zukommt.
Ich wusste, dass es um die Frauen am Ende Trojas geht, übersetzt, versetzt nach Japan, WWII, Trostfrauen, koreanische Sklavinnen für japanische Soldaten, unendlich oft vergewaltigt.
Ich wusste von der Pansori-Sängerin, Sunsook Kang, wie es ungefähr klingt, dass ich es mag, was es in etwa bei mir auslöst.
Ich hatte keine Ahnung, wie intensiv das wird. Jetzt sitze ich hier, vor dem Gebäude der österreichischen Architekten-Gesellschaft, um auf der Rückseite der Entw.-Psy Unterlagen die Worte in der Sprache festzuhalten, die nun aus mir herauskommt, bevor ich mit jemandem rede und alles verblasst.
Ich habe den Gesang dieser 6 unglaublichen Frauen im Ohr, die zur Darstellung von Männern Handschuhe anzogen und ihre Körpersprache völlig änderten.
Ich würde gern ewig weiter gehen, meine Schritte sind die Trommeln, die die eindringliche, tiefe Frauenstimme in meinem Kopf unterstützen. Nicht ewig, so lange, bis ich es schon wieder vergessen habe.
Das ganze Stück ist auf koreanische. Die Erzählungen der koreanischen Frauen ebenso wie die Textpassagen der antiken Tragödie. Es gibt Untertitel. Oft wirkt die Sprache, von der ich kein Wort auch nur annähernd nachvollziehen kann, wie eine Beschwörungsformel. Alleine die Betonung ist mir fremd. Es ist immer dunkel, düster. Nur einmal werden die Lichter im Hintergrund so blendend, dass man die Hand vor die Augen zieht.
Manchmal wird es mir zu intensiv. Die zuckende Kassandra, das vergewaltigte Mädchen.
Die Gänsehaut, die ich fast die Hälfte der Vorstellung über und nach Verlassen des Hauses habe, die habe ich nicht in den deutlichen Momenten, sondern da, wo es völlig symbolisch und beschwörend wird.
Ich möchte noch 100 Dinge aufschreiben, die mir aufgefallen sind, aber es bringt nichts.
Hier die Standard-Kritik.
Ich werd den Zettel, auf dem ich mit sehr, sehr zittrigen Händen das hier vorgeschrieben habe, in dieser eisigen Nacht, die von Hitze-Perioden eingerahmt wird, um das Programmheft wickeln und aufheben.
Ich bin froh, mich von meinen Begleitern relativ schnell getrennt zu haben.
Heute hab ich mal wieder...Wunder gesehen, passiert nicht oft. Ich habe die Strudlhofstiege zwei mal gesehen, einmal bei Nacht.
Mitten in Wien auf dem Gehsteig kam mir ein Tausendfüßler entgegen.
Ein Busfahrer stupst einen Biker mit dem Bus "vorsichtig" an der Ampel an.
Der Himmel ist rot.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlilith schreibt am 16.05.2007 um 02:25 Uhr:ich hab´s gelesen.
    noch kein kommentar möglich.
    ich les s morgen nochmal. versprochen.
    lil
  2. zitierenrougenoir schreibt am 16.05.2007 um 13:48 Uhr:Das hört sich wirklich sehr sehr beeindruckend an. Schon dein Eintrag hat mich davon überzeugt, das auch sehen zu wollen und seitdem ich gelesen habe, um es der Regisseurin geht weiß ich, dass ich es sehen muss. Ich hoffe sowas wandert auch mal nach hier ...
  3. zitierenrose_of_pain schreibt am 17.05.2007 um 18:25 Uhr:ich bin gespannt

    das freut mich ^^ und...ja...war wirklich beeindruckend...ich hoffe auch, dass es noch wo anders aufgeführt wird...lief hier nur 2 Wochen und wenn das alles gewesen wär, wär das sehr schade

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