Santorini

28.02.2006 um 01:39 Uhr

ankündigung

von: boes

MEIN KÖRPER SCHREIBT
Ein kreativer Workshop für alle, die Freude am Schreiben haben
   


 

Viele Menschen verbinden Schreiben mit der Schule - und nicht immer sind das positive Erinnerungen. In diesem Workshop bekommen Sie zum Schreiben einen völlig anderen Zugang , denn es geht nicht darum, es jemandem Recht zu machen oder um richtig oder falsch. Es geht um die Lust am Ausprobieren, das Entdecken der inneren Kreativität, wie Sie Ihre Gefühle in Worte fassen, im Austausch mit anderen schreiben, sich selbst besser kennenlernen oder einfach ein besseres Gefühl für Sprache und Ausdruck bekommen können. Sich auf diese Weise neue Fähigkeiten anzueignen, steigert das Selbstbewusstsein, schult die Sensibilität für Gefühle, Befindlichkeiten und Zwischentöne und macht einfach auch viel Spaß. Es sind keine Vorkenntnisse nötig!

 

DER WORKSHOP:

Ziel des Workshops ist es, die Freude an der Sprache wieder zu finden mittels spielerischer, experimenteller und kreativer Techniken. Wir arbeiten mit Assoziation, seriellem Schreiben, Dialog, Sprachspiel und Clustern, wir schreiben automatisch, experimentieren mit lyrischen, epischen und dramatischen Gestaltungselementen und lassen unsere inneren Monologe zu fiktiven Geschichten werden.

Um Körper und Geist zu verbinden und unser kreatives Potential zu erweitern, werden wir verschiedene Bewegungs-, Atem- und Berührungstechniken anwenden. Gymnastik, Vokalisierung und Entspannungsübungen bringen die Energie zum Fließen und leiten die einzelnen Schreibsequenzen ein:

  • Übungen aus der Kinesiologie, die das Gehirn stimulieren, die Balance der beiden Gehirnhälften herstellen und die Konzentration fördern
  • Stehen - Gehen - Ankommen
  • Phantasiereise
  • Visualisierung
  • Tier-Übungen aus der Tao-Tradition
  • Mit der linken Hand schreiben
  • Und vieles mehr ...........

 

SEMINARLEITUNG:

Dr. Christine Brauner, Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik. Schriftstellerin, Herausgeberin. Österreichisches Staatsstipendium für Literatur 1994 und 1995. Schreibpädagogin seit 1992. Wissenschaftliche und literarische Veröffentlichungen. Leitung des Lehrgangs Wiener Schreibpädagogik an der Wiener Urania. Mit unseren Gästen schreibt sie bereits die zweite Saison auf Santorin.

 

SEMINARTERMIN / SEMINARDAUER:

25. September - 2. Oktober 2006
Montag ist An- bzw. Abreisetag, Workshop von Dienstag bis Sonntag, insgesamt ca. 4 Stunden täglich, ein Tag steht zur freien Verfügung

 

DER SEMINARPREIS:

Beinhaltet: 7 Nächtigungen mit kontinentalem Frühstück im Doppelzimmer/Studio mit DU/WC, Kochzeile, Telefon, TV, Safe, Terrasse, Flughafentransfer zum/vom Hotel, Begrüßungscocktail, Workshop lt. Beschreibung, €  649,--
Einzelzimmerzuschlag (=Studio zur Alleinbenützung): €  90,--
Begleitperson ohne Seminarteilnahme , Verlängerungswoche bzw. Aufenthalt ohne Seminar im DZ, inkl. Transfer: €  265,--
Verlängerung auf Anfrage (nach Verfügbarkeit) auch tageweise möglich.

 

ANMELDESCHLUSS:

25. August 2006 (Buchungen nach Anmeldeschluss auf Anfrage)
Mindestteilnehmerzahl: 6 Personen, Höchstteilnehmerzahl: 12 Personen

 

BUCHUNG:

Einfach und schnell online



per Fax - Anmeldeformular zum Downloaden
Danach erhalten Sie von uns eine schriftliche Anmeldebestätigung per Post zugeschickt.

 

ANREISE:

Charterflüge ab Österreich nach Santorin können Sie z.B. bei der ATS Urlaubsbörse (Tel: + 43 1 711 88 15, www.urlaubsboerse.at) , im Internet unter www.checkfelix.com, oder in einem Reisebüro Ihrer Wahl buchen. Bitte erkundigen Sie sich vor Flugbuchung, ob noch freie Seminarplätze vorhanden sind!
Info unter: Tel: + 43 664/4022313, e-mail: freizeitakademie@santorin.at.

08.10.2004 um 22:51 Uhr

Mikroerzählungen

von: boes

 

„Haben Sie noch Fragen? Gut, dann fangen sie an.“ Die Studenten bewegen sich kaum, einer blickt verstohlen zum anderen. Die Unsicherheit hängt wie eine Gewitterwolke im Raum.

 

„Jetzt hat er sich schon wieder aufgehängt.“ Nachdem auch der Bretzelgriff nichts bringt bleibt nur noch die Reset-Taste, und dann warten, bis die Kiste wieder hochgefahren ist.

 

„Ich habe mir Griechenland aber schon wärmer vorgestellt.“ Und sie beginnt im Koffer nach dem Pullover zu kramen, den sie eigentlich gar nicht mitnehmen wollte.

 

„Dieses Bild wird sicher meinen Ruhm begründen.“ Gabriel malt seine Signatur in die rechte, untere Ecke, damit auch jeder weiß, wo bei dem neuen Werk oben und unten ist.

 

„Also diese Metallskulptur bewegt mich sehr, sie hat so eine Spannung, die sich in diesen Linien ausdrückt.“ Egon hat seine Stirn in andächtige Falten gelegt – er will auf keine Fall zugeben, dass er das Ding zuerst für Sperrmüll gehalten hat.

 

„Also sonst gönne ich mir ja ohnehin nichts.“ Amalie hat ihren Kaffee mit Saccharin gesüßt um Kalorien zu sparen, da wird sie doch noch ein drittes Stück Torte essen dürfen.

 

„Und das ist die Stelle, an der die Venus von Milo gefunden wurde.“ Die Touristen lauschen andächtig, viele zücken die Kamera und photgraphieren das Loch im Boden.

 

„Das zarte Grün deines Gesichts harmoniert gut mit dem Muster Deines T-Shirts.“ Doch Adi hat keinen Sinn für Humor. Er wankt auf die andere Seite des Schiffes und beugt sich weit über die Reling.

 

 

Charakterbeschreibungen:

 

Gabriel ist schon etwas über 30. Na ja, ein bisschen mehr als etwas. Er beginnt ein Bäuchlein anzulegen und das Haar lichtet sich schon.  Gabriel ist Kunstmaler. Er hat sogar an der Akademie studiert – aber nicht lange und nicht fertig. Doch das wahre Genie gedeiht nicht auf akademischen Boden. Er hat auch noch keines seiner Bilder verkauft, aber so lange seine Freundin ihren Job hat, kann er ganz gut davon leben.

Amalie verrät ihr Alter nicht. Aussehen tut sie, wie gemalt: die Figur von Rembrand, doch das Gesicht eher von Picasso. Amalie hat ein schweres Leben und tut sich selbst oft leid.Ihr Mann hat  so gar nie Zeit für sie, immer läuft er dem Geld nach. Amalie hat oft Langeweile, doch zum Glück hat sie ein paar Freundinnen, mit denen sie einkaufen gehen kann - natürlich nur in den teuersten Geschäften.

(Edgar)

 

06.10.2004 um 23:17 Uhr

Inhalt

von: boes

1 Akrostichon:

Akrostichon Edgar
Akrostichon Franz
Akrostichon Gaby
Akrostichon Renate
Akrostichon Sonja

2 Totemtier

Renate: Der Fliegenkrebs (Kasumbi)
Edgar: LAKA´AKAMA, der Wolfsdelphin

3 Ursprache

Renate
Edgar

4 Innerer Monolog

Am Weg nach Oia (Edgar)
Schiffsfahrt (Sonja)
Sonnenaufgang (Sonja)

5 Erinnerungen und Beobachtungen

Edgar
Renate

 

 

(in Arbeit ...)

 

 

06.10.2004 um 23:11 Uhr

Edgar: Erinnerungen und Beobachtungen

von: boes

 

Ich, vor 10 Minuten:

Ich schreibe an einer Geschichte. Es ist eine sehr durstige Geschichte. Sehr, sehr durstig. Dagegen muss man etwas tun. Also gehe ich in mein Zimmer, gebe etwas Ouzo in ein Glas und fülle mit Wasser auf. Mit Wasser aus dem Kühlschrank – schön kalt. Es ist schon angenehm, wenn man nicht alles selber miterleiden muss, worüber man schreibt.

(Edgar)

 

 

06.10.2004 um 23:09 Uhr

Erinnerungen und Beobachtungen

von: boes

 

Schreib kurze Texte zu folgenden Vorgaben:

 

Ich jetzt

Ich vor zehn Minuten

Ich vor einer Stunde

Ich gestern

Ich vor einer Woche

Ich vor einem Jahr

Ich vor fünf Jahren

Ich vor 20 Jahren

Ich in einem Jahr

Ich morgen

Etc.

 

Beschreib eine konkrete Situation in der Gegenwart.

 

Ich gestern

Ich sitze in der Sonne und lese. Eigentlich habe ich keine Zeit zum Lesen, aber das Buch ist spannend, ich muss es zuende lesen. Es heißt „Böses Blut“. Am Ende wird der Serienmörder nicht gefasst, weil er kein normaler Serienmörder ist, sondern für die CIA arbeitet. Ich bin enttäuscht.

 

Ich vor 15 Jahren

Der Professor heißt Fischer. Freuds gesammelte Werke sind bei Fischer herausgeben worden, fällt mir ein. „Worüber wollten wir uns erhalten?“ „Über Freud.“ „Über Freud! Sehr brav!“

Ich habe Flohbisse an den Fußknöcheln, die höllisch jucken. Die Katze ist verschwunden und hat ihre Flöhe zurückgelassen.

Der Professor unterschreibt schwungvoll mein Zeugnis. „Was haben Sie jetzt vor?“

 

Ich vor 10 Minuten

Ich öffne den Kühlschrank: 1 Bier ist noch drinnen, schön. Ich hole mir ein Glas und öffne die Flasche. Das Bier schäumt über. Ich trage das Glas auf die Terrasse und zünde mir eine Zigarette an.

 

Ich in 9 Jahren

Nico trägt neue Jeans und ein weißes Hemd. Er spuckt einen großen rosa Kaugummi in die Handfläche und platziert ihn im Aschenbecher. Dann macht er sich über seine Pizza Quattro Stazione her. Zur Feier des Tages. Gemeinsam sind wir 70.

(Christa)

 

 

06.10.2004 um 01:21 Uhr

Edgar: Kremalo

von: boes

A                         Endlich ist es vorbei!

MA                             Ich will es haben.

MAL                          Befehl an Picasso

EMAL                        Ein Wort, zu dem mir nichts einfällt, außer Emaille, aber das sollte es nicht sein. Da ich aber die Emaille nicht aus meine Kopf kriege, muss ich hier passen.

REMAL                     Die Umkehrung von MAL. Mit dem Pinsel saugt man die Farbe vom Bild und tut sie wieder auf die Palette oder in die Tube zurück.

KREMAL                  Eine Salbe, die gegen alle Krankheiten hilft.

KREMALO               Name einer Hafenstadt, vielleicht in Frankreich oder in Irland.

KREMALOF             Ein russisches Wort, Name eines Adeligen oder einer Wodkamarke.- die Wodkas sind ja fast alle nach Adeligen benannt.

 

 

 

Wo ist Kremalo?

Ich möchte nach Kremalo fahren. Aber ich weiß nicht, wo Kremalo liegt. Im Atlas habe ich die Stadt nicht gefunden und in meinen Lexikon (Brockhaus, 20 Bände) auch nicht. Aber Kremalo liegt sicher am Meer. Und es hat dort früher Seeräuber gegeben, „die Seeräuber von Kremalo“, klingt doch gut, könnte man einen Romantitel daraus machen.

Am ehesten könnte Kremalo in Frankreich liegen, dort gibt es ein St.Malo, also kann es auch ein Kremalo geben. Oder vielleicht in Irland, dann müsste man es allerdings Kri mel o´ aussprechen, und das gefällt mir weniger. Oder in Italien, da gibt es viele Worte, die auf  O enden. Taranto, Milano, Palermo, Arezzo, Kremalo . . .  würde doch passen. Und wenn es einen Hafen hätte, könnte man „Porto di Kremalo“ dazu sagen.

Aber Städte, die auf O enden, gibt es auch anderswo, Tokyo zum Beispiel. Kremalo in Japan, also dann Kre-ma-lo, na, ich weiß nicht.

Kremalo war früher auch sicher ein unabhängiges Fürstentum. Mit einem Herzog zum Beispiel, Aber „Herzog von Kremalo“, das beisst sich. „Maquis de Kremalo“, nein, besser noch „Marchese di Kremalo“. Und damit ist es klar, Kremalo muss in Italien liegen.

06.10.2004 um 01:01 Uhr

Aufgabe 3: Ursprache

von: boes

 

Erfinde Wörter, indem du, von einem Buchstaben ausgehend, einmal dahinter, einmal da­vor einen Buchstaben hinzufügst:

 

u

ul

rul

rulp

erulp

ierulp

ierulps

 

Assoziiere zu jedem dieser Wörter einen oder mehrere Sätze oder Bilder:

 

u                      Unverständliche Botschaft. Ein Koffer mit Aufkleber.

ul                     Unerschütterlich ruht die Blüte auf hartschaligen Stengeln.

rul                    Der Knabe hat eine gläserne Murmel verschluckt.

rulp                  Die Welpen balgen sich um mütterliche Strenge.

erulp                Sex auf Vulkanen.

ierulp               Der Biertulpe mangelt es an Sinn und Verstand.

ierulps             Da geht es hin.

 

 

Schreibe kurze Prosatexte mit diesem Material.

 

05.10.2004 um 00:16 Uhr

"gute nacht, liebe freunde!"

von: boes

 

(Foto: Franz)

 

04.10.2004 um 23:35 Uhr

Edgar: Totem

von: boes

 

LAKA´AKAMA, der Wolfsdelphin

 

(Eine Wassergefahr – getarnt – der Mythos – allein im Dunkel – Schutz vor den Meeresungeheuern – Kämpfer der Liebe – starke Bindung zur Familie – bererrschende Verspieltheit – offene Stärke – Streuner)

 

Unruhig bewegte Lobo seine Brustflossen. Irgend etwas stimmte nicht. Die Ahnung einer drohenden Wassergefahr zuckte durch seinen Körper von den Lippen bis zur Schwanzspitze. Das Leben war ja nicht leicht für einen Korallenfisch. Früher, als er noch alleine lebte, ein einzelner Streuner im Riff, da musste er nur auf sich selbst aufpassen. Aber jetzt, wo er eine Familie besaß, zu der er eine starke Bindung hatte, war alles viel komplizierter. Zwar wäre er gerne dem Mythos eines Kämpfers der Liebe gefolgt und hätte in offener Stärke allen Gefahren die Stirn geboten, aber als Korallenfisch war er schwächer als alles, was im Riff oder im freien Wasser größer war als er. Und da gab es viele, die größer waren.

Und seine Gefährtin, Baga, war auch keine Hilfe. Die hatte genug zu tun, um den Rest der Familie, immerhin 328 Jungfische,  zusammen zu halten. Wo doch dauernd welche – beherrscht von ihrer Verspieltheit – versuchten, in das freie Wasser hinauszuschwimmen, wo die allergrößten Gefahren lauerten, anstatt im Korallenriff zu bleiben, das einen gewissen Schutz vor den Meeresungeheuern bot.

Da ... plötzlich, ein riesiger Schatten war über ihm. War das ein räuberischer Hai oder ein gefräßiger Delphin? Lobo war das einerlei. Er wollte nur seine Familie dichter in den Schutz des Riffes treiben, wo sie getarnt unter Seeanemonen warten konnten, bis die Gefahr vorbei war. Doch zu spät!!! Eine blendende Helle erfüllte plötzlich die gesamte Umgebung – nur den Bruchteil eines Augenblickes lang. Dann war alles vorüber und der erschreckte Lobo blieb geblendet und allein im Dunkel zurück.

Erich tauchte neben dem Boot auf. Er nahm die Taucherbrille ab und spuckte das Mundstück aus. „Ganz super“ rief er seiner Freundin im Boot zu „es gibt da unten jede Menge Fische und ich habe ein paar tolle Aufnahmen gemacht, mit Blitz natürlich.“ Und er legte die Kamera vorsichtig ins Boot, bevor er selbst über den Rand kletterte.

(Edgar)

 

04.10.2004 um 23:25 Uhr

Aufgabe 2: Totemtier

von: boes

 

Finde zwei Tiere, aus denen du ein (dein) "Totemtier" kreierst: Spinnenwolf, Kranichfuchs, Schlangen­tiger, Katzenschwein, Hasenbär ...

Finde einen dazugehörigen Phantasienamen: Ryjombi, Schakahari, Emuran ...

Finde ein dazugehöriges Symbol.

Schreibe und zeichne Totemtier, Name und Symbol in die Mitte eines Blattes.

(Gemeinschaftscluster.)

Schreibe nun einen Text mit diesem Material.

(Christa)

04.10.2004 um 23:13 Uhr

Mühle

von: boes

 

(Foto: Franz)

 

04.10.2004 um 22:04 Uhr

Akrostichon (Edgar)

von: boes

 

E rde
D onner
G laube
N ordüol
A uge

Es donnert und der Regen fällt,
Der Wind bläst mir ins Auge,
Wann wird die Erde wieder hell?
Am Abend, wie ich glaube.

(Edgar)

Regen prasselt auf die Erde.
Es donnert laut und bedrohlich.
Ich schließe die Augen und glaube es nicht.

(Renate)

Kann ein sehendes Auge gegen einen blinden Glauben donnern
Wie Regen gegen eine harte Erde

(Sonja)

Der Glaube an den Regen
lässt in der Sonne
das durstige Gnu
von weitem den Donner vernehmen,
während es noch traurigen Auges
an den verdorrten Grashalmen
der ausgetrockneten Erde kaut.

(Gaby)

 

 

04.10.2004 um 19:12 Uhr

Der Gehängte (Renate)

von: boes

 

Von einem dicken Ast mitten im Gebüsch hängt ein junger Mann. Er hängt mit dem Kopf nach unten. Sein Knöchel hängt in einer Seilschlaufe. Das andere Bein hat er elegant abgewinkelt über den Schenkel gelegt. Er trägt altmodische Kleidung, so etwas wie ein Faschingskostüm. Den Hofnarren des Königs könnte man sich in einem solchen Gewand vorstellen. Er hat blondes, langes Haar. So sieht der Struwelpeter aus. Der junge Mann hat die Arme verschränkt und wirkt nachdenklich. Jedenfalls sieht er nicht ängstlich aus, auch nicht leidend und schon gar nicht hilflos.

[Tarot-Karte: Der Gehängte]

 

„Was machst du da?“ fragen die Kinder, die rings um ihn herumstehen. „Kannst du nicht runter? Wer hat dich denn da angebunden?“

„Ich hänge freiwillig da, niemand hat mich angebunden, ich selbst war es!“, sagt der merkwürdige junge Mann.

„Und warum machst du das?“ fragen die Kinder erstaunt.

„Weil ich es interessanter finde, die Welt einmal verkehrt herum zu betrachten. So wie ich sie immer sehe, ist es langweilig, es gefällt mir nicht.“

„Na und was ist jetzt anders? fragt eins der Mädchen.

„Ich sehe dich umgekehrt, so siehst du ganz anders aus! Und viele andere Dinge auf dieser Welt stelle ich mir genauso verkehrt vor.“

Das Mädchen tritt vor den hängenden jungen Mann und lacht „Dann könnte ich mir also auch einfach vorstellen, du bist verrückt!“

„Ja genau. Und jetzt stell dir vor, was du einmal werden willst, wenn du groß bist. Vielleicht eine große Erfinderin oder heldenhafte Seefahrerin, die einen neuen Kontinent entdeckt? Und was macht dann dein Bruder? Er bleibt zu Hause und muss warten, ob ihn eine Frau zum Manne nimmt. Er wird die Kinder großziehen und seiner Frau treu dienen.

Stell dir vor, niemand braucht Geld, um irgendwas zu kaufen. Jeder hat alles was er braucht und es ist genug für alle da.

Stell dir vor, in der Wüste beginnt es zu regnen und nach kurzer Zeit gedeiht dort der üppigste Urwald, den du dir vorstellen kannst, anstatt die Urwälder abzubrennen.

Stell dir vor, wir retten nicht Tiere vor dem Aussterben, indem wir sie in den Zoo sperren, sondern geben ihnen einfach ihr Land zurück.

Stell dir vor, das hier ist die wirkliche Welt, außerhalb dieses Baumgürtels ist der Spielplatz für die Erwachsenen.

Stell dir vor, Kinder unterrichten ihre Eltern. Sie erinnern die Erwachsenen an all das Wissen ihrer Kindheit, das sie längst vergessen haben.

Stell dir vor, reiche Eroberer kommen in ein Land und lassen sich von Eingeborenen von einem besseren Leben inmitten der Wildnis überzeugen.

Und stell dir vor, George Bush würde Befehl erteilen, die eigenen Atomwaffen zu zerstören anstatt sie im Irak zu suchen!“

Fassungslos haben die Kinder zugehört. „Das wäre wohl eine absurde Welt“ meint das Mädchen.

(Renate)

 

04.10.2004 um 18:57 Uhr

Innerer Monlog (Edgar)

von: boes

Am Weg nach Oia

Stufe, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, ... jetzt ein Stück Betonweg, der Wind hat schon nachgelassen. Aufpassen, jetzt kommt die Straße und ich muss hinüber. Und jetzt den Weg bergauf.

Schritt, Schritt, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Schritt, Schritt, Stufe, ... Die Sonne ist wirklich warm, gut dass ich etwas auf dem Kopf habe. Drüben sieht man Oia, sehr weiß, sehr blau, sehr griechisch.

Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Stufe, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Stufe, ...  Gestern Nacht haben sie die Kirche da oben mit Flutlicht beleuchtet. Ich weiß nicht, ob mir das gefällt. Sie verkitschen die Insel mehr und mehr zu einem Touristenpark. Ich würde gerne sehen, wie es hier im Winter aussieht, ganz ohne Touristen. Na ja, vielleicht für ein oder zwei Tage, danach wird einem sicher fad.

Diesen Keller dort drüben habe ich früher nicht bemerkt, ist der neu? Hinüber, aufpassen, in dem Gestrüpp gibt es sicher Dornen ... oder Stacheln. Wie komme ich jetzt auf den Unterschied zwischen Dornen und Stacheln, komisch.

Autsch! Das war so etwas, Dorn oder Stachel.

Der Keller sieht neu aus, auf alte Art gebaut aber neu. Merkwürdig, eine Säulenbasis, vielleicht auch ein verkehrtes Kapitell, und ein Säulenfragment. Wie kommt das her? Und hinten ist eine Art Apsis gegraben, als ob hier jemand eine Kapelle errichten wollte. Lustig, wie sich das Muster meiner Schuhe im Staub abdrückt. Daneben gibt es Muster von anderen Schuhen, typischen Arbeitsschuhen mit großen Stollen. Meine Schuhe sind phantasievoller. Ich möchte einen kompletten Abdruck hinterlassen, von der ganzen Sohle – nein, das war nichts, da ist es zu uneben. Der ist jetzt besser. Na gut, mehr gibt es nicht zu sehen. Also zurück zum Weg. Achtung auf Stacheln, respektive Dornen.

Stufe, Schritt, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Schritt, Schritt, Schritt, Stufe, Schritt, Schritt, Schritt ...  Hier hat man sogar die Kanten der Stufen mit weißer Farbe markeirt. Sehr aufmerksam. Ja, aber nur die paar Stufen bis zur Kirche, den Weg hinunter nach Oia nicht. Also aufpassen, die Nase immer zum Boden zeigend. Santorin ist eine Insel auf der es sich empfiehlt auf den Weg zu achten. Zu viele Stufen und Schwellen und Steine. Ich habe zwar Pflaster mit, aber es muss ja nicht sein.

Der Weg zielt genau zum Kirchturm. Wie in Wien, wenn man auf der Reichsbrücke fährt und den Turm vom Stephansdom genau vor sich hat. Ich habe geglaubt, unten in der Caldera ist es windstill und das Wasser ruhig. Ja, dicht unter mir schon, aber weiter draussen rennen die Schaumkronen um das Kap bei Oia und brechen sich dann erst am Ufer von Nea Kameni. He, da fährt ein Segelboot, Zweimaster, ein Schoner, aber ohne Segel. Sieht aus, als ob er von Fira in die Bucht von Nea Kameni will, mal sehen.

Na bitte, jetzt wird der Weg mühsam. Etwas für Ziegen oder Steinböcke – a ja, der Steinbockbiber von gestern – oder war es ein Bibersteinbock? Da unten gibt es noch ein Boot, aber Motorboot, das fährt natürlich dort, wo das Wasser ruhig ist. Und was macht der Schoner. Ja, fährt wie erwartet in die Bucht.

Menschen gibt es auch. Ein Pärchen kommt mir entgegen. Ich höre besser zu schreiben auf und tue auf unauffällig. Sieht doch blöd aus, wenn man wandert und gleichzeitig schreibt. „Hallo“ sage ich, ich weiß ja nicht, welche Sprache die sprechen und Hallo passt immer. Die Antwort - nur vom Mann – klingt wie „oao“. Das kann alles bedeuten.

Hinter Oia fährt ein großes Schiff, eine Fähre vorbei, Richtung Nordost. Sieht ganz friedlich und ruhig aus, ist auch weit weg. Aber der Wind ist auch wirklich deutlich schwächer geworden – jetzt habe ich es verschrien, da ist wieder eine Bö.

Der Weg da ist wirklich mühsam, zu viele lockere Steine, zum Schreiben muss ich stehen bleiben. Schreiben UND gehen geht nicht. Wie würde das Sonja machen, mit umgehängten Laptop? Nein, da sieht man den Weg noch weniger.

Das sind große Steinbrocken, fast so groß wie ich. Das muss ein Schauspiel gewesen sein, wie der Vulkan die hierher geschleudert hat. Irgendwie habe ich den blöderen Weg erwischt, der da unten ist viel leichter. Kommt davon wenn man schreibt und nicht aufpasst. Also Achtung, jetzt geht es steil bergab. Die Abdrücke meiner Schuhsohlen im Staub kenne ich ja schon.

Was ist denn das für ein Gebilde? Rechts eine Mischmaschine, aber das links? Aha, da hat sich jemand einen Sitzplatz betoniert. Betonplatten auf Natursteinsockeln. Komplett mit Tisch und Kapelle.

Kapelle? Blödsinn, das ist keine Kapelle sondern ein übermauerter Grillplatz. Kaum sehe ich einen Bogen, denke ich an eine Kirche. Ist aber ganz hübsch. Grillen und Essen mit Aussicht auf den Abgrund.

Ups! Da haben sie mir ein Gitter mitten in den Weg gelegt. Sieh mal an, dieses Hotel hat überhaupt viele Tischchen und Bänkchen in genau dem gleich Stil gegenüber an den Rand der Caldera aufbetoniert. Und in den Hotels zeigt sich niemand. Gestern am Abend war der Platz mit Touristen besiedelt. Die haben sich anscheinend alle verkrochen. Noch im Bett – nein, es ist fast Mittag. Die sitzen vielleicht alle schon vor der Schüssel.

Jetzt wird der Weg staubig. Und ein Segelboot! Eine richtige kleine Segelyacht – wie es sich gehört unter Segeln – in der Caldera. Da will jemand nach Oia. Wackelt ziemlich. Der segelt nicht, der fährt unter Motor gegen Wind und Wellen und hat nur Stützsegel oben, damit er nicht gar so schaukelt. Hilft aber nicht viel. Das sind so die Schiffsbewegungen, bei denen man das Frühstück verkehrt herum isst.

Und wer kommt da? Die Fähre von vorhin. Die will gar nicht nach Nordost, sie hat nur die Ecke gerundet und fährt jetzt nach Fira. Aber die wackelt nicht, die fährt so ruhig, wie wenn sie unter Wasser Eisenbahnschienen hätte.

Wozu braucht die Wasseraufbereitungsanlage Natriumsulfat? Da stehen große, offene Säcke mit dieser Aufschrift. Das reicht als Abführmittel für ganz Griechenland – so verstopft kann doch niemand sein. Daneben Säcke, wo „Titan“ draufsteht. Das ist offenbar nicht das Metall, sondern ein Firmenname. Und in den offenen Säcken ist Sand, die haben einfach alte Säcke verwendet und wollen etwas betonieren oder verputzen.

Der Friedhof da unten ist mir noch nie aufgefallen. Sieht hübsch aus, mit den phantasievollen Grabsteinen und Kreuzen. Und endlich wieder ein schöner, glatter Weg. Der Segler dürfte es inzwischen auch in den Hafen geschafft haben, dort sehe ich nicht hinein.

Dieses Schwimmbad hinter dem Hotel ist verlockend. Das Wasser sprudelt so laut, dass man richtig Lust bekommt, hineinzutauchen. Und daneben braten drei Touristen in der Sonne. Die Dame dort hinten sollte man bald wenden, sonst brennt sie an.

„Kallimera“. Jetzt probiere ich es auf griechisch und bekomme ein doppeltes Kallimera zurück, von zwei Wanderern, die mir entgegen kommen. So, da ist die Windmühle und jetzt muss ich auf die Straße. Da höre ich lieber auf zu schreiben, bevor mich so ein Vehikel über den Haufen fährt.

(Edgar)

 

30.09.2004 um 00:38 Uhr

ich warte

von: boes

auf weitere texte ...

 

26.09.2004 um 01:07 Uhr

christa

von: boes

(foto: franz)

 

25.09.2004 um 01:42 Uhr

erna

von: boes

(foto: christa)

 

24.09.2004 um 09:47 Uhr

franz!

von: boes

F euer
R auch
A berglaube
N üchtern
Z orn

Voller Zorn
seh` ich ins Feuer !
Ich spüre den Rauch
auf nüchterner Haut.
Aber glaub' nicht,
daß ich geträumt habe !


 

22.09.2004 um 22:52 Uhr

Akrostichon: Christa

von: boes

 

Der eigene Vorname wird von oben nach unten geschrieben.

Nun bildet man mit jedem Buchstaben ein Wort (Haupt- oder Eigenschafts- oder Zeitwort).

Christbaum
Rabe
Igel
Schnee
Trüffel
Affe

 

Daraus ein kurzes Gedicht:

 

Ein Rabe im Schnee
schmückt den Christbaum mit Trüffeln.
Ein Affe schaut zu.

(Den Igel hab ich mir erspart.)

 

 

 

22.09.2004 um 22:34 Uhr

erleuchtung

von: boes

 

(franz)